Schon mal bei Zarens zu Besuch gewesen? Wir. Heute Mittag. In Alexanders Angelhütte. Wobei man das Wort „Hütte“ nicht wörtlich nehmen sollte.

Auf seinen Wunsch hin wurde dem Zaren im benachbarten Finnland dieses Fischerhaus gebaut, in dem er gemeinsam mit seiner Familie dem harten Hofleben in St. Petersburg entfliehen und das Angeln, Holzhacken, Kochen und die Gesellschaft der anderen genießen konnte.
Von den sprudelnden Stromschnellen vor seiner Haustür heißt es, dass es sich hier um die besten Lachsangelplätze Finnlands handelte.

Die festliche Einweihungsparty der Fischerhütte fand am 15. Juli 1889 statt. Zu den Gästen gehörten die Königin von Griechenland und die Herzogin von Edinburgh. Im Gegensatz zu uns reiste der Zar in der Regel nicht auf dem Land-, sondern auf dem Wasserweg in der Segelyacht seiner Gemahlin an, verbrachte die Tage im rustikalen Ambiente seiner Fischerhütte und zog sich abends angeblich in den vertrauten Luxus seiner Yacht zurück.
Von hier ist es nicht weit bis Kotka, wo im Hafen der älteste Eisbrecher der Welt, die Tarmo, liegt.

Fast wird er verdeckt von einem spektakulären Neubau, dem Merikeskus Vellamo. Wie eine gigantische Welle erhebt sich das Meereszentrum, in dem verschiedene maritime Museen untergebracht sind, im alten Hafen.


Nach einer intensiveren Stadtbesichtigung steht uns heute nicht der Sinn. Bei dem herrlichen Wetter zieht es uns wieder in die Natur. Der jüngste finnische Nationalpark Valkmusa hält einen freundlichen Rundweg durch Wald und Moor für uns bereit.

Für den Abend und die Nacht zieht es uns an die Küste. Die Spitze einer schmalen Halbinsel 20 Kilometer vor Porvoo haben wir als Tagesziel auserkoren. Und sind ein weiteres Mal hin und weg. Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir uns ja wieder an einem See wähnen. Aber es ist die Ostsee, die hier eine Vielzahl von Inselchen birgt. Kanadagänse und Kraniche sehen und hören wir. Lange unterhalten wir uns am Ufer noch mit Hans, der in Franken geboren und aufgewachsen, aber als junger Mann bereits nach Finnland emigriert ist. Seit über 30 Jahren lebt er hier, zuerst in Helsinki, seit ein paar Jahren hier auf dem Land. Wie eng man hier mit der Natur lebt, schildert er anschaulich. Sehr eindrucksvoll zum Beispiel die Geschichte vom Elchbullen, der denselben Badestrand nutzt wie er.

