Selbstverständlich pfeifen die höflichen und freundlichen Thai niemandem hinterher. Auf den Klongs aber, den Kanälen, die die Stadt durchziehen, verständigen sich die Bootsführer und das Personal am Anleger damit. Mal sind nur ein, zwei schrille Pfiffe auf einer Pfeife zu hören, dann wiederum ertönt eine ganze Melodie. Der eine pfeift: „He, Käptn, ich hab Passagiere für Dich! Komm her!“, der andere antwortet: „Komme!“ und später „Jetzt aber dalli! Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Los, schnell, nehmt die Seile, vertäut den Kahn!“

Wir fahren mit der Fähre von Chinatown zum Wat Pho, der leichte Wind erfrischt uns, wir umgehen den Stau auf der Straße und der Spaß kostet nur einen Euro für uns beide.
Eigentlich wollten wir heute Vormittag gar nicht nach Chinatown. Das stand erst für heute Abend auf der Liste. Aber der Zufall wollte es anders. Unser Plan nach dem Aufstehen und ein paar Bahnen im Pool ist, im Bahnhof Hua Lamphong, dem früheren Hauptbahnhof, Tickets für unsere Fahrt am Sonntag nach Ayutthaya zu besorgen. Auf unserem gestrigen Spaziergang hat uns Ajeet angesprochen, der, wie er uns freudig erzählt, seit 36 Jahren als Lehrer arbeitet und auch schon mal in Berlin war. Als er hörte, dass wir übermorgen nach Ayutthaya wollen, zeigte er sich besorgt: es ist Feiertag und Wochenende und womöglich ist der Zug voll. Also auf zum Bahnhof.

Doch die Dame am Schalter beruhigt uns: Es fahren ganz viele Züge dorthin und wir sollten einfach eine halbe Stunde vor Abfahrt vorbeikommen. Vorher buchen kann man den normalen Zug eh nicht. Dann ist das geklärt und wir können uns wieder mal der Aufgabe widmen, ein Café fürs Frühstück zu finden. Wir mäandern durch die Straßen und kaufen erstmal frische Ananas, schön in Häppchen geschnitten. Achim kriegt natürlich auch was ab.

Dann finden wir ein Café. Sticky rice with mango steht auf der Speisekarte und bald vor uns auf dem Tisch. Das sieht nicht nur wunderschön aus sondern schmeckt auch fantastisch.

Bei Google Maps sehen wir, dass der nächste Kanal nicht allzu weit weg ist und wir mit dem Boot zu unseren Sehenswürdigkeiten fahren können. Wir machen uns auf den Weg und stehen plötzlich vor diesem Torbogen.

Das Chinatown Gate ist das prachtvolle Eingangstor nach Chinatown und schon sind wir mittendrin im Gewusel.

Ein paar Straßen weiter stoßen wir auf eine Fotoausstellung. 49 Bilder von Bangkoker Fotographen über dieses Stadtviertel werden an den Hausmauern gezeigt.

Den richtigen Pier zu finden, ist nicht ganz einfach, aber wir bekommen freundlich Auskunft durch die Einheimischen, die wir fragen.
Nur noch ganz knapp freundlich ist die Dame, die wir im Wat Pho nach dem Kunstwerk von Louise Bourgeois fragen: „Das gibt es doch nicht. Sie sind heute mindestens die Zehnte, die mich danach fragt!“ Aber dann erklärt sie uns, wo wir dieses Werk der französisch-amerikanischen Künstlerin finden: „Hinter dem liegenden Buddha beim großen alten Baum“. Im Rahmen der Biennale Bangkok Art 2024 werden die „Eyes“ noch bis Februar gezeigt (und sind ziemlich schlecht ausgeschildert).

Nun aber zu DER Attraktion im Wat Pho, dem 30 Meter langen liegenden blattgoldenen Buddha. Wow.

Der gesamte Wat provoziert ein einziges Erstaunen: die Größe der Anlage, die Vielfalt und Schönheit der Tempel.

Wir genießen diese besondere Umgebung, bis es für den Königspalast zu spät ist. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.
Den heutigen beenden wir in der berühmten Khao San Road, früher eine Straße, in der sich die Rucksackreisenden trafen, heute eine Touristenmeile mit Fressständen, lauter Musik, Freiluftmassage und ganz viel Marihuana.


Nichts für uns. Zu laut, zu voll. Wir ziehen uns in eine Seitengasse zurück, trinken ein Bier und essen Reis. Ich liebe es, wenn ich höre „You want lice?“ (Sorry, politisch bestimmt nicht korrekt, aber ich freue mich wirklich jedes Mal. Weiß auch nicht, warum.)

Weniger heiter sind wir auf dem Heimweg. Die zahllosen Menschen, die entlang der Hauptstraße übernachten, stimmen uns nachdenklich. Obdachlose, keine Touristen, die sich das Hotel sparen wollen. Sie liegen auf dünnen Matten, neben sich ihr kleines Hab und Gut. Direkt daneben fahren die Autos auf der achtspurigen Straße. Gestern Abend war es die Vielzahl an Prostituierten, die uns ins Auge stach. Frau um Frau saß auf den niedrigen Mauern, die die Bäume entlang der Hauptstraße umfassen. Einzeln oder in kleinen Gruppen. Sie waren gar nicht besonders hergerichtet, nicht provokant gekleidet. Sie schminkten sich, rauchten, verhandelten mit den Freiern. Wo all diese Menschen wohl tagsüber sind?
