Ab auf die Insel

Viel geschlafen habe ich letzte Nacht nicht, obwohl die Fahrt recht komfortabel war. Die Sitze waren bequem und man konnte sie weit zurückstellen, fast darauf liegen. Es gab Wasser, ein süßes, weiches Brötchen und eine Decke. Aber ein Bus ist nunmal kein Zug, der immer schön geradeaus fährt. Ein Bus schaukelt und schlingert, er vibriert, knirscht und knattert. Der Fahrer brettert durch die Berge, legt sich in die Kurven, bis wir in der zweiten Nachthälfte flacheres Terrain erreichen und er den Highway runterdonnern kann. Kopfkino von Busunfällen versuche ich auszuschalten. Ich angele mir Achims Decke und versuche, wieder einzuschlafen. Um halb fünf erreichen wir den Busbahnhof in Bangkok und es gibt erstmal einen Kaffee.

Mitten in der Halle sind ein Informationsschalter sowie verschiedene Ticketschalter untergebracht. Hier bekommen wir unsere Fahrkarte nach Siracha am Golf von Thailand. Der Bus geht um halb sieben. Die Fahrt dauert zweieinhalb Stunden (mindestens eine davon durch Bangkok), dann sind wir am Golf von Thailand. Aber noch nicht am Ziel.

Der Busfahrer übergibt uns nahtlos an einen Tuktuk-Fahrer, der uns an den Pier bringt. Unser Schiff auf die Insel Sichang liegt schon dort. Es fährt aber erst in einer Dreiviertelstunde, so dass wir Zeit genug haben, noch einen Kaffee zu trinken.

Um zehn geht es an Bord. Der Blick zurück zeigt die Skyline von Siracha.

45 schaukelige Minuten später erreichen wir die kleine Insel, auf der wir die nächsten vier Tage verbringen wollen.

Am Anleger erwartet uns der Besitzer von Sichang My Home, bei dem wir einen kleinen Bungalow gemietet haben.

Er liegt nicht am Strand sondern mitten im Ort in einem großen Garten mit vielen Bäumen. Umlaufend ist ein Freisitz, den wir sicherlich ausnutzen werden in den nächsten Tagen. Jetzt aber erstmal duschen, frische Klamotten anziehen und dann mal schauen, wo wir etwas zu essen finden und wie es am Strand aussieht.

Erstmal gibt es nur eine Cola, weil auf der ganzen Insel der Strom ausgefallen ist. Dafür aber mit toller Aussicht auf das petrolfarbene Wasser.

Was wir schon sagen können: Diese Insel ist sehr untouristisch. Einerseits suchen wir genau das, andererseits sind wir erstmal irritiert, weil es keinerlei Angebote gibt, keine stylischen Cafés oder Restaurants, keine Touristinfo mit Touren hierhin oder Ausflügen dorthin. Das meiste ist in Thai beschriftet. Aber wir werden uns hier schon noch einleben und alles erkunden.

Ein Mittagessen, einen Besuch in der Wäscherei, einen Nachmittagsschlaf später laufen wir zum höchsten Punkt der Insel. Vorbei an unserer Wäsche, die an der Straße zum Trocknen hängt.

Viele, viele Stufen erklimmen wir…

… werden mit prächtiger Aussicht belohnt…

… suchen auf 196 m Höhe einen Geocache – ohne ihn zu finden…

… und erleben einen gigantischen Sonnenuntergang.

Beim Abendessen denken wir darüber nach, warum uns diese Insel nicht spontan anspricht. Sie ist kein tropisches Idyll mit Palmen und langen Sandstränden. Hier wird nichts präsentiert, nichts aufgehübscht. Stattdessen bekommen wir einen Einblick ins Alltagsleben, sehen, wie sehr Privat- und Geschäftsleben ineinander fließen: im Erdgeschoss fast jeden Hauses wird etwas verkauft, hergestellt oder eine Dienstleistung angeboten. Derselbe Raum wird für die Zubereitung der Mahlzeiten, fürs Essen, für das Treffen mit Familie und Freunden, für die Hausaufgaben der Kinder, für deren Spiele genützt. An vielen Ecken wirkt die Szenerie etwas verlottert, nicht weil Abfall rumliegt sondern irgendwelcher Kram. Es gibt keine ansonsten in Thailand üblichen und auf uns Ausländer so idlisch wirkenden Nachtmärkte. Keine walking streets. Thai-Massage? Fehlanzeige. Hier wird einfach gelebt.

Aber die Leute sind freundlich zu uns. Vielfach ertönt ein „Suatika!“ oder „Hello!“ aus den Häusern, wenn wir vorbeigehen. Wer Land und Leute kennenlernen will, ist hier richtig.

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