Weiter Weg zur Kunst

Wir haben gestern beim Abendessen schon geknobelt, wie wir am besten ins MOCA, ins Museum of Contemporary Art kommen. Wie man es dreht und wendet, es ist fast 20 Kilometer nordöstlich von uns und dauert eineinhalb Stunden. Achim hatte schon vorgeschlagen, einen Scooter zu mieten, aber dazu bin ich zu ängstlich. Ich will doch meine schönen Erinnerungen an unsere entspannten Fahrten in den Bergen, am Fluss und auf der Insel nicht trüben. Ein Taxi kostet etwa 20 Euro, verhältnismäßig viel also. Und wir haben doch Zeit. Die Variante mit dem Boot klingt zudem verlockend.

Sehr verlockend ist auch das Frühstücksangebot in der Konnichipan bakery: Sandwiches mit Hummus (meine Wahl), Lachs, Mozzarella-Schinken, Croissants mit und ohne Schokolade und viele andere Köstlichkeiten. Ein ununterbrochener Strom an vor allem jungen Reisenden schiebt sich in das Café, das gar nicht so viele Tischchen und Höckerchen hat, um allen Platz zu bieten. Deshalb räumen wir unseren Sitz auch gleich nach dem letzten Happen.

Es hat bereits 29 Grad, die vorhergesagte Höchsttemperatur liegt heute bei 35! So heiß haben wir es bisher nicht erlebt, denn als wir hier ankamen, waren es immer so um die 26, 27 Grad und auf der weiteren Reise ebenso oder deutlich kühler. Jetzt müssen wir schwitzen und da ich weiß, dass ich nächste Woche frieren werde, beschwere ich mich nicht darüber. Auf dem Boot weht ein leichtes Lüftchen und da kann man es gut aushalten.

Das Museum of Contemporary Art ist ein privates Museum, das der Geschäftsmann Boonchai Bencharongkul im Jahr 2012 eröffnete. Es ist eins der größten Museen für zeitgenössische Kunst in Asien und zeigt eine eindrucksvolle Sammlung von Bildern berühmter thailändischer Malerinnen und Maler. Bencharongkul wurde 1954 geboren, ist mittlerweile millionenschwer und hat nicht nur das Museum gegründet, um dort seine umfangreiche Sammlung zu präsentieren, sondern auch die DTAC, Thailands drittgrößte Telefongesellschaft.

Obwohl das Museum sehr abseits liegt, ist es gut besucht. Im Café erholt sich gerade eine Schulklasse, in der Ausstellung sind Einheimische und Touristen, wiederum in erster Linie junge Menschen, unterwegs. Auf fünf Stockwerken und 20 000 qm werden vor allem zeitgenössische Kunstwerke aber auch alte Volkskunst wie Masken oder Schattenspielfiguren gezeigt.

Wir sind hin und weg von der Vielfalt der zeitgenössischen thailändischen Kunst, die wir im MOCA kennenlernen dürfen.

Nicht weit von hier ist die Kasetart-Universität. Hier findet diese Woche eine „grüne“ Messe statt. Die Uni hat die älteste landwirtschaftliche Fakultät des Landes. Was uns aber vor allem herlockt ist das riesige Food Festival, das im Rahmen der Ausstellung stattfindet. Und wir werden nicht enttäuscht. Ein Stand reiht sich an den anderen. Manches (er)kennen wir, vieles nicht. Wir probieren uns durch, essen Tamarinden, Tofu, Fleischbällchen, die ich für Kartoffeln hielt, Erdbeeren und trinken Chrysantemensaft. Den krossen Schweinenacken und den rohen Fisch lassen wir liegen.

In manchen Bereichen werden Pflanzen, in anderen dies und jenes vom Allzweckreiniger bis zur Zahnbürste verkauft. Immer mehr Menschen strömen aufs Gelände. Jetzt gesellen sich die Studentinnen und Studenten dazu. Ich habe gerade ein dickes Kokoseis in der Hand, als mich ein junger Mann fragt: „You wanna drink gay?“. Ich gestikuliere bedauernd, dass ich gerade keine Hand frei habe zum Trinken mit ihm und wünsche ihm stattdessen alles Gute.

Wir sind ja schon im Museum etliches gelaufen und nun auch nochmal, jetzt sind wir erschöpft und die Füße tun mir weh. Wir lassen uns auf einen letzten Snack (Spiegelei auf Reis an Huhn) nieder und treten den Rückweg zum Pier an.

Aber oh weh! Das letzte Boot fuhr um Sechs! Jetzt ist es Sieben. Da bleibt nur der Bus. Schade. Geht zwar genauso schnell, ist aber nur halb so idyllisch.

Wir sind jetzt so erledigt, dass wir im 7/11, der (immer) auf dem Weg liegt, ein Bier kaufen und dann nur noch einen Absacker vorm Hotel trinken.

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