In den Abruzzen

Abruzzen bedeutet so viel wie “schroff” oder “abschüssig”, was perfekt zu den hügeligen Gegebenheiten vor Ort passt. In den Nationalparks hier sind Braunbären, Wölfe, Gämse und Adler angesiedelt. Heute sitzen wir sicher im Auto. Morgen wird die Sache schon anders ausschauen…

Zunächst aber schauen wir uns L’Aquila, die Hauptstadt der Abruzzen, an. Bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 am 6. April 2009 wurden Teile der Innenstadt zerstört; über 300 Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Der Wiederaufbau verläuft schleppend und zieht sich bis heute hin.

Trotzdem gefällt uns die hübsch ins Bergland eingebettete Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten wie Palästen, Innenhöfen, Plätzen und Gotteshäusern.

Auf dem Domplatz

Altstadtgasse

Mittelalterliche Burg

Die Stadt hatte in den Jahren vor dem Erdbeben einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Als Universitätsstadt bot sie ein pulsierendes, kulturell reichhaltiges Leben. Regelmäßig fanden Jazzkonzerte und Theateraufführungen statt. Der amerikanische Pianist Arthur Rubinstein nannte L’Aquila „Salzburg der Abruzzen“.

Nach langer Lähmung (der Wiederaufbau wurde erst 2018 begonnen) und intensiven Renovierungen ist L’Aquila langsam auf dem Weg der Besserung. Nächstes Jahr wird sie italienische Kulturhauptstadt sein.

Auch heute begegnen uns auf Schritt und Tritt interessante Ausstellungen, zum Beispiel entlang eines Bauzauns Fotografien der hiesigen Fotografin Amalia Sperandio (1854 – 1948). Ein Bild zeigt die Kathedrale, die seit dem Erdbeben geschlossen und immer noch eingerüstet ist.

Die Fontana delle 99 Cannelle (Brunnen mit 99 Wasserspeiern) hat sie auch fotografiert.

Achim auch:

Beim Bummel durch die Gassen stoßen wir auf einen kleinen Palazzo, in dem eine ortsansässigen Künstlergruppe ihre Werke ausstellt. Wir werden herzlich begrüßt.

Im MAXXI wird zeitgenössische Kunst groß geschrieben.

Unser Liebling trägt den Titel: Onion Orion.

Bei unserer wohlverdienten Kaffeepause merken wir, dass wir schon in Süditalien sind (wenn auch gerade soeben): Im Kiosk gibt es Arancini, die typischen gefüllten und dann frittierten Reisbãllchen, und im Café Cannoli mit Ricottafüllung und Pistazien.

Am Nachmittag setzen wir unsere Fahrt durch die Abruzzen fort, einhundert Kilometer nach Süden.

Wir fahren wieder über eine kleine kurvige Straße, haben spektakuläre Ausblicke aufs Gebirge, Schnee auf der Straße und kommen durch wunderhübsche Bergdörfer.

Noch sind die Abruzzen nicht so berühmt wie etwa die Toskana oder die Marken. Womöglich ändert sich das jetzt und nicht nur wir, sondern auch viele andere Cineasten pilgern nun nach Pescasseroli.

Unter anderem hier wurde der neue Film von Riccardo Milani „Willkommen in den Bergen“ („Un mondo a parte“) gedreht. Nachdem er 40 Jahre lang im Großstadtdschungel von Rom unterrichtet hat, zieht der Grundschullehrer Michele Cortese (Antonio Albanese) in ein idyllisches Dorf im Herzen des Nationalparks der Abruzzen mit 1800 Einwohnern, um an einer winzigen Schule mit nur einer Handvoll Schülern im Alter von sieben bis zehn Jahren zu unterrichten. Im tiefsten Winter fährt er auf Sommerreifen durch die Berge zu seiner neuen Schule, bleibt stecken, draußen heulen die Wölfe…

Heute Abend knurrt weder Bär noch Wolf, nur unsere Mägen. Das Dorf schauen wir uns morgen an. Und wenn das Wetter einigermaßen okay ist, unternehmen wir noch eine Wanderung.

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