Am Morgen schaut es schon ganz anders aus.

Der Regen hat sich verzogen, die Sonne scheint. Leise klettere ich aus dem Bus. Während die anderen noch schlafen, mache ich einen Spaziergang zum Torre Mileto.

Fürs Frühstück setzen wir uns an den Strand. Bei 15 Grad ist das fein. Auch wenn die Sonne manchmal gegen die Wolken verliert.



Heute ist offenbar Aprilwettertag.
Nach einem kurzen heftigen Schauer trauen wir uns auf die Räder und machen uns auf den Weg. Wir fahren entgegen dem Uhrzeigersinn, das heißt rechts von uns ist das Meer, links die Lagune bzw. der Lago di Lesina. Immer wieder erhaschen wir zwischen den Häusern hindurch einen Blick auf’s Wasser, der Duft von Orangenblüten bezirzt meine Sinne.

Doch die Idylle ist trügerisch. Riesige Pfützen müssen durchpflügt werden. Balance halten und Beine hoch, dann geht’s schon.

Und am Straßenrand liegen Berge von Müll rum. Als ob jemand ausgezogen ist und die Überreste auf die Straße gekippt hat.

Der Asphaltweg endet hinter einer Brücke. Wie geht es weiter? Räder drei Stufen hochtragen, über einen Pfad durch eine Wiese radeln, vorbei an einem Auto- und einem Rinderskelett.



Dann wird es sandig. Sehr. Sandig. 15 Kilometer lang sandig. Rutschen, Luft anhalten, wackeln, den Lenker umklammern. Schieben zwischendurch. Aber keiner fällt hin.


Dass rechts von uns das Meer ist und links von uns die Lagune sieht man meistens nicht. Der Damm ist dann doch breiter als es auf der Karte aussieht. Wir haben aber eh kein Auge dafür. Volle Konzentration aufs Festhalten des Fahrrads.

Irgendwann ist auch das geschafft und wir wenden unsere Räder nach Süden, nach Lesina, ins Café. Danach wird es tiefenentspannt. Ein asphaltierter (asphaltierter!) Feldweg. Auf den Äckern wächst frisches Gemüse, grüner Spargel wird gerade gestochen, wir pflücken Rosmarin fürs Abendessen und klauben Fenchel auf, der nicht abgeerntet wurde.


Und schwupp sind wir am Ziel. 65 Kilometer sind wir geradelt, müde und zufrieden entdecken wir, dass die Bar am Strand noch auf hat. Es dauert nur ein Getränk, schon geht die Sonne unter.


