Zum Ätna

Schwimmen gehen? Geht heute Morgen. Der Wind hat sich gelegt, das Wasser ist recht glatt und nicht zu kalt. Wenn wir uns in die richtige Richtung drehen, können wir den Ätna sehen.

Mit seinen 3400 Metern ist er der höchste aktive Vulkan Europas. Im Juni 2013 hat die UNESCO ihn in die Liste des Weltnaturerbes aufgenommen. Heute wollen wir uns seine Nordseite anschauen. Über eine kleine kurvige Straße fahren wir an der Ostflanke entlang. Die Fahrt ist erstmal ein bisschen abenteuerlich. Die Wohnbebauung hält lange an und wir passieren etliche sehr enge Ortsdurchfahrten. Dann stehen wir vor einer Straßensperrung und müssen uns eine neue Route suchen. Es geht sehr steil hoch, im ersten Gang. Und der Ätna hat sich zurückgezogen. Je näher wir ihm kommen, um so mehr zieht er die Vorhänge zu.

Auf einmal jedoch geht der Vorhang auf. Nicht der des Ätna sondern der für den italienischen Liedermacher Lucio Dalla. Der sitzt im Bergdorf Milo  mit seinem Freund und Kollegen Franco Battiato am Flügel. Battiato stammt aus der Gegend, genauer gesagt aus Catania, der Bologneser Dalla war regelmäßig in Milo zu Besuch, wie mir der Barista, bei dem wir Kaffee trinken, erzählt. Als ich ihm gestehe, dass ich ein großer Fan von Dalla bin, aber Battiato gar nicht kenne, ist er entsetzt: „Der ist viel berühmter als Lucio Dalla!“

Trotzdem bekommen wir vier Kaffee und drei Küchelchen. Für 8,50 Euro.

Kurz danach stoßen wir auf die ersten Lavafelder. Beidseits der Straße türmen sie sich auf.

Während in den unteren, sehr fruchtbaren Regionen Zitrusfrüchte, Oliven, Feigen, Wein, Mandeln und Pistazien gedeihen, wachsen in den mittleren Höhen, etwa ab 1500 Metern, Mischwälder mit Eichen, Birken und eher wenigen Kiefern.

Wir halten immer wieder an, um ein wenig Spazieren zu gehen, zu schauen, zu fotografieren. Dann entdecken wir einen Hinweis auf eine Höhle. Ein Schild erklärt, dass hier früher Schnee für den Sommer gehortet wurde. Ein überregionaler Kühlschrank quasi. Da kraxeln wir mal runter.

Während die uns umgebende Natur heute ihre mächtige, bedrohliche Seite zeigt, ist es die menschengemachte Kunst, die für friedliche, kreative Momente sorgt. In der Ätnagemeinde Linguaglossa gibt es ein Museum, in dem Werke der beiden Maler Francesco Messina (1900 – 1995) und Salvatore Incorpora (1920 – 2010) ausgestellt sind.

Messina wurde hier geboren, stellte bereits mit 22 Jahren auf der Biennale in Venedig aus und erhielt mit 34 den Lehrstuhl für Bildhauerei in Mailand.

Mir gefallen besonders seine Aktmalereien, männliche und weibliche, bei Frauen wurde er insbesondere von Tänzerinnen inspiriert, erzählt uns der junge Mann, der uns durch die Ausstellung führt.

Incorpora begann sein Kunststudium nach dem zweiten Weltkrieg in Neapel, zog dann nach Linguaglossa und begann hier zu unterrichten und künstlerisch zu arbeiten. Er behält den kleinen Ort am Fuße des Ätna zeitlebens als seine Basis, während er in Italien und Europaweit ausstellt.

Für uns gibt es also zwei spannende Künstler in Linguaglossa zu entdecken, allerdings keinen guten Platz zum Übernachten. Deshalb fahren wir ein Stück raus aus der Stadt in die Berge und finden glücklicherweise mal wieder einen Traumplatz. Allein, nur von Landschaft umgeben, mit Blick auf den Ätna samt Vollmond.

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