Von Agrigent ist es ein kurzer Abstecher nach Norden, wenn man zu den Schlammvulkanen von Maccalube will. Wollen wir, denn ein solches Naturphänomen hat uns vor Jahren schon einmal in der Nähe von Baku fasziniert. Unser Reiseführer warnt uns allerdings: „Die Aktivität der Minivulkane scheint Schwankungen ausgesetzt zu sein, manchmal zeigt sich das Gelände fast ausgetrocknet, manchmal sprudeln die Vulcanelli geradezu.“
Vor Ort sehen wir, dass das gesamte Gebiet eingezäunt ist und auch den Grund dafür erkennen wir.

Am 27. September 2014 kam es hier zu einer Tragödie: Die 7jährige Laura Mulone und ihr 9jähriger Bruder Carmelo wurden durch die außerordentliche Explosion eines der Schlammvulkane getötet.

Heute ruhen die Vulcanelli, die auch Goethe auf seiner Italienreise besucht hat. Sie sind eingebettet in eine liebliche Landschaft, wellige Hügel, gelbe Weizenfelder und viele Blumen, vor allem weiße Schafgarbe und violette Flockenblumen.

Achim lässt seine Drohne steigen. So bekommen wir einen kleinen Einblick.



Ein wenig traurig verlassen wir das Gebiet. Das Schicksal der Kinder und ihrer Eltern geht uns nahe.
Eine andere Besonderheit der Gegend hier ist die Scala dei Turchi, die türkische Treppe. Wir wenden den Bus, fahren zurück nach Agrigent und dann noch vier Kilometer weiter bis ans Meer.
Die strahlend weißen Kalksteinklippen thronen hoch über dem türkisblauen Meer. Ihre schräg horizontal verlaufenden Riesenstufen erinnern tatsächlich an Treppen. Ihren Namen hat sie angeblich von den sarazenischen Piraten, im Volksmund Türken genannt, die hier an Land gegangen sein sollen.

Skurril auch die andere Geschichte, die ich im Internet gefunden habe: Vor drei Jahren war in der Süddeutschen Zeitung zu lesen: „Klippe in Italien. Elon Musk, bitte kaufen Sie!“ Ferdinando Sciabbarrà, 74, zumindest teilweise Besitzer der türkischen Treppe, wollte sie der Gemeinde Realmonte vermachen, gratis. Doch die mochte das Geschenk nicht annehmen. Auch die Region winkte ab. „Ferdinando Sciabbarrà hat das Theater satt, er will die Klippe jetzt versteigern, möglichst noch vor dem Sommer, wenn wieder viele Touristen vorbeischauen werden, denn bei Problemen würde er persönlich haften. Am liebsten hätte er, wenn der Unternehmer Elon Musk, die Treppe kaufen würde, heißt es in der Zeitung. „Wir werden als erstes Musk anfragen“, sagte er laut SZ.

Nun, daraus ist glücklicherweise nichts geworden. Die Scala dei Turchi gehört nun der Öffentlichen Hand und das gehört sich doch auch so, oder?

Heute fahren wir nicht mehr weit. An einem Brunnen auf der Strecke füllen wir unsere Trinkwasservorräte auf.

Bald danach haben wir an einem weiten Strand ein schönes Plätzchen für den Rest des Tages und die Nacht gefunden. Es ist sehr windig, aber wir drehen den Bus aus dem Wind und können noch lange bei geöffneter Tür dem Rauschen des Meeres lauschen.


