Im Flussbett der Kunst

Nach der Geburt nochmal im Mutterleib gewesen? Wir ja, bei unserem Besuch der Arianna vor ein paar Jahren. Und heute.

Der italienische Künstler Italo Lanfredini schuf im Bett des Flüsschens Tusa diese begehbare Spirale, die den Mutterleib symbolisieren soll. Du betrittst sie durch eine riesengroße Vulva und kannst dann einen Kilometer durch die Spirale, den Mutterleib, hindurchlaufen. Ein sehr schönes Gefühl.

Als erstes Kunstwerk der Serie Fiumara d’Arte, Flussbett der Kunst, ließ der Kunstmäzen Antonio Presti 1986 ein schwarz-weißes, 18 Meter in den Himmel ragendes Bauwerk von dem sizilianischen Maler und Bildhauer Pietro Consarga errichten. Wie von einem Bilderrahmen wird es jetzt von der später gebauten Autobahn eingerahmt. Es ist ein Denkmal für Prestis Vater, dessen Erbe ihm wohl das Mäzenatentum ermöglichte.

Heute wollen wir von einem Kunstwerk zum anderen fahren. Der Weg führt durch die Berge im Hinterland von Cefalu und gibt immer wieder Blicke auf Dörfer weit oben frei.

Eine vom Wind aufgebauschte blaue Welle bringt die Kraft des Mittelmeeres hoch hinauf in die Berge. Energia Mediterranea wurde 1989 von Antonio di Palma geschaffen und liegt oberhalb des Bergdorfes Motta.

Wir fahren zurück ins Tal, um sogleich den nächsten Bergrücken zu erklimmen. Manchmal sind wir nicht sicher, ob der Camper genügend Platz hat oder ob er die steile Straße bewältigt.

In einer Kurve stoßen wir auf die „Kurve, die auf die Schulter der Zeit geworfen wurde“ (Una Curva Gettata Alle Spalle Del Tempo), nein ich verstehe diesen Titel auch nicht. Aber es sieht interessant aus.

Was hat Antonio Presti für seine Kunstinstallation gekämpft! 25 Jahre lang gegen Bürokratie und mafiöse Strukturen. Immer wieder wurde ihm gedroht, dass er die angeblich illegal errichteten Kunstwerke abreißen müsse. Erst 2006 wurde der Park Fiumara d’Arte als kulturelle Touristenroute anerkannt und seine Skulpturen erhielten endlich das Recht auf Schutz.

Heute ist der Weg zu allen Kunstwerken gut ausgeschildert, die Route wird auch Via della Bellezza, Straße der Schönheit, genannt. Und es gibt sogar eine Polizeistation, die kunstvoll mit Kacheln geschmückt und Teil des Projekts ist.

Unser letztes Kunstwerk für heute steht unten am Meer: Monumento ad un poeta morto. Der Maler Tano Festa entwarf eine Skizze des Denkmals, das seinem Bruder Francesco Lo Savio gewidmet ist, und Presti beschloss, es in monumentalen Ausmaßen an der Strandpromenade in Margi zu errichten. Das Denkmal wurde von der Bevölkerung in Fenster zum Meer“ umbenannt und 1989 eingeweiht.

Wir sind jetzt müde, es ist inzwischen acht Uhr geworden, die Fahrt war anstrengend, die Eindrücke intensiv. Gleich in der Nähe finden wir ein Plätzchen am Meer. Der Sonnenuntergang lässt nicht lange auf sich warten.

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