Trutziges Tropea und kunstvolles Cosenza

Um viertel nach Sechs ist es vorbei mit der Idylle. Der Balkenmäher übertönt das Meeresrauschen und den Grashalmen neben unserem Bus wird der Garaus gemacht. Um sieben sind sie dann wohl kurz genug. Das war unsere Nacht auch.

Frühstück gibt es mit Aussicht.

Beim vorletzten Happen kommt der Fischverkäufer mit dem gestern Abend bestellten Thunfisch vorbei. „Aus dem Meer! Ganz frisch aus dem Meer!“, lockt er. Der Fisch sieht gut aus und 15 Euro fürs Kilo sind ein fairer Preis.

Dann schauen wir uns die Stadt an, an deren Strandpromenade wir genächtigt haben: Tropea, imposant auf einem Felsen über dem Meer thronend.

Sehr malerisch liegt das Kirchlein Santa Maria dell’Isola auf einer Klippe vor dem Zentrum der kleinen Stadt.

Die Stadt selbst, so trutzig sie auf dem Fels liegt, ist hell und heiter. Touristen flanieren, shoppen, sitzen im Café. Ein schöner Urlaubsort.

Ein Stück weiter die Küste entlang nach Norden haben vor langer Zeit schiffbrüchige Matrosen ein Gelübde abgelegt: „Wenn wir diesen Orkan überleben, bauen wir hier, wo wir mit unserem kaputten Schiff an Land gespült wurden, eine Kapelle.“ Das war im 17. Jahrhundert, heute gehen wir über Treppen von der Straße zum Strand hinunter und sehen die in den Felsen gehauene Kapelle Piedigrotta.

Etwa 200 Jahre später erweiterten ortsansässige Künstler die Grotte stufenweise mit Spitzhacke, Stemmeisen und Hammer, schufen so drei kleine Kirchenschiffe und viele Statuen und Szenen aus der Bibel.

Unser heutiges Tagesziel ist die Stadt Cosenza, etwa 80 Kilometer nördlich von hier im Landesinneren gelegen. Hier gibt es wieder viel Kunst im öffentlichen Raum. Die aus Cosenza stammende Familie Bilotti hat der Stadt ihre Sammlung von Werken internationaler Künstler geschenkt, die in der Fußgängerzone, dem Corso Mazzini, aufgestellt wurden.

Wir spazieren durch dieses Freilichtmuseum und entdecken einen Teil der insgesamt 20 Werke. Leider fehlt an etlichen Kunstwerken die Beschilderung, so dass ich nicht immer weiß, von wem es ist und wie die Künstlerin oder der Künstler das Werk nennt.

Cosenza wurde während des zweiten Weltkriegs stark zerstört, was man an der Architektur der Fußgängerzone deutlich spüren kann.

Aber sie ist belebt, viele Einheimische sind hier unterwegs.

Ob dieses Kunstwerk das kostbarste ist, weiß ich nicht, aber es ist ein echter Salvatore Dalì.

Zum Schluss besuchen wir noch die Altstadt von Cosenza, im 4. Jahrhundert v. Chr. durch den Volksstamm der Bruttii gegründet.

Im Jahre 410 soll Alarich, der König der Westgoten, hier nach der Plünderung Roms gestorben und mit seiner Beute im Flussbett des Busento begraben worden sein. August von Platen schrieb 1820 darüber die Ballade „Das Grab im Busento“ (Danke für den Hinweis eines aufmerksamen Lesers).

Nächtlich am Busento lispeln, bey Cosenza, dumpfe Lieder,
Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder!

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