Es knirscht – gewaltig!

Nicht zwischen uns, auch nicht zwischen uns und Italien, sondern zwischen unseren Bremsbelägen. Schon seit vorgestern Nachmittag. Aber gestern war Sonntag, da haben auch in Italien die Werkstätten zu. Und heute ist Feiertag. Nationalfeiertag. Gut, dass wir am Morgen noch nicht wissen, dass die knirschenden Bremsen zu den kleineren Problemen des heutigen Tages zählen.

Auf Großstadt haben wir keine Lust mehr, sei sie auch noch so schön. Deshalb bringen wir uns schon mal in die Pole-Position für eine Autowerkstatt, in der wir morgen Früh unsere Bremsen anschauen lassen wollen. Der Weg aus der Stadt heraus ist stressig. Alle zieht es ans Meer.

Wir steuern den ersten Campingplatz an. Den gibt es nicht mehr. Kommen an einem Schild vorbei, bremsen, biegen ab: „Wir haben nur noch Bungalows und akzeptieren keine Camper mehr“.  Weder bei Maps noch bei Park4Night sind hier in der Gegend Stell- oder Campingplätze verzeichnet. Nur ein Lido, also ein bewirtschafteter Strandabschnitt neben dem anderen, zu denen die Roller und PKW aus dem Großraum Neapel heute am Feiertag strömen.

Um in Ruhe unsere Lage zu überdenken, steuern wir einen nahegelegenen Parkplatz bei einem archäologischen Park an, Achim verfährt sich – und wir landen auf einem großen ruhigen Parkplatz an einem Rudersee, Lago di Patria, See des Vaterlands wörtlich übersetzt. Das passt doch zum Nationalfeiertag.

Unverhofft kommt oft – der alte Spruch bewahrheitet sich einmal mehr. Hier bleiben wir.

Wir essen noch eine Kleinigkeit, sehen uns im Internet nach weiteren Werkstätten in der Nähe um und holen schließlich die Räder vom Ständer und starten zu einer kleinen Radtour um den See.

Gleich beim ersten Café halten wir an. Restaurant und Cafeteria steht draußen dran. Drinnen gibt es keinen Kaffee, dafür aber Kaffeeeis bei 100 Dezibel Loungemusik. Die Leute um uns herum trinken fröhlich ihren Alkohol und fahren dann mit ihren Autos und ihren Rollern weiter.

Wir steigen schon bald wieder auf unsere Fahrräder. Der Eishappen ist rasch gelöffelt und die Musik doppelt zu laut. Eine Weile geht die kleine Straße am See entlang, dann stößt sie auf die große und wir teilen uns das Terrain mit vielen Ausflüglern im Auto. Doch Hilfe naht: „SUISSE Café“ steht in großen Lettern am Straßenrand. Drunter: „Pasticceria“. Unser Lieblingswort in Italien. Und ja, hier sind wir richtig. Das Angebot ist so vielfältig und groß, dass wir uns fragen, wer das denn alles essen soll. Gerade werden zwei neue große Torten zu den etlichen bereits vorhandenen in die Kühlung gestellt. Im großen Garten sind wir die einzigen Kunden.

Der archäologische Park nebenan ist wohl nicht nur vorübergehend geschlossen. Es gibt keine Hinweisschilder mehr, keinen Eingang, alles ist eingezäunt. Dabei sind hier noch die Überreste der antiken Stadt Liternum zu sehen, leider nicht mehr zu besichtigen.

Dann eben nicht, fahren wir halt an den Strand. Zwischen all den Lidos mit Liegestühlen, Sonnenschirmen und lauter Musik gibt es ein knapp fußballfeld großes Fleckchen mit einem spiaggia libera, einem kostenlosen Fleckchen zum Sonnen und Schwimmen. Mit uns sind ein paar Familien und einige Pärchen dort. Ein Fischer bietet seine Meeresfrüchte zum Kauf an. Mit einer Trillerpfeife kündigt sich der Eismann an und ist schnell von großen und kleinen Schleckermäulern umringt. Das Wasser ist warm genug, dass wir beide (!) schwimmen gehen.

Gegen Sechs radeln wir zurück zum Bus und sind gespannt, ob die Camper, denen wir vorhin den Tipp mit unserem Parkplatz gegeben haben, sich zu uns gesellt haben. Haben sie. Sie stehen direkt neben uns. Ich gehe rüber zum Hallo-Sagen und werde recht aufgeregt begrüßt. Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Die Beiden hatten sich gerade neben uns gestellt, als sie sich wundern, dass jemand in unserem Bus auf dem Fahrersitz sitzt. Seltsam. Ob wir zu Dritt unterwegs sind, überlegen sie. Petra ist das nicht geheuer. Auf unserer anderen Seite steht ein schwarzer PKW dicht an uns dran, sieht sie, als sie um unseren Camper rumgeht. Sie steigt sogar aufs Mäuerchen und schaut in unseren Bus. Niemand zu sehen.

Ein Bild des möglichen Täterautos mit der Dashcam von Petra und Reinhard aufgenommen

Das alles erzählen sie uns aufgeregt, als wir ankommen. Schnell schauen wir nach: Achims Kameratasche liegt auf dem Boden zwischen den Sitzen, meine Handtasche samt Portemonnaie, die Tablets, die Ferngläser, alles DA! Nichts geklaut. ABER: Die Abdeckung vom Zündschloss finde ich auf dem Boden im Bus. Sprich: der Dieb hat versucht, das Auto zu starten und ist wohl durch Petra gestört worden! Draußen am Türschloss sieht man auch Einbruchsspuren.

Wir können es gar nicht fassen, was für ein Glück wir gehabt haben! Lange noch besprechen wir mit Petra und Reinhard den Vorfall, dann fahren wir zur nächsten Polizeistation. Um zu erfahren, dass wir morgen Früh um Acht wiederkommen sollen, um unsere Anzeige aufzugeben. Pünktlich. Da haben wir ja morgen einen vollen Terminkalender.

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