Polizei, Werkstatt und viele bemalte Häuser

Das war ohne Übertreibung die schlechteste Nacht dieser Reise. Bis in die frühen Morgenstunden kamen Autos auf unseren Parkplatz, drehten eine Runde, stoppten kurz, fuhren wieder weg. Um Drei kam auch mal die Polizei vorbei, aber das hat uns auch nicht wirklich beruhigt. Natürlich waren wir um Sieben, als der Wecker klingelte, im Tiefschlaf. Pünktlich um acht standen wir dann vor dem Polizeirevier, um unsere Anzeige wegen des versuchten Autodiebstahls aufzugeben.

Es dauert zehn Minuten, bis ein zuständiger Beamter uns am Eingang abholt und mit in sein Büro nimmt. Verschwenderisch ist man nicht bei den Carabinieri. Altes, einfaches Mobiliar, die Höhe des Bildschirms wird durch einen Bücherstapel reguliert, der Drucker ist in einem der Nebenräume. Mit meinem nicht sehr guten Italienisch gelingt es mir, den Sachverhalt zu schildern. Ob ich dabei so erschöpft wirke? Jedenfalls kommt der Kollege vom Nachbarschreibtisch rüber und schenkt uns vier Bonbons.

Wir erfahren außerdem, dass er aus Sizilien kommt, aus Bronte, der Pistazienstadt, und er von seinem Küchenfenster aus viele Ätnaausbrüche beobachtet hat.

Unser Sachbearbeiter stammt von der Insel Ischia und hat einen Freund, der seit 20 Jahren in München lebt. Sehr nett plaudernd hangeln wir uns durchs Protokoll, bis ich schließlich meine Unterschrift darunter setzen kann. Mit vielen guten Wünschen für eine sichere Weiterfahrt werden wir entlassen.

Nun steht der zweite Tagesordnungspunkt an: die Werkstatt.

Der beginnt gemütlich im Café nebenan, denn wir müssen ein halbes Stündchen auf Giovanni, den Besitzer, warten.

Giovanni kommt, guckt und diagnostiziert: der Bremsbelag ist alt und muss ersetzt werden. Er hat ihn leider nicht auf Lager, bestellt ihn und um halb drei können wir wiederkommen, dann wird sofort repariert.

Bis dahin gehen wir einkaufen, schauen uns die Wallfahrtskirche Santuario di Mia Madonna e Mia Salvezza an, die durch ihre Bauweise in Form einer Jurte auffällt und suchen uns ein ruhiges und schattiges Plätzchen für unsere Siesta.

Unter den Bäumen bei der Kirche finden wir es.

Das Café neben der Werkstatt kennen wir ja schon und um 16 Uhr ist alles erledigt.

Noch zu Hause hatte Achim ein Ziel ausgemacht, das ganz hier in der Nähe ist und das wir jetzt ansteuern: Valogno, das Dorf der Kunst.

Die Geschichte von Valogno hätte wie die vieler anderer italienischer Dörfer verlaufen können: sehr klein, unbewohnt und zunehmend verlassen und unbekannt. Dank des Projekts von Giovanni Casale, der aus Rom in sein geliebtes Dorf zurückkehrte, um den visionären Traum des „Risveglio di Valogno“, des Erwachens, zu verwirklichen.

Vor etwa 15 Jahren gründete er gemeinsam mit seiner Frau Dora einen Verein. Sie knüpften Kontakte zu lokalen und nationalen Künstlern und es gelang, den Fassaden von über 40 Häusern mit Wandmalereien und Kunstinstallationen neues Leben einzuhauchen.

Das Dorf hat sich im Laufe der Jahre zu einer Kunstgalerie entwickelt. Tatsächlich kehren nicht nur Auswanderer für den Urlaub zurück, sondern auch Touristen wie wir, einfach neugierig, kommen hierher und bummeln durch die Gassen wie durch ein Bilder- oder Märchenbuch.

Zu den bedeutendsten Wandgemälden zählen das Frida Kahlo gewidmete, welches in riesigem Format am Eingang des Ortes zu finden ist, und der Lebensbaum in Weiß, Blau und Gold, vor dem es ein gutes Omen ist, sich etwas zu wünschen. Das tun wir nach den gestrigen Erlebnissen ganz besonders gern.

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