Wolkig bis heiter – Weserradweg, Tag 2

Der Wetterbericht hatte uns schon vorgewarnt, dass es heute Vormittag regnen würde. Um kurz nach Vier wurde ich das erste Mal wach, als der Wind durch die Baumwipfel tobte und der Regen aufs Zeltdach trommelte. Ich hörte noch das Halbfünf-Läuten, der Regen nieselte nur noch leicht und schläferte mich wieder ein.

Um kurz vor Sieben bin ich wieder wach. Ich habe gut geschlafen, kein Wunder bei der riesigen Luftmatratze, die ich durch die Gegend fahre. Einziges Problem ist die Unterlage für den Kopf, denn zusammengelegte Kleidung ersetzt doch kein vernünftiges Kissen. Aber diese Reise dient ja auch dazu, meine Komfortzone mal für ein paar Tage zu verlassen.

Gerade will ich aufstehen, da fängt es wieder an zu regnen. Na gut, dann bleibe ich noch liegen und lese.

Bei der nächsten Regenpause schäle ich mich aus dem Zelt. Wir sind allein auf dem Platz und dürfen, so der alte Herr, der uns gestern Abend empfangen hat, gern die überdachte Terrasse eines der abwesenden Dauercampers für ein Frühstück im Trockenen benutzen.

Um kurz vor Zehn brechen wir auf. Das Zelt kommt nass in die Packtaschen, das muss heute Nachmittag trocknen. Es regnet gerade nicht, aber vorsichtshalber packe ich mich regenfest ein.

Erster Stopp nach wenigen Kilometern ist die Klosterkirche in Lippoldsberg, ein Muss, wie Freund Michael sagt. Das harmonische, komplett erhaltene romanische Ensemble, in dem über 500 Jahre Benediktinerinnen lebten, beeindruckt auch uns.

Bad Karlshafen, Flusskilometer 45, ist  im Stil des Weserbarock  mit symmetrisch angelegten Straßenzügen in weiten Teilen eindrucksvoll erhalten. Als Hauptbau macht sich, direkt am historischen Hafenbecken gelegen, das ehemalige Pack- und Lagerhaus (heute Rathaus) mit mächtigem Walmdach und zentralem Dachreiter bemerkbar; es wurde 1715 bis 1718 erbaut und diente dem Landgrafen bei Besuchen als repräsentative Unterkunft.

Dann kommt die Sonne raus und es gibt Kaffee und Kuchen bei strahlendem Sonnenschein.

Wir radeln 20 Kilometer weiter bis Höxter, eine weitere farbenfrohe Fachwerkstadt am Fluss.

Jetzt ist es nicht mehr weit zu einem UNESCO-Kulturerbe: Corvey, ein berühmtes Kloster aus dem 9. Jahrhundert mit einem Barockschloss mit großer Bibliothek.

Auch die letzten 27 Kilometer des Tages führen direkt an der Weser entlang, die sich gemütlich durch die Lande schlängelt, gesäumt von Hügeln, Feldern, Wiesen, Pappeln und Weiden, besucht von Kühen, Schafen, Störchen, Reihern und Radfahrenden. Es gibt auch Apfelbäume und Brombeerhecken, wo wir uns ein bisschen mit Vitaminen fürs morgige Frühstück eindecken.

Um zum Zeltplatz zu kommen, müssen wir in Grave die Flussseite wechseln. Eine solarbetriebene Fähre holt uns über.

Und wieder haben wir eine Zeltwiese direkt am Fluss für uns alleine.

Fürs Abendessen und danach gibt es eine Bank mit Tisch. Einen kleinen Plausch mit dem Juniorchef und ein Bierchen. Das haben wir uns nach 78 Kilometern auch verdient, vor allem Achim, der immer noch ohne Unterstützung fährt.

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