
Münchhausen reitet auf einer Kanonenkugel über eine belagerte Stadt, inspiziert die feindlichen Stellungen und steigt kurzerhand auf eine in die Gegenrichtung fliegende Kugel um.

Münchhausen zieht sich samt Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf.
Münchhausen holt sein in den Schnee gefallenes Messer mittels eines gefrorenen Harnstrahls zu sich herauf.
Wir sind in Bodenwerder. Hier wurde Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen 1720 geboren.

Die dem Baron zugeschriebenen Erzählungen gehören in die Tradition der Lügengeschichten, die weit in die Literatur des klassischen Altertums und in das frühe orientalische Erzählgut zurückreicht.
Die Stadt ehrt ihren berühmten Sohn durch viele Brunnen, Denkmäler und Namensgebungen.
In der hübschen Fachwerkstadt kommt keiner an Münchhausen vorbei, egal ob er einen Kaffee trinkt oder in die Apotheke geht.
Wenige Kilometer weiter wird uns die Geschichte der diebischen Treidelschiffer aufgetischt, die dem Wirt den Sonntagsbraten stahlen, woraufhin er ihnen beim nächsten Mal seinen alten Kater, geschlachtet, unterjubelte. Der Hajener Bildhauer Jan D. Ehlers hat die Erzählung in Szene gesetzt.

In den Bereich der Lügengeschichten fällt auch die Legende vom sauberen und billigen Atomstrom, an die das Industriedenkmal bei Grohnde erinnert.

Unser Tageskilometerzähler zeigt 40 an, als wir die Stadt Hameln erreichen. Auf dem Weg hierher bläst uns der Nordwind ins Gesicht, aber in einem der zahlreichen Cafés in der Altstadt können wir uns erholen und an die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln, eine der bekanntesten deutschen Sagen, denken. Sie wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Es wird geschätzt, dass mehr als eine Milliarde Menschen sie kennen. Selbst in fernen Ländern gehört sie häufig zum Schulunterrichtsstoff; besonders in Japan und in den USA ist sie sehr beliebt.

Seit 2014 gehört sie sogar zum immateriellen Kulturerbe. Dabei ist die Sage ja wirklich gruselig: Der von der Stadt um seinen Lohn betrogene Rattenfänger rächt sich, indem er alle Kinder der Stadt mit seinem Flötenspiel aus der Stadt lockt und sie spurlos verschwinden lässt. Sie kehren niemals zurück.

Mir machen in Hameln nicht die Ratten oder deren Fänger sondern die Wespen zu schaffen. Eine von ihnen sticht mir in die Lippe. Zum Glück bin ich nur gegen wortbrüchige Stadtväter, nicht gegen Bienengift allergisch.
Am Abend sind wir beim Kanuclub Rinteln zu Gast. Heute sind wir nicht allein, vier Zelte stehen hier, direkt am Wasser mit Blick auf die Rintelner Kirchtürme.

