
Wir müssen Probe fahren. Unser Bus macht uns Sorgen. Die eine Werkstatt diagnostiziert einen defekten Dieselpartikelfilter sowie nicht richtig arbeitende Injektoren, Kostenvoranschlag 8000 Euro (sic!). Eine andere Werkstatt meint: Marderschaden. Schlauch repariert, keine Fehlermeldungen mehr, 500 Euro. Die haben wir sehr gerne bezahlt und nun müssen wir den Bus bewegen und schauen, ob wirklich alles in Ordnung ist.
Zwischen Weihnachten und Silvester fahren wir deshalb für drei Tage los und haben uns Amberg ausgeguckt. Die Stadt liegt 170 Kilometer nördlich von uns und lockt mit einer mittelalterlichen Altstadt, interessanten Ausstellungen und Museen.

Als wir in der Früh die letzten Sachen in den Bus packen, hat es draußen minus drei Grad. Im Bus haben wir vorsorglich die Heizung auf kleiner Stufe über Nacht laufen lassen, so dass wir immerhin 13 Grad haben.
Gegen zehn Uhr überqueren wir bereits die Donau und dann dauert es nicht mehr lange, bis sich die Sonne durch den Nebel kämpft. Ein Schild „Skulpturenpfad“ verlockt uns etwa 50 Kilometer vor dem Ziel zu einem kleinen Abstecher.

Entlang des historischen Ludwig-Donau-Main-Kanals schmücken die Kunstwerke des Skulpturenpfads Mühlhausen die Uferlandschaft.

Die Skulpturen entstehen bei den alle zwei Jahren stattfindenden Bildhauer-Symposien „Kunst am Klenzebau“.

Eine Besonderheit der Kunstwerke ist das Material: Zur Fertigung der Skulpturen werden nur Steine verwendet, die bereits im Ludwig-Donau-Main-Kanal verbaut waren.

Das Wahrzeichen der Stadt Amberg empfängt uns bei strahlendem Sonnenschein: die „Stadtbrille“ ist ein spätmittelalterlicher Wassertorbau, der die Vils auf eine Länge von 46 Metern überspannt. Wegen des tollen Lichts spurtet Achim gleich los, während ich es mir erstmal im Bus gemütlich mache und Kaffeewasser aufsetze.

Nach dem Kaffee gehen wir an der Vils entlang in die Altstadt.

Das Luftmuseum empfängt uns mit allerlei Skurrilem, Verspieltem und Kunstvollem wie einer Luftdusche,

einem Luftflipper

oder der filigranen Installation Jellyblossoms von Rudolf Finisterre in der alten gotischen Kapelle des Museumsbaus.

Ein Stündchen haben wir noch Zeit fürs Stadtmuseum und seine Sonderausstellung der Werke des Amberger Künstlers Michael Matthias Prechtl. „Ich versuche Kunst ins Leben zu bringen und Leben in die Kunst“, sagte er.
Uns gefallen seine Bilder wie „Das utopische Paar – Wolf und Schaf“

oder „Das Dreikönigstreffen“, in dem drei gar nicht so heilige Könige aus drei Jahrhunderten in einer fränkischen Landschaft stehen: Louis Armstrong, der King of Jazz, der Sonnenkönig Ludwig XIV. und der bayerische Märchenkönig Ludwig II.

Es ist schon dunkel, als wir am Fluss entlang zum Bus zurück bummeln. Die „Stadtbrille“ muss ich natürlich bei dem Licht auch noch mal fotografieren.


Im Bus drehen wir die Heizung hoch und bald ist es kuschelig warm.
Im Bett wird mir nachher dank einer Schaffellunterlage, einer Wärmflasche und meinem Liebsten auch nicht kalt werden. So weit sind wir aber noch nicht. Gin Tonic und ein Backgammonspiel, ein leckeres Abendessen (Hackfleischbällchen mit Erdnüssen in Currysauce, von gestern übrig geblieben) und mein Buch warten auch noch auf mich.
Wir freuen uns so, wieder mal eine Nacht im Bus zu verbringen!


Happy holidays! 👋😊
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Thank you! Same same 🥰
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