Zum Salzsee

Der Regen, den ich heute Morgen höre, ist leider echt. Es ist deutlich kühler als gestern und nass. April in den Bergen.

Wir unternehmen zunächst einen weiteren Versuch, dem etwas komplizierten Mautsystem Folge zu leisten. Man muss sich eine „HGS-Karte“ besorgen, sie mit türkischen Lira aufladen und hinter die Windschutzscheibe legen. Per Kameras, die auf den Mautstrecken installiert sind, wird man erfasst und die anfallenden Beträge werden automatisch abgebucht. Das Problem ist, an so eine Karte zu kommen. Digital geht nicht, da man tatsächlich ein Stück Papier braucht. Mautstellen gibt es nicht, in Raststätten oder Tankstellen wird sie nicht verkauft, manche Einheimische, die wir gefragt haben, kennen sie gar nicht. Schließlich heißt es, sie sei in der Post zu haben. Zwei Postämter, in denen wir gestern waren, hatten sie allerdings nicht. Heute nun also der xte Versuch. Und ja, es klappt! Wir haben das Ding endlich. Halleluja!

Noch Tanken und in den Supermarkt, Wasser auffüllen, dann verlassen wir Beypazarı und steuern den rund 200 Kilometer süd-östlich gelegenen Tuz-Gölü (türkisch für Salz-See) an.

Um den Großraum Ankara zu vermeiden, verlassen wir die Schnellstraße und fahren auf einer schmalen Landstraße weiter. Es sind noch 200 Kilometer bis zum Tagesziel und wir sind auf den Weg gespannt.

Bald schon entdecke ich ein Sternchen in unserer Landkarte, verlässlicher Hinweis auf eine Sehenswürdigkeit. „Gordion“ steht hier. Wikipedia klärt uns auf: „Gordion war die Hauptstadt des Phrygerreichs. Sie wurde 1895 von den Gebrüdern Gustav und Alfred Körte wiederentdeck und seit 1950 systematisch unter der Leitung von Archäologen der University of Pennsylvania ausgegraben. 2023 erklärte die UNESCO Gordion zum Weltkulturerbe.“ Da wollen wir nicht einfach dran vorbeifahren.

Für drei Euro pro Person dürfen wir ins Museum und die Töpferwaren, den Schmuck, einen Stein mit pgrygischen Schriftzeichen und ein Halbrelief der Göttin Kybele betrachten. Im 8. und 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung  lebten die wohl vom Balkan eingewanderten Phryger hier und führten ein Reich von großer Bedeutung. Legendär sind zwei Könige mit den Namen Gordios und Midas.

In der Gegend um Gordion wurden Reste von Grabhügel mit Holzgrabkammern gefunden, die teils sehr reich ausgestattet waren. Der bedeutendste  gilt als Midas-Grab. In ihm wurden sterbliche Reste eines 60- bis 70-jährigen Mannes gefunden. Es könnte sich tatsächlich um das Grab des bekanntesten Phrygers handeln. 

Ein etwa 70 Meter Gang führt in den Hügel hinein. Ob die Mauersteine rechts und links wirklich alt sind?

Die Holzbalken der Grabkammer am Ende des Ganges sind jedenfalls laut Infotafel original und über 2700 Jahre alt. Sie ist damit, so lesen wir, das älteste Holzhaus der Welt.

Der andere berühmte König, Gordion, ist übrigens der mit dem gordischen Knoten. Der Legende nach hatte er einen unentwirrbaren Knoten an einem seiner Streitwagen angebracht. Ein Orakel prophezeite, dass derjenige, der den Knoten löst, Herrscher über Asien wird. Alexander der Große löste das Problem nicht durch Entwirren, sondern indem er den Knoten mit seinem Schwert durchschlug.

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Es sind nun noch zwei Stunden Fahrt durchs weite anarolische Hochland und am frühen Abend erreichen wir schließlich den Tuz Gölü, nach dem Van-See ganz im Osten des Landes der zweitgrößte See in der Türkei. Mit 33 % Salzanteil ist er einer der salzhaltigsten Seen der Welt. 

Leider finden wir die Zufahrt zu einem idyllischen Plätzchen direkt am Wasser nicht. Die Piste ist voller Schlaglöcher und es wird dunkel. Deshalb steuern wir einen Parkplatz im nächsten Ort an und machen die Schotten dicht. Morgen werden wir die Gegend erkunden.


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