Bis vor wenigen Jahren hat ein großer Teil der türkischen Rosaflamingos am Tuz Gölü, dem Salzsee, genistet. Im Sommer 2021 ging diese Population jedoch wegen Wassermangels ein. Eine Dürre und zu starke Nutzung des Wassers für die Landwirtschaft über Jahrzehnte hinweg haben das Ökosystem zerstört. Zuvor war der See bereits in den Jahren 2008 und 2016 vorübergehend ausgetrocknet.
Als wir gestern Abend am See entlang fuhren, dachten wir, dass nach einem regenreichen Frühjahr jetzt wieder viel Wasser im See sei. Heute Morgen jedoch entdecken wir manche Bereiche, die auch jetzt trocken gefallen sind.

Scheinbar wird der See nicht touristisch genutzt, denn es gibt keine Möglichkeit, direkt ans Wasser zu kommen und auch keine Aussichtspunkte. Wir gesellen uns also zu den LKW, wenn hin und wieder ein Parkplatz auftaucht, um zu schauen und ein paar Fotos zu machen.

Der Salzsee hat keinen Abfluss und wird durch Niederschläge und Grundwasser gespeist. In den trockeneren Sommermonaten entsteht dann eine kristalline Salzschicht, die kommerziell verwertet wird. 70 % des konsumierten Salzes der Türkei stammen von hier.

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Südlich des Sees liegt die kleine Stadt Sultanhanı mit ihrer berühmten Karawanserei. Das beeindruckendste ist ihr reich verziertes Eingangstor.

Sie wurde im 13. Jahrhundert erbaut und wuchs aufgrund der zentralen Lage an der historischen Seidenstraße schnell zur größten Karawanserei in Kleinasien.

Man gelangt in einen rechteckigen Hof, in dessen Mitte eine kleine Moschee steht. Dem Eingangsportal gegenüber schließen an den Hofplatz die Stallungen an, deren Grundfläche nochmals etwa der Hofgröße entspricht.

32 Säulen tragen das Dachgewölbe der Stallungen, die den Raum in mehrere Schiffe gliedern. Hier lagerten die Tragtiere und in der kalten Jahreszeit auch deren Begleiter. Während der wärmeren Monate schliefen die Menschen auf dem Dach, das sie über Treppen an der Hofmauer erreichen konnten.
Als wir das letzte Mal vor etwa 20 Jahren hier waren, durften wir auch noch hochklettern. Heute ist es leider verboten.
Wir statten noch kurz unserem Campingplatz von früher einen Besuch ab. Er wird heute vom Junior geführt wird, der damals als Siebenjähriger stolz auf meinem Motorrad für die Kamera posiert hat. Sein Vater, der uns abends köstlich bekocht hat, ist leider nicht da. Wir versprechen aber, das Foto zu schicken.
Über eine karge Hochebene fahren wir weiter nach Süden. In Karapınar soll es zwei schöne Kraterseen und die einzige Sandwüste der Türkei geben. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einem der weltgrößten Solarparks und dem größten der Türkei vorbei.

Die Anlage kurz vor Karapınar verfügt über eine installierte Leistung von 1.350 MWp und erstreckt sich über eine Fläche von 2000 Hektar. Sie umfasst etwa 3,5 Millionen Solarpaneele mit einer Gesamtfläche von etwa 20 Millionen Quadratmetern, was der Größe von 2600 Fußballfeldern entspricht. Das Projekt erzeugt fast drei Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Damit werden zwei Millionen Menschen mit Energie versorgt.
Bald erreichen wir den See Meke, einen vulkanischen Kratersee bestehend aus zwei ineinander verschachtelten Seen. Er ist ein eingetragenes Naturdenkmal des Landes.

Auch dieser See führt kaum mehr Wasser. Auch wenn es heute kalt ist – wir befinden uns in einer der heißesten Gegenden der Türkei. Hinzu kommt auch hier die überdimensionierte unkontrollierte Wasserentnahme für die Landwirtschaft.
Auf der anderen Straßenseite gibt es einen weiteren Kratersee. Wir machen auch dorthin noch einen kurzen Abstecher. Es wird windig, beginnt zu regnen und ist sehr ungemütlich.

Zum Schlafen fahren wir zurück an den anderen See. Da ist zwar das Wetter nicht besser aber die Aussicht schöner.
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