Entlang der Südküste

Die Nacht war etwas laut. Denn in dem verschlafenen Café neben uns drehte ab Zehn eine Liveband die Boxen auf und spielte bis in der Früh um zwei. Wenn wir wenigstens die Musik hätten hören können. Aber im Bus kamen nur die wummernden Bässe an. Als die schließlich verstummten, war der Generator vom Wohnwagen auf der anderen Straßenseite zu hören. Aber irgendwann bin auch ich eingeschlafen – und bei strahlendem Sonnenschein und 11 Grad wieder wach geworden. Schnell klettert das Thermometer noch weiter in die Höhe und wir können den Frühstückstisch wieder draußen decken.

Die Gegend gehört zu den landwirtschaftlichen Kraftzentren des Landes. Vor allem Bananen werden seit den 50er Jahren auf terrassierten Feldern angebaut. In riesigen Treibhäusern werden Obst und Gemüse geerntet.

Wie die Möwen kurven wir 400 Meter über dem Meer über eine Serpentinenstraße zur Burg Mamure bei Anamur hinunter. Sie zählt zu den am besten erhaltenen türkischen Burgen. Wie viele anatolische Burgen wurde sie auf hohen Klippen errichtet und im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgebaut.

Die Burg mit ihren 39 Türmen, Wasserzisternen, einer Moschee und einem Badehaus ist von einem zehn Meter breiten Wehrgraben umgeben, in dem sich die Schildkröten tummeln.

Vor 20 Jahren waren wir hier auf dem Campingplatz und schliefen wegen der Hitze nicht im Zelt sondern am Strand. In der Nacht schlüpften unter uns Schildkrötenbabys und tappsten ins Meer. Wir haben davon nichts mitbekommen, aber Eierschalen und die vielen Krabbelspuren verrieten die Geschichte.

Anders als in Deutschland ist hier nichts gesperrt, nichts gesichert, es gibt keine Geländer und man kann überall rauf und runter kraxeln. Was wir natürlich tun. Trotz Muskelzerrung, trotz beängstigender Blicke in die Tiefe. Der Adrenalinspiegel steigt.

Puh, aber wir schaffen es, alle vier wieder heil unten anzukommen.

Nochmal geht es über die schwungvolle Bergstraße 100 Kilometer gen Osten und wir finden einen sehr idyllischen Platz am Meer kurz vor Silifke. Achim und Alain betätigen sich erstmal als Pannenhelfer, während ich das Abendessen zubereite.

Das Rad mit dem kaputten Reifen wird gegen das Reserverad getauscht, die Falaffeln brutzeln in der Pfanne. Leider macht der Wind es abends immer so frisch, dass wir drinnen essen müssen. Aber das steigert die Vorfreude aufs Frühstück. Im Freien. Am Meer.


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