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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

16. Stopp: Bei den Dünen von Tinfou

Der Sand ist kalt und feucht, als ich bei Sonnenaufgang auf den Scheitel der Düne hochstapfe. Die Sonne hat es noch nicht über den Bergkamm geschafft, meine Reisegefährten und die meisten Beduinen unten in ihren Zelten schlafen noch. Einige Vögel zwitschern schon, in der Ferne höre ich einen LKW, ein Dromedar schreit. Feine Spuren von Nebeltrinkerkäfern (PS: ein paar Tage später durch Beobachtung gelernt) durchziehen die Oberfläche der Düne.

Als wir am Nachmittag zuvor hier ankamen, war es heiß (auch für diesen Tag sind über 30 Grad angesagt), bei den Beduinenzelten war einiges los. Männer pflockten ihre Dromedare an, brachten ihnen Futter, luden die vorbeikommende Touristin auf einen Tee ein und fotografierten sie mit ihrem Lieblingskamel. Die Dame wurde mir vorgestellt, doch ich habe ihren Namen leider vergessen.

Die Dünen von Tinfou sind nur klein, aber ich bin hingerissen von den vielen Dromedaren, die ich hier aus nächster Nähe anschauen und auch streicheln darf. „Ein Dromedar mag es nicht besonders, wenn man es am Hals krault“, erklärt mir sein Besitzer. „Aber die Nase streicheln, das lieben sie.“

Unser letzter Stopp war Foum Zguid. Von dort aus sind wir 150 Kilometer hierher gefahren. Hohe Tafelberge im Hintergrund, karger Boden, vor allem mit Steinen durchsetzt, immer wieder etwas Sand dazwischen, säumen die gut ausgebaute N12. In dieser Ödnis ist es den Menschen gelungen, Felder anzulegen und Gemüse zu ziehen. Sogar Melonen werden hier angebaut. Noch ist ihre Erntezeit aber nicht gekommen.

Die erste Stadt auf unserem Weg ist Zagora. Entlang der Hauptstraße stehen prächtige Gebäude, Verwaltung und Militär, der Soukh, Geschäfte, Cafés. In den Seitengassen sind die Werkstätten, weitere Läden und einfachere Häuser zu finden. Wir kaufen Melonen (leider noch nicht von hier sondern aus Agadir) und probieren Joghurt mit Granatapfelsirup. Sehr fein.

Unser nächster Halt ist das Töpferdorf Tamegroute. Männer heizen mit getrockneten Palmwedeln die Öfen ein und bringen sie auf 1000 Grad. Wer diese harte Arbeit macht, darf am nächsten Tag bei leichterer Arbeit ausruhen, wird uns erzählt. Die Kooperative hat das so geregelt. Wir streichen durch die Gassen unterhalb der Töpfereien, fragen uns, wie es sein muss, hier zu leben. Durch eine geöffnete Tür schaue ich in eine Küche. Eine gut gekleidete junge Frau kommt mir aus einer dunklen Sackgasse freundlich grüßend entgegen.

Wieder im Tageslicht kaufen wir eine schöne Schale ein, trinken Kaffee und essen einen kleinen frisch gegrillten Spieß mit Rindfleischstückchen.

Dann fahren wir die letzten sechs Kilometer bis zum Hotel Sahara Sky bei den Dünen von Tinfou. Hier haben wir am Abend eine Verabredung mit Patrick zum Sternegucken. Fritz Koring hat hier vor über zehn Jahren die einzige private Sternwarte Nordafrikas eröffnet. Auf der Dachterrasse seines Hotels sind hochwertige Teleskope installiert. Patrick, aus Belgien, ist der Haus- und Hofastronom und entführt uns in der Nacht zu den Sternen unserer Milchstraße und weiterer Galaxien. Milliarden von Sternen funkeln am schwarzen Nachthimmel, ich werde ganz schwindelig, wenn ich durchs Fernglas schaue. Eine Sternschnuppe bekomme ich zuguterletzt auch noch geschenkt.

Es ist weit bis zur Sandwüste

Und noch ein Tag durch die Steinwüste. Wieder sind wir „nur“ ca. 150 Kilometer gefahren. Gucken und Staunen und Fotografieren. Und mal wieder einen Geocache suchen. Der ist in einem nahen Höhlengebiet versteckt. Eine Tropfsteinhöhle. Die Stalagtiten sehen aus als würden sie aus Schlamm gebildet sein. Hmm, da muss mir mal ein Geologe helfen. Geocache […]

Es ist weit bis zur Sandwüste

Wanderung zur Wasseruhr in Tata

Verwirrung am Morgen. Die Busuhr zeigt viertel nach sechs, als ich wach werde. Passt gut, denn wegen der Hitze, die hier tagsüber herrscht, hatten wir uns einen frühen Start für unsere Wanderung zur historischen Wasseruhr vorgenommen. Als ich wenig später auf mein Handy schaue, zeigt dies zwanzig nach fünf an. Draußen ist es noch dunkel, was für beide Urzeiten zutrifft. Achims Armbanduhr zeigt zwanzig nach sechs, sein Handy zwanzig nach fünf wie meins. Dann fällt der Groschen: Zeitumstellung. Wir haben ja gewusst, dass hier in Marokko zum Fastenmonat Ramadan, der am 22. März beginnt, die Uhr um eine Stunde zurückgestellt wird, aber wann genau wussten wir nicht. Heute Nacht. Jetzt wissen wir ’s.

Und so brechen wir tatsächlich um kurz vor sieben bei noch frischen 12 Grad zu unserer Wanderung auf.

Wir wollen zur historischen Wasseruhr im Dorf Agadir-Lehne. Das ist eine Stunde von uns entfernt und der Weg führt durch üppige Palmengärten. Ich habe gelesen, dass diese Gärten auf drei Ebenen bewirtschaftet werden: Ganz oben thronen die Fächer der Palmen und spenden darunter stehenden Obstbäumen wie Granatapfelbäumen lichten Schatten. Auf dem Boden wächst Grünfutter oder Getreide. Fast durchgängig sind die Gärten von übermannshohen Lehmmauern eingefasst.

Immer wieder treffen wir auf Frauen, die mit Sicheln den Klee schneiden und auf Handkarren nach Hause transportieren. Jede grüßt uns freundlich. „Guten Morgen!“, ruft uns ein Mann auf einem Fahrrad zu. „Der Park wird erst am Abend geöffnet“, erklärt er, weil wir neugierig durchs Gitter schauen. „Danke! Vielleicht kommen wir dann später nochmal.“ Vom Ort Tata hierher läuft man mindestens eine halbe Stunde. Ob hier viel los ist am Abend? Es sieht jedenfalls sehr hübsch aus und Spielgeräte für Kinder erspähe ich auch.

Bald erreichen wir das Lehmhaus, in dem den Beschreibungen zufolge die Wasseruhr sein soll. Alles ist zugesperrt, niemand da. Draußen sieht man Wasser durch verschiedene Kanäle fließen. Es ist hier ein noch kostbareres Gut als bei uns zuhause, weil es noch rarer ist. Die Zuteilung auf die einzelnen Felder ist nach einem eingespielten System geregelt. Jeder bekommt alle paar Tage für einen bestimmten Zeitraum Wasser zur Bewässerung seiner Felder.

Im Dorfladen erkundigen wir uns nach der Wasseruhr und dem Wasserwächter. Mit Hilfe unserer Handys und einer Übersetzungsapp erfahre ich, dass das Messsystem bei den Unwettern im Februar zerstört wurde und erst wieder repariert werden müsse. Wie schade!

Wir hocken uns vors Wasserhaus, vertilgen unser mitgebrachtes Frühstück und stöbern ein wenig im Internet. Bei Marokko erfahren lesen wir, was wir uns leider aktuell nicht anschauen können: In einem Pavillon sitzt der Wasserwärter und passt auf die Wasseruhr auf. In einer mit einer Glocke geschlossenen und einer Decke abgedeckten Schüssel schwimmt der Tanast, eine Kupferschale mit einem kleinen Loch unten, durch welches das Wasser langsam eintritt. Nach 45 Minuten ist die Schüssel voll und gleitet dadurch mit einem leichten Scheppern zum Boden des Behälters. Der Wächter macht in ein an der Abdeck-Glocke hängendes Seil einen Knoten und fixiert damit den Ablauf einer Zeiteinheit.“ Man muss sich bekanntlich immer etwas fürs nächste Mal aufheben. Vielleicht ist die Wasseruhr bis dahin repariert.

Auf dem Rückweg nach Tata kommen wir an einem großen Wasserreservoir, dem Neubau einer Moschee und einer hübsch angemalten Schule vorbei.

Den Rest des Tages verbringen wir am und im Bus, Lesen, auf den Fluss gucken, Schlafen, Apfelkuchen backen (und essen natürlich).

Erst gegen Abend ziehen wir nochmal los, um das Wadi zu erkunden. Auf der gegenüber liegenden Seite des Flusses ist ein Lehmdorf auf einen Fels gebaut. Wir laufen ein bisschen das Flussbett hinunter auf der Suche nach einem Damm oder einer Furt. Gibt es aber nicht. Zum außen rum laufen sind wir heute zu faul. Wir verschieben also auch diese Exkursion auf nächstes Mal.

Nicht auf nächstes Mal verschiebe ich die Zubereitung des Berber-Omelettes. Sieht prima aus und schmeckt auch so. Da ich keine Tajine habe, habe ich es in unserer beschichteten Pfanne gebacken. Einwandfrei.

14. Stopp: Tata

Genau im richtigen Moment mache ich die Bustür auf. Die Sonne geht auf. In der Nacht habe ich die Sterne durchs Oberlicht gesehen. Es war absolut still. Mein Schlaf war leicht wie oft, wenn wir ganz allein irgendwo stehen, aber ich bin dennoch entspannt und frisch, als ich um sieben wach werde. Das Thermometer zeigt 11 Grad und ich stelle die Heizung an. So wird das Frühstück gemütlicher.

Gegen zehn sind wir startklar und freuen uns auf die Weiterfahrt Richtung Wüste. Doch über die nächsten 100 Kilometer haben uns die Berge des Anti-Atlas noch fest im Griff. Die Straße ist überwiegend gut, nur an wenigen Stellen fehlt der Asphalt.

„Gott, Vaterland, König“, die Schrift auf dem Berg ist der Wahlspruch Marokkos. Für die nächsten zwei Stunden fahren wir durch eine traumhafte Landschaft. Erst auf unserer kleinen Nebenstraße, dann auf der R 109, die uns nach Tata bringen soll. Die Berge haben hier die unterschiedlichsten Formen und Farben. Wir können uns gar nicht satt sehen und halten alle paar Kilometer an, um zu fotografieren. Immer wieder entdecken wir eine noch nicht gesehene Formation, die unbedingt geknipst werden muss.

Vorsicht! Esel, Ziegen, Dromedare! Offenbar nähern wir uns der Wüste. Esel und Ziegen haben wir schon viele auf dieser Reise gesehen, Dromedare bislang nicht. Ich freu mich schon drauf.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Tata und checken auf dem Campingplatz Hyatt ein. Hier ist erstaunlich wenig los. Drei französische Wohnmobile und wir. So können wir direkt am Rande des Wadi stehen und im Laufe des Nachmittags den Jungs beim Baden zugucken. Eine schöne Abkühlung bei 30 Grad.

Nach dem Kaffee und einem Mittagsschlaf gehen wir in den Ort. Schön gestaltete Häuser, Arkadengänge, unzählige kleine Geschäfte, Werkstätten und ein großer Platz. Viele Menschen gehen ihren Besorgungen nach, sitzen im Kaffeehaus, kaufen ein. Schön anzuschauen die Frauen in der hiesigen blauen Tracht mit schwarzem Tuch.

Wir kaufen Obst, Gemüse, Eier, Milch und Brot ein. Suchen vergeblich frischen Käse und leckere Kekse, finden stattdessen Merguez, Würste aus Lamm- und Rinderhackfleisch mit Kreuzkümmel und Harissa gewürzt, die Achim am Abend grillt. Ich mache einen Salat dazu und die Frösche am Fluss geben ein großes Konzert.

13. Stopp: Irgendwo zwischen Titeki und Talbourte

Das erste Berber-Omelette meines Lebens esse ich in der Schlucht von Ait Mansour, 20 Kilometer südlich von Tafraoute. So so gut! Zwiebeln in der Tajine anschmoren und gewürfelte Tomaten dazugeben. Mit Kreuzkümmel, Salz und frischem Koriander würzen. Zehn Minuten bei geschlossenem Deckel schmoren lassen. Währenddessen die Eier (drei pro Person!) luftig aufschlagen und zu der Tomatenmasse geben. Zehn Minuten stocken lassen (der Deckel ist wieder drauf). Zum Schluss eine Handvoll Oliven und nochmal etwas frischen Koriander drübergeben. Frisches Brot dazu reichen und direkt aus der Tajine essen. Messaoud, der Besitzer des kleinen Restaurants, auf dessen Dachterrasse wir sitzen, verrät uns das Rezept und ganz sicher werde ich es bald nachkochen.

Wir bleiben auf dem Parkplatz neben seinem Lokal stehen und laufen ein kleines Stündchen durch die Schlucht. Es ist eine schmale Straße, aber es gibt kaum Autos, so dass man hier sehr entspannt gehen kann. Ein paar Hunde lassen sich gern streicheln und begleiten uns ein Stück des Weges.

Die Gorges d’Ait Mansour ist das Bett eines Wildbachs. Gesäumt wird es über eine Länge von 10 Kilometern von nackten roten Felsen und üppigen Palmen. Hin und wieder stoßen wir bei unserer Wanderung auf ein kleines Straßencafé, queren ein Dorf mit Moschee und Schule.

Die starken Regenfälle im Februar haben auch hier für Schäden gesorgt. Die Häuser und die Straße wurden zum Glück nicht geschädigt, wohl aber wurden etliche Palmen von der Wucht des aus dem Bett getretenen Wassers umgeworfen.

Eine schöne Bergstraße führt uns zurück nach Tafraoute.

Nordöstlich erstreckt sich das Ammelntal, in dem man immer wieder Bergdörfer an den Felshängen in mehr oder weniger luftiger Höhe entdeckt.

Wir folgen ihm über die R105, um über einen Schlenker in nördlicher Richtungen (via Igherm) auf gut ausgebauter Straße ins südlich gelegene Tata am Rande der Sahara zu gelangen. Auf einmal sehen wir ein Schild: nach Tata rechts rum. Wir halten, studieren unsere digitalen und papiernen Landkarten, fragen beim Ladenbesitzer nach („Oui, Tata, à droite. Ja, nach Tata rechts rum.“ Das ist vielversprechend. Wenn mit dieser Route alles klar geht, sparen wir uns schätzungsweise rund 100 Kilometer.

Wir biegen also ab und tauchen ein in eine noch einsamer Bergwelt. „Unglaublich!“, ist das Wort des Abends.

Die Straße ist schmal, aber es gibt so gut wie keinen Gegenverkehr. Wir sind umgeben von nahezu kahlen welligen Bergen, ganz selten wächst hier mal ein Baum. Nach fast 30 Kilometern Natur pur wird es Zeit, einen Schlafplatz zu finden. Es geht auf halb acht zu, bald wird es dunkel. Stell- oder Campingplätze sucht man hier vergeblich. Wir beäugen das Terrain und halten Ausschau nach einer abgeflachten Straßenkante (die überragt hier das Bankett gern mal um 20 cm) und einem ebenen Platz neben der Straße. Bald werden wir fündig. Die Sonne geht gerade unter, als wir uns inmitten der Berge positionieren. Als wir nach dem Abendessen nochmal nach draußen schauen, umgibt uns tiefstes Dunkel. Und Millionen von Sternen.

12. Stopp: Tafraoute

Wir liegen noch im Bett, als ich höre, dass sich jemand am Wohnmobil zu schaffen macht. Auf der Beifahrerseite. Lächelnd drehe ich mich noch einmal um und döse weiter vor mich hin, denn ich weiß, es ist kein Einbrecher und auch keine Ziege sondern der Bäcker, der uns wie verabredet Baguette, Fladenbrot und Croissants ans Auto hängt. Was für ein toller Service!

Es ist nicht der einzige Service, den die Einheimischen den Touristen hier zukommen lassen. Bei den Massen von WoMos, die hier aufkreuzen, sicherlich eine gute Einnahmequelle.

Immer wieder taucht jemand auf und bietet eine Ware oder eine Dienstleistung an: zwei Jungen verkaufen Eier und frische Pfannkuchen von der Oma. Das Frischwasser für den Bus wird bis an den Einfüllstutzen geliefert. Ein Künstler präsentiert seine Bilder, ein anderer bietet an, sie auf die Wohnmobile zu malen – wie wir unterwegs an einigen Bussen gesehen haben, funktioniert diese Geschäftsidee außerordentlich gut. Kamele, Palmen und Dünen schmücken so manches WoMo (wir zögern noch). Ein Mann bietet professionelle Autowäsche an, eine Frau fragt, ob sie uns am Abend Harira, marrokanische Linsensuppe, und eine große Tajine vorbeibringen kann. Wir willigen freudig ein. Dann packen wir die Rucksäcke und wandern los. Unser Ziel in etwa sechs Kilometern Entfernung sind die Rochers Peints, die bunten Steine von Tafraoute. Aber nicht nur die bunten sondern alle Felsformationen hier sind sehenswert. Hier gilt wirklich “ Der Weg ist das Ziel“ bei so viel Schönem, das wir unterwegs sehen. Obwohl, ich finde es nicht nur schön. Vielmehr leide ich schon bald leise (bis halblaut murrend) vor mich hin.

Es ist Mittag, die Sonne knallt, es ist heiß (30 Grad, schätze ich) und es gibt keinen Schatten. Meine Füße kochen in den Bergschuhen, ich fühle mich schlapp und überhitzt. Falsche Uhrzeit für eine solche Tour.

Ich zwinge mich, die Landschaft und die Architektur, alt wie neu sehenswert, zu genießen. Der Duft des weißen Ginsters ist durchdringend, Arganbäume und Palmen stehen dekorativ in der ansonsten leeren Landschaft, die von den Felsen dominiert wird.

Nach einem Fußmarsch von gut zwei Stunden sind wir endlich da. Der belgische Künstler Jean Verame hat hier 1984 Felsbrocken in allen Größen bunt angemalt. Sie bilden einen interessanten Kontrast zu den rötlich-braunen Natursteinen drumherum.

Das Projekt war durchaus umstritten. Uns gefällt es gut, ebenso wie einigen Einheimischen, die selbst zu Pinsel und Farbe griffen, als die Originalfarben zu verblassen drohten. Merci, Shukran, Danke auch dafür.

Vom Atlantik in den Anti-Atlas

Achim war fleißiger als ich und hat mal wieder zu nachtschlafender Zeit einen Blogbeitrag geschrieben:

Für unsere Reise hatten wir uns ein paar kleine Eckpunkte ausgedacht. Einer davon lautet, erst einmal zwei Wochen an der Atlantikküste runter. Erstens wird das Klima in den Bergen angenehmer (als wir in Marokko einreisten, fiel noch Schnee im Atlas) und zweitens können wir uns dort langsam auf Land und Leute einstellen. Die zwei Wochen […]

Vom Atlantik in den Anti-Atlas

11. Stopp: Ouijjaane via Tiznit

Noch einmal geht es 80 Kilometer weiter nach Süden. In die Silberstadt Tiznit. Der alte Teil ist komplett von einer zinnenbewehrten Mauer aus rötlichem Lehm umgeben, durch mehrere Tore kann man ihn betreten.

Auf Plätzen und Straßen, unter Arkaden und in Gassen werden vielerlei Waren angeboten. Endlich finde ich ein Nudelholz, klein genug, um im Bus mitreisen zu können, und einen Teekessel. Grüner Tee und frische Minze, Datteln, Erdbeeren und Gemüse wandern in die Einkaufstasche.

Da wir in der Silberstadt sind und ich in zwei Wochen Geburtstag habe, darf ich mir ein besonderes Schmuckstück aussuchen (ein Foto hiervon gibt es erst Ende des Monats).

Es ist heiß geworden, bei unserem Spaziergang durch die Stadt suchen wir die Schattenseiten der Straßen. Nach einem Kaffee und ein paar Keksen sind wir wieder fit und machen uns auf die Suche nach weiteren Sehenswürdigkeiten. Als erstes stoßen wir auf die „Source bleu“, die blaue Quelle, eine große Brunnenanlage. Heute ist wenig Wasser drin, laut Reiseführer sollen sich hier die Jungs im kühlen Wasser tummeln auf der Suche nach Münzgeld, das von Touristen in die Quelle geworfen wurde. Nichts davon ist aktuell zu sehen.

Ein paar Schritte weiter finden wir die Kasbah von Aghanaj, eine imposante Festung aus dem 19. Jahrhundert, und die große Moschee. Charakteristisch für diese Moschee ist das Minarett, das mit hölzernen Querstangen versehen ist. Ähnliche Minarette gibt es auch in Mali und im Niger und es heißt, dass Sklaven aus diesen Regionen die Moschee von Tiznit erbauen mussten.

Wir verabschieden uns von Tiznit und der Küstenregion und brechen auf ins Landesinnere in Richtung Osten. Unser Ziel ist Tafraoute im Anti-Atlas. Kaum haben wir Tiznit verlassen, ändert sich die Landschaft. Sie ist trocken, eine Halbwüste, in der Ferne sehen wir die ersten Berge.

Rund 20 Kilometer hinter Tiznit biegen wir nach rechts von der Hauptstraße ab und fahren noch etwa 7 Kilometer über eine einspurige gut asphaltierte Straße. Dann erreichen wir den Weiler Ouijjane und den Campingplatz Sous les palmiers bleus, idyllisch in einem Palmenhain gelegen. Morgen werden wir diese Oase noch ein wenig näher erkunden, ehe wir uns auf den Weg durch die Berge nach Tafraoute machen.

10. Stopp: Sidi Wassay

Es ist fast dunkel, als wir auf dem Campingplatz in Sidi Wassay, rund 60 Kilometer südlich von Agadir, ankommen. Der Platz ist terrassiert und wir stellen die Busse auf einer der oberen Ebenen ab. Am nächsten Morgen sind wir hin und weg von der Aussicht, die sich uns bietet. Blauer Himmel, blauer Atlantik, der mit weißer Gischt ans Ufer schlägt, blauer Pool, sandfarbene Dünen. Normalerweise bin ich kein Fan von Kunstrasen, aber hier bietet er rundum das Schwimmbecken den grünen Farbtupfer.

Natürlich frühstücken wir draußen. Bis wir Frühgymnastik und Schwimmen absolviert haben, ist es zehn Uhr durch und wir haben sehr angenehme 22 Grad.

Dann packen wir die Rucksäcke und machen uns auf zu der in unserem Reiseführer empfohlenen Zehn Kilometer-Wanderung in den Nationalpark Souss-Massa. Sie geht direkt am Campingplatz los, einfach drei Kilometer rechts rum am Strand entlang. Wir ziehen die Schuhe aus und planschen im Wasser herum. Am Strand ist einiges los. Kinder und junge Männer spielen im Sand, Familien haben sich Windmuscheln aufgebaut und kochen Tee, bei manchen sehe ich Tajines vorm Zelt stehen. Wir sind wiederum die einzigen Touristen hier. Der März scheint eine gute Reisezeit zu sein.

Nach einer guten Stunde erreichen wir den Fluss Oued Massa, der hier ins Meer mündet. Wir können ihn trockenen Fußes queren, weil er, wie wir später von einem Wächter erfahren, auf den letzten Metern unterirdisch verläuft. Auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses finden wir das nördliche Eingangstor in den Nationalpark. Auf den Sandinseln im Flussdelta lassen sich Löffler (vor wenigen Tagen wusste ich noch nicht mal, dass es diese Vögel gibt. Jetzt erkenne ich sie sogar. Ich sag ja immer: Reisen bildet), Graureiher, Flamingos und auch ein Seeadler durchs Fernglas bewundern.

Es gibt überdachte Beobachtungsstände, daneben Infotafeln über Flora und Fauna.  Wir lernen, dass hier außerdem eine sehr seltene kahlköpfige Ibis-Art lebt. Natürlich wollen wir einen Blick auf diese besonderen Tiere erhaschen. Und tatsächlich: nach längerer Suche und einigem Fehlalarm entdecken wir zwei große Gruppen auf einer Sandbank. Sie stehen zu weit weg, um sie mit unseren Kameras zu fotografieren. Achim ist so begeistert, dass er am nächsten Tag gleich nochmal mit seinem Spektiv wiederkommt.

Wir anderen machen uns dagegen einen gemütlichen Tag mit viel Nichtstun. Muss auch mal sein. Bisschen Wäsche waschen, lecker Kochen, Boule spielen und natürlich die Aussicht genießen. Das reicht. Herrlich so ein Tag.

Achim hat die Tage in Sidi Wassay hier beschrieben

Neuland

Nicht vorenthalten möchte ich Euch diesen Blogbeitrag meines Liebsten, in dem er unsere Reisestationen Oualidia, Safi, Essaouira beschreibt und dann die weitere Fahrt über Agadir hinaus:

Nachdem wir Oualidia verlassen haben, einen unserer Lieblingsorte bisher, ist es zum ersten Stopp nicht weit. Safi ist eine oder besser gesagt DIE Töpferstadt in Marokko. Der Ton wird nur sechs Kilometer entfernt abgebaut und hier seit ewigen Zeiten verarbeitet. Es ist Freitag, da wird nur bis mittags gearbeitet. Wir haben aber Glück: ein Töpfer […]

Neuland