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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Angekommen in den Marken

Unser erstes Etappenziel heute ist 18 Kilometer von San Marino entfernt und damit sind wir nun wirklich in den Marken angekommen.

Achim hatte das Bergdorf Monte Grimano gestern auf der Karte ausfindig gemacht. Sein ausgefallener Umriss war ihm aufgefallen.

Das historische Zentrum hat eine typisch mittelalterliche Spiralform, auf dem alten Platz steht die Pfarrkirche San Silvestro aus dem 18. Jahrhundert und ein Stadtturm als Überrest  der alten Burg aus dem 15. Jahrhundert.

Dessen Tor steht offen und wir klettern nach oben. An den Wänden hängen Fotografien vom Dorf.

Wir schlendern durch die Gassen, treffen Ignazio, der gerade die Piazza mit Musik aus seinem Telefon beschallt und ein Foto von uns machen möchte.

Zum Abschluss gönnen wir uns vor dem einzigen Café einen Kaffee.

Achim hat ein sehr schönes Foto mit seiner Drohne vom Dorf in seinem heutigen Blogbeitrag.

Auch die nächste Etappe ist nicht weit, auch so um die 15 Kilometer. Auf schmalen Sträßchen geht es hinauf und hinab durch Kehren und Kurven und ja, genauso hatten wir uns die Marken vorgestellt.

Bald erreichen wir den Weiler Pietrarubbia. Hier hat der italienische Bildhauer Arnaldo Pomodoro seine Spuren hinterlassen.

Obelisk für Cleopatra mit Wagen von Arnaldo Pomodoro

Er gründete in dem vom Verfall bedrohten Dorf eine Schule für junge KünstlerInnen, die hier mit den verschiedensten Metallen experimentieren konnten und schuf binnen weniger Jahre ein Mekka für zeitgenössische Kunst.

Oberhalb des Ortes liegt Pietrarubbia Castello. Hier gibt es den Palazzo Gentilizio, in dem das Museum für zeitgenössische Kunst mit Werken von Pomodoro und seinen SchülerInnen untergebracht ist.

Es ist an einem Mittwochmittag außerhalb der Saison leider geschlossen, aber wir haben das Glück, auf Raffaele zu stoßen, der uns bereitwillig alles zeigt.

Zuerst das Kirchlein San Silvestro, in dem Pomodoros Bronzesonne über dem marmornen Altar strahlt.

Dann das eigentliche Museum, das leider nur noch einige Werke des Künstlers beherbergt.

Raffaele de Feo betreibt gleich nebenan die L’Osteria dell’Arte, in der er und seine Freunde zum Essen Musik, Lesungen oder Ausstellungen servieren. Heute ist leider zu, aber immerhin gibt es einen Espresso.

Zum Mittagessen steuern wir den Dito del Diavolo, den Teufelsfinger, an.

Nach den Spiegeleiern machen wir einen Spaziergang zum monumentalen Felssporn namens Pietrafrangana, aus dem der im Volksmund „Teufelsfinger“ genannte Felsenfinger herausragt.

Der von mir ausgeguckte Stellplatz ist nur acht Kilometer entfernt. Wenn wir jetzt dorthin fahren, können wir noch gemütlich Kaffee trinken und den Rest des Tages genießen. Er soll eine schöne Aussicht bieten. Wunderbar. Hm. In Wirklichkeit gefällt es uns dort gar nicht, auch der nächste Platz ist nichts, aber bekanntlich sind aller guten Dinge drei oder so ähnlich.

Unser Stellplatz vor dem Kloster Duc bei Urbania

San Marino – die älteste Republik der Welt

Irgendwie haben wir bisher immer einen Bogen  um diesen winzigen Stadtstaat in der Nähe von Rimini gemacht. Dieses Mal wollen wir ihm einen Besuch abstatten. Von Comacchio in die Marken kommt man hier unweigerlich vorbei. Schade, dass ich meinen Reisepass nicht dabei habe – in der Touristeninfo könnte man sich einen Stempel holen. Für 5 Euro ein nettes Souvenir.

Wir parken auf dem kostenlosen Stellplatz unterhalb der Seilbahn, die uns in wenigen Minuten zur Altstadt hinauf bringt. Hoch oben auf dem Kamm des 765 Meter hohen Monte Titano thront das Wahrzeichen San Marinos, die Burg Rocca Gualta aus dem 11. Jahrhundert.

Drumherum Gassen mit Souvenir-, Parfum und Waffengeschäften, Hamburger-, und Pizzaläden, ein paar Cafés und Trattorien.

Achim bringt mich auf die Idee, mal wegen Parfum zu gucken und ich erwische glatt ein Schnäppchen: mein geliebtes Roma von Laura Biagiotti für die Hälfte. Das lohnt sich.

Ob es das ausgeprägte kommerzielle Treiben ist oder die Tatsache, dass hier in der Altstadt kaum noch jemand wohnt, jedenfalls wirkt das UNESCO-Weltkulturerbe seltsam steril. Eher wie eine Filmkulisse.

Basilika di San Marino

Bleibt noch die Frage, wieso es hier in Italien diese Zwergrepublik, die immerhin vollwertiges Mitglied der Vereinten Nationen ist, überhaupt gibt.

Die Geschichte San Marinos geht auf das Jahr 301 zurück. Der Legende nach soll der Heilige Marinus (San Marino) vor den Christenverfolgungen auf den Berg Titano geflüchtet sein und dort mit Glaubensbrüdern und -schwestern eine erste christliche Gemeinschaft gegründet haben. Eine zum Christentum konvertierte Römerin schenkte Marinus den Berg, und nach dessen Tod im Jahr 366 gründeten seine Anhänger dort die Republik San Marino. Im Laufe der Jahrhunderte erweiterten die San-Marinesen ihr Territorium friedlich durch Landerwerb und verteidigten dank geschickter Diplomatie und der Unterstützung eines gut ausgebildeten Heeres erfolgreich ihre Souveränität.

Der Palazzo Publico auf der Piazza della Libertà

So blickt die Republik auf eine 1700jährige Geschichte zurück und gilt damit als die älteste der Welt.

Nach dem Stadtbummel machen wir es uns im Bus gemütlich und planen unsere Fahrt durch die Marken, an deren Grenze wir uns jetzt befinden.

Rund um die Lagune: Aale und Flamingos

Unsere Radtour rund um die Lagune von Comacchio ist 55 km lang und beginnt mit einer Fährfahrt von einer Minute über einen Kanal. Dies erspart uns eine viel befahrene Brücke und macht erheblich mehr Spaß.

Ehe wir das Boot besteigen, schauen wir Fischern bei der Arbeit zu, die ein Netz über den Boden des Kanals ziehen und bis zum Rand mit Muscheln gefüllt wieder rausziehen.

Hier in der Lagune und am Meer dreht sich alles um Fische und Meeresfrüchte. Fangfrisch werden sie vor den Kuttern verkauft.

Wir radeln weiter nach Comacchio, den Weg kennen wir schon von gestern. Heute verlassen wir den Ort Richtung Westen und stoßen bald auf einen kleinen Pfad entlang der Lagune mit Blick auf zahlreiche Fischerhütten. Sie säumen die ersten fünf Kilometer unseres Weges. Einfache Holzhütten stehen auf Pfählen im Wasser. Außen sind riesige Fangvorrichtungen befestigt, die ins Wasser gesenkt werden können.

Comacchio ist nicht nur als Klein-Venedig sondern auch als Hauptstadt der Aale bekannt. Früher wurde der Fisch hier in Massen aus der Lagune geholt. Heute steht er auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten und wird nur noch in kleinen Mengen gefischt.

Wir genießen die Fahrt immer am Wasser entlang und schauen den Kuhreihern, den Grau-und Silberreihern, den Blesshühnern und Unmengen von Kormoranen zu. „Guck, eine Bisamratte!“, ruft Achim mir zu… und noch eine, und noch eine und ein paar Junge dazu. Sie sind zu schnell für uns und lassen sich nicht fotografieren.

Immer wieder ist die Lagune von kleinen und größeren Dämmen und Inselchen durchzogen. Sie umfasst 11 000 Hektar und gilt als die größte italienische Lagunenlandschaft mit Brackwassergebieten.

Im Süden kommen wir nicht so richtig vorwärts: alle paar Minuten steigen wir von den Rädern ab, holen die Ferngläser raus und beobachten die Flamingos, die sich hier zu Hunderten tummeln.

Etwa 15 Kilometer vor dem Ziel entdecken wir einen Wegweiser zum Lido di Spina. So heißt der Ort vor Lido degli Estensi, wo unser Bus steht. Wir wundern uns, denn das Schild weist in Richtung Wasser und Achims Navi protestiert auch bald, nachdem wir uns auf den Weg gemacht haben: „Keine fahrbare Strecke“. Haha, weit gefehlt. Ein sehr schmaler, aber bestens befahrbarer Damm führt uns mitten durchs Wasser unserem Ziel entgegen. Wir sind begeistert. Ich weiß nicht, ob ich jemals eine eindrucksvollere Strecke geradelt bin. Es ist wie Radfahren auf dem Wasser. Unglaublich schön. Und ein bisschen surreal.

Erstmal noch ans Meer

Den Tag beginne ich mit einem Lauf entlang des Lago Inferiore. Wir stehen mit unserem Bus direkt an einem kleinen Hafen vor der Altstadt Mantuas. Das klingt romantischer als es ist, denn unser Stellplatz wird von einer Hecke umfasst, die uns den Blick aufs Wasser verwehrt.

Es hat bereits 13 Grad, als ich um halb acht loslaufe. Und ich bin nicht alleine unterwegs, denn Mantua bereitet sich auf ein großes Laufevent, einen Halbmarathon, vor. Davon bin ich mit meiner drei Kilometer langen Strecke weit entfernt. Trotzdem belohne ich mich für die morgendliche Anstrengung erstmal mit einem leckeren Frühstück im Bus.

Gegen Mittag erreichen wir Ferrara. Wir haben eineinhalb Stunden durch die Poebene gebraucht, die heute noch ebenso unattraktiv daher kommt wie vor 20 Jahren, als wir hier mit den Motorrädern waren: flach wie ein Brett und von Gewerbe und Industrie zersiedelt. Den Po sehen wir leider nur ein einziges Mal von einer Brücke kurz vor Ferrara.

Auch Ferrara stand nicht auf unserer Liste. Unser   Marco Polo-Reiseguide aus dem Jahr 2005 mit den 150 Highlights in Italien hat uns zu einem Besuch verlockt: zu sehen sind die romanisch-gotische Kathedrale, ein Castello der Gründerfamilie Este und ein Palazzo, vor allem aber viele pittoreske Gassen. Die bekannteste ist die Via delle Volte, sie zählt gar zu den schönsten Italiens.

Via delle Volte

Mittlerweile ist das Thermometer auf 22 Grad gestiegen und wir genießen den Stadtbummel.

Die Kathedrale in Ferrara

Am Nachmittag fahren wir weiter ans Meer. Auch dies ist ein spontaner Stopp. „Das Lagunenstädtchen Comacchio mit bunten Fischerhäusern und palazzi steht auf 13 Inseln in der Deltalandschaft des Po“, lesen wir in unserem Reiseführer. Wir haben mittlerweile 24 Grad und ich liebäugele mit einem Bad im Mittelmeer.

Letztendlich reicht es mir aber doch, die (recht angenehme) Wassertemperatur mit den Füßen zu testen und wir schwingen uns aufs Rad, um den Ort zu erkunden.

Comacchio wird gern auch als Klein-Venedig beschrieben und ja, die ersten Eindrücke sind atemberaubend. Der halbe Ort flaniert durch die Gassen, die bunten Fassaden spiegeln sich in den Kanälen, eine Band spielt italienische Schlager, fast zu schön, um wahr zu sein.

Um die Idylle auszukosten, lassen wir uns auf einen Aperitivo nieder und erfreuen uns an der mediterranen Tradition, diesen mit feinen Knabbereien zu genießen.

Morgen bleiben wir noch hier und erkunden die Lagune südlich des Po-Deltas mit dem Rad.

Wir nähern uns den Marken

Die Sonne lacht vom Himmel, wie schön. Ein leichter Dunstschleier liegt noch zwischen der Sonne und uns, das wird schon werden. Unser morgendlicher Spaziergang führt uns durch Riva del Garda, durch Evas Riva und ihre Erinnerungen. Anschliessend umfahren wir das Weinfest in Bardolino großräumig und nehmen die westliche Uferstraße. Es ist Samstag und damit ist […]

Wir nähern uns den Marken

Riva del Garda: Spaziergang durch meine Erinnerungen

Es ist in der Früh um zehn, als das Telefon klingelt. Verschlafen greife ich zum Hörer. „Hallo?“, bringe ich im Noch-Halbschlaf über die Lippen. Eine hellwache, fröhliche Stimme erklärt mir, dass sie meine Telefonnummer von Hannelore S. habe und sie auf der Suche nach einer Journalistin sei, die bereit wäre, die kommenden drei Monate in Riva am Gardasee bei einer deutschen Radiostation zu arbeiten. Ich stottere fassungslos vor mich hin, erkläre, dass ich kurz zu mir kommen müsse, notiere die Telefonnummer und verspreche, gleich zurückzurufen.

Das ist 42 Jahre her. Gestern sind Achim und ich in Riva angekommen und ich spaziere seither durch meine Erinnerungen.

Hier! Dies ist das Haus, in dem ich gemeinsam mit zwei weiteren Journalisten, Adrian und Harald, drei Monate lang das Sommerprogramm von Radio Garda 3 gemacht habe. Unser Studio war im ersten Stock, im hinteren Teil der riesigen Wohnung gab es eine große Küche, ein Bad und drei kleine Zimmer.

Das Ganze war die Idee eines Münchner Unternehmers, den ich in all den Wochen kein einziges Mal gesehen habe. Für die Programmgestaltung hatten wir freie Hand. Gesendet haben wir von 7 bis 22 Uhr: Stündlich Nachrichten (die wir kreativ durch das Abhören anderer Radiosender zusammengestellt haben), Sprachkurs (unterstützt durch unseren jungen italienischen Tontechniker Angelo), Ausflugstipps, Kochrezepte, Wunschkonzerte… Sogar einen Surfkurs habe ich damals gemacht und darüber berichtet.

Da! Die Touristeninfo. Hier haben wir jeden Morgen den Wetterbericht abgeholt. Ab 9 Uhr lag ein Fax für uns bereit.

Und die Uferpromenade. Hier habe ich gern die Abende verbracht, wenn ich keinen Spätdienst hatte. Es gab leckeres Eis, Livemusik und auch diesen Gitarristen mit dem feurigen Blick…

Achim hat seine ganz eigenen Erinnerungen an den Gardasee: auf einer seiner vielen Radtouren kam er auch hierher. Freund Werner konnte wegen einer OP nicht mitradeln und versprach, mit dem Auto nachzukommen. Doch wie sich für den Abend verabreden in Vor-Handyzeiten? Ganz einfach: Die Radler hinterlassen eine Nachricht auf dem Ortsschild von Malcesine: Uhrzeit und angepeilter Campingplatz. Der Autofahrer springt im Stau aus dem Auto, greift sich den Zettel – und erfreut kurze Zeit später die radelnden Freunde mit einem Kasten Bier aus dem Kofferraum.

Achim und ich haben aber auch eine gemeinsame Erinnerung an den Gardasee: Immerhin wurde neun Monate nach einem Wochenende in Limone unser Sohn geboren.

Auf dem Weg in die italienischen Marken

Man muss ja nicht immer den direkten Weg nehmen. Hier und da bietet sich ein lohnender Umweg an. Direkt hieße bei uns: erste Etappe über den Brenner zum Gardasee, zweite Etappe über Bologna nach San Marino. Und dann wären wir quasi ja schon in den Marken. Wir haben einen Umweg gewählt. Über die Garmischer Autobahn […]

Auf dem Weg in die italienischen Marken

Rund um den fürstlichen Wald von Oettingen

Avatar von zimjoaUnterwegs

Tag 2 des Nach-Corona-notwendigen Tapetenwechsels . Gestern waren wir an Wörnitz und Sulzach unterwegs, einmal nach Dinkelsbühl und wieder zurück.

Heute folgten wir der Wörnitz nach Osten. Herrliche vorwiegend flache 12 Kilometer auf einem aspaltierten Wirtschaftsweg bis Wassertrüdingen.

Das Wörnitzbad kurz vor Wassertrüdingen.

Die Saison im Wörnitzbad ist sichtbar vorbei. Das zusätzliche Becken ist schon teilabgelassen, in die in bis zu 3m tiefe Wörnitz hingegen kann und darf man jederzeit. Ein schönes Angebot der Stadt. Bei 13 Grad hatten wir allerdings keinerlei Ambitionen.

Ein paar hundert Meter weiter neben der Brücke zur Stadt steht ein Beobachtungsturm. Störche, Greifvögel, Reiher, Bieber und und und. Die Störche sind wohl schon unterwegs in den Süden, die anderen Tiere haben sich erfolgreich vor meinem Fernglas versteckt, schade!

Im Hintergrund ist schon der Fürstliche Wald zu sehen. Vor den Waldwegen schauen wir aber kurz in den Ort – allein schon wegen der Kuchenversorgung nach unser…

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Ich brauch‘ Tapetenwechsel…

Jetzt hat es auch uns erwischt: Corona. Sechs Tage haben wir brav das Haus gehütet. Nun zeigt der Test nur noch einen Balken an und Symptome haben wir auch seit drei Tagen nicht mehr. Unser Gesundheitsamt empfiehlt, sich dennoch weitere fünf Tage von anderen Menschen fernzuhalten. Das kriegen wir hin: Im Bus geht das ganz hervorragend und Tapetenwechsel ist nach der Quarantäne eh was Feines.

In Rekordzeit werfen wir ein paar Lebensmittel und Klamotten in den Bus und zwei Stunden später stehen wir bereits auf dem kleinen Stellplatz beim Limeseum nahe Dinkelsbühl. Achim kennt ihn von einer Reise, die er vor zwei Jahren unternommen hat, als ich in Nepal war. Jetzt wollen wir einfach ein wenig andere Luft schnuppern und da das Wetter Besserung verspricht, ein paar kleine Radtouren machen.

Wir verbummeln den Abend und den Vormittag gemütlich mit leckerem Essen und Spielen. In der Nacht regnet und windet es nochmal heftig, doch als wir uns gegen Mittag auf die Räder schwingen, bleibt es trocken und später wird dann sogar die Sonne rauskommen.

Entlang der Wörnitz fahren wir durch Felder, Dörfer und Hügel ins 17 km entfernte Dinkelsbühl.

Hinter dem Stadttor empfängt uns das mittelalterliche Städtchen mit zeitgenössischer Kunst im Garten des „Museum 3. Dimension“: rechts im Bild sieht man zum Beispiel eine Nachbildung der Escher-Treppe,  die zweidimensionale Darstellung einer dreidimensionalen Treppe mit geschlossenem Innenraum, die in sich selbst zurückläuft, so dass eine Illusion erzeugt wird, dass sie unendlich hinauf bzw. hinunter führt.

Die Doppelhelix ganz links im Bild lässt sich durch einen Telefonanruf in Schwingung versetzen! Funktioniert. Ich hab’s ausprobiert.

Der Ortskern von Dinkelsbühl ist in bestem Zustand. Gut, dass das Wetter heute nicht zum Besuch der Straßencafés einlädt, denn wir sollen uns ja nicht zu anderen gesellen. Aber Kuchen kaufen, um ihn später vorm Bus zu genießen, geht.

Am späten Nachmittag machen wir noch einen Spaziergang zum (montags geschlossenen) Museum, das von den Römern und ihrem berühmten Grenzwall erzählt. Damals gab es hier ein Fort, von dem aus der hiesige Limesabschnitt bewacht wurde. Ein Miniaturnachbau veranschaulicht das Ganze.

Um kurz nach sieben geht bereits die Sonne unter. Einem weiteren gemütlichen Abend im Bus steht nichts im Wege.

Zu guter Letzt: nochmal durch die Berge

Wie relativ doch alles ist. Von zuhause aus betrachtet sind wir ganz hoch im Norden. Doch ist man erstmal hier oben, fühlt es sich 700 Kilometer unterhalb des Polarkreises schon ganz schön südlich an.

Nach einer Stippvisite im hübschen Trondheim haben wir gestern Nachmittag die E6, unseren Highway nach Süden, verlassen.

Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem guten Übernachtungsplatz (den wir auch gefunden haben).

Doch dann entdecken wir in der Landkarte eine Route, nicht ganz aber fast parallel zur Europastraße, die uns verlockend erscheint – und sich nicht so nach Rückfahrt anfühlt wie die E6. Außerdem erwischen wir damit nochmal eine nationale Touristenstraße. Das ist dann unsere zehnte von 18. Manche sind wir nur teilweise, manche komplett gefahren. Heute also steht zu guter Letzt die Landschaftsroute Rondane an: „Wie uralte Riesen ruhen die Berge entlang der Straße, die Sie am Rondane Nationalpark vorbeiführt. Die langsame Landschaft mit ihren ausladenden Bergen ist ein einzigartiges Erlebnis.“

50 Kilometer lang folgen wir der Straße, die uns auf 1000 Meter hoch bringt, an runden, teils 2000 m hohen Bergen vorbeiführt und durch karge Landschaft mit flechtenüberzogenen Böden leitet.

Wir lesen, dass der Rondane-Nationalpark der älteste ist in Norwegen und dass hier eines der wenigen Refugien für wilde Rentiere ist. Die meisten Rentiere sind domestiziert und gehören jemandem. Deshalb sind wilde Rentiere etwas ganz besonderes. Leider, leider erspähen wir keins.

Dafür stoßen wir aber auf Fundstück Nummer 7: die Folldal-Gruben. Sie zählen zu den wichtigsten technisch-industriellen Kulturdenkmälern Norwegens mit ca. 70 gut erhaltenen Gebäuden. Im Bergwerk wurden von 1748 bis 1993 Kupfer, Zink und Schwefel gefördert.

Alles ist in perfektem Zustand. Einiges wird als Museum benützt, etliche Häuser auf dem weitläufigen Gelände werden wieder bewohnt.

Am Nachmittag stoßen wir wieder auf die E6 und nach weiteren 100 Kilometern sind wir am Tagesziel angekommen. Größer kann der Unterschied zwischen gestern und heute Abend fast nicht sein: die große Einsamkeit auf der einen Seite, ein Freizeitpark am Mjösasee mit Hotel, Hafen, Sport- und Spielplätzen und Minigolfanlage auf der anderen Seite. Viele Einheimische kommen hierher, um am Feierabend etwas auszuspannen. Der See ist 100 km lang und 15 km breit und damit der größte Binnensee des Landes.

Im Laufe des Nachmittags ist das Wetter überraschend so schön geworden, dass wir sogar draußen Abendessen können.