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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Hop on Hop off am Myvattn

Blick auf den Myvatn

Das ideale Fortbewegungsmittel wäre hier das Fahrrad. Einmal rum um den verwunschenen See mit den vielen Inselchen und Buchten wären nur 40 Kilometer, und man könnte problemlos an jeder Sehenswürdigkeit anhalten. Wir haben unsere Räder nicht dabei und machen deshalb eine Hop on Hop off-Tour mit unserem Bus. Alle paar Kilometer stoppen wir, schauen uns eine interessante  Naturschönheit an und fahren weiter zur nächsten.

So kommen zwar nicht viele Autokilometer, wohl aber etliche Fußkilometer zusammen. Denn von jedem Parkplatz aus müssen wir bis zur eigentlichen Sehenswürdigkeit zwischen ein und drei Kilometer laufen. Insgesamt werden wir im Laufe der Tour auf etwa acht Kilometer kommen.

Zweieinhalb sind es zum Beispiel auf dem „Kirchenpfad“ in Dimmuborgir, einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten hier.

Lavakirche in Dimmuborgir

Auf einem hervorragend markierten Weg werden wir durch ausgefallen geformte Lavaformationen geführt.

Dimmuborgir kann man mit „dunkle Burgen“ übersetzen

Dann stapfen wir auf den Krater Hverfjall. Der Weg ist nur 600 m lang, dafür geht’s ordentlich hoch.

Der Krater Hverfjall
Oben angekommen hat man einen beeindruckenden Blick in den Krater

Als wir beim nächsten Stop sind, tut mir ein junges Paar leid, das sein Auto aufgebockt hat. Ich bin zwar keine Automechanikerin und kann auch kein Isländisch, aber einfach so vorbeigehen kann ich auch nicht. Also frage ich auf Englisch, ob ich irgendwie helfen kann. „Nein, nein, vielen Dank! Der Mechaniker ist schon unterwegs.“

Dann kann ich mich ja in Ruhe der Grjótagjá zuwenden, einer Höhle mit einem tiefblauen See.

Höhlensee

Achim und ich unterhalten uns beim Reinschauen in die Höhle natürlich und als wir rauskommen, steht das isländische „Pannenpärchen“ vor uns: „Wir haben gehört, dass Sie Deutsch sprechen“, sagt er mit Schweizer Akzent in ansonsten perfektem Deutsch. „Wir haben lange in der Schweiz gelebt und in Karlsruhe studiert.“ Es entspannt sich eine nette Unterhaltung, bei der wir unter anderem erfahren, dass beide als Kinder in diesem Höhlensee noch gebadet haben. Das ist heute leider verboten. Unser Gespräch endet erst, als der Mechaniker kommt.

Die Höhle liegt im Grabenbruch zwischen der nordamerikanischen und der Europäischen Platte und ehe wir wieder in den Bus steigen, nütze ich die Gelegenheit, mit beiden Beinen auf zwei Kontinenten zu stehen. Hat man ja nicht jeden Tag.

Die nächste Station lassen wir aus: nachdem wir gestern so idyllische Hotpots hatten (für ca. 7 Euro pro Person), verzichten wir auf das Myvatn Nature Bath (für ca. 35 Euro).

Stattdessen picknicken wir oben auf dem Pass im Bus und genießen von oben die schöne Aussicht auf den See.

Blick auf den Myvatn

Der Myvatn heißt übrigens Myvatn, weil My Mücke (und Vatn See) bedeutet. Bei gutem Wetter (was wir heute haben: Sonne, 20 Grad) kann man hier, so heißt es, Millionen von Mücken sehen. Es sind keine Stechmücken sondern sog. Staubmücken, die aber wegen der schieren Menge zur Plage werden. Sie schwirren einem vor dem Gesicht herum und versuchen, in jede Öffnung einzudringen. Bisher waren wir von ihnen verschont, jetzt aber tauchen die Viecher auf. Zum Glück nicht in Millionenstärke aber genügend, um lästig zu sein.

Auf unserem Weg zum Kratersee Víti wedeln wir die Tierchen weg.

Der Kratersee „Hölle“

Mittlerweile sind wir vom vielen Schauen und Laufen schon etwas erlahmt und können uns nicht für die 1,5 km-Tour einmal rum erwärmen.

Die Rykmý, wie die Mücken auf Isländisch heißen, nerven auch am Hverir, einem Hochtemperaturfeld, in dem es blubbert und gurgelt und dampft und zischt.

Im Hverir, das bedeutet „heiße Quellen“

Und es stinkt ganz furchtbar nach Schwefel, so dass wir nach einem kurzen Fotostopp beschließen, es für heute gut sein zu lassen und den nächsten Campingplatz ansteuern. Auch hier sind die kleinen Quälgeister unterwegs, aber wir haben ein großes Fliegengitter vor unserer Schiebetür und können uns in Sicherheit bringen. Während ich blogge, brät Achim ein paar Bratwürste und öffnet zwei Dosen Bier. Das Leichtbier hier hat 2 % Alkohol, kostet erschwingliche 1 Euro pro Dose und schmeckt uns gut. Skál!

Das Glück der Erde … ja, wo liegt es denn?

Ein gutes Frühstück ist schon mal eine prima Grundlage, wenn man sich auf die Suche macht nach dem Glück auf Erden. Wir sind in Dalvik, das gehört schon zur Region Norđurland Eystra, den Nordosten der Insel. Es ist Hochsommer, ein sonniger Tag liegt vor uns. Wir haben natürlich ein Etappenziel, das wollen wir uns eher […]

Das Glück der Erde … ja, wo liegt es denn?

Vom Versuch, einen Blick auf einen Wal zu erhaschen

Whale watching, also Wale beobachten, ist hier oben in Nordisland eine beliebte Touristenattraktion. Auch eine meiner Freundinnen, die schon hier war, schwärmte mir davon vor und erzählte, wie sehr sie von ihrer Begegnung mit diesen Tieren beeindruckt war.

Das wollen wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen, also Tour buchen und los.

Um kurz nach drei am Nachmittag stehen wir im floater, einem Wasser- und winddichtem Overall, der auch schön warm hält, an Bord der Máni, die vor dem Küstenort Dalvík liegt. Mit uns an Bord 16 weitere Menschen aus aller Frauen Länder und vielen gaaaanz großen Kameras.

Ich habe vorsorglich eine Tablette gegen die Seekrankheit genommen und das Wasser ist hier im Hafen sehr ruhig. Das ändert sich zum Glück auch nicht, als wir in den Fjord hinausfahren.

Unsere Tourleiterin erklärt uns, welche verschiedenen Wale wir voraussichtlich sehen werden, da sie sich regelmäßig hier im Fjord aufhalten: Buckelwale, Zwergwale (obwohl auch der Kleinste seiner Art bis zu zehn Meter lang werden kann, heißt er so) und Delphine. Mit besonders viel Glück könne man auf dieser Tour auch mal einen Blauwal oder einen Finnwal sehen.

Wir sind gespannt und ich bin auch ein bisschen aufgeregt.

„Wir müssen aber erst noch ein ganzes Stück rausfahren“, erklärt uns Heta. Unser Schiff ist ein massives vertrauenerweckendes Holzschiff, die See ist ruhig, leider ist es etwas diesig.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde kommt erste Aufregung auf: „Da, auf 11 Uhr! Delphine!“ Wir gucken und gucken, ja und dann sehen wir sie auch, mittlerweile auf 12 Uhr. Aber nicht so, wie man es aus Tierfilmen (oder, Kindheitserinnerung: Flipper) kennt: in einer eleganten halbmondförmigen Bahn schwingt sich das große Tier weit aus dem Wasser, ehe es mit einem freundlichen Lächeln elegant wieder im Wasser versinkt. Unsere Delphine zeigen uns nur ganz kurz ihren Buckel und man muss sich schon sehr anstrengen, sie überhaupt zu sehen. Ein Foto davon zu machen, ist gar nicht drin.

Macht nix. Wir haben ja noch ein Rendezvous mit den Walen. Also weiter.

Nach etwa einer Viertelstunde behauptet Heta, jetzt habe sie einen Wal gesehen, auf 10 Uhr! Der Kapitän dreht sein Boot leicht Richtung Luv und tuckert langsam Richtung Wal. „Da!“ (vielstimmig, vielsprachig) sehen wir in der Ferne die Wasserfontäne, die das Ziel unseres Begehrens in die Luft spritzt – aber das war es auch schon. Am Auftauchen hat er gerade kein Interesse. Wir haben von unserer Tourleiterin bereits gelernt, dass so ein Wal leicht fünf Minuten unter Wasser bleiben kann, ehe er zum Luftholen wieder auftaucht. Also ist Warten angesagt (für Unruhegeister ist so eine Walbeobachtungstour eher ungeeignet). Wir warten und warten und fahren schließlich weiter.

Ich will niemanden zu sehr auf die Folter spannen und zeige deshalb jetzt das beste Bild, das uns auf dieser Tour gelungen ist, ein Schnappschuss, den Achim geknipst hat. Wir waren seit unserer ersten Beinahe-Walbegegnung nochmal etwa fünf Minuten gefahren, Heta erspähte wieder ein Tier und das konnten wir dann auch etwa eine Viertelstunde lang beobachten. Aber wiederum aus ziemlicher Entfernung, jeweils für wenige Sekunden, nie in ganzer Schönheit.

Leider waren dann unsere drei gebuchten Stunden um und wir traten, leicht frustriert, die Rückfahrt an.

Umso schöner, dass wir am Abend Tina und Stephan, die wir schon am Vortag auf dem Campingplatz in Siglufjörður kennengelernt haben, wiedertrafen. So wurde es trotzdem noch ein lustiger Abend.

Fahrt nach Norden

So anschaulich beschreibt Achim unsere nächste Etappe:

Island ist in acht Regionen eingeteilt. Als nächstes wollen wir die Region Norđurland Vestra, das westliche Nordland erkunden. Wir starten in Grundarfjörđur an der nördlichen Küste der Halbinsel Snaefellsnes. Siehe den vorherigen Blog. Grundarfjörđur Kirche Das Bild mit Kirche, Skulptur und dem beschrifteten Band reiche ich hier nach. Die Kirche mit der Skulptur (laut Wikipedia) […]

Fahrt nach Norden

Auf Snaefellsnes

Gleich zum Start unserer Wanderung gibt es Ärger. Die Seeschwalben halten uns für Feinde und fliegen Scheinattacken. Aber bleibt es auch beim Schein? Achim hat da schon mal schmerzhafte Erfahrungen gemacht. Mit der Handtasche wedele ich in der Luft, ziehe den Kopf ein und beeile mich, am Brutgebiet der Vögel vorbeizukommen.

Wir sind unterwegs zu dem formschönen Krater Eldborg, den man besteigen kann. Achim hat manchmal Ähnlichkeiten mit einer Ziege: wenn man irgendwo hoch kann, muss er hoch. Also auch hier. Und ich mit (ich könnte ja was verpassen 😀).

Oben angekommen blickt man in 50 Meter Tiefe. Und stärkt sich mit einem Müsliriegel für den Rückweg und einen weiteren Seeschwalbenabwehrkampf.

Der Westen der Halbinsel, die etwa 100 km nördlich von Reykjavik liegt, wird vom namengebenden Gletscherberg Snaefellsjökull dominiert. Jules Vernes Geschichte von der „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ nimmt hier ihren Anfang. Wir umrunden den schneebedeckten Berg beinahe, er sieht aus jeder Perspektive wunderschön aus.

Am Abend finden wir einen superschönen Stellplatz im Örtchen Grundafjördur mit Blick auf einen kleinen Hafen, den Fjord und die umgebenden Berge.

Da wir heute den ganzen Tag Sonnenschein hatten, sind wir optimistisch, dass es heute mal klappt mit der Mitternachtssonne. Um kurz vor zwölf gehen wir an den Strand. Auf dem Weg durchs Dorf sehen wir schon, dass eine fiese kleine aber dichte Wolkendecke die Sonne von unten anknabbert.

Mitternachtssonne: 23.50 Uhr

Die roten Farben kommen nicht so kräftig raus, so dass keine typischen Sonnenuntergangsbilder entstehen.

Um kurz nach Mitternacht
0.15 Uhr

Was mich immer noch am meisten fasziniert ist, dass es wirklich nicht dunkel wird. Es ist lesehell mitten in der Nacht – was natürlich dazu führt, dass die Grenzen zwischen Tag und Nacht zerfließen. Neulich habe ich mit einer Schweizerin gesprochen, die sagte, dass sie nicht nur zwei sondern vier Stunden Zeitumstellung zu verkraften habe, wenn sie nach Hause käme. Denn sie gingen hier immer mindestens zwei Stunden später ins Bett als normal.

Um Mitternacht am Strand

Wir gehen gegen eins ins Bett, die Sonne wird zwei Stunden später wieder aufstehen.

Frühstück bei sommerlichen Temperaturen von 13 Grad

Als wir wach werden und gegen halb neun frühstücken, leistet sie schon wieder ganze Arbeit. Angeblich hat es nur 13 Grad, sie fühlen sich jedenfalls sehr kurzärmelig an.

Ein Highlight steht noch auf unserer Snaefellsnes-Liste: Kirkjufellberg und – wasserfall möchte Achim unbedingt noch fotografieren. Es gibt davon ein superschönes Bild in unserem Reiseführer. Mal sehen, ob wir das auch hinkriegen.

Ja, hat geklappt: Spot gefunden und optimale Lichtverhältnisse.

Mein Foto
Der Meister bei der Arbeit
Achims Bild

„Das ist einer dieser Spots, an denen Du den ganzen Tag mit der Kamera stehen kannst“, sagt der Mann. Nix da, ich will jetzt in den Norden!

Ein Tag im Bus

Der Wecker klingelt um 5:45. Ungefrühstückt steigen wir direkt am Camping Reykjavik in den modernen Reisebus. Der Busfahrer begrüßt uns und fängt nahtlos mit dem Sprachkurs an : die Silbe LAU wird im Isländischen LÖJ ausgesprochen. Also fahren wir heute nicht nach Landmannalaugar sondern nach Landmannalöjgar. Umstieg in den Überlandbus Nach kurzweiligen 15 Minuten stoppen […]

Ein Tag im Bus

Der Vulkan lebt

Vor dem Lavafeld

Am 19. März 2021 um 20.45 Uhr kam die Nachricht: „Eldgos!“ Vulkanausbruch! Im Krysivik-Vulkangebiet, rund 30 km südwestlich von Reykjavik, war es zu einer Eruption gekommen. Das erste Mal seit 800 Jahren. Da weder Menschen noch deren Hab und Gut bedroht waren und auch jetzt noch nicht sind, ist dieser Vulkanausbruch (bisher jedenfalls) eine reine Freude für die Wissenschaft, die Einheimischen und die Touristen. Tausende zog es in den letzten Monaten dorthin auf der Suche nach spektakulären Anblicken. Heute machen auch wir uns auf den Weg. Allerdings ist es nebelig und es nieselt. Egal, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ein Geh- und Radweg durchs alte Lavafeld

Schon auf dem Weg dorthin – wir nehmen die Schnellstraße vorbei am Flughafen – queren wir ein riesiges Lavagebiet, das aber vor langer, langer Zeit entstanden ist.

Etwa zehn Kilometer hinter dem kleinen Örtchen Grindavik entdecken wir linkerhand den großen, ziemlich vollen Parkplatz. Der Regen lässt auch langsam nach und wir packen uns warm ein und ziehen los.

Interessant zu beobachten, wie geschäftstüchtig manche Menschen sind: der Bauer, auf dessen Grund wir parken, verlangt eine Gebühr von 1000 Kronen (etwa 7 Euro), eine Würstchenbude ist da und eine Tafel wirbt für ein Restaurant im benachbarten Ort.

Nach etwa einem Kilometer stehen wir vor den Ausläufern der Lava, die in den letzten Monaten hierher geflossen ist. Sie ist erstarrt, aber in den letzten Tagen gab es im Internet viele Warnhinweise, dass dies nicht bedeute, dass sie auch völlig erkaltet sei. Betreten sei gefährlich, da man einbrechen könne und die Kerntemperatur mindestens 1000 Grad beträgt.

Das riesige frische Lavafeld im Nátthagital zieht viele Schaulustige an.

Wir wandern ein Stündchen am Rande des Lavafelds entlang und bestaunen dieses weitere Naturwunder, das wir hier in Island erleben dürfen.

Die Hoffnung, vom Aussichtspunkt auf dem Berg neben uns etwas vom Krater selbst zu sehen, haben wir inzwischen aufgegeben. Viel zu nebelig. Die Experten bestätigen dies:

Wir trösten uns damit, dass auf dem Rückweg noch ein paar schöne Spots auf uns warten, z. B. der Graenavatn, der Grüne See, an dem Achim endlich mal wieder seine Drohne steigen lässt.

Der Graenavatn ©Joachim Zimmermann

Hier kochen wir uns auch einen Kaffee und machen Brotzeit.

Nur wenige Kilometer später halten wir wieder an. Links der Straße steigen Dämpfe auf – wir sind im Hochtemperaturgebiet Krýsuvik, ein farbenfrohes Solfatarenfeld bietet ein großartiges Schauspiel: Schwefeldämpfe steigen auf, es blubbert aus heißen Quellen und Schlammlöchern. Obwohl es hier sehr nach faulen Eiern stinkt, machen wir einen Rundgang auf den sehr schön angelegten Holzstegen, die quer durch die außergewöhnliche Landschaft führen.

Einen ruhigen Abschluss findet dieser Ausflug am Kleifarvatn, einem verzauberten See, umgeben von schwarzen Bergen. Hier, ich bin mir recht sicher, hier müssen Elfen und Trolle wohnen.

Wie verzaubert: der Kleifarvatn

PS: So sah es gestern Nacht am Vulkan aus! Tja.

Ein Spaziergang durch Reykjavik

Diesen schönen Bericht samt toller Bilder von Achim reblogge ich doch sehr gerne:

Unser zweiter Tag in der Hauptstadt. Gestern hat Eva berichtet, heute erzähle ich von unserem Spaziergang. Als ich aufwache, ist Eva schon unterwegs. Eines der Freibäder der Stadt ist gleich nebenan, der Eintritt in der Reykjavik card inkludiert. Begeistert erzählt sie beim Frühstück vom Schwimmen und von den fünf Hotpots, für die ich mich auch […]

Ein Spaziergang durch Reykjavik

Kontrastprogramm: In der nördlichsten Hauptstadt der Welt

Vor Reykjaviks Skyline bei freundlichen 13 Grad

Die höchste hier jemals gemessene Temperatur im Sommer ist 25,7 Grad. Davon sind wir heute mit 13 Grad weit entfernt, dennoch fühlt es sich nach dem Frühstück auf dem Campingplatz in Reykjavik so warm an, dass ich das erste Mal kurzärmelig losgehe. Dass hier im Winter die Gehwege beheizt werden, spürt man bei diesen sommerlichen Temperaturen natürlich auch nicht.

Wir freuen uns auf das Kontrastprogramm, das uns heute und morgen hier in der Hauptstadt erwartet – nach so viel atemberaubender Natur gibt es jetzt mal wieder Architektur und Kultur.

Open Air-Fotoausstellung über die arktische Natur

Zu Fuß laufen wir in die Stadt, immer am Meer lang, und stoßen bald auf eine Fotoausstellung im Freien, die die Siegerfotos eines Wettbewerbs zum Thema „Arktische Schönheiten“ zeigt.

Diese Skulptur von Jón Gunnar Amason heißt Solfar (Sonnenfahrt) und stellt ein Wikingerschiff dar. Es gehört zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Das ist seltsam, denn gleich nebenan liegt Harpa, das 2011 neu eröffnete Konzerthaus, das doch mindestens ebenso fotogen ist, oder?

Konzerthaus Harpa

Wir möchten uns eine Reykjavik-Card kaufen, mit der man in Museen und Schwimmbäder gehen und Bus fahren kann. Es soll sie in der Touristen-Information geben, aber diese ist unauffindbar (trotz papiernem und digitalem Stadtplan). Ein junger Mann fragt uns auf Englisch, ob er uns helfen kann. Die Touristeninformationen sind wegen Corona und den wenigen Reisenden alle noch geschlossen, aber die von uns erwünschte Reykjavik-Card gebe es bei ihm im Museum. Einfach mitkommen,erklärt er uns mittlerweile auf Deutsch, denn er stammt aus Hanau und lebt seit 13 Jahren hier.

So landen wir im Reykjavik Art Museum und schauen uns eine Gemeinschaftsausstellung von 14 jungen KünstlerInnen der aktuellen lokalen Szene an.

Gleich gegenüber sind Stadtbibliothek und, im fünften Stock, das Fotografiemuseum. Durch die vielen spannenden Bildern des Fotografen Sigurhar Vignir, der zwischen 1917 und 1964 vor allem in Reykjavik gearbeitet hat, erfahren wir, dass früher einiges für die Gesundheit der Kinder getan wurde: der Lehrer flößte jedem Kind in der Schule Lebertran ein und es gab Sonnenbanken, durch die sie das notwendige Vitamin D bekommen sollten.

Lichttherapie für Kinder
Foto von Sigurhar Vignir

Viel Kunst macht hungrig. Zwei isländische Hotdogs und eine Portion Pommes später können wir gestärkt unseren Stadtbummel fortsetzen.

Portion Pommes. 6 Euro. Ist ja aber auch ziemlich groß.

Reykjavik hat nur etwa 200 000 Einwohner und zeigt sich uns recht gemütlich mit bunten Holzhäuser, kleinen Straßen, einem See im Zentrum. Alles lädt  zum gemütlichen Flanieren ein.

Am Stadtsee Tjörnin
Bunte Altstadthäuser

Aber wenn man weitergeht, stößt man natürlich auch auf andere Bebauung.

Der Hallgrimskirkja können wir aufs Dach steigen und erhaschen so auch noch einen Blick von oben auf die Stadt.

Die Hallgrimskirkja

Die Hallgrimskirkja wurde von 1947 bis 1974 gebaut. Erheblich kürzer, nämlich lediglich drei Jahre, war die Bauzeit für „Perlan“ (Perle), ein Multifunktionsgebäude auf dem 60 m hohen Hügel Öskjuhlið. Wir dürfen ja umsonst Bus fahren, also los. Mit dem 18er geht’s in südliche Richtung, schon nach zehn Minuten sind wir am Ziel.

Von hier oben wird die gesamte Stadt mit Wärme versorgt. Perlan ist nämlich ein riesiger Warmwasserspeicher. Fünf Wassertanks, die insgesamt 20 Mio Liter heißes Wasser bevorraten, stehen hier oben in stylischem Ambiente. Wir schlendern durch das Museum der Naturwunder Islands mit unseren heiß geliebten Papageientauchern (die wir hoffentlich auf dieser Reise noch in echt sehen werden), einem künstlichen Gletscher samt Eishöhle und einem Film über die Nordlichter.

Papageientaucher/Puffin/Lundi
In der Eishöhle auf einem Eissessel
Nordlichter

In einem der nächsten Winter kommen wir wieder, denn Nordlichter möchten wir so gerne einmal in natura sehen.

Inzwischen ist es 20 Uhr geworden, der Bus ist gerade weg und wir machen uns zu Fuß auf den Weg. Wie war das nochmal mit kurzärmelig? Es hat zwar immer noch 13 Grad, aber die fühlen sich jetzt ganz anders an als heute Vormittag.

Gut eingemummelt am Abend. Vor der Moschee.

Zwei Geheimtipps

Direkt an der Hauptstraße, die die Sehenswürdigkeiten im so genannten Golden Circle auf Island verbindet, gibt es einen kleinen Parkplatz. Das ist ja noch nichts außergewöhnliches. Er ist aber nicht als Parkplatz ausgeschildert (weil Privatgrund) und es steht auch kein Schild Bruarfoss da. Wir wissen aber aus unserem Reiseführer, daß die 7km-Wanderung hier sich lohnt. […]

Zwei Geheimtipps