„Das sind ganz besondere Tage, wenn wir hier am Morgen keinen Ostwind haben“, sagt unsere Wirtin und deckt den Frühstückstisch unter zwei Robinien direkt an den Elbauen. Bis die anderen kommen, mache ich noch einen kleinen Spaziergang zum Wasser und genieße die frische Luft und die Stille. Heute werden wir unsere letzten 60 Kilometer Elberadweg fahren, denn ab Havelberg wechseln wir auf den Havelradweg.


Wir sind im Storchenland. In jedem Dorf entdecken wir Nester mit Jungvögeln, die entweder geduldig auf ihre Eltern warten, die ihnen das Essen vorbeibringen, oder ihre ersten Flugübungen machen. Mal hüpfen sie dafür im Nest auf und ab und klappern feste dabei oder sie sitzen auf dem First eines Stalls und gucken erstaunt, wo sie denn jetzt gelandet sind.

In Buch, kurz vor Tangermünde, gibt es sogar ein Storchen-TV: im Elbe-Land-Museum wird live aus dem benachbarten Storchennest übertragen.



Ein Seeadler „fliegt“ uns im Museum auch noch vor die Linse.

Wenig später hätten wir die Chance zu weiteren Vogelbeobachtungen. Außer vielen Graugänsen und einigen weiter weg stehenden Kranichen, die wir durchs Fernglas erspähen, lässt sich aber nichts blicken.


Gegen Mittag erreichen wir die alte Kaiser- und Hansestadt Tangermünde, die wir mit dem Rad besichtigen.
Die Blütezeit der Hansestadt war das 15. Jahrhundert, in der die Stadttore und das Rathaus im Stil der norddeutschen Backsteingotik entstanden.



Bei der Besichtigung der St. Stephans-Kirche haben wir Glück. Die neue Kantorin aus St. Petersburg führt ihrem Schwiegervater gerade die Orgel vor (erfahren wir alles von der Küsterin). Die Orgel ist ein „Denkmal von europäischem Rang“ aus dem 17. Jahrhundert und wurde sorgsam restauriert. Wir setzen uns in eine der Kirchenbänke und freuen uns über das unverhoffte Konzert.

Bis zum Tagesziel Havelberg auf der anderen Elbseite sind es noch rund 30 Kilometer. Trotz des Wochentags sind viele Radtouristen unterwegs, die uns jedesmal freundlich grüßen. Auch die Menschen, die hier leben, begegnen uns alle mit ausgesprochener Herzlichkeit.

Es ist schon nach sechs, als wir in Havelberg ankommen. Schuld daran ist der Einkehrschwung in einem schönen Biergarten unmittelbar am Radweg. Aber was will man machen?


Wir verschieben die Besichtigung der Hansestadt auf den nächsten Tag, suchen uns den Weg zu unserer Ferienwohnung, duschen und gehen in das vom Vermieter empfohlene Lokal. Unsere Mitbewohner bleiben daheim und passen auf den Garten und unsere Fahrräder auf.





















































