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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Fast ein Ruhetag

Bei Schönebeck ist das älteste Soleheilbad Deutschlands. Ein guter Ort für einen Ruhetag. Immerhin liegen bereits 450 Radkilometer hinter uns. Da kann mindestens der Po eine Pause gebrauchen.

Unsere recht stylische und liebevoll geführte Unterkunft passt eigentlich gar nicht zu der sehr trostlos wirkenden Stadt, die wir nach dem Frühstück besuchen. Ein hässlicher Platz, dessen Funktion sich uns nicht erschließt, kein Café, die Supermärkte außerhalb. Nur direkt am Elbufer und in der Bahnunterführung ist es schön.

Mit dem Rad fahren wir ins Kurzentrum. Wir können wählen zwischen einem Zeitfenster von einer oder zwei Stunden, mehr ist wegen Corona nicht drin. Zwei Stunden reichen uns aber auch zum Plantschen im 36 Grad heißen Salzwasser oder ein paar Runden im kühleren Außenbecken.

Am Nachmittag machen wir uns auf ins 18 Kilometer entfernte Magdeburg. Dort kommen wir zwar morgen auch vorbei, aber heute Nachmittag haben wir etwas mehr Zeit zur Besichtigung des gotischen Doms, des Hundertwasserhauses und des Marktplatzes.

In Magdeburg werden bei mir Kindheitserinnerungen wach: meine Mutter stammt aus Oschersleben an der Bode und wir haben als Kinder oft unsere Ferien bei meiner Großmutter verbracht. Da wir kein Auto hatten, fuhren wir nachts mit dem Interzonenzug von Duisburg nach Magdeburg, wo wir in aller Herrgottsfrüh eintrafen und in der Bahnhofsgaststätte die zwei Stunden bis zur Abfahrt des Anschlusszugs nach Oschersleben verbrachten.

Wie befremdlich war es für mich, junge und ältere Männer um diese Uhrzeit beim Biertrinken zu sehen.

Wir runden unseren Magdeburgbesuch diesmal auch mit Bier ab. Beim Mückenwirt, direkt am Fluss gibt es außerdem ein sehr leckeres Abendessen, ehe wir die Rückfahrt nach Schönebeck antreten.

Bauhaus und die Tante Ju

Avatar von zimjoaUnterwegs

Dessau und die Häuserder Design- und Architekturschule Bauhaus sind berühmt für die neue Entwicklung des Wohnens. Ein weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang ist weniger bekannt. Hugo Junkers, der Vater der Tante Ju, hat mit seinen Gasgeräten zur Wassererwärmung wesentlich dazu beigetragen, das heute selbstverständliche Badezimmer zu etablieren.

Seine kleinen Gasthermen ermöglichten es Ende des neunzehnten Jahrhunderts, auf kleinem Raum und ohne großen Aufwand warmes Wasser zu bereiten.

Im Vordergrund des Technikmuseums, das von einem kleinen Verein enthusiastischer Leute betrieben wird, stehen natürlich die Flugzeuge.

Die Tante Ju

Uns zieht es wieder an die Elbe. Dort steht, ebenfalls originalgetreu restauriert, das Restaurant Kornhaus.

Endlich, freuen wir uns, endlich dürfen wir mal mit Elbblick radeln.

Nach nur wenigen Kilometern führt uns der Radweg wieder in die Weiten der Elbauen. Auch heute sehen wir den Fluß nur aus der Entfernhng oder bei der Nutzung der Fähren, was heute immerhin zwei mal…

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Von Luther zu Gropius

Zwischen dem Kirchenmann Luther, der vor 500 Jahren für die Spaltung derselben sorgte, und dem Architekten Walter Gropius, der vor rund 100 Jahren zum Mitbegründer der Modernen Architektur wurde, liegen 60 Elberadwegkilometer.

Zuerst ist natürlich Luther dran, schließlich sind wir noch in Wittenberg. Auch hier gibt es ein Panometer von Yadegar Asisi, das im 360 Grad-Panorama das mittelalterliche Wittenberg Luthers, seiner Frau Katharina von Bora und seines Mitstreiters Melanchtons erlebbar macht.

Seit 2003 realisiert Asisi die größten Panoramen der Welt. Ich bin ein großer Fan seiner Werke und glücklich, hier in Wittenberg auf eins zu stoßen.

Ehe wir auf den Elberadweg fahren, machen wir noch einen Abstecher zur Piesteritzer Werkssiedlung. Sie wurde 1916 für über 1000 Arbeiterinnen und Arbeiter des Reichsstickstoffwerkes von dem Stadtplaner Georg Haberland und dem Architekten Otto Salvisberg gebaut. Zur Expo 2000 wurde sie originalgetreu saniert und so zur ersten autofreien Siedlung Deutschlands.

Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, es ist fast nicht mehr windig und so ist es ein leichtes Radeln durchs Biosphärenreservat Flusslandschaft Mittelelbe, leider auch heute meist hinter dem Deich. Um einen Blick zu erhaschen, muss man kurz auf den Deich hoch.

Schon nach 20 Kilometern sind wir im Wörlitzer Park, einem riesigen Landschaftspark, der im 18. Jahrhundert angelegt wurde und damals wie heute kostenfrei für jedermann zugänglich ist.

Hier sind etliche Besucher unterwegs, so dass wir unsere Räder brav schieben.

Zum Kaffeetrinken zieht es uns aber zurück an die Elbe, wo wir ein Restaurant mit Terrasse gleich an der Fähre finden. Eis, Kuchen, Backfisch, hach, geht es uns gut.

Dann treten wir nochmal ordentlich in die Pedale und erreichen nach 25 Kilometern Dessau. Räder abladen, Zimmer beziehen, Duschen und im Garten bei einem kühlen Bier kurze Lagebesprechung. Dann wechseln wir das Fortbewegungsmittel und erlaufen uns die ersten Bauhaussehenswürdigkeiten der Stadt.

Das Bauhaus wollte ab den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts neue Wohn- und Lebensformen einführen. Dafür stand auch das Ateliergebäude mit 28 Wohnstudios für Studierende, ausgestattet mit Einbauschränken, Stahlrohrmöbeln, einer Teeküche auf jeder Etage, einer Kantine im Erdgeschoss (die heute noch als Cafeteria dient), einer Dachterrasse und Minibalkonen vor jedem Zimmer

Das Bauhaus erlebte in Dessau seine erfolgreichste Zeit. Gropius und Co. erprobten hier die Stadt von morgen. Was das Bauhaus hier baute, hatte Modellcharakter. Die hier zahlreich existierende Bauhauskultur zählt heute zum Unesco Welterbe.

In den Meisterhäusern wohnten Prominente wie Feininger, Kandinsky oder Klee mit ihren Familien. Bei der Farbgestaltung der Innenräume legten die Maler auch schon mal selbst Hand an. Doch es ist für uns leider schon zu spät für eine Besichtigung.

Doch der kleine Gemeinschaftspark ist geöffnet. Hier haben zwei Künstlerinnen Tafeln aufgehängt, auf denen sie ihre Gedanken geschrieben haben. Eine Tafel erinnert mich an meinen Freund, den Freisinger Maler Pepito Anumu.

Wenig Elbe – viel Wind

Wir verabschieden uns in Belgern an der Elbe von unserer tollen Unterkunft in der Villa Kuntzsch und vom Roland am Marktplatz. In unserer Unterkunft hatte ich ein Buch gefunden, das die große Überschwemmung von 2002 zum Thema hat. Schlimm. Man hat daraus gelernt und überall Schutzmaßnahmen gebaut. An manche Stellen sieht das sehr übereifrig aus […]

Wenig Elbe – viel Wind

Von Meißen nach Belgern – 60 Kilometer elbabwärts

Erstmal das Frühstück mit Elbblick genießen. Trotz Corona darf hier ein Büffet angerichtet werden, auf dem wir leckere Sächelchen finden. Gegen 10 Uhr brechen wir auf zu einem kleinen Bummel durchs malerische Meißen. Vieles wurde restauriert, vieles hofft noch darauf. Über allem thronen die Burg und der Dom.

Dann holen wir die Räder aus der Tiefgarage unseres Hotels und pedalieren rechtselbisch gen Norden.

Meist führt der Elberadweg dicht am Wasser entlang, der Blick gleitet den Fluss entlang, über glückliche Kühe, über Schafe, die den Deich pflegen, Weizen- und Maisfelder am Wegesrand.

Es ist ein leichtes Radeln, denn es sind heute wenig andere Radler unterwegs, alles ist flach, der Asphalt unter unseren Rädern ist griffig und eben. Aber nur meistens, nicht immer. Mal müssen wir eine Treppe hinunter, eine schmale Metallrinne dient als Schiebehilfe.

Mal müssen wir aufpassen, denn unser Weg ist sehr schmal, oben auf der Deichkrone.

Einnmal ist der Weg wegen einer Baustelle abrupt zu Ende. Ohne Hinweis, ohne Umleitungsschild. Wir folgen einem Trampelpfad, der auch unter hochgedrückten Zäunen durchführt.

Wir haben Glück mit dem Wetter. Es kommt viel weniger Regen als vorhergesagt herunter. Kaum haben wir uns in unsere Regenmontur geworfen, kommt die Sonne raus. Ein Höhepunkt ist ein Storchennest am Wegesrand, das von Jungstörchen und Mama Storch bewohnt wird, die gerade mit Renovierungsarbeiten befasst ist.

Wir passieren ein paar kleine Dörfer, in denen wir kaum einen Menschen sehen, und eine Stadt, Riesa, in der ein bisschen Industrie für Arbeitsplätze sorgt und den Blick des Elbtouristen trübt. Am frühen Nachmittag würden wir gern irgendwo einkehren, finden aber erst nach 15 Kilometern einen netten Gastgarten an einem kleinen See. Vor lauter Begeisterung über die leckeren Kuchen für die anderen und einen Teller Schmorgurken mit Kartoffeln für mich, vergesse ich leider, ein Foto zu machen.

Gegen halb sechs erreichen wir die kleine Stadt Belgern, wo wir in die Villa Kuntzsch, das frühere Sommerhaus des Herrn Brauereibesitzers aus Leipzig, 1925 vom Großvater des heutigen Eigentümers erworben, einziehen.

In der Fährdiele gibt es noch leckeres Essen, die Fähre nebenan ist nicht mehr in Betrieb. Wir hören, es gibt niemanden mehr, der sie betreibt. So wie im Brauereigasthof auch. Hier wurde nach Corona nicht mehr aufgemacht, weil kein Koch da ist.

Unbeeindruckt von solch menschlichen Nöten schaut der Nibelungen-Roland auf dem Belgerner Marktplatz auf die abendliche Leere. Im Gegensatz zu uns weiß er, ob hier tagsüber mehr los ist.

Wer ist Watzke?

Die vielen Radkilometer mit Freunden und auch allein in den Wochen nach der Corona-Ausgangssperre haben sehr gut getan, wir haben auch viele neue Ecken in der heimischen Umgebung gefunden. Gut trainiert sind wir nun mit dem Auto nach Dresden gefahren, um gemeinsam mit Freunden den Elberadweg zu fahren.

Wir werden abwechselnd über die für knapp zwei Wochen geplante Tour berichten. Achim macht den Auftakt.

Wir beginnen in Dresden am Flughafen-Parkplatz […]

Wer ist Watzke?

Heimwärts

Drei Tage für die Heimfahrt. Jeden gute 200 Kilometer, ein bisschen links und rechts der Strecke die Landschaften entdecken. Tag 1 der Fahrt gen Süden. „Was ? Du warst noch nie am Drachenfels ?“ Eva schüttelt ungläubig den Kopf. „Das holen wir heute nach“. Erstmal raus aus dem Revier-Großraum und hinein in die Täler und […]

Heimwärts

Großstadtoasen

Das Ruhrgebiet, liebevoll auch Kohlenpott oder einfach Pott genannt, ist für manches Klischee gut. Die Sprache etwa ruft gern mal Spötter auf den Plan. Schantal, tuste mal dat Mäh ei machen gibt es mittlerweile sogar auf Ansichtskarten. Das Gerücht, dass sich hier jeder von Currywurst mit Pommes Schranke ernährt, hält sich ebenso hartnäckig. Und der Dreck, alles grau in grau, ne. Nee. Vorbei die Zeiten.

Wir sind in Duisburg und haben die Großstadtoasen entdeckt. Wahrscheinlich nur einen Bruchteil von denen, die es gibt. Aber die waren umso schöner.

Unser Campingplatz im Süden der Stadt liegt in der Nähe der Sechs-Seen-Platte, einem Naherholungsgebiet voller Wald und Wasser.

Turtle and Tiger heißt die begehbare Achterbahn-Skulptur auf einer ehemaligen Halde im Duisburger Süden, die 2011 errichtet wurde. Wer die Stufen bis zum Looping erklimmt, wird mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Das Besteigen der Skulptur ist zurzeit aber leider nicht möglich, weil der Coronabedingte Abstand von mindestens 1,50m nicht eingehalten werden kann. Aber auch vom Hügel aus genießen wir die Blicke auf das Kunstwerk von Heike Mutter und Ulrich Genth, das geschäftige Treiben der Hüttenwerke, auf riesige Lagerflächen, aber auch auf dichte naturbelassene Waldgebiete.

Ein Ziel im Norden der Stadt steuern wir mit den Rädern an. Hin und zurück 40 Kilometer, fast alles Radweg. Großartig! Immer wieder passieren wir irgendwelche Brachen, den Innenhafen, der ziemlich aufgehübscht wurde und mit Cafés und Restaurants lockt. Oder auch ein leerstehendes Haus, das von TänzerInnen genutzt wird.

Der Landschaftspark Duisburg-Nord stellt eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit für Duisburg, das Ruhrgebiet und Deutschland dar, weiß die Werbung. Ein komplettes Hüttenwerk – einst Ort harter körperlicher Arbeit – hat sich in einen Erlebnisraum verwandelt, der pro Jahr rund eine Million Besucher anlockt. Früher wurde hier, wie vielerorts im Ruhrgebiet, Kohle abgebaut und Eisen hergestellt. Die alten Industrieanlagen wurden nach ihrer Schließung vom Land Nordrhein-Westfalen gekauft und von 1990 bis 1999 wurden die Hallen, Gebäude und das Außengelände nach den Plänen der Architekten so umgestaltet, dass der Park laut Wikipedia in Fachkreisen heute zu den wichtigsten Projekten der Landschaftsarchitektur der Jahrtausendwende zählt. 

Der frühere Hochofen ist normalerweise frei zugänglich. Im Moment ist er nur im Rahmen einer Führung zugänglich. Das Angebot nehmen wir gern an, klettern in luftige Höhen und erfahren eine Menge über das frühere und heutige industrielle Treiben hier.

Und erwerben im Shop Geschenkpapier voller Currywurst mit Pommes Schranke. Kennt nicht jeder? Pommes rot-weiß, mit Ketchup und Mayo.

Sechsunddreißig Jahre

Wir sind in Kempen am Niederrhein. Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Achim fühlt sich hier wohl und schreibt…

Sechsunddreißig Jahre ist es nun her, dass Kempen am Niederrhein (fast) meine zweite Heimat geworden ist. Klar, die Liebe. Wir waren hier so oft zu Besuch – ich kenn mich hier aus wie in meiner Westentasche 🙄 Nach sechs Jahren sind wir wieder mal zu Besuch. Hat sich viel verändert? Nein. Wir gehen durch die […]

Sechsunddreißig Jahre

Nach Belgien zum Wandern

Das Hohe Venn steht schon lange auf unserer Liste. Heute fahren wir hin, denn es ist nur noch 60 Kilometer von uns entfernt. Es ist eine 600 km² große, schildförmig gewölbte Hochfläche zwischen Deutschland und Belgien, die sich nordwestlich an die Eifel anschließt. 133 km² liegen in Deutschland, der Rest in Belgien. Große Flächen sind als Hochmoor ausgebildet, wovon sich auch der Name ableitet: Venn für Moor.

Aber erstmal eine kleine Brotzeit zur Stärkung, denn es ist schon halb drei, als wir am Wanderparkplatz ankommen. Und es liegen immerhin 13 km vor uns.

Durchs Naturschutzgebiet wurden Holzstege verlegt, auf denen wir trockenen Fußes wandern können. Unter uns gurgelt ein Bächlein, rechts liegt ein Tümpel, die Vögel zwitschern.

Es sind nur wenige andere Wanderer unterwegs. Wir genießen die außergewöhnliche Landschaft, die durch Moose, Heidekraut, Wollgras und Moorbirken geprägt ist.

Dreieinhalb Stunden brauchen wir für den Rundweg, den wir auf der Website vom Eifelyeti entdeckt hatten.

Gegen 19 Uhr erreichen wir unseren Stellplatz in Monschau und machen uns nach dem Abendessen nochmal auf, das kleine Eifelstädtchen zu erkunden.

Sein historischer Kern ist durch Gässchen, die von alten Fachwerkhäusern mit Schieferdächern gesäumt werden, den Marktplatz und der rasch dahin fließenden Rur geprägt.

Es sind kaum Touristen hier, die meisten Lokale haben geschlossen und nachdem wir auf dem Markt unser Bier ausgetrunken haben, wird auch hier dicht gemacht.