
Mir wird ganz mulmig bei Pits Gerede. Der smarte Skipper, Dreitagebart, Zopf, meint ganz lässig: “ Lieber wäre es mir, wenn ich heute gar keine Kunden hätte.“ Wie bitte? „Draußen ist die Dünung derzeit sehr stark. Es wird ordentlich schaukeln“, menetekelt der gebürtige Namibier in breitem Hamburger Akzent.
Erinnerungen an meine mehrtägige Seekrankheit vor der kanadischen Küste werden wach. Damals war ich mit dem Weltumsegler Rollo Gebhardt auf einem zweimastigen Segelboot unterwegs. Es ging mir hundeelend.
Nun, heute werden wir nur zwei Stunden unterwegs sein. Unser Ziel ist Halifax Island, eine der Pinguininseln vor der namibischen Küste.


Da hat er wohl ein wenig übertrieben, unser Käptn. Der Atlantik ist zwar nicht das Mittelmeer, aber heute nicht allzu kabbelig, so dass wir es gut aushalten können.
Wir steuern zuerst den Diaz- Point an. Hier setzte der portugiesische Seefahrer 1487 als erster Europäer seinen Fuß aufs Festland. Gestern waren wir hier bereits mit dem Auto, begeistert von der Schönheit der Landschaft. Das ist überhaupt einer unserer Standardsprüche zurzeit: „Das ist soooo schön hier, da wirst du besoffen von.“

Und dann geht es Richtung Pinguine. Ehrlich, ich wusste bisher nicht, dass auch in Afrika Pinguine leben. Antarktis, Eis, Kälte, ja. Aber hier? Ja. Die Brillenpinguine leben vor der afrikanischen Küste. Wie viele andere Tiere stehen leider auch sie inzwischen auf der Roten Liste. Aber noch gibt es sie und wir haben die große Freude, sie vom Boot aus beobachten zu dürfen.





Noch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Afrika mehr als zwei Millionen Exemplare. In den fünfziger Jahren sollen es immerhin noch rund 300.000 afrikanische Pinguine gewesen sein. „Heute gibt es in Afrika wahrscheinlich weniger als 20.000 Pinguinpaare“, sagt Vogelschützer Ross Wanless von der Organisation Bird-Life South Africa in Kapstadt: „Wenn es so weitergeht, werden diese Tiere in freier Wildbahn bald ausgestorben sein.“
Woran der rasante Rückgang der Population liegt, wissen die Forscher nicht. „Möglicherweise liegt es daran, dass die Pinguine wegen der Überfischung immer weniger Nahrung finden“, vermutet Ross Wanless.




Wir gucken und freuen uns und fotografieren, was das Zeug hält. Pit hat mittlerweile Entwarnung gegeben, keine raue See heute – und serviert uns einen Becher köstliche heiße Schokolade.














Die Pfeilfische und ich teilen uns diesen kleinen Naturteich inmitten des Naukluft- Nationalparks. Durch die umgebenden Berge, die teils fast 2000 m hoch sind, gibt es hier relativ gute Niederschläge, so dass die Gumpen selbst jetzt, wo es schon ewig nicht mehr geregnet hat, mit Wasser gefüllt sind.
Was für eine Freude, nach einem einstündigen Spaziergang durch die Buschsavanne, vorbei an Klippschliefer und Pavianen, bei mehr als 30 Grad, in das kühle Wasser eintauchen zu können.Dann noch ein Picknick, einfach perfekt.


Gestartet sind wir heute Morgen von unserem kleinen Bungalow ohne Adresse. Irgendwo im Nirgendwo. Am Rande des Namib- Naukluft- Nationalparks, dem größten des Landes. Carsten aus Berlin, aufgewachsen in der ehemaligen DDR, verliebte sich auf einer seiner vielen Reisen, die er nach dem Fall der Mauer hierher gemacht hatte, in eine Einheimische und kaufte vor 15 Jahren diese Farm. Er baute vier kleine Bungalows und bekocht seine Gäste selber. Für uns gibt es am ersten Abend köstliches Gulasch aus Zebrafleisch – das erste meines Lebens. Lecker. Wenn er es uns nicht verraten hätte, hätten wir es als Rindfleisch gegessen. Von ihm stammt auch der Tipp, dass man in den Naturteichen schwimmen kann. In ihrem Wasser gibt es keine gefährlichen Tierchen.

Auch die Anreise war spannend. Gleich nach dem Frühstück starteten wir gegen neun in Swakopmund. 350 Kilometer Strecke liegen vor uns, die wenigsten davon asphaltiert. Kurz hinter der Stadt beginnt die Salzpiste. Dass man damit Straßen bauen kann, hatte ich schon auf meiner ersten Namibiareise gelernt. Die Oberfläche ist sehr eben und kann gut bei Tempo 100 befahren werden. Nach Regen oder bei Seenebel, wenn das Material feucht wird, empfiehlt sich das nicht, denn dann wird die Salzpiste schmierig und rutschig. Hatten wir aber beides nicht und so gingen die ersten 100 Kilometer recht flott. Immer wieder faszinierend, wenn man Swakopmund verlässt: links der Straße die Wüste, rechts der Atlantik.Dann beginnt die Pad, die Piste, die aus einem Gemisch aus Steinen und Sand angelegt wird. Afrikanische Massage. Tempo 40 bis 70, je nach Zustand der Strecke. Egal, das ist hier so, ist Teil des Gesamtpakets und wir genießen die Fahrt vorbei am Vogelfederberg, den ersten Köcherbäumen, dem Kuiseb-Canyon, dem Wendekreis des Steinbocks.



80 Kilometer vor unserem Häuschen Irgendwo im Nirgendwo erreichen wir das berühmte Solitaire. Hier geht die „Haupstraße“ weiter nach Süden, der wir in zwei Tagen folgen werden. Rechts ab, also nach Westen, geht es zu den berühmten roten Dünen von Sossusvlei, einem der berühmtesten Spots in Namibia. Wir wollen diesmal nicht dorthin, halten aber, um den ebenso berühmten Apfelkuchen des Holländers Moose Mc Gregor zu kosten.


Solitaire ist eigentlich kein Ort, sondern eine Art “ Wildwest- Tankstelle“, wichtig in den Weiten der Namib- Wüste, wo zwischen den Versorgungsstationen gern mal 100 bis 200 Kilometer liegen. Schöne Fotomotive sind auch die uralten angerosteten Autos, die irgendwann wohl mal irgendwer gesammelt hat.




Etwa 30 Kilometer vor unserem Ziel kommen uns drei Jungs entgegen und bedeuten uns, dass sie gern Wasser hätten. Wir halten an, schenken ihnen eine Flasche und unsere letzten Kekse. Auf einmal hören wir Uli von außen: „Wir haben einen Platten!“ Oh!
Während wir noch die Gebrauchsanleitung lesen (wie lässt man das unterm Chassis befestigte Reserverad hinunter, wo wird der Wagenheber angesetzt…?), hält ein Auto. Ein großer blonder Mann, der sich als Uwe vorstellt und sein junger Mitarbeiter steigen aus, setzen an, drehen, schrauben… Das Ganze dauert keine 10 Minuten und wir sind wieder startklar. Unglaublich. Wir haben so ein Glück, diese beiden Männer getroffen zu haben! Genauso ein großes Glück ist, dass nur drei Kilometer entfernt eine Werkstatt ist, in der unser Reifen repariert wird. Schon am nächsten Morgen können wir ihn abholen.
Carstens Bungalows sind jetzt nicht mehr weit weg. Ein Begrüßungsbier, eine Dusche und eine supergemütliche Behausung inmitten der staubigen Savanne warten auf uns. Und die Zebras. Diesmal (leider) im Topf.


























Der Fluss Ugab modellierte diese Inselberge vor Jahrmillionen. Wir tauchen in der Ugab-Terrace-Lodge für zwei Tage in die atemberaubende Landschaft ein.
Schon die Anfahrt ist eine Herausforderung. An der steilsten Stelle ist die Piste geschätzt 40 Prozent steil.
Wir wohnen im Oryx-Bungalow, morgens und abends wird im außen angebauten Ofen Holz für unser warmes Duschwasser entzündet. Die Häuschen wurden wie Adlerneste oben auf den Kamm gebaut.

Jeden Nachmittag gibt es frisch gebackenen Kuchen. Den Sundowner genießen wir auf der Aussichtsterrasse.
Am ersten Nachmittag erkunden wir auf einem ausgeschilderten Wanderpfad ein wenig die nahe Umgebung der Lodge.

Am zweiten Tag fahren wir zur Vingerklip, einem 35 Meter hohen Monolithen, der hoch aus dem Tal des Ugab herausragt.
Sonnenauf und – untergänge, der kleine Pool, der in die Terrassen gebaut wurde, das Oryxsteak zum Abendessen und Gesang und Tanz der Crew danach versüßen uns die Tage hier.


Achim setzt dem Ganzen noch die Krone auf, indem er mir morgens um halb sechs am Sternenhimmel das Kreuz des Südens zeigt, das gerade aufgegangen ist, und ich schon so lange sehen wollte. Kurz danach stürzt er sich auf der 960 m langen Zipline, die zu unserer Lodge gehört, todesmutig in die Tiefe.
Unser nächstes Ziel ist die Spitzkoppe, wegen ihrer Form auch das Matterhorn Namibias genannt. Sie liegt noch im Dunst, als wir ihr uns gegen 11 Uhr nähern.

An fantasievollen Verkaufsständen werden Halbedelsteine, die man in der Gegend finden kann, und Grillholz zum Kauf angeboten. In Namibia ist Grillen ein Volkssport. Zumindest bei den weißen Namibiern. Viele schwarze können sich das Grillgut nicht leisten. Wir zahlten neulich für ein 300 g schweres T-Bone-Steak etwa drei Euro.

Die 1728 m hohe Spitzkoppe ist von einer Vielzahl imposanter Inselberge umgeben, warmes, glattes Gestein, auf dem wir herumkraxeln und eine Menge Fotos machen. Die eigentliche Spitze wirkt sehr beeindruckend, weil sie 800 m über das Plateau hinausragt.Im Schatten der Steinernen Brücke packen wir unsere Brotzeit aus und genießen die uns umgebende Mondlandschaft.

Über 30 Kilometer Piste schuckeln und ruckeln wir zurück auf die Hauptstraße, die B 2, die uns durch die Namib bis ans Meer führen wird. Noch brennt die Sonne bei über 30 Grad. Doch bald schon werden uns in Swakopmund Kühle, Seenebel und niedrige Temperaturen erwarten.























Gestern habe ich ein bisschen übertrieben. Wir fahren heute keine 900 sondern nur 807 Kilometer auf dem Transkalahari- Highway in Botswana.Von 9 bis 18 Uhr sind wir unterwegs. Die Straße, die vor allem dazu dient, den Handel und Transport zwischen Namibia, Botswana und Südafrika zu verbessern, zieht sich pfeilgerade durch die Halbwüste.Strauße, ein kleiner Schakal, Ziegen, Rinder, Eselskarren und ausgebrannte Autos säumen den Straßenrand und unterbrechen die Monotonie der Landschaft. Am Anfang passieren wir ab und zu noch eine Ortschaft, so klein, dass man schon wieder draußen ist, ehe man sich’s versieht. Wellblechhütten, einfache kleine Häuser aus Beton, mobile Verkaufsstände, wenig Menschen.



Als ein entgegenkommender LKW wenige Meter vor uns ins Schlingern gerät, auf unsere Straßenseite zieht und auf dem sandigen Seitenstreifen zum Stehen kommt, ist spätestens in unserem Wagen jeder wach.Wir halten an und laufen zum Unfallfahrzeug. Glücklicherweise ist den drei Insassen nichts passiert. Der Fahrer ist eingeschlafen, erzählt seine Beifahrerin. Er wird jetzt versuchen, den Lastwagen wieder auf die Straße zu bringen. Dabei können wir ihm nicht helfen und wir verabschieden uns.Unser Adrenalinspiegel steigt kurz danach erneut in die Höhe. Wir haben uns nämlich einen klassischen Anfängerfehler geleistet. In jedem Reiseführer steht es: Rechtzeitig tanken! Und was machen wir? Fahren an der schon ewig angekündigten Tankstelle vorbei, um 80 Kilometer später festzustellen, dass die nächste Tankstelle auf unserer Strecke in 250 Kilometern Entfernung kommt. Laut Tankanzeige haben wir noch Diesel für 260 Kilometer im Tank. Risiko oder Umweg? Wir entscheiden uns für die sichere Variante in die etwas abseits unserer Route liegende Stadt, die wir in 150 Kilometern erreichen. Das beschert uns Sprit und einen Umweg von 80 Kilometern. Ommmmmm…..
Nach dem Tanken und dem Kaffee machen wir uns auf, die letzten 200 Kilometer in Angriff zu nehmen. Doch kaum sind wir wieder auf der Hauptstraße, geraten wir in eine Demonstration. Gestern waren Nationalwahlen und die Gewinner feiern den Wahlausgang mit diesem Umzug. Oh je! Wenn wir hier jetzt stecken bleiben! Es ist nicht ratsam, nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs zu sein. Ein PKW schließt zu uns auf und sein Fahrer bedeutet uns, ihm zu folgen. „Ich zeige Euch einen anderen Weg!“ Gesagt, getan. Einmal gewendet, rechts abgebogen, parallel zur Hauptstraße. Auch hier stehen viele Menschen am Wegesrand, schwenken Fähnchen, lachen und freuen sich.Als wir nach wenigen Minuten Stauumfahrung wieder unsere Route erreichen, verabschieden wir uns winkend und hupend von unserem anonymen Helfer und erreichen kurz darauf unseren Abzweig Richtung Namibia.
Noch 160 Kilometer und wir sind – endlich – in Namibia. Übernachtet wird heute im East Gate Rest Camp. Zum Abendessen gibt es, sehr landestypisch, Kudu. Wir sind angekommen.
München – London- Johannesburg. Wir starten wie üblich am frühen Abend mit bayerischen Schmankerln im Airbräu, Flug und Umsteigen in Heathrow sind problemlos (atemberaubend der Blick auf das hell erleuchtete riesige London), die Langstrecke versüßen mir Bridget Jones, die ihr erstes Baby bekommt und Lady Gaga in A Star was born. Um 9 Uhr landen wir in Johannesburg, holen unser vorbestelltes Auto ab und machen uns auf den Weg nach Nord-Westen Richtung Botswana. Unser Ziel ist Namibia, wo wir drei Wochen lang die wunderschöne Landschaft genießen wollen. Um hierhin zu kommen, fahren wir erstmal rund 400 Kilometer durch Südafrika.

Rund um Johannesburg geht es (im Linksverkehr) auf achtspurigen Autobahnen flott dahin. Kurz darauf erreichen wir schon Pretoria, das uns mit modernen Bauten und Jacarandabäumen in voller Blüte empfängt. Und dann biegen wir links ab, immer Richtung Westen, auf die N4, den Tanskalahari- Highway. Heute sind es nur etwa 300 Kilometer auf dieser Straße, die erst vor etwa 20 Jahren am Rande einer der größten Wüsten der Welt gebaut wurde. 900 Kilometer erwarten uns tagsdrauf.

Die Straße ist bisher in sehr gutem Zustand. Es gibt Verkehr, aber nicht zu viel. Die Landschaft wird sich verändern im Verlaufe der insgesamt 1500 Kilometer. Heute säumt zuerst eine wellige Hügellandschaft unseren Weg, gefolgt von Savanne, immer wieder unterbrochen von einfachen kleinen Dörfern.
Am späten Nachmittag erreichen wir die botswanische Grenze und unser kleines Stadthotel im 40 Kilometer weiter gelegenen Kanye.
In einem Lokal um die Ecke, das von sehr freundlichen Frauen betrieben wird, gibt es ein köstliches Abendessen mit pulled Beaf, einem Pampf aus Getreide (wir haben es nicht verstanden, mit der dazugereichten Chilliesauce war er lecker), Kürbisgemüse und so einer Art Mangold, würzig und fein im Geschmack.Morgen erwartet uns mit einer fast 900 Kilometer langen Strecke ein noch längerer Fahrtag, also ab ins Bett und ausruhen!