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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Benvingt à Catalan

Kurz vor Perpignan erhaschen wir zum ersten Mal auf dieser Reise einen Blick aufs Meer und ein Straßenschild heißt uns in Katalanien willkommen: “ Benvingt à Catalan“. Wir sind im Süden angekommen. Statt Nussöl wird jetzt Olivenöl am Straßenrand angeboten. Ginster, Zypressen und vereinzelt Kakteen säumen die Wege.

Gegen 16 Uhr passieren wir die spanische Grenze und eine knappe Stunde später sitzen wir beim Apéritif unter spanischer Sonne.

Der Tag hatte wunderbar begonnen: Achim konnte schlafen, bis er um halb neun vom Wasserkessel geweckt wurde, ich zog mir um kurz vor sieben die Laufschuhe an, die ich eine halbe Stunde später gegen den Badeanzug tauschte. Dieser Campingplatz hatte einen BEHEIZTEN POOL! Zum Frühstück gab es Baguette und petit pain au chocolat. Hach.

Dann habe ich (mit Achims Unterstützung) den Bus rückwärts aus unserem Stellplatz manövriert und ihn die nächsten 160 Kilometer durch die Cevennen und später entlang der Pyrenäen über kleine Sträßchen durch malerische Dörfer kutschiert. Wir versuchen ja gerade, ohne Navi zu navigieren, das sorgt dann kurzfristig immer mal wieder für Aufregung, wenn die Beschilderung anders ist als erwartet oder auch mal eine Straße gesperrt ist.

Es ist Weingegend. Stundenlang. Mittag machen wir Pause in Colombières am Canal du Midi. Erinnerungen werden wach, denn vor ein paar Jahren sind wir entlang des Canal du Midi von Agde nach Carcassonne geradelt – also auch genau hier vorbeigekommen.

Am Campingplatz kommen wir gegen halb sieben an. Strom anschließen, die Knöpfchen für die 12 Volt-Batterie, das Wasser und den Kühlschrank drücken und ab an den Strand. Hallo, Meer!

Wieder auf dem Weg nach Süden

Avatar von zimjoaUnterwegs

Ein strahlend blauer Himmel zeigt sich uns als wir von unserm Werkstattübernachtungsplatz nach Süden schauen.Sehr schön! Obwohl die Gegend nördlich von Grenoble sehr viel zu bieten hat, brechen wir auf. Spanien ist ja das Ziel. Wir folgen der Isère .In Grenoble wird sie von einem Berg zu einem großen Bogen gezwungen, erst ein Stück nach Norden, dann nach Westen. Wir folgen dem Fluss.

Links und rechts der Straße sind nun große Baumplantagen. Die Bäume sind noch ziemlich kahl und so können wir nicht genau sagen, was da kultiviert wächst.Immer wieder entdecken wir dann an meist kleinen Höfen Schilder. Die kurze Information darauf ist immer gleich. „Huile. Noix.“ Oder „Huile de noix“. Nussbäume also.

Walnüsse. Wir kaufen natürlich an einem kleinen Hof ein. Es wird ein stolzer Preis für das Öl verlangt – und bezahlt. Weiter südlich, in Montelimar, soll es das beste Nougat geben. Hm, kommen wir leider…

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Funiculaire Monfort

Schon gestern, als wir von Annecy (noch) Richtung Süden fuhren, schwärmte Achim mir, der hochkonzentrierten Fahrerin, die den Blick nicht von der regennassen Straaße löste, von diesem außergewöhnlichen Felsmassiv vor. „Und einen riesigen Wasserfall gibt es auch!“ Kurz danach entdeckte er, dass sogar eine „Funiculaire“, eine Seilbahn, dort hoch führt.

Auf dem Rückweg, im Abschleppwagen, erfuhren wir von unserem netten Helfer, dass dies die steilste Seilbahn Europas sei. Somit war klar, womit wir uns heute die Zeit vertreiben würden, während unser Bus eine neue Lichtmaschine bekommt.

Früh standen wir auf, denn vor der Öffnung der Werkstatt um acht mussten wir uns ja noch anziehen, frühstücken und alles rutschfest verstauen. Eine Stunde bat sich der junge Mechaniker aus, um erstmal alles durchzumessen und seine Diagnose zu stellen. Wir nutzten die Zeit zu einem Spaziergang durch den hübschen Ort Le Touvet mit vielen alten Steinhäusern, einem eindrucksvollen Rathaus und schöner Kirche.

Um halb zehn ist klar: Wie bereits von uns vermutet, hat die Lichtmaschine ihren Geist aufgegeben, aber, Madame, kein Problem. In zwei Stunden können wir eine neue bekommen, wir bauen sie für Sie ein und um 18 Uhr können Sie Ihr Auto wiederhaben. Wunderbar. So machen wir’s.

Wir schwingen uns auf die Räder und fahren die 13 Kilometer nach Lumbin durch die Felder, immer mit Blick auf die uns umgebenden Berge.

Dass heute, Nebensaison, Wochentag, Nieselwetter, an der Seilbahn wenig los sein würde, dachten wir uns schon. Dass sie aber „wegen schlechten Wetters“ gleich ganz geschlossen hat, enttäuscht uns erstmal sehr. Verlockend liegen die Gleise da, steil ansteigend, in große Höhen.

Hm, ob wir wirklich ganz hoch laufen wollen? Pfft. Aber die 15 Minuten bis zum Chateau de Montfort gehen wir auf jeden Fall mal. Verfallen liegt das Gebäude aus dem 13. Jahrhundert vor uns. Irgendwer hat aber einen hübschen Blumengarten angelegt.

Weitere 15 Minuten über uns lockt die erste Stufe des Wasserfalls. Steil geht es hier hoch.

Die Beschreibung in Google liest sich so verlockend, dass wir weitergehen. Nach einer Weile stoßen wir wieder auf die Bahn, dann auf den nackten Fels, beides sehr spektakulär. Nach zweieinhalb Stunden sind wir oben und sehr froh, dass wir diese außergewöhnliche Wanderung gemacht haben.

Leider haben wir nicht die Muße, uns im Panoramacafé auszuruhen, denn wir wollen erstmal ausfindig machen, ob es einen Bus nach unten gibt. Gibt es vielleicht, aber keinen Fahrplan. Eine Dame, bei der  ich mich nach den Abfahrtszeiten erkundige, bietet an, uns mit ihrem Auto mitzunehmen. So eine Freude!

Unten finden wir auch ein Café, kaufen fürs Abendessen regionale, winzige, quadratische Nudeln ein und werden mit fröhlichem Gesichtsausdruck des Chefs in der Werkstatt empfangen. Das Auto läuft wieder, also: Bon voyage, gute Reise!

Ein verregneter Tag in Savoien

Wenn einer eine Reise tut…😂

Avatar von zimjoaUnterwegs

Es war ein wunderbarer Abend in Annecy. Die Stadt strahlt soviel Entspanntheit aus, da könnten wir doch noch einen Tag bleiben ?!

Nein, leichter Regen am Morgen und ein Blick auf die Wettervorhersage erleichtern uns den Abschied von der Hauptstadt des Departement Haute-Savoie. Außerdem wollen wir ja nach Spanien…

Links und rechts Berge, ab und zu ein kleiner oder auch größerer See, eine schöne, große Burganlage.

Über Chambery fahren wir südlich Richtung Grenoble. Hin und wieder zeigt sich das Massif Les Rousses, der höchste Gipfel ist knapp 3500m hoch. Und dahinter versteckt sich Alpe-d’Huez, da schlägt dem Radfahrer doch das Herz gleich schneller. Also, ich fahr da mal mit dem Mopped hoch😊.

Die Gegend ist herrlich. Mittlerweile ist es auch eher trocken, da lohnt sich doch mal ein Stop.

Ein Stop mit Folgen denn unser Bus mag nicht mehr anspringen. Die schon von Anfang an schwache Lichtmaschine hat nun wohl…

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Viele erste Male und ein Wiedersehen

In den vergangenen zwei Tagen hatte ich viele erste Male: ich habe zum ersten Mal einen LKW überholt, bin zum ersten Mal eine Kehre gefahren, bin das erste Mal durch eine Baustelle gefahren und habe mich auf einem Rastplatz erstmalig auf einen LKW-Platz gestellt. Mit dem Bus.

Daheim hatten wir in Eching bereits auf den Parkplätzen geübt, auf denen ich auch Motorrad fahren gelernt habe. Das hatte mir schon gezeigt, dass es keine Zauberei ist, den Bus zu fahren. Aber bei einer Breite von etwas mehr als zwei Metern und einer Länge von 5,60m ist doch einiges zu beachten, etwa, dass man nach dem Überholen eines Lastwagens deutlich später wieder rechts einscheren kann als mit dem gewohnten PKW. Wieviel später? Zähle die Sekunden, die du brauchst, um an ihm vorbeizufahren. Ebenso lange zählst du, ehe Du wieder nach rechts ziehst. Oder: wenn du die Räder, die hinten auf dem Ständer sind, nicht abrasieren willst, wenn Du von einer Straße rechts abbiegst, musst Du ein bisschen mehr ausholen, als Du es normalerweise tust. Hat alles gut geklappt und wenn ich den Bus jetzt täglich fahre, wird er mir schnell vertraut sein.

Unser nächstes Ziel ist Annecy, südlich von Genf. Hier wollen wir uns mit Caro treffen, die letztes Jahr gemeinsam mit mir drei Wochen im Kinderheim in Nepal war. Bern, Lausanne, Genf, nach 300 Kilometern sind wir im französischen Annecy.

Es ist erst halb eins, so dass wir uns alle Zeit der Welt am Campingplatz Belvedère oberhalb des Sees lassen können. Die Sonne scheint, also Campingmöbel raus, Kaffee kochen, Mittagessen.

Danach geht es runter an den Lac d’Annecy, der mit seinen vielen Booten, bunten Blumenbeeten, einem großen Park mit riesigen alten Bäumen und vielen Flaneuren ein entspanntes Ambiente bietet. Wir bummeln mit und ruhen uns auf einer Bank noch eine Weile aus, bis es Zeit um Treffen mit Caro ist.

Wie schön ist es, wenn man sich nach einem Jahr wiedersieht und die alte Vertrautheit in kurzer Zeit wieder da ist. Caro und Greg zeigen uns als erstes die Altstadt. Wir bummeln durch enge Gassen, unter Arkaden uralter Häuser, landen auf kleinen Brücken, die schmale Kanäle überspannen. Annecy wird auch das Venedig Savoyens genannt.

Beim Abendessen probieren wir die regionalen Köstlickeiten: einen Nusswein zum Apéritif, Raclette und Tartiflette, einen vorzüglichen Kartoffelauflauf, der mit Reblochon, dem hiesigen vollmundigen Käse, zubereitet wird. Und zum Digestif (he, wir sind in Frankreich, da macht man das so!) gibt es noch den Genepi, einen Schnaps aus Beifuß.

Zu Fuß bummeln wir nach dem Abendessen durch die illuminierte Altstadt, weil es schön ist und weil man dabei zwei Kalorien und 0,0002 Promille verliert.

Ein kleiner Gefallen 😁

Auf großer Fahrt! Zwei Monate Spanien mit unserem neuen alten Bus liegen vor uns. Mein liebster Mann Achim und ich werden uns mit dem Bloggen abwechseln. Unseren Start in diese spannende Reise beschreibt Achim.

Avatar von zimjoaUnterwegs

„Duhu ?“Es ist Anfang Mai, die morgendliche Temperatur beträgt vier Grad. Eva kuschelt sich an mich und sagt „Duhu ? Würdest Du mir einen Gefallen tun ?“Sie sagt es so liebenswürdig. Kann ich da nein sagen?“Duhu ? Fahren wir gleich nach Spanien? “ Ich kann generell nur schwer Nein sagen, wir sitzen also vier Stunden später in unserem Bus und begeben uns auf große Fahrt.Ich habe schnell die Route aufgeschrieben. Es müsste doch auch im Zeitalter der Handys und Navis möglich sein, den Weg mit einfachem Spickzettel zu finden.Die heutige Strecke ist ja auch einfach. Man denke sich eine Linie zwischen Freising und Barcelona und hangele sich daran entlang.Das Wohnmobil ist kein Rennauto und so geht’s zielgerichtet aber gemütlich zumeist über Autobahnen durchs Allgäu, am Bodensee vorbei ins Appenzeller Land Richtung Zürich. Hier hat unser fahrendes Zelt ab und zu schon ganz gut zu kämpfen. Der Weg ist das…

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Freuden des Rentnerlebens

Seit zwei Wochen bin ich zurück aus Nepal. Seit heute bin ich offiziell Rentnerin. Noch habe ich zwar keinen Rentenbescheid, keinen Ausweis, nichts. Aber mit dem heutigen 1. April enden meine Altersteilzeit und meine Anstellung im Landratsamt Freising. Ein Einschnitt, den ich aber gar nicht spüre. Denn nach eineinhalb Jahren süßem Nichtstun bin ich doch schon gut vorbereitet für die Freuden des Rentnerlebens.

Nachdem ich Freund Suren aus Kathmandu zum Bus nach Zürich gebracht habe, fahre ich mit den Öfis zum Botanischen Garten in München. Ich glaube, dass ich das letzte Mal hier war, als mein Sohn noch im Kinderwagen saß (jetzt schiebt er einen). So ist das mit den Sehenswürdigkeiten vor der Haustür.

Die Sonne scheint, ein paar andere Rentner schlendern gemeinsam mit mir durch die Beete und bewundern die Frühlingsblüher. Im Café lockt frischer Rhabarberkuchen.

Auf die Pracht der übrigen (Rosen-, Kräuter-, Nutzpflanzen-, Rhododendron-)beete müssen wir noch ein paar Wochen warten. Aber es gibt ja noch die Treibhäuser. Kakteen, Orchideen, Palmen…

Wie schön ist es, sich einfach treiben lassen zu können, sich ganz spontan für einen Ausflug zu entscheiden, zu genießen. Vielleicht ist der heutige Termin doch wichtiger als ich heute Morgen noch annahm. Er macht mir einmal mehr bewusst, wie gut es mir geht und wie wichtig es ist, diese besondere Lebensphase dankbar zu genießen.

Hilfe für Kinder und ihr Heim

Letztes Jahr hatte ich bereits das Yatra Kinderheim in Kathmandu besucht, das vor einigen Jahren von Maddy und Suren gegründet wurde. Heute sind wir für den späten Nachmittag dort mit ihnen verabredet. Suren wollte uns mit seinem kleinen alten Auto eigentlich beim Hotel abholen. Das konnte ich ihm aber ausreden und wir fuhren mit dem Taxi ins nördlich gelegene Stadtviertel Golfutar. Der Fahrer lässt uns im Zentrum raus und ich rufe Suren an. Mit Hilfe des Gemüsehändlers neben mir erfährt Suren, wo genau wir stehen und wenige Minuten später kommt er uns zu Fuß entgegen. Das Haus, das sie für rund 600 Euro für das Kinderheim angemietet haben, ist nur wenige Gehminuten entfernt.

Wir werden von Maddy und zwei Kindern, die uns den Freundschaftsschal umlegen und uns mit einer kleinen Verbeugung und einem freundlichen „Namaste!“ begrüßen, empfangen.

Derzeit wohnen 12 Kinder hier, einige der Großen, die letztes Jahr noch hier waren, haben ihre Schule beendet und sich selbstständig gemacht. Annette hat jede Menge Süßigkeiten mitgebracht, die wir den Kindern nun schenken. Maddy und Suren freuen sich über unsere Spenden fürs Heim. Danke an dieser Stelle an Regina!

Zwei der Kinder lernen übrigens Deutsch und unterstützen Suren bei seinen Zählübungen. Eins, zwei drei sind übrigens für Anderssprachige sehr schwer auszusprechen. Vor allem die Zwei hat es in sich.

Nachdem die finanzielle Unterstützung durch das österreichische Paar, das Yatra Nepal überhaupt initiiert hatte und in dem sozial engagierten Musiker Suren einen lokalen Partner gefunden hatte, beendet wurde, ist die finanzielle Situation prekär. Hatte Suren noch bis vor kurzem ein kleines Gehalt von rund 200 Euro im Monat bekommen, arbeiten beide nunmehr völlig unentgeltlich. „Was sollen wir denn tun? Wir können doch die Kinder nicht im Stich lassen.“


Im Yatra Nepal Kinderheim haben sie weitaus mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie haben mit Maddy und Suren Ersatzeltern gefunden, die sie liebevoll betreuen, sie bekommen eine Schulausbildung, sie haben einen Lebensstandard, der ihnen regelmäßiges Essen sowie saubere und gesunde Wohnverhältnisse bietet. Yatra ist das nepalesische Wort für Reise, „eine Reise vom Dunkel ins Licht“, wie es Suren poetisch formuliert.
Dringend gesucht werden also Paten für die Kinder (jeder Betrag ist willkommen) oder Sponsoren ganz allgemein. Weitere Infos gibt es auf Facebook unter Yatra Nepal oder unter http://yatranepal.org.np und natürlich bei mir.

Am 31. März gibt es im Jazzclub Hirsch in Moosburg ein Benefizkonzert für Yatra Nepal. An der Gitarre: Suren Lama.

Ein königlicher Tag

Eine Königgstadt, der König des Joghurts und die besten Momos von ganz Nepal, die man dann wohl ebenfalls königlich nennen darf – das alles zusammen hat uns einen wirklich königlichen Tag beschert.

Begonnen hat er in Bhaktapur, der 15 km östlich von Kathmandu gelegenen früheren Königsstadt, die mit einer Vielzahl von kleinen Gässchen, großartigen Tempeln und einem großen Töpfermarkt unter freiem Himmel aufwartet. Die Spuren der Zerstörungen durch das Erdbeben von 2015 sind hier leider noch unübersehbar.


Laut Suren gibt es hier in Bhaktapur den allerbesten Joghurt überhaupt, quasi den „King of curd“ und es dauert nicht lange, bis jeder von uns ein tönernes Schälchen vor sich stehen hat. Und noch eins, und noch eins. Er hat wirklich nicht übertrieben. So gut ist er, dieser Joghurt! Cremig und würzig. Hmmmm. (Sorry, für das schlechte Foto. Da ist wohl die Begeisterung fürs Essen mit mir durchgegangen.)

Unser zweites Ziel am heutigen Tag ist Pashupatinath, die Verbrennungsstätte der Hindus, mit einem der weltweit bedeutendsten Hindu-Tempel, dessen Besuch uns leider verwehrt ist, da wir keine Hindus sind. Wohl aber können wir vom gegenüberliegenden Flussufer einen Blick von außen erhaschen und den Söhnen und männlichen Verwandten bei ihrer traurigen Tätigkeit der Verbrennung ihrer Verstorbenen zuschauen.

Zuletzt steuern wir, gemütlich von Suren chauffiert, die 40 m hohe Stupa von Boudanath an, mein Lieblingsplatz in Kathmandu, den ich jedesmal besuche, wenn ich hier bin. Viele Pilgerinnen und Pilger umrunden die riesige Stupa flotten Schrittes, murmeln Mantren oder Gebete, drehen die Gebetsmühlen und der eine oder andere zückt auch mal das Handy für ein schönes Bild.

Ehe wir uns ins Getümmel stürzen, setzen wir uns erst einmal auf eine Dachterrasse und Trinken Kaffee, Aug in Aug mit Buddhas Auge.

Zu späterer Stunde gibt es noch den beliebten Rumpunsch, heißer Rum mit verschiedenen Gewürzen wie Stetnanis, Zimt oder Kardamom und Nelken.

Dann drehen auch wir unsere Runde und die Gebetsmühlen und lassen den Tag bei den besten Momos von ganz Nepal, so sagen es jedenfalls Maddy und Suren, ausklingen. Da wir nicht genügend Vergleiche haben, wissen wir nicht, ob das stimmt, aber es sind jedenfalls die besten, die wir je hatten.

Busride to Kathmandu

Bereits um fünf liege ich wach im Bett. Ich döse noch ein bisschen, mache mir Gedanken, wie ich mein ganzes Gepäck am besten verstaue, stehe schließlich auf, um zu duschen. Es gibt aber kein Wasser. Gut, dass ich den Eimer am Vorabend gefüllt hatte, so dass ich wenigstens eine Katzenwäsche machen kann.

Ich trage unsere Koffer und Rucksäcke hinunter, nehme Abschied von Ann aus Dänemark, die seit ein paar Tagen als Volontärin hier ist, und meinem Zimmer, in dem ich mich nach insgesamt drei Monaten richtig heimisch fühle.

Moti, der Fahrer des Kinderheims holt uns freundlicherweise ab und bringt uns zum Busbahnhof. Eigentlich wollten wir ein Taxi nehmen, das ist aber heute schwierig, denn gestern wurde ganz spontan ein Generalstreik für das ganze Land ausgerufen. Streikbrecher sind hier gar nicht gern gesehen, mit ihnen geht man angeblich so rabiat um, dass viele nicht zur Arbeit gehen oder ihre Geschäfte schließen, um keinen Ärger zu bekommen. Wir haben zum Glück einen Touristenbus gebucht, der heute fährt.

Der Busbahnhof ist ein großer übersichtlicher Platz, der von kleinen Cafés gesäumt ist. Alles ist entspannt. Wir kaufen uns noch ein kleines Frühstück und gegen acht geht es los.

Der Bus ist nur teilweise besetzt, die Sitze sind komfortabel, man hat genügend Beinfreiheit. Was meine Reisefreude trübt: meine Stimme ist plötzlich völlig weg. Ich kann nur noch flüstern. Das ist ein bisschen unheimlich, aber mir bleibt nichts anderes übrig als im wahrsten Sinne des Wortes ganz ruhig zu bleiben. So dösen wir vor uns hin oder schauen aus dem Fenster.

Irgendwann wird die Klimaanlage angestellt und der junge Busbegleiter geht rum und öffnet alle Lüftungen. Wir geben ihm zu verstehen, dass uns das zu kalt ist. Man kann unsere Lüftung zwar nicht abdrehen, aber mit ein wenig alter Zeitung leicht Abhilfe gegen die Zugluft schaffen.

Insgesamt sind wir sechs Stunden unterwegs. Die Strecke beträgt rund 200 Kilometer. Es geht langsam vorwärts, weil die Straße sehr holprig ist, Bodenwellen und Schlaglöcher, und meistens einspurig. Wegen des Streiks sind heute recht wenig Autos unterwegs, so dass wir aber gut vorankommen.

Mehrmals gibt es einen kurzen Stop zum Pieseln, Essen und Trinken. Ich habe keinen rechten Appetit, trinke aber jedes Mal eine heiße Zitrone mit Honig, was mir guttut.

Gegen 14 Uhr erreichen wir Kathmandu. Endstation unseres Busses ist leider nicht wie erwartet der Busbahnhof sondern eine Straße in der Nähe. Mit Hilfe der Geschäftsfrau, vor deren Laden wir mit unseren Koffern stranden, gelingt es uns, Freund Suren zu erklären, wo wir stehen und auf ihn warten.

Suren und seine Frau Maddy habe ich vergangenes Jahr hier in Kathmandu kennengelernt. Zwischenzeitlich waren sie bei uns in Deutschland zu Gast und in den nächsten drei Tagen werden sie uns ihre Stadt zeigen.

In Sam’s One Tree Café probieren wir Leckereien aus der newarischen Küche, einer nepalischen Volksgruppe, die vor allem im Kathmandutal angesiedelt ist.

Meine Stimme hat sich einigermaßen erholt, so dass ich mich sogar an der Unterhaltung beteiligen kann. Wir schmieden Pläne für die nächsten Tage und ich freue mich auf die kommende Zeit hier in Kathmandu.