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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Grandmother’s brother’s daughter in law

Natürlich muss Freundin Annette auch die Farm gezeigt werden und so fahren wir um zehn am Morgen los. Diesmal erlebe aber auch ich neues dort. „Hast du schon unseren Unterstand für die Büffel gesehen?“, fragt mich Goma. Sie möchte 10 bis 12 Tiere anschaffen, um Milch fürs Heim und zum Verkauf zu bekommen. Einer kostet ca. 1000 Dollar. Sie hat das Geld noch nicht beisammen, blickt aber wie immer optimistisch in die Zukunft.

Wir fahren also an der Farm vorbei und rumpeln mit dem Auto noch ein paar Windungen weiter den Hügel hinauf, bis wir den Bauplatz erreichen.

Kaum sind wir dort, stößt eine alte Dame zu uns, die Goma freudig begrüßt. Sie wird uns als Grandmother’s brother’s daughter in law (Schwiegertochter des Bruders des Opas von Goma) vorgestellt, die hier ganz allein in einem kleinen Häuschen im Dschungel lebt und sich jedes Mal freut, wenn Goma kommt und Zeit für einen kleinen Plausch findet.

Genauso geht es einer anderen alten Frau, deren Kinder vor Jahren in die Stadt gezogen sind. Sie bekniet Goma, nicht zum ersten Mal, ihr doch ein winziges Zimmer auf der Farm zu bauen, damit sie nicht so allein ist. Der Staat unterstützt die Alten mit einer Art Grundrente in Höhe von 2000 Rupien. Das sind umgerechnet ca. 18 Euro.

Später erzählt Goma uns, dass es heute viele solche Fälle von allein lebenden alten Frauen gebe. Die Landflucht bei den Jungen ist groß, die Ehemänner häufig schon verstorben.

Grandfather’s brother’s Daughter in law hat uns einige nepalesische Köstlichkeiten mitgebracht, die wir zum Tee probieren: Milchreis, gebackene Kringel, die an Schmalznudeln erinnern und Kasar, frittierte und kandierte Reisbällchen. Lecker.

Danach machen wir einen Spaziergang und ich sehe zum ersten Mal etwas von der näheren Umgebung. Mitten durchs Gelände zieht sich eine sehr dekorative Felszunge, die in der Monsunzeit mit kleinen Wassergumpen durchsetzt ist. Viel Spaß für die Kinder, wenn sie in den Ferien mit Goma die Farm besuchen dürfen.


Erstmals sehe ich heute aus der Nähe die letztjährige Anpflanzung von Bäumen. Rund 2500 Obst- und andere Laubbäume wurden in einer großen Aktion in die Erde gebracht.


Der Kardamom, neben dem Goma hier steht, wurde leider schon vor fünf Monaten geerntet. Schade, ich hätte ihn gern mal an der Pflanze gesehen.

Haremaia, die Großmutter vom kleinen Sushil, der im Kinderheim lebt, habe ich letztes Jahr schon kennengelernt. Da war sie im Kinderheim für den kleinen Garten nebenan zuständig. Jetzt lebt sie hier auf der Farm als Hausmutter und hilft natürlich auch auf dem Feld mit.

„Eva!“, ruft sie mich leise und winkt mich in die Küche. Sie brauche neue Schuhe! Flip Flops wären schön. Ob ich ihr vielleicht welche besorgen könne. Die Tüte für sie haben wir gleich am Nachmittag gepackt. Schöne rote Flip Flops, damit sie auch zu ihrer farbenfrohen Kleidung passen, angereichert durch drei bunte Armreifen, die Annette ihr gern schenken möchte und drei kleine Schokoriegel. Sushi weiß schon Bescheid, dass er heute ein Geschenk für seine Oma bekommt, das er ihr bei nächster Gelegenheit geben muss.

Von See zu See

Ich bin eine Wiederholungstäterin. Gern fahre ich (mindestens zweimal hintereinander) ins selbe Land, gehe hier in dieselben Restaurants wie letztes Jahr oder mache die gleichen Ausflüge. Heute war es wieder so weit: an unserem freien Tag sollte es wieder einmal eine Fahrt zum Begnassee sein.

Der Bus, mit dem wir nach einem gemütlichen Frühstück am See in Pokhara losfahren, beschreibt treffend das Motto unseres Ausflugs: vom Fewasee zum Begnassee.

Heute ist das Wetter allerdings um einiges schöner als vergangenes Jahr. Zwar haben wir wieder keinen Blick auf den Himalaya, aber zumindest scheint die Sonne, es ist warm und die Hügel um den See herum sind in ein warmes Licht getaucht.

Vergangenes Jahr war alles Grau in Grau und außer mir kaum ein Mensch unterwegs.

Das schöne Wetter verlockt uns zu einer Bootsfahrt. Wir mieten ein Boot und lassen uns eine Stunde lang über den See rudern.

Im Gegensatz zum Fewasee in Pokhara ist es hier am Begnassee sehr beschaulich. Es gibt nur eine kleine Geschäftsstraße ohne viele Souvenirläden, ein paar Kaffeebuden und einige wenige Restaurants. Wir landen im selben wie letztes Jahr und, ja, ich gestehe: ich esse sogar das gleiche. Ist aber kein Wunder, hier ist Fisch einfach fangfrisch und sehr empfehlenswert. Auch den liebenswerten Text „Fress Fish 24 hours“ entdecke ich wieder auf der Speisekarte.

Für musikalische Umrahmung sorgt ein freischaffender Musiker, der uns ein Lied über den Begnassee mit klarer Stimme vorträgt und auf seiner Sarengi, einer Art Geige, die er selbst gebaut hat, vorträgt. Sehr anrührend. Und: es war nicht derselbe wie vergangenes Jahr.

Freuden des Touristenlebens: Ausflug zur Friedenspagode

Seit Freitag ist Freundin Annette hier und wir finden erst heute die Zeit für einen Ausflug. Die letzten vier Tage hatte zumindest ein Teil der Kinder schulfrei (gestern beispielsweise haben die Lehrer unserer staatlichen Schule gestreikt und wir waren mit den Kindern im Park), so dass wir immer schwer beschäftigt waren.

Heute endlich geht das Volontärsleben mal wieder seinen geregelten Gang und das bedeutet, dass wir von zehn bis drei frei haben. Das Wetter ist prima, schon am frühen Morgen habe ich von meinem Balkon aus den „Fishtail“, Machapuchre, gesehen. Deshalb nichts wie los zur Friedenspagode, von der aus man einen tollen Blick auf die Annapurnakette hat.

Leider steigen gegen halb 12 Uhr schon wieder viele Wolken auf, dennoch genießen wir den prächtigen Blick auf See und Berge.

Natürlich sieht man von hier oben auch gut auf Pokhara hinunter und ermisst die Größe der zweitgrößten Stadt in Nepal.

Wir umrunden die Stupa dreimal, wie es sich gehört.

Am Nachmittag kommen wir unseren üblichen Pflichten nach: holen die Kleinen von der Schule ab, essen mit ihnen, spülen Geschirr und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. Der Lärmpegel ist dabei immer recht hoch, was die Sache für uns anstrengend macht.

Am Abend wartet dann noch ein Highlight auf uns: ein Besuch im Moviegarden. Das ist an sich schon immer etwas besonderes, heute aber erst recht, denn ich habe Goma, ihre Tochter und Schwiegertochter sowie ihre Schwägerin dazu eingeladen. Keine von ihnen war je hier. Mit dem speziellen Ambiente dieses Freiluftkinos und dem amerikanischen in Indien spielenen Roadmivie „The Darjeeling Limited“ war der Abend ein voller Erfolg.

Shivas Geburtstag

Shiva ist einer der Hauptgötter des Hinduismus. Das Wort stammt aus dem Sanskrit und bedeutet “ Glückverheißender“. Heute ist sein Geburtstag, Shivaratri, ein wichtiger Feiertag. Und da ist natürlich wieder schulfrei.

„Happy Shivaratri!“, rufen mir die Kinder zu, als ich morgens um acht ins Heim komme. Noch vor dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zum Tempel.

Der Spaziergang dauert etwa 20 Minuten und ich bin jedes Mal begeistert, wie gut sich die Kinder im Verkehr verhalten. Die Kleinen fassen einander an den Händen, gehen zu zweit nebeneinander am Straßenrand her. Immer wieder schön anzusehen, dass die Kinder auch gut aufeinander aufpassen.

Im Tempel ist Hochbetrieb, so dass wir uns darauf beschränken, uns ein Tikka in einem kleinen Nebentempel zu holen und Fotos zu machen. Beides lieben die Kinder. Es ist eher das Gemeinschaftserlebnis als Religiosität ödet Spiritualität, was uns hier leitet.

Heute ist der einzige Tag im Jahr, an dem der Konsum von Marihuana nicht bestraft wird, denn Shiva war angeblich ein großer Freund der Droge. Das interessiert unsere Kleinen aber eh nicht. Wohl aber das andere Genussmittel, das zu diesem Feiertag gehört wie der Krapfen zum Fasching: das Zuckerrohr.

Im Park neben dem Kinderheim kaufen wir am Abend zehn große Stangen. Die Kinder halten sie in eines der zahlreichen Lagerfeuer, die von den Nachbarn entzündet wurden. Wenn sie die nötige Temperatur gaben, werden sie mit Wucht auf den Boden geschlagen, wo die Enden mit einem lauten Knall explodieren – was natürlich viel Spaß macht.

Zuhause werden sie in gleich große Stücke geschnitten und begeistert ausgelutscht. Happy Shivaratri!

Einjähriges

Es ist Tradition hier in Nepal, das Einjährige einer Eheschließung zu feiern. Heute vor einem Jahr haben Gomas Sohn Sagar und seine Frau Kusum geheiratet und so kamen heute Mittag rund 50 Frauen aus der Verwandtschaft, aus ihrem Freundeskreis und der Nachbarschaft zu uns ins Kinderheim. Goma hatte uns Volontärinnen bereits vor ein paar Tagen hierzu eingeladen und wir haben uns wie alle anderen auch in Festkleidung geschmissen.

Es gibt in Pokhara fünf Frauengruppen, die sich hier sozial engagieren. Zu solchen Festivitäten kommen sie und trommeln, singen und tanzen. Die Gäste geben ihnen einen (nicht eben geringen) Obolus. Das so verdiente Geld nützen sie wiederum für ihre soziale Arbeit.

Kusum ist mir in den zwei Wochen, in denen wir uns kennen, ans Herz gewachsen. Sie ist eine warmherzige, intelligente junge Frau. Nach ihrem Baachelor in sozialer Arbeit setzt sie nun noch ihren Master in Anthropologie drauf. Alle Ausflüge mit den Kindern haben wir gemeinsam durchgeführt und wir sind ein gutes Team.

Rot ist hier übrigens die Farbe für verheiratete Frauen, aber auch fürs Feiern als solches.

Irgendwann haben wir uns aus der stundenlangen Zeremonie ausgeklinkt und die Ruhe am See und einen Kaffee mit Apfelkuchen (!) genossen.

Am Abend dann gab es für die Familie und die Kinder noch eine große Hochzeitstorte – und einen Absacker in Gomas Wohnung.

Die Farm – ein Jahr später

Als ich letztes Jahr zu Gomas Farm kam, die etwa eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt vom Kinderheim entfernt liegt, gab es dort das alte Farmhaus, einen Ziegenstall, ein paar Hühner und einige Gemüsebeete. Die schönen „Earthbaghouses“ von Luke Trotman und seinen HelferInnen waren gerade im Entstehen.

Was ist nicht alles dazugekommen im Verlaufe des vergangenen Jahres oder hat sich weiterentwickelt. Schon von weitem sieht man, wie das Ensemble gewachsen ist.

Im großen Treibhaus haben Paprika gerade die Tomaten abgewechselt, auf einem Teil wachsen gerade die Gurken heran. Alles gedeiht prächtig. Kunstdünger wird weder im Treibhaus noch draußen auf den neu angelegten Feldern benützt. „It’s all organic“, erklärt Goma stolz.

Das Gemüse essen wir im Kinderheim. Die Überschüsse werden verkauft.

Die Erdhäuser sind fertig. Letztes Jahr habe ich ja noch an einem der beiden kleineren beim Füllen der Säcke mitgearbeitet, für das große wurde gerade erst das Fundament gelegt. Heuer ist noch ein ganz neues dazugekommen, bei dem Luke die außergewöhnliche Gestaltung gereizt hat.

In den Häusern können sowohl die Mitarbeiter der Farm wohnen als auch Touristen, die Freude am Landleben haben.

Das Haus wird noch mit Stroh eingeckt und weiß angestrichen. Hier sieht man die Konstruktion ganz gut:

Letztes Jahr wurden in einer großen Aktion und mit Hilfe vieler Unterstützer 2500 neue Bäume gepflanzt. Aus ihnen soll teils Bioholzkohle gemacht werden, teils sind es Obstbäume wie Lychees, Guava oder Papaya.

Weitere Anpflanzungen sind geplant. Die umliegenden Farmer haben gerade ein dreitägiges Training bei einem nepalischen Agrarexperten, den Goma eingeladen hat, absolviert.

Vieles ist schon passiert, vieles ist noch im Fluss. Hier wird nachhaltig gearbeitet, u.a. die Zukunft für einige der Jugendlichen aus dem Kinderheim aufgebaut.

Ganz unverhofft schulfrei

Gestern Abend war schon die Rede davon, dass heute schulfrei sein könnte. Der Grund dafür ist leider traurig: der Absturz eines Hubschraubers, bei dem sechs Menschen, unter ihnen ein amtierender Minister, ums Leben kamen. Heute morgen war dann klar: Ja! Schulfrei! (Die Kinder haben sich trotz allem gefreut. Ist doch klar.)

Da muss man als Volontär flexibel sein und das eigentlich für Samstag geplante Programm vorziehen.. Also nichts wie rein in den nächsten Bus und ab ins „Mirrorhouse“.

Mit 26 Kindern, begleitet von vier Erwachsenen, passen außer uns gar nicht mehr so viele Leute in den Bus. Nach einer guten halben Stunde müssen wir umsteigen, nochmals eine viertel Stunde fahren, wieder raus aus dem Bus, wieder zählen, damit auch ja niemand verloren geht, zehn Minuten über eine ruhige Vorortstraße laufen, dann sind wir endlich am Ziel.

Für 150 Rupien, ca. 1,20 Euro, erwerben wir das Kombiticket „Mirror House, Mystery House, Planetarium“ und ziehen los. Keiner von uns war jemals hier und wir haben keine Ahnung, was geboten ist. In einem kleinen Park mit hübschen Blumenrabatten und kleinen Rasenflächen gibt es Spielgeräte und kleine Wasserspiele. Erstmal stürmen die Kinder einen „Berg“ mit der nepalischen Flagge.

Im „Mirrorhouse“ heißt es Wirklichkeit und Trugbild voneinander zu unterscheiden. Vor lauter Spiegeln weiß man nicht, wo es wirklich lang geht. Ein großer Spaß und wir machen die Runde etliche Male.

Noch seltsamer fühlt es sich aber im Mystery House an, in dem der Fußboden schief ist, was den Gleichgewichtssinn irritiert und zur Folge hat, dass man selbst durch die Gegend schwankt.

Im Planetarium werden einige Kurzfilme über unsere Planeten und die Milchstraße gezeigt, teils auf Englisch, teils auf Nepali. Ich glaube, für die Kinder etwas zu schwierig, aber sie halten die Viertelstunde tapfer durch.

Uns bleibt noch eine halbe Stunde zum Spielen, Rumtoben und Fotos machen. Gegen fünf müssen wir heimfahren, denn um sechs ist im Heim “ Pizzaparty“ angesagt.

Eine Gruppe von neun Australierinnen, die dem Heim seit Jahren verbunden sind, war für einige Tage hier und verabschiedet sich nun mit riesigen Mengen von Pizza von den Kindern. Heute ist wirklich ein Feiertag für sie.

Die Kinder ihrerseits bedanken sich anschließend mit einigen Tanzvorführungen. Kleine und Große, Mädchen und Jungen. Mit großer Selbstverständlichkeit zeigen sie ihre traditionellen Tänze und haben dabei selbst großen Spaß. Wer gerade nicht auf der Tanzfläche ist, feuert die Tänzer an, klatscht und singt. Im Nu ist die Party auf ihrem Höhepunkt und ein Tag voller schöner Ereignisse neigt sich erst gegen neun dem Ende zu. Eine unserer Jüngsten, die fünfjährige Dipsika, nimmt mich schließlich bei der Hand, lehnt sich an mich und mutmelt: “ I am tired.“

Spenden: was damit passiert

Wenn ich ins Rainbow Children Home nach Nepal fahre, geben mir meine Freundinnen und Freunde Geld mit, um das Projekt zu unterstützen. Letztes Jahr wurde ein Großteil der Spenden, die Andrea bei Familie und Kolleginnen gesammelt hatte, für die neue Küche im Kinderheim verwendet. Sowohl die hygienische Situation als auch die Atmosphäre bei den Mahlzeiten wurde dadurch enorm verbessert.

Dieses Jahr sind 1015 Euro zusammengekommen und unser Dank geht – in alphabetischer Reihenfolge – an Andrea and friends, Angie und Ralf, Bhong, Christine und Moppy, Diana, Magda and Rino, Margarete und Ralf sowie Maria. Hiermit werden verschiedene Dinge fürs Kinderheim angeschafft. Allen voran neue Betten, da gerade drei neue Räume eingerichtet werden.

Hierfür werden dann natürlich auch Matratzen und Zudecken benötigt. Doch auch für die anderen Schlafzimmer sollen neue Sommerdecken angeschafft werden.

Einige Zimmer müssen renoviert werden, brauchen neuen Bodenbelag und Schränke.

Vor etwa einem halben Jahr wurde ein Fernsehzimmer eingerichtet, in dem die Kinder sich an Samstagen oder frühabends bei schlechtem Wetter mal einen Film angucken dürfen. Ein Volontär aus China hat den Raum kürzlich mit einem wunderschönen Wandgemälde geschmückt. Jetzt wünscht sich Goma noch ein paar Matratzen oder Sitzgelegenheiten für die Kleinen.

Unser Geld ist mit all dem natürlich längst zur Neige gegangen. Und im Namen des Rainbow Children Home Pokhara sage ich hierfür ein herzliches „Danke!“ bzw. ein nepalisches „Dhanyabad!“

Gomas Liste ist damit aber natürlich noch lange nicht abgearbeitet, denn neben einer Kuh (die uns letztes Jahr ihre leckere Milch gegeben hat, lebt leider nicht mehr) sollen auch zwei Computer angeschafft werden (einer ist schon da), um den Kindern die auch hier in Nepal wichtigen PC- Kenntnisse zu vermitteln. Ein Sanitätsraum mit Liege und einer Grundausstattung an Arzneimitteln ist längst überfällig. Und ununterbrochen werden Essen und Trinken, Kleidung, Schulsachen und Schulgeld für die 32 Kinder benötigt. Die Regierung kontrolliert zwar die Kinderheime, unterstützt sie aber finanziell nicht.

Sollte sich nun also noch jemand angesprochen fühlen, Ihr wisst, wo Ihr mich findet.

Last but not least: Manchmal haue ich die Spenden auch auf den Kopf! Gern mal mit 24 Kindern im Fun Park, beim Eisessen, mit einer Ladung Mandarinen oder wie nächsten Samstag bei einem Besuch des „Spiegelhauses“. Ich werde natürlich berichten.

Visionäre unter sich

Sicherlich schrieb ich bereits von der Tatkraft dieser Frau. Ihr scheinen die Ideen für neue Projekte niemals auszugehen: Rainbow Children Home, Rainbow Handicraft, die Farm, die Erdhäuser dort. Und jetzt: eine Obstplantage.

Bereits vor vielen Jahren hat Goma Dhakal gemeinsam mit einem Freund, Durga, dieses Stück Land gekauft. Es liegt in der Nähe seines Elternhauses und stand nach dem Tod der Nachbarn zum Verkauf. Seither wurde es nicht genutzt, Büsche und Bäume wachsen wild durcheinander. Jetzt aber werden Pläne geschmiedet.

Nach dem Frühstück fragt Goma mich, ob ich heute schon etwas vorhätte. Falls nicht sei ich herzlich zu einem Ausflug eingeladen. Eine Stunde später sitzen Goma, Durga, Luke und ich im Auto und verlassen Pokhara in südwestliche Richtung. Luke Trotman ist ein junger Amerikaner, der auf Gomas Farm außerhalb von Pokhara gemeinsam mit Volontären aus aller Welt Erdhäuser gebaut hat („aus dem Dreck unter Deinen Füßen“). Ich hatte ja letztes Jahr einen Tag lang das Vergnügen, daran mitzuarbeiten. Dort wurden zwischenzeitlich rund 2000 junge Bäume gepflanzt, so dass Luke als dritter Visionär im Bunde heute natürlich dabei sein musste.

Eine gute Stunde lang fahren wir über den kurvigen einspurigen Sidharta-Highway, bewaldete Bergrücken, terrassierte Getreide- und Gemüsefelder und bunte Dörfer umgeben uns. Wir erreichen den kleinen Ort Putalibazar, in dem wir die Hauptstraße verlassen und noch eine gute halbe Stunde über einen ausgewaschenen und teils sehr steilen lehmigen Fahrweg auf und ab kurven, bis wir endlich am Ziel sind.

Wir streifen durchs Gelände, die drei nehmen das vorhandene Gehölz in Augenschein, überlegen, welche Bäume stehen bleiben können, was neu angepflanzt werden soll und wie man am besten vorgeht. Ich glaube, sie sehen die Zitronen-, Orangen- und Avocadobäume bereits Früchte tragen. In kleinen überschaubaren Einheiten soll begonnen werden, Wege auf dem abschüssigen Terrain anzulegen, zu roden, neu zu pflanzen. Nächstes Jahr soll begonnen werden.

Wie die Farm bei Pokhara wird auch dieses Projekt hier mehrere Ziele erfüllen: den dem Kinderheim in einigen Jahren entwachsenen jungen Menschen einen Lebens- und Arbeitsplatz bieten, nachhaltige Landwirtschaft betreiben, zusätzliches Einkommen, das den diversen Projekten zugute kommt, generieren.

Zum Tee schauen wir noch bei Durgas Mutter vorbei und ich erlebe zum ersten Mal, dass ein Sohn seiner Mutter zur Begrüßung die Füße küsst. Wir sitzen auf der schattigen Veranda, genießen die Natur und die Vorfreude aufs neue Projekt.

Mußestunden

Morgens frühstücke ich mit den Kindern. Es gibt stets Dal Bhat, also Reis mit einer sehr dünnen Linsensuppe und ein bisschen Gemüse. Das schmeckt mir besser als das normale Volontärs-Frühstück bestehend aus zwei Scheiben ungetoastetem Toast, Industriemarmelade und einem hart gekochten Ei. Der Reis und das Gemüse waren sicherlich auch gut für meinen angeschlagenen Magen heute Morgen.

Dann helfe ich den großen Kindern bei ihren Aufgaben im Haushalt: Abspülen und Auskehren. Schließlich begleite ich die Kleinen in die gegenüberliegende Schule und auf besonderen Wunsch Indreni in ihre, fünf Gehminuten entfernt.

Gern schaue ich dort dem morgendlichen Ritual zu, bei dem die einzelnen Klassen aufgereiht im Schulhof stehen, eine Mischung aus Gymnastik und Drill absolvieren und die Nationalhymne singen.

Danach habe ich meistens fünf Stunden frei, denn in der Regel verneint Noma meine Frage, ob ich ihr noch bei etwas helfen kann.

Heute zieht es mich an den See. Es ist so schön draußen. Um halb elf hat es schon 15 Grad. Die Sonne scheint und ich beschließe, mit dem Boot auf die kleine Insel zu fahren.

Mit mir unterwegs eine Gruppe Pilgerinnen, die im Tempel beten und den Göttern opfern wollen.

Der zweistöckige Pagodentempel wird sowohl von Buddhisten als auch von Hinduisten besucht. An diesem Vormittag bin ich hier die einzige Ausländerin. Ich schaue ein wenig dem Treiben zu und lausche dem Gebimmel der kleinen und großen Glocken, die von den Gläubigen geläutet werden, um ihre Wünsche und Gebete zu intensivieren. Die Tauben gurren dazu.

Ich ziehe die Schuhe aus, umrunde dreimal im Uhrzeigersinn den kleinen Tempel und schicke gute Wünsche für meinen kleinen Enkel, Familie und Freunde ins Universum.