Archiv des Autors: doeziblog

Avatar von Unbekannt

Über doeziblog

Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Drei-Gänge-Menü auf Stromboli

Auch hier dreht sich alles um den Vulkan. Oder vielmehr, gerade hier. Denn der Vulkan auf Stromboli ist der einzige ständig tätige Vulkan Europas. Mehrmals stündlich bietet er ein Schauspiel, das in Europa seinesgleichen sucht.

Um unsere drei Tage, die wir auf der kleinen Insel mit dem großen Vulkan verbringen, optimal zu nutzen, stellen wir unseren Rhythmus vollständig auf ihn ein. Sind wir normalerweise auf Reisen tagsüber aktiv und lassen den Tag dann bei einem gemütlichen Abendessen langsam ausklingen, läuft es hier genau andersrum: tagsüber passiert nicht viel. Wir bummeln durch die schmalen Gässchen, die zu beiden Seiten von weiß gekalkten Häusern gesäumt sind, liegen am Strand mit feinem schwarzen Lavasand, lesen, trinken Kaffee oder essen Granita con panna, eine Art halbflüssiges Wassereis mit Sahne (das von Einheimischen, zusammen mit einem süßen Brötchen, einer Brioche, auch gern zum Frühstück gegessen wird).

Die Höhepunkte des Tages kommen dann am Abend. Denn im Dunkeln sieht man die feurigen Fontänen des Vulkans besonders gut.

Und so gibt es am ersten Tag unseres Aufenthaltes, quasi als Vorspeise, eine 10 Kilometer-Wanderung zur Sciara del Fuoco, der Feuerrutsche. Alle paar Jahre fließt hier nach besonders schweren Ausbrüchen glühende Lava ins Meer.

Wir brechen gegen 18 Uhr auf, denken, wie wir zwei schweißtreibende Stunden später bedauern werden, nicht daran, etwas (leckeres) zum Trinken mitzunehmen und warten gemeinsam mit einigen Franzosen (erwähnte ich schon, dass außer Italienern hier nahezu ausschließlich Franzosen sind?) in 400 Metern Höhe auf den nächsten Ausbruch des Vulkans.

Plötzlich zischt es, als ob ein Gashahn aufgedreht würde. Ein sehr großer Gashahn. Und dann entzündet jemand ein Feuerwerk auf dem Gipfel des Vulkans. Genauso sieht es aus, wenn er sein Feuer in den Nachthimmel spuckt. (Allerdings verändert er seine Farbe nicht.)

Wir stehen, schauen und staunen. Man kann nicht gerade die Uhr nach ihm stellen, aber in etwa jede Viertelstunde ein Mal gönnt er uns durchaus sein Spektakel.

Gegen neun machen wir uns mit Hilfe unserer Stirnlampen an den Abstieg und gönnen uns in der Pizzeria Osservatorio, die ein paar hundert Höhenmeter tiefer aber immer noch mit Blick aufs Feuerwerk liegt, eine Pizza mit mindestens fünf weiteren Vulkanausbrüchen.

Zur Hauptspeise: Die Wanderung auf den Gipfel

Wie im echten Leben wird einem auch hier die Hauptspeise nicht geschenkt. Serviert wird: die Besteigung des Kraters. Fast 1000 Höhenmeter. Drei Stunden Aufstieg. Eine Stunde Frieren am Gipfel. Eineinhalb Stunden Staub schlucken beim Runterrutschen über die Aschenbahn auf dem Heimweg. Ein teures Mahl, aber exquisit.

Um 16 Uhr treffen wir uns mit Frederico und neun weiteren Wanderern aus Frankreich, Italien, Tschechien und Deutschland bei „Vulcano adventures“. Jeder erhält einen Helm, der uns auf dem Gipfel des Stromboli, dem 3000 Meter hohen Vulkan (2000 davon unterseeisch), vor herumfliegenden Gesteinsbrocken schützen soll. Außer uns sind noch sechs weitere Gruppen anderer Agenturen unterwegs. Über die 400 Meter-Höhenlinie darf man seit einigen Jahren nämlich nur noch mit einem Führer. Zur Hauptsaison können dann am Abend leicht schon mal um die 20 Gruupen am Berg sein. Damit alle auf den Gipfel passen, muss man nach 15 Minuten schon wieder runter. Gut, dass erst April ist.

Das Wetter könnte nicht besser sein: die Sonne scheint, es ist mit etwas über 20 Grad angenehm warm und – wie es sich später zeigen wird – sternenklar. Drei Stunden lang folgen wir einem schmalen Pfad, der sich mit angenehmer Steigung in die Höhe schlängelt.

Auf dem Gipfel stoßen wir auf die anderen Gruppen, was nicht wirklich stört, da jeder in das Naturschauspiel vertieft ist. Wir setzen unsere Helme auf und warten auf den Sonnenuntergang und die erste Eruption.

Eigentlich ist geplant, gleich ganz hoch zu gehen. Doch wir verharren etwas unterhalb des Gipfels bei den Schutzhütten, die vor einigen Jahren nach mehreren Unfällen errichtet wurden. Denn der Wind treibt gerade die Aschewolken direkt zum Gipfel, so dass man sich dort nicht lange aufhalten kann. Der Ausblick ist aber auch ein paar Höhenmeter niedriger fantastisch. Außerdem bieten die Unterstände die Möglichkeit, sich zwischen den einzelnen Eruptionen ein paar Minuten vor dem mittlerweile sehr kalt gewordenen Wind zu schützen.

Es zischt. Es grummelt. Mehrere hundert Meter (!) hohe Flammen erleuchten den Nachthimmel. Glühende Lavabrocken fallen zu Boden und rutschen über die Schiara, die Feuerrutsche, gen Meer. Nie zuvor habe ich derartiges gesehen. Feine Asche dringt in Augen, Mund und Nase, der Wind zerrt an der Kleidung und obwohl ich mittlerweile fünf Schichten trage, friere ich und die Hände sind eiskalt. Egal. Ungläubig staunend wird jede Zuckung des Vulkans mit großem Ah und Oh von der versammelten Fangemeinde registriert.

Nach etwa einer Stunde wagen wir uns ganz hoch. Es sind nur fünf Minuten und vom Gipfel aus hat man den Eindruck, fast in den mit flüssigem Magma angefüllten Kratertopf schauen zu können. Zudem sehen wir jetzt mehrere aktive Feuerstellen und versuchen, sie alle zugleich in den Blick zu nehmen.

Zu Beginn hatten wir uns gewundert, dass der Veranstalter für den Abstieg von fast 1000 Metern nur eineinhalb Stunden veranschlagt hatte. Bald wurde es aber klar: Dreiviertel der Strecke konnten wir auf feinem schwarzen Sand hinunterrutschen. Eine spaßige aber sehr staubige Angelegenheit.

Duschen, Haare waschen, Wäsche machen sind deshalb die Tätigkeiten zwischen Hauptspeise und Dessert: einer Fahrt mit dem Boot zur Schiara.

Zum Nachtisch: Flammender Himmel über dem Meer

Wir starten mit Frank, bei dem wir auch Übernachtung mit Frühstück gebucht haben, um 18 Uhr im Hafen von Stromboli. Mit an Bord acht weitere Passagiere. Zunächst schippern wir nach Ginostra, einem kleinen Inseldörfchen, das ausschließlich per Boot, nicht auf dem Landweg zu erreichen ist. Noch sind die Bars und Restaurants geschlossen. Unseren Apéritif serviert der kleine Dorfladen. Im Plastikbecher. Macht nichts. Die Atmosphäre und der Ausblick sind ein Traum.

Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir wieder auf dem Wasser.

Nach zehn Minuten drosselt Frank den Motor, köpft eine Flasche Prosecco und stößt mit uns auf den Stroboli an. Ja, er hat es gehört und sich sogleich gemeldet. Mit einem schönen roten Feuerregen.

Und noch einem. Und noch einem. Das war ein üppiges Dessert. Köstlich, wie das gesamte Stromboli-Menü. Mille grazie!

Tanz auf dem Vulkan

Hier stinkt’s. Aber ganz gewaltig. Und zwar bereits, wenn man das Boot verlässt. Irgendwie ist auf Vulcano, der zweiten liparischen Insel, die wir besuchen, alles Vulkan.

Der Höhepunkt ist natürlich der Krater. Man läuft ein gemütliches knappes Stündchen hoch und dann ist es atemberaubend. Weil es so schön ist und weil es aus den sogenannten Fumarolen nach faulen Eiern stinkt. Gut, dass sich diese Schwefelquellen mit ihren Rauchfahnen nur auf einer Seite des Kraters befinden. So kann man die gegenüberliegende für ein entspanntes Picknick mit sensationeller Aussicht nutzen.

Und weil es hier oben so schön ist, kann man auch noch ein Tänzchen wagen und es damit den Einheimischen gleich tun, die im übertragenen Sinne täglich den Tanz auf dem Vulkan tanzen. Denn der Vulkan ist, wie die Seismologen sicher wissen, durchaus noch aktiv und wird als gefährlicher eingestuft als der auf Stromboli, der täglich seine geregelte Ladung Feuer und Asche spuckt. „Und wir sind so verrückt und bauen unsere Häuser hierher“, hörte ich einen einheimischen Führer zu französischen Schulkindern sagen. Natürlich gibt es ein ausgefeiltes Überwachungssystem mit Sensoren für die Temperatur im Inneren, für die Zusammensetzung der austretenden Gas, für die Bewegung des Kraters. Und natürlich gibt es Evakuierungspläne. Aber irgendwie wird hier nach dem Motto gelebt: Et is noch immer jut jejange.

Fango für dreifünfzig

Nach der Anstrengung kommt die Entspannung. Leider stinkt es auch hierbei wieder gewaltig. Gleich in der Nähe des Hafens kann man sich gegen eine kleine Eintrittsgebühr von 3,50 Euro in einem Schlammtümpel aalen und sich selbst mit Fango einschmieren. Danach springt man ins Meer. Auch jetzt, bei 15 Grad, denn unterseeische Fumarole spritzen heiße Gase ins Wasser und erwärmen es. Unangenehm allerdings, wenn man direkt auf so eine heiße kleine Quelle tritt.

Die mit dem Bär tanzt

Auch die kleine Halbinsel Vulcanello, die man nach einem gemütlichen Spaziergang und dem Bewundern der zahlreichen Villengrundstücke erreicht, zeugt von vulkanischen Aktivitäten. Im „Tal der Monster“ finden sich bizarre, von Wind und Wetter geformte Lavafiguren. Die bekannteste, auf jeder Ansichtskarte abgebildete ist „Orso“, der Bär, mit dem ich dann auch gleich ein Tänzchen wagte.

Danke, Google!

Als wir vor einigen Wochen überlegten, wo wir denn Achims letzte zwei Urlaubswochen verbringen könnten, ehe er dann im Juni auch in den Ruhestand geht, irrte sich Google: Auf meine Abfrage nach Wandermöglichkeiten auf den Kanaren, tauchten Bilder von wunderschönen, mir nicht bekannten Inseln auf. Wo sind die denn? Wie heißen die denn? Es waren die liparischen Inseln vor Sizilien. Die nicht zu den Kanaren gehören. Danke, Google, für deinen Fehler. Die Bilder haben uns so gut gefallen, dass ich am nächsten Tag unsere Flüge nach Catania auf Sizilien gebucht habe. Und jetzt sind wir hier. Und es ist so schön wie auf den Bildern.

Heute haben wir die erste Wanderung unternommen und festgestellt: die Insel duftet. Nach Ginster. Köstlich. Wir laufen über schmalen Pfaden zum Alten Observatorium. Links von uns das Meer und Vulkano, eine weitere der insgesamt sieben liparischen Inseln. Rechts von uns leichte Hügel, die von Ginsterbüschen und anderen Frühlingsblühern wie den lilafarbenen Glyzinien, roten Wicken und weißen Mittagsblumen bedeckt sind.

Eine ganze Weile haben wir eine wunderbare Sicht auf Vulkanos Krater, den wir nächste Woche besteigen werden.

Gegen Mittag zieht ein Gewitter auf. Fast haben wir den Gipfel des Monte Guardio erreicht, als die ersten Tropfen fallen. Aber alles halb so wild. Erstens ist der „Wachtberg“ Liparis lediglich 369 Meter hoch und zweitens erschöpft sich das drohende Gewitter in einigen Donnergrollen und zieht rasch vorüber.

Also suchen wir uns nach dem „Gipfelsturm“ ein paar Steine und packen die Brotzeit aus.

Nicht irgendeine Brotzeit. DIE Brotzeit. Panini von Gilberto und Vera, die hier berühmt sind für ihre hervorragenden belegten Brötchen. Gestern Abend sind wir schon zum Apéritif bei ihnen gewesen. Haben uns ein Panino geteilt und zwei kleine Wein bestellt. Da wir die ersten Gäste waren, hat Gilberto uns zu seinem besten winzigen Tisch gelotst („Von hier könnt Ihr alles sehen Es ist wie in der Oper!“). Das Panino war mit den auf der Nachbarinsel Salina wachsenden Kapern, eingelegten Auberginen, frischen Tomaten und Provolone gefüllt. Hmmmm. Über die Weine, beide auf der Insel gereift und gekeltert, hielt Gilberto einen Kurzvortrag. Und lecker waren sie auch.

Auf dem Berg gab es leider nur schnödes Wasser zum feinen Brötchen.

Wie so oft hatte ich leider auch davon zu wenig dabei und freute mich deshalb um so mehr, als wir beim Abstieg an einem idyllischen Plätzchen mit Bank, Tisch, Hängematten und Meerblick vorbeikamen. Das ist bestimmt privat, dachte ich. Nein, „Hikers Rest“, also Rastplatz für Wanderer, stand auf dem Zaun geschrieben. Und auf dem Tisch stand ein großer Krug frischen Wassers. Wer sich wohl so etwas nettes ausdenkt? Danke dafür!

Der restliche Abstieg war rasch bewältigt – hatte die Gemeinde doch eine Direttissima nach unten gebaut. Ein super steiler Abstieg über einen schmalen Betonpfad, der mehr in die Knie ging als die vierstündige Wanderung insgesamt. Immerhin bot er wunderschöne Ausblicke auf den Ort Lipari mit seiner antiken Akropolis.

Unsere Belohnung für die anstrengende Tour hieß Cannoli, mit süßer Ricotta gefüllte Teigtaschen, die es in der klassischen, also puren Variante gibt oder mit Pistazien angereichert.

Einen Spätnachmittagsschlaf später machten wir uns dann noch auf, die hiesige Kathedrale zu besichtigen. Jeder Weg durch Lipari führt durch idyllische Gässchen.

Auch unser Appartement liegt in einer winzigen Gasse. Wir können jedes Mal wählen, wo wir rein und rausgehen, da wir zwei Ausgänge haben. Die Krönung jedoch ist die Dachterrasse, auf der ich jetzt sitze und schreibe – begleitet vom Rauschen des Meeres, meinem Liebsten und einem sizilianischen Weißwein.

Namaste

Dass ich zum Abschied zu DER Abschiedsstätte in Nepal schlechthin fahre, hat durchaus eine (von mir gar nicht beabsichtigte) Symbolik. Pashupatinah ist die größte Verbrennungsstätte Nepals. Ein geheimnisvoller, fremder Ort. Ich bin früh um kurz nach neun dort. Auf den Gatts, den Plattformen für die Leichenverbrennung, lodern bereits etliche Feuer.

Neben mir hält ein Auto. Ein in orangefarbene Tücher eingewickelter Leichnam wird vorsichtig hinaus genommen und auf eine Trage gelegt. Ich folge den Angehörigen ein paar Schritte, wechsele über eine Brücke ans andere Ufer und kann von dort aus mühelos alles beobachten.
Ich bin nicht die Einzige. Der Besuch Pashupatinahs gehört zum Standardprogramm eines Kathmandu – Touristen. Es hat etwas voyeuristisches, die Abschiedszeremonie von einem Verstorbenen zu beobachten, vor allem wenn einige Touristen mit riesigen Teleobjektiv draufhalten. Doch die Verbrennung in aller Öffentlichkeit ist die vertraute Regel. Keinen stört dies.

Am Gatt angekommen, wird der Verstorbene auf eine schiefe Ebene aus Stein gelegt und einer rituellen Reinigung unterzogen. Füße und Gesicht des Toten werden von den Männern der Familie gewaschen. Nachdem er wieder sorgfältig zugedeckt wurde, wird der Leichnam mit Blumenketten aus orangefarbenen Tagetes bedeckt und von den Männern mit Bündeln von Räucherstäbchen mehrmals umrundet. Dann heben sie ihn wieder auf die Trage und nun kommen die Frauen und nehmen laut weinend Abschied vom Verstorbenen.

Gemeinsam tragen sie ihn nun zu einem der vorbereiteten Holzscheite und es ist die Aufgabe des ältesten Sohnes, diesen zu entzünden.

Einer meiner Lieblingsplätze in Kathmandu ist die riesige buddhistische Stupa in Bodanath und mit ihr beschließe ich mein Besichtigungsprogramm. Dass auch sie vom Erdbeben 2015 betroffen war, sieht man ihr nicht an und wie immer umrunden Gläubige und Touristen das steinerne Abbild Buddhas im Uhrzeigersinn.

Die Touristen werden dabei gerne mal abgelenkt durch die Vielzahl der kleinen Geschäfte und Cafés. Aber auch durch die Klöster und Tempel, die die Stupa umgeben.

Mit dem Taxi fahre ich zurück ins Hotel, checke für meinen morgigen Flug ein, schlafe ein Stündchen und stürze mich dann nochmal ins Gassengetümmel, um letzte Mitbringsel zu besorgen. Ich erlebe von einer Dachterrasse am Durbarsquare einen schönen Sonnenuntergang, bummele zwischen den Tempeln, während die ersten Gewitterwolken aufziehen und es schon verdächtig grummelt. Den anschließenden Wolkenbruch empfinde ich als sehr passend. Denn bei aller Vorfreude auf zuhause, auf das Wiedersehen mit meinen Liebsten morgen Abend, fällt mir der Abschied schwer, ist mir zum Weinen zumute. Es ist nicht nur das Land, das ich sehr schätze. Es ist auch diese außergewöhnliche Lebensphase, von der ich mich jetzt verabschieden muss.

Während ich dies am späten Abend schreibe, macht sich langsam die Vorfreude breit. Morgen Abend bin ich wieder daheim. Und wer weiß denn, was noch alles passiert in meinem Leben. Wie spannend. Nun aber: Namaste, Nepal! Danyabad. Danke für Deine Gastfreundschaft!

Yatra Nepal: ein Kinderheim in großer Not

Ein Freund von einem Freund kontaktierte mich vor ein paar Tagen. Er habe gehört, dass ich demnächst in Kathmandu sei. Ob wir uns nicht treffen könnten.

Heute Nachmittag holte er mich an meinem Hotel ab und brachte mich ins Yatra Nepal Kinderheim hier in Kathmandu. Gemeinsam mit seiner Frau Maddy gründete Suren dieses Heim vor einigen Jahren.

Es beherbergt 17 Kinder, die aus ganz ähnlichen Verhältnissen kommen wie unsere Rainbow-Kinder: einige haben ihre Eltern oder ein Elternteil verloren oder die Eltern sind nicht in der Lage, sich gut um ihre Kinder zu kümmern.

Im Yatra Nepal Kinderheim haben sie weitaus mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie haben mit Maddy und Suren Ersatzeltern gefunden, die sie liebevoll betreuen, sie bekommen eine Schulausbildung, sie haben einen Lebensstandard, der ihnen regelmäßiges Essen sowie saubere und gesunde Wohnverhältnisse bietet. Yatra ist das nepalesische Wort für Reise, „eine Reise vom Dunkel ins Licht“, wie es Suren, der auch Musiker ist (und deshalb einigen Jazzclub Moosburg BesucherInnen ein Begriff sein dürfte) poetisch formuliert.

Jetzt aber ist das Kinderheim in seiner Existenz bedroht. Denn das österreichische Paar, das bisher für die Kosten aufkam, sieht sich hierzu nicht mehr in der Lage. Dringend gesucht werden also Paten für die Kinder (jeder Betrag ist willkommen) oder Sponsoren ganz allgemein.

Es fällt mir nicht ganz leicht, dies zu schreiben, denn mein eigentlicher Wunsch ist es natürlich, Spenden für „mein“ Rainbow Children Home in Pokhara zu sammeln. Aber die Vorstellung, dass diese Kinder ihr jetziges HEIM verlassen und wieder in die ursprünglichen schlechten Verhältnisse zurück müssen, ist zu bedrückend.

Weitere Infos gibt es auf Facebook unter Yatra Nepal oder direkt per E-Mail unter yatra.nep@gmail.com. Oder natürlich bei mir.

Happy Holi

Holi ist eine hinduistische Göttin und ihr Fest wird zum Vollmond Ende Februar, Anfang März gefeiert. In Kathmandu und Pokhara am 1. März. Heute. (In anderen Teilen des Landes erst morgen.)

Es fing schon beim Frühstück an. Der Hotelmanager persönlich tupfte Farbe ins Gesicht seiner Gäste.

Holi ist das „Fest der Farbe, der Freundschaft und der Liebe“, hörte ich später einen Moderator der Menge auf Englisch erklären. Vor allem Jugendliche und Kinder treffen sich an den zentralen Plätzen der Stadt oder auch daheim in ihrem Viertel. Sie haben Beutel mit Farbpulver bei sich, die bereits am Vortag verkauft werden, und die höchste Freude, sich damit zu bewerfen oder zu beschmieren. Meistens machen sie das nur untereinander, aber je weiter der Tag fortschreitet… Da kann man auch als Tourist schon mal was abkriegen.

Im Grunde geht es zu wie bei uns im Fasching. Im Rheinland sagen wir, dass die Spaß an der Freud‘ haben. Insbesondere natürlich die Teenager, die auf diese Weise die Jungs bzw. Mädchen anmachen, äh, anmalen können.

Aber auch ganz ohne Holi geht es an den Tempelstätten der Stadt sehr farbig zu. Ob am Durbarsquare in Patan, das wie Kathmandu in früheren Zeiten Königsstadt war (mittlerweile ist es ein Stadtteil. Wenn auch der Taxifahrer betont, dass mit dem Bagmati River Kathmandu endet) oder beim „Affentempel“ Swayambunath mit seinem buddhistischen Tempelkomplex im Westen der Stadt.

Selbstverständlich wurde auch im Rainbow Childrens Home Holi gefeiert. Goma hat mir schon jede Menge Fotos geschickt. Gerne wäre ich jetzt dort!

Freuden des Touristenlebens 4: Kathmandu, Stadt der Tempel

Im Vergleich zu Kathmandu ist Pokhara ein gemütliches Heilbad, ein Luftkurort. Wenngleich ich es übertrieben finde, dass hier nicht nur die japanischen Touristen (die ja auch gern einen Sonnenschirm mit sich führen) sondern auch viele andere mit Atemmasken durch die Stadt laufen.

Kathmandu ist Metropole, es ist Abenteuer, es ist laut und quirlig und dir schwirrt der Kopf und die Füße tun dir weh. Dabei bin ich heute Nachmittag nur drei Stündchen durch Thamel, DIE Touristenecke überhaupt, gelaufen. Wer hat denn bloß das Gerücht in die Welt gesetzt, dass die Stadtverwaltung Autos und Motorräder aus den Gassen verbannt habe? Das trift auf ein paar wenige zu. In allen anderen tobt nach wie vor der Kampf um zwei Meter Straßenbreite, auf denen sich Fahrzeuge und Fußgänger drängeln und sich gegenseitig den Platz wegnehmen.

Ich bin nach einer halben Stunde Flug (diesmal leider ohne Himalayablick) gegen 14 Uhr in Kathmandu gelandet und mit dem Taxi ins M-Hotel gefahren, einem eleganten Hotel am Rande von Thamel mit heißer Dusche, sehr gutem Service und einer Dachterrasse, auf der ich mich erstmal ausgeruht und selbst verwöhnt habe.

So gestärkt habe ich mich gegen halb fünf auf den Weg zum Durbar Square gemacht. Nicht nur dort sondern eigentlich alle paar Meter stößt man auf kleine und große hinduistische Tempel. Noch gibt es viele Holzhäuser, deren Fassaden mit kunstvollen Schnitzarbeiten verziert sind und natürlich jede Menge Geschäfte.

Der Durbarsquare ist die Hauptattraktion in der Altstadt, Weltkulturerbe und leider vom Erdbeben 2015 stark beschädigt. Mehr als 50 Pagoden und hinduistische Tempel schmückten den Platz, viele davon sind leider zerstört. Dennoch macht er auch heute noch einen starken Eindruck auf den Betrachter.

Die Einheimischen gehen mit ihren Heiligtümern recht entspannt um und nutzen auch sie als Verkaufsfläche.

Woran ich mich nach zwei Monaten Ruhe im beschaulichen Pokhara auch erstmal gewöhnen muss, ist die Kakophonie der Großstadtgeräusche: das Klingeln der Rikschas, das Hupen der Autos, die Musik aus so manchem Geschäft oder Lokal, das Rufen der Händler. In Pokhara waren am lautesten die Hunde. Bei Nacht.

Außer Rand und Band

Eine schönere Abschiedsfeier hätte ich mir gar nicht vorstellen können. Es wurde getanzt, gesungen, gelacht und geweint. Und während ich das hier schreibe, kullern schon wieder die Tränen.

Zuerst gab es eine feierliche Zeremonie, die Goma durchführte. Sie hielt eine kleine Dankesrede, gab mir ein Tikka, das Segenszeichen, auf die Stirn, zwei glückbringende Schals und einen Blumenkranz. Dies sind die für solche Anlässe hier üblichen Abläufe.

Dann überreichte sie mir ein Zertifikat in einem hübschen handgearbeiteten Holzrahmen und, als künftiger Deutschlandvertreterin für Rainbowtaschen, eine solche mit einer Stickerei „I love Rainbow Children Home Nepal“ (Yes, I do!).

Dann leiteten wir mit einer Runde Sprühschnee und ein paar Kerzen den gemütlichen Teil des Abends ein.

Solche kleinen „Sauereien“ werden hier stets bei Geburtsgsfeiern abgezogen und sie heben die Stimmung ungemein. Gern hätte ich auch noch ein paar Konfettibomben gekauft, habe sie aber leider nirgendwo gefunden.

Die 500 Momos waren rasch verzehrt.

Zum krönenden Abschluss der Party spielten Sudip und Assis Gitarre und Cajon und ALLE Kinder tanzten und sangen dazu. Ich natürlich mit.

Goma hatte mich bereits gestern eingeladen, den Abend mit ihr gemeinsam in einem Lokal am See ausklingen zu lassen und blies gegen halb neun zum Aufbruch. Und dann flossen die Tränen, als ich mich von den Kindern verabschieden musste. Von allen Seiten wurde ich geherzt und geküsst und musste versprechen wiederzukommen. Die Fotos, draußen, im Dunkeln sind natürlich zu dunkel und unscharf, geben aber bei genauem Hinsehen vielleicht ein wenig der Abschiedsstimmung wieder. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich morgen alle hier verlasse.

Im Gefängnis

Keine Sorge! Ich bin nicht an meinem letzten Tag in Pokhara mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Aber Goma hatte mich schon vor einigen Tagen gefragt, ob ich Interesse hätte, sie ins hiesige Frauengefängnis zu begleiten. Unter anderem dort werden Stoffe für das Rainbow Handicraft Projekt hergestellt. Heute Vormittag war es dann so weit.

Die Einlassprozedur war denkbar schlicht. Da Goma bereits die (mündliche) Genehmigung für mich eingeholt hatte, reichte ein kurzes Gespräch mit dem Direktor aus, dann wurden wir in den Eingangsbereich geführt. Hier waren etliche BesucherInnen auf unserer Seite, die durch ein Gitter mit den Insassinnen auf der anderen Seite sprachen. Uns wurde ein einfaches Eisentor aufgesperrt und schon waren wir drin. Der erste Blick fiel auf einen kleinen Laden, in dem man Cola, Kekse, Kosmetika und anderes kaufen oder auch eine Tasse Tee trinken kann. Auch das Telefon ist hier installiert. Der kleine Sohn einer der inhaftierten Frauen lebt bei uns und ich weiß, das er täglich mit seiner Mami telefoniert.

Nach ein paar Schritten stießen wir auf eine Gruppe Frauen, die beim Dal Bhat auf dem Boden hockten – nicht ungewöhnlich für hiesige Verhälntnisse. Im Hintergrund erspähte ich den Schlafraum mit etlichem Matrazen. Die Frauen leben hier also nicht in Zellen sondern in einem großen offenen Bereich, zu dem schließlich auch die Webstühle gehören, auf denen sie unsere Stoffe herstellen.

Von den 65 Insassinnen arbeiten 17 für Rainbow Handicraft. Gern würden sich noch mehr Frauen beteiligen, denn das Weben gibt ihnen Beschäftigung und Geld. Womöglich auch eine berufliche Perspektive für die Zukunft. Aber in diesem Gefängnis ist kein weiterer Platz für Webstühle mehr.

Auch Frauen aus einem zweiten Gefängnis in Pokhara haben Interesse bekundet. Aber Goma muss erst weitere Absatzmärkte erschließen. Gut, dass es künftig die Rainbowtaschen bei mir zu kaufen gibt.😊

Abschied nehmen

Langsam rückt mein letzter Tag hier in Pokhara näher. Morgen Abend ist mein offizielles „Farewell“ im Kinderheim, Mittwochmittag geht mein Flieger nach Kathmandu, Samstag fliege ich heim. Und so nehme ich hier inzwischen bereits Abschied und bereite mich auf den letzten Tag vor.

Gestern habe ich bei Buddha Air (sic!) mein Flugticket gekauft. Dann war ich am Geldautomaten, um die 500 (sic!) Momos bezahlen zu können, die es morgen Abend zu meiner Farewellparty im Rainbow Children Home gibt. Schließlich habe ich noch meine Turnschuhe, die ich nun zwei Monate lang nahezu täglich anhatte, zum Schuster gebracht. Er hat sie genäht und geputzt und morgen werde ich sie Indrani schenken, die dieselbe Schuhgröße hat wie ich.

Ich überlege, was ich unbedingt noch machen möchte: heute Mittag am See das Essen einer rollenden Küche probieren, morgen Mittag ein letztes Mal zu Piya gehen, mich von meinem Treckingguide verabschieden, einen Entschluss fassen, ob ich Mamita zum Abschied ein kleines Armband schenke oder nicht. Wenn ich an den Abschied von ihr denke, wird mir das Herz schwer. Sie ist mir so ans Herz gewachsen. Ich hoffe, dass sie schnell über unsere Trennung hinweg kommt. Auch zu Indrani hatte ich einen engeren Kontakt und ich werde auch sie vermissen.

Da ich mit Goma in Verbindung bleibe, werde ich auf jeden Fall auch zukünftig wissen, wie es den Kindern geht. Zu überlegen wäre auch noch die Übernahme einer Patenschaft. Mit 50 Euro im Monat sind die Kosten für ein Kind für vier Wochen gedeckt. Nähere Infos hier: http://www.orphancarenepal.org/index.php?p=sponsoring&p_sub=list

Nicht zuletzt sind wir gerade dabei, die Taschen für Deutschland auszusuchen. Alles Handarbeit aus dem Rainbow Handicraft, alles Einzelstücke. Wir haben vorgestern 52 verschiedene Modelle (von der Reisetasche über den Rucksack, die Einkaufstasche und die Laptophülle bis hin zum Schlamperlmäppchen und zur Geldbörse) ausgewählt, gestern dann im Schnitt jeweils zehn Exemplare in verschiedenen Farben dazu ausgesucht. Ich habe bei Tollwood angefragt, ob ich einen Verkaufsstand etwa im Nachhaltigkeitszelt bekommen kann. Drückt mir die Daumen, dass das klappt! Ich gebe Bescheid.

Wenn ich in diesen Tagen durch Pokhara gehe, versuche ich, jedes Detail in mich einzusaugen, alles ganz bewusst wahrzunehmen. Gestern habe ich über Mittag einen dreistündigen Spaziergang am See gemacht bis ins nächste Dorf. Beim Versuch, den Weg über die Reisfelder abzukürzen, bin ich bis zu den Knien eingesunken und habe mich nur mit Anstregung aus dem Schlamm ziehen können. Nein, hiervon gibt es kein Foto 😀.

Wohl aber vom fantastischen Ausblick auf die Berge, den wir heute zum ersten Mal seit über einer Woche wieder haben. Ein Abschiedsgeschenk von Petrus?