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Blumen pflücken während der Fahrt erlaubt

Auf kleinsten holprigen Sträßchen ruckeln wir durch blühende Landschaften im Landesinneren unter Vermeidung der Autobahn  an die Nordküste.

Was für ein Glück, im Frühjahr hier sein zu dürfen. Heute hat es angenehme 22 Grad, die Sonne scheint und wir schwelgen in der Pracht der Blüten an den Ackerrainen oder auf den Feldern.

Wenn wir durch Dörfer fahren, sehen wir in den Gärten blühende Oleander, Rosen, Ginster und natürlich Bougainvillea in allen Lilatönen.

Wir folgen eine Weile der Weinstraße von Erice. Auf den sonnenbeschienenen Hügeln können die Trauben gut wachsen und reifen. Das haben wir abends schon öfters geschmeckt.

Das Meer, genauer gesagt, den Monte Cofano, erreichen wir am frühen Nachmittag.

Zeit für eine Pause.

Zum Capo San Vito ist es nun nicht mehr weit. Wir sind jetzt an der Nordwestspitze der Insel.

Hm, irgendwie ist es jetzt doch heiß geworden. Zu heiß, um am Strand zu liegen. Außerdem haben wir doch ein bequemes Bett im Bus. Wir sorgen für Durchzug und Schatten und machen es uns auf dem Bett bequem.

Später verliert Achim beim Tavla. Aber ein Kaffee in der Bar wird ihn wieder aufheitern.

Am Abend fahren wir zum südlichen Eingang des Naturparks Zingaro. Hier gibt es einen kostenfreien Parkplatz mit Meerblick und morgen früh können wir unsere Wanderung gleich hier starten.

Viel Kunst nach dem Erdbeben

Gibellina ist die Stadt mit der höchsten Dichte an moderner Kunst in ganz Italien, lese ich bei Wikipedia. Die Geschichte dahinter ist wieder eine traurige: das mittelalterliche Bergdorf wurde, wie drei weitere Gemeinden im Nordwesten Siziliens, bei einem Erdbeben 1968 vollständig zerstört. Hunderte Menschen starben, die Überlebenden wurden obdachlos. 

Neun Kilometer Luftlinie entfernt wurde in den folgenden Jahren ein neuer Ort für die Bewohner erbaut.  Bürgermeister Ludovico Corrao hatte die Vision, gemeinsam mit Architekten, Künstlerinnen und Bildhauern den neu geschaffenen Ort zu bereichern. Seinem Aufruf folgten viele, darunter auch Joseph Beuys und Alberto Burri (1915-1995). 

Insgesamt sind etwa 60 Kunstwerke in der Stadt ausgestellt. Beim Wiederaufbau von Gibellina spielte die Einbindung von Kunst in die Stadtplanung eine besondere Rolle.

Weitere wichtige städtebauliche Überlegungen waren die Trennung von Fußgängern und Autos, die Verwendung von sich wiederholenden Reihenhäusern in der Tradition europäischer Gartenstädte und die Idee einer zentralen Achse mit kulturellen, kommunalen und kommerziellen Gebäuden. 

Das Konzept der neu aufgebauten Stadt wurde von den Bewohnern wohl nie richtig angenommen. Einige Teile der Stadt sind nicht mehr bewohnt. Manche Monumente und Kunstwerke sind verfallen. Auch wir vier sind uns in der Wertschätzung nicht einig. Ich jedenfalls bin begeistert von den vielen verschiedenen Kunstwerken, den interessanten Bauwerken und auch von der Wohnarchitektur. Ich frage mich, warum der Ort so wenig belebt ist, warum so viele Rollläden heruntergelassen sind, viele Häuser leer zu stehen scheinen. So schade!

Und was ist mit dem alten, zerstörten Dorf? Dem italienischen Bildhauer Alberto Burri ist das Kunstwerk Cretto zu verdanken: Er ließ die Überreste des Ortes mit etwa 1,50 m hohen Betonwänden einfassen.

Dazwischen können wir herumgehen und so den Verlauf der alten Gassen nachvollziehen.  „Ich wollte die Ruinen der alten Stadt in eine ewige Narbe verwandeln, ein Monument des Schmerzes und des Gedenkens“, sagte der Künstler. 

Es ist faszinierend und bedrückend zugleich, diese Installation zu begehen. Beklemmend, wenn man bedenkt, dass die Heimat vieler Menschen hier unter Beton begraben ist.

Dieser sehr besondere Tag endet mit einem sehr besonderen Übernachtungsplatz.

Bei Spaghetti alle Sarde und schönem Sonnenuntergang.

Von Schlammvulkanen und türkischen Treppen

Von Agrigent ist es ein kurzer Abstecher nach Norden, wenn man zu den Schlammvulkanen von Maccalube will. Wollen wir, denn ein solches Naturphänomen hat uns vor Jahren schon einmal in der Nähe von Baku fasziniert. Unser Reiseführer warnt uns allerdings: „Die Aktivität der Minivulkane scheint Schwankungen ausgesetzt zu sein, manchmal zeigt sich das Gelände fast ausgetrocknet, manchmal sprudeln die Vulcanelli geradezu.“

Vor Ort sehen wir, dass das gesamte Gebiet eingezäunt ist und auch den Grund dafür erkennen wir.

Am 27. September 2014 kam es hier zu einer Tragödie: Die 7jährige Laura Mulone und ihr 9jähriger Bruder Carmelo wurden durch die außerordentliche Explosion eines der Schlammvulkane getötet.

Heute ruhen die Vulcanelli, die auch Goethe auf seiner Italienreise besucht hat. Sie sind eingebettet in eine liebliche Landschaft, wellige Hügel, gelbe Weizenfelder und viele Blumen, vor allem weiße Schafgarbe und violette Flockenblumen.

Achim lässt seine Drohne steigen. So bekommen wir einen kleinen Einblick.

Ein wenig traurig verlassen wir das Gebiet. Das Schicksal der Kinder und ihrer Eltern geht uns nahe.

Eine andere Besonderheit der Gegend hier ist die Scala dei Turchi, die türkische Treppe.  Wir wenden den Bus, fahren zurück nach Agrigent und dann noch vier Kilometer weiter bis ans Meer.

Die strahlend weißen Kalksteinklippen thronen hoch über dem türkisblauen Meer. Ihre schräg horizontal verlaufenden Riesenstufen erinnern tatsächlich an Treppen. Ihren Namen hat sie angeblich von den sarazenischen Piraten, im Volksmund Türken genannt, die hier an Land gegangen sein sollen.

Skurril auch die andere Geschichte, die ich im Internet gefunden habe: Vor drei Jahren war in der Süddeutschen Zeitung zu lesen: „Klippe in Italien. Elon Musk, bitte kaufen Sie!“ Ferdinando Sciabbarrà, 74, zumindest teilweise Besitzer der türkischen Treppe, wollte sie der Gemeinde Realmonte vermachen, gratis. Doch die mochte das Geschenk nicht annehmen. Auch die Region winkte ab.  „Ferdinando Sciabbarrà hat das Theater satt, er will die Klippe jetzt versteigern, möglichst noch vor dem Sommer, wenn wieder viele Touristen vorbeischauen werden, denn bei Problemen würde er persönlich haften. Am liebsten hätte er, wenn der Unternehmer Elon Musk, die Treppe kaufen würde, heißt es in der Zeitung. „Wir werden als erstes Musk anfragen“, sagte er laut SZ.

Nun, daraus ist glücklicherweise nichts geworden. Die Scala dei Turchi gehört nun der Öffentlichen Hand und das gehört sich doch auch so, oder?

Heute fahren wir nicht mehr weit. An einem Brunnen auf der Strecke füllen wir unsere Trinkwasservorräte auf.

Bald danach haben wir an einem weiten Strand ein schönes Plätzchen für den Rest des Tages und die Nacht gefunden. Es ist sehr windig, aber wir drehen den Bus aus dem Wind und können noch lange bei geöffneter Tür dem Rauschen des Meeres lauschen.

Im Tal der Tempel

Wir machen heute einen etwas größeren Sprung und fahren gute 150 Kilometer Richtung Westen. Unser Ziel ist Agrigent. Auf dem Weg dorthin queren wir hügelige, landwirtschaftlich genutzte Flächen mit vielen Treibhäusern und Plastikfolien. Lange Zeit war Sizilien die Kornkammer Italiens, heute machen Landflucht und der Klimawandel Probleme.

Die archäologischen Stätten von Agrigent sollen zu den eindrucksvollsten Fundplätzen auf Sizilien gehören. Es waren griechische Auswanderer im 6. Jh. v. Chr., die diese Stadt erbauten.

Die Tempel zeugen von der Größe, Macht und kulturellen Hochblüte der damaligen griechischen Stadt.

Der Concordiatempel, der zu den am besten erhaltenen Tempeln der griechischen Antike zählt, und die Überreste der anderen Tempel waren auch ein Grund dafür, dass die archäologischen Stätten von Agrigent ab der Mitte des 18. Jahrhunderts für viele an der antiken griechischen Kultur Interessierte zu einem festen Bestandteil einer Bildungsreise nach Süditalien wurden.

Auch Goethe schildert in seinem Werk „Italienische Reise“  seinen Besuch dieser Stätten. Er besuchte Agrigent vom 23. bis 27. April 1787 und schreibt: „Sizilien wäre einer Reise werth, wenn es auch nichts anders aufzuweisen hätte, als die Ruine des Concordientempels und die Gegend des alten Agrigent“.

Hier stoßen wir zu unserer Überraschung auf einen „alten Bekannten“, den polnischen Bildhauer Igor Mitoraj, dessen Werke wir schon in Syrakus bewundert haben.

Über den Herkulestempel schreibt Goethe: „Menschenhände verfertigten gewiß nie ein edeleres Werk“. Hm. Was ist denn mit dem Kölner Dom, Werken von Dürer oder, um in Italien zu bleiben, Michelangelos David?

Wie auch immer: schön ist es und als am Abend die Lichter angehen, wird es richtig romantisch. Das passt, denn heute vor 42 Jahren haben mein Liebster und ich uns kennengelernt. Auf dem Theaterfestival in München.

Blumen in Noto und Schokolade in Modica

„In Noto ist Blumenfest!“, schrieb Schwägerin Gabi neulich. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Seit 1980 findet um den dritten Sonntag im Mai herum die Infiorata, statt. Im Herzen der barocken Altstadt auf der Via Nicolaci, einer der Prachtstraßen Notos, entstand am vergangenen Freitag ein farbenfroher Blumenteppich: 122 Meter lang und sieben Meter breit, der über 700 Quadratmeter bedeckt, mit 400.000 Blumen.

Lokale Künstlerinnen und Handwerker gestalteten Blumenbilder aus frischen Nelken, Gerbera, Rosen, Margeriten und anderen Blumen der Saison. Die Vorbereitungen beginnen bereits Tage zuvor, wenn die Umrisse auf den Boden gezeichnet werden.

Das Thema der Blumenkreationen ändert sich jedes Jahr, und das diesjährige Thema ist „Kunst fördert den Frieden„.

Sogar an einem Montag sind viele Besucherinnen und Besucher da, um sich die Blumenkunst anzuschauen. Gemeinsam steigen wir auf den Kirchturm, um die Pracht von oben zu bestaunen und laufen durch weitere geschmückte Straßen, in denen sich sogar die Guardia di Finanza und die Carabinieri mit Blumenarragements beteiligen.

Doch nun genug der Blumen. Ein Kaffee und eine Raviola (ein großer Keks aus Mürbeteig, etwa dreimal so groß wie ein Ravioli, gefüllt mit Schokolade) und dann weiter nach Modica.

Eine weitere Barockstadt, ebenfalls Weltkulturerbe, vor allem aber bekannt wegen ihrer Schokolade.

Alle paar Meter stößt man hier auf Schokoladenläden und Confiserien, die die ganz spezielle Modicaschokolade in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen herstellen.

Natürlich kosten wir und kaufen wir.

Statt Kaffee bestelle ich mir zur Nuss-Schokoladen-Torte eine Trinkschokolade zubereitet aus guter Modica-Schokolade, die nicht getrunken werden kann sondern gelöffelt werden muss.

Fast bekomme ich einen Zuckerschock, doch dann fällt mir ein, in dieser Schokolade ist ja fast nur Kakao und so gut wie gar kein Zucker. Trotzdem ist es nun mal gut mit den Schleckereien und wir fahren raus aufs Land. Da haben wir wieder unsere Ruhe und zum Ausgleich gibt es Tomaten mit Mozzarella und einen tollen Sternenhimmel.

Blau, blauer am blauesten

Wir sind mal wieder auf einem Campingplatz. Das bedeutet duschen, Haare waschen und ganz gemütlich draußen frühstücken. Gegen Elf fahren wir mit den Rädern am Meer entlang nach Süden. Wir wollen ins Naturreservat Vendicari.

Ausgedehnte Sumpfgebiete dienen den Zugvögeln als Zwischenstation auf ihrer Wanderung nach Afrika. Zahlreiche Vogelarten machen hier Pause: Stelzvögel, Graureiher, Störche, Flamingos, sowie die Stockente, Möwen, Kormorane und der Stelzenläufer. Leider sind wir viel zu spät. Die Vögel sind natürlich längst weitergezogen zu ihren Sommerquartieren. Aber wir erspähen immerhin Flamingos.

Auf der einen Seite liegen die Lagunen, eher gräulich, auf der anderen das Meer und das hat heute eine Farbe, an der wir uns nicht satt sehen können. Blau, blauer, am blauesten. „Da wirste betrunken von“, sagt mein Liebster.

Unsere kleine Wanderung führt uns durch die mediterrane Macchia, Kräuter, Disteln, jede Menge Grünzeug, das wir nicht kennen.

Unsere Augen können sich nicht satt sehen am Spiel der Farben. Ein starker Wind, der Scirocco, weht uns ins Gesicht. Fürs Picknick suchen wir Schutz hinter den Mauern einer Ruine.

Krönender Abschluss unseres Tags am Meer ist ein Bad am Strand im Naturreservat. Im ersten Moment schnappen wir, erhitzt wie wir sind, nach Luft, aber dann ist es Genuss pur.

Von alten Griechen, einem Elefanten und dem Besuch im Waschsalon

Wir haben gestern noch nicht alles gesehen in Syrakus. Während der griechischen Herrschaft entstanden hier weitere meisterhafte Bauwerke: das Griechische Theater war zur damaligen Zeit das größte Amphitheater mit 15.000 Sitzplätzen und einem Durchmesser von 140 Metern. Es wurde im 5. Jahrhundert vor Christus errichtet und glänzte durch seine hervorragende Akustik.

„Das Theater ist aus einem einzigen Felsen in 80 jähriger Arbeit Reihe für Reihe mit Hammer und Meißel herausgearbeitet worden“, erzählt eine Führerin neben mir einem deutschen Paar. Nicht zu fassen.

Den Römern aber war die Bühne zu klein für ihre blutigen Gladiatorenkämpfe. Was tun? Na, ganz einfach, ein weiteres Theater bauen.

In den Latomien, den Steinbrüchen aus antiker Zeit haben wir Spaß mit dem Ohr des Dionysios:  eine 60 Meter lange und 20 Meter hohe Höhle mit erstaunlicher Akustik. Klatschen, Stampfen Flüstern werden je nach Position als Echo oder laut übertragen. Von der Schulklasse über die jungen Pärchen bis hin zu den Senioren wird gepfiffen, gesungen, geklatscht.

Nicht nur vor Dionysos‘ Ohr, im gesamten archäologischen Park sind Skulpturen des polnischen Bildhauers Igor Mitoraj ausgestellt. Seit März 2024 bereichern 25 seiner großformatigen Skulpturen, die sich mit griechischer Mythologie beschäftigen, das gesamte Gelände.

Gegen Mittag kehren wir dem schönen Syrakus den Rücken zu und fahren die Küste entlang weiter nach Südwesten. Achim hatte auf maps einen Ort gesehen, zu dem er unbedingt wollte. Während wir in der Mittagshitze über Stock und Stein Richtung Meer balancieren, stöhne ich: „Wo Du mich immer hinführst!“

Als wir am Ziel sind, strahle ich: „Wo Du mich immer hinführst!“

Einen Elefanten im Meer sieht man nicht jeden Tag.

Zum Ausgleich führe ich meinen Liebsten später in den Waschsalon. Das ist nach mehr als vier Wochen mal dringend nötig. Gut ist, man hat ja Wartezeit im Waschsalon. Die wissen wir zu überbrücken und der Wirt heute weiß wirklich, wie Aperitif geht.

Sehr sympathisches Syrakus

In der Antike war Syrakus über mehrere Jahrhunderte die größte und mächtigste Stadt Siziliens und dessen kulturelles Zentrum. Cicero beschrieb sie in seinen Reden als „die größte und schönste aller griechischen Städte“. Damals hatte der Ort antiken Autoren zufolge eine Million Einwohner, heute rund 120 000.

Wir haben es nicht weit dorthin und ein Parkplatz ist rasch gefunden. Der älteste Teil der Stadt liegt auf der Insel Ortygia. Hier haben griechische Siedler aus Korinth um 730 v. Chr. die Stadt gegründet. Bald spielte Syrakus auch kulturell und wissenschaftlich eine bedeutende Rolle. Bekannte Dichter, Philosophen und Mathematiker ließen sich hier nieder, unter ihnen Aischylos, Platon und Archimedes.

Die Altstadt drohte nach dem Zweiten Weltkrieg zu verfallen. Viele Bewohner zogen in die modernen Wohnviertel auf dem Festland um. Durch umfangreiche Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten von 1990 an wurde die Altstadt wieder aufgewertet und belebt. Auf Ortygia befindet sich auch ein Großteil der historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten.

Nur wenige Meter  vom Meer entfernt liegt die Süßwasserquelle, die zur Stadtgründung führte und im Laufe der Jahrhunderte den Widerstand gegen häufige feindliche Belagerung ermöglichte. Der Brunnen Fonte Aretusa ist mit Steinen eingefasst und wird von Papyrusstauden umrahmt.

Im 5. Jahrhundert v. Chr. bauten die Griechen ihren Athena-Tempel in die Mitte ihrer Stadt. Er soll damals schon prächtig mit Portalen aus Gold und Elfenbein und großen Gemälden geschmückt gewesen sein.

200 Jahre später haben die Christen ihre Kirche dem Tempel übergestülpt. Die wurde in weiten Teilen beim großen Erdbeben im 17. Jh. zerstört und in barocker Pracht wieder aufgebaut.

Wir bummeln durch die Gassen. Trotz Vorsaison ist hier schon ganz viel los. Aber alle sind entspannt und genießen das Ambiente. Viele Gassen und Hinterhöfe sind mit Pflanzen oder Blumen geschmückt.

Cafés und Restaurants locken mit ihren Angeboten.

Wir entdecken Kunstgalerien…

… steigen ins unterirdische Syrakus hinab, das von den Griechen angelegt wurde. Sie holten die Steine für den Hausbau aus dem Untergrund. Die Römer nutzten es später als Wasserreservoir, im Zweiten Weltkrieg diente es als Bunker und unterirdisches Lazarett.

… wandern zum normannischen Kastell mit einer modernen Skulptur…

… und zum Limoncello – Sprizz.

Zum Abendessen finden wir ein kleines Spezialitätenrestaurant, in dem es riesige und köstliche Portionen Antipasti und Pasta gibt. Aber kein Foto, schließlich sind wir nicht bei Insta 🙂

Regentag

Um halb acht donnert es. Nicht ein Schlag sondern ein dunkles bedrohliches Grummeln. Zwischendurch ein paar Blitze und es beginnt zu regnen. Wunderbar. Ich stehe auf, koche Kaffee und höre dem Regen zu.

Wir sind gestern vor Starkregen gewarnt worden. Auf dem Platz der Parkverwaltung stehen wir gut und sicher. Deshalb warten wir nun mal ab, was kommt. Bisher nicht viel.

Der Ruhetag gibt uns Zeit, unsere nächsten Tage auf Sizilien zu planen. Viel Spannendes wartet auf uns: die frühere Weltmetropole Syrakus, das Blumenfest in Noto (Danke für den Tipp, liebe Gabi!) und das Naturreservat Vendicari mit seiner üppigen Flora (vor allem jetzt im Frühjahr) und Fauna (mal sehen, ob wir tatsächlich Kraniche, Störche, Flamingos und Sichler sehen).

Nachdem ich den halben Reiseführer auswendig gelernt habe, stelle ich das Warmwasser an und gönne mir eine warme Dusche. Die hat zwar nicht den starken Wasserstrahl wie zuhause aber erfüllt trotzdem ihren Zweck.

Zur Kaffeetafel mit frischem Apfelkuchen treffen wir uns mit unseren Reisegefährten und besprechen die Route für die nächsten Tage. Ideen gibt es viele. Es wäre schön, wenn das Wetter dabei auch mitspielen würde. Unsere neuen Freunde fänden das auch angenehm.

Im Stillen aber bedanke ich mich beim heutigen Regen, ohne den wir diesen Ruhetag eher nicht gehabt hätten.

Durch die Schlucht zur Nekropole von Pantalica

Bis zu 5000 Höhlen haben die Menschen vom Volksstamm der Sikaner vor über 3000 Jahren in die Felsen bei Pantalica geschlagen. Ein paar davon wollen wir uns heute anschauen.

Extra für Camper wurde von der Verwaltung des Schutzgebietes ein idyllischer Stellplatz ausgewiesen. Rund um uns nur Felder, Obstbäume und riesige Rosmarinhecken. Wir dürfen hier kostenfrei übernachten und es gibt sogar Toiletten (sehr sauber).

Wir nähern uns der Nekropole, die beidseitig einer Schlucht liegt, die der Fluss Anapo in den Fels gefressen hat, mit den Fahrrädern.

Die Höhlen wurden ursprünglich als Grabstätten genutzt. Später, in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, wurden sie teils bewohnt oder zu Kapellen umgebaut. Die gesamte Anlage zählt seit 2005 zum Unesco Weltkulturerbe.

Am Eingang müssen wir uns namentlich und mit Telefonnummer registrieren, bekommen eine Telefonnummer und uns wird ein Shuttle für die nächsten eineinhalb Kilometer angeboten. Der Kleinbus ist aber schon von etlichen älteren italienischen Herren besetzt, so dass wir das Stück gehen.

Dann laufen wir eine Weile oberhalb der Schlucht.

Steigen eine Etage tiefer und stoßen auf die ersten Höhlen.

Nach ein paar Kilometern kommen wir zu einem kleinen Heimatmuseum. Wahrscheinlich war hier mal ein Bahnhof, denn früher fuhr der Lokalzug durch die Schlucht.

Schließlich steigen wir ganz hinab zum Fluss, machen Picknick und kraxeln auf der andere Seite wieder hoch. Um die Enden der Felswände zu sehen, müssen wir den Kopf in den Nacken legen. Der Fluss rauscht, Bienen summen, Frösche quaken.

Eine wirkliche Drei-Sterne-Wanderung. Doch der Höhepunkt, die Nekropole, kommt erst noch. Zwar hatten wir zwischendurch schon ein paar Höhlengräber gesehen, doch zu den größeren Ansammlungen kommen wir erst am Ende unserer Tour.

Nach elf Kilometern sind wir froh, dass uns der Shuttlebus aufpickt. Wir werden aus der Liste ausgetragen, steigen auf die Räder und sind drei Kilometer später wieder am Bus.

Für heute Nacht und morgen ist Starkregen angesagt. Falls das tatsächlich so sein sollte, nehmen wir uns einen Tag Auszeit und wettern in den Bussen ab. Ich hätte durchaus Lust dazu. Gemütlich lesen, spielen, schlafen, während der Regen aufs Dach trommelt. Na, mal sehen.