Bei Schönebeck ist das älteste Soleheilbad Deutschlands. Ein guter Ort für einen Ruhetag. Immerhin liegen bereits 450 Radkilometer hinter uns. Da kann mindestens der Po eine Pause gebrauchen.

Unsere recht stylische und liebevoll geführte Unterkunft passt eigentlich gar nicht zu der sehr trostlos wirkenden Stadt, die wir nach dem Frühstück besuchen. Ein hässlicher Platz, dessen Funktion sich uns nicht erschließt, kein Café, die Supermärkte außerhalb. Nur direkt am Elbufer und in der Bahnunterführung ist es schön.



Mit dem Rad fahren wir ins Kurzentrum. Wir können wählen zwischen einem Zeitfenster von einer oder zwei Stunden, mehr ist wegen Corona nicht drin. Zwei Stunden reichen uns aber auch zum Plantschen im 36 Grad heißen Salzwasser oder ein paar Runden im kühleren Außenbecken.

Am Nachmittag machen wir uns auf ins 18 Kilometer entfernte Magdeburg. Dort kommen wir zwar morgen auch vorbei, aber heute Nachmittag haben wir etwas mehr Zeit zur Besichtigung des gotischen Doms, des Hundertwasserhauses und des Marktplatzes.




In Magdeburg werden bei mir Kindheitserinnerungen wach: meine Mutter stammt aus Oschersleben an der Bode und wir haben als Kinder oft unsere Ferien bei meiner Großmutter verbracht. Da wir kein Auto hatten, fuhren wir nachts mit dem Interzonenzug von Duisburg nach Magdeburg, wo wir in aller Herrgottsfrüh eintrafen und in der Bahnhofsgaststätte die zwei Stunden bis zur Abfahrt des Anschlusszugs nach Oschersleben verbrachten.
Wie befremdlich war es für mich, junge und ältere Männer um diese Uhrzeit beim Biertrinken zu sehen.
Wir runden unseren Magdeburgbesuch diesmal auch mit Bier ab. Beim Mückenwirt, direkt am Fluss gibt es außerdem ein sehr leckeres Abendessen, ehe wir die Rückfahrt nach Schönebeck antreten.


























Er ist der zweitgrößte Canyon der Welt. Damit steht der Fishriver Canyon im Süden Namibias gleich hinter seinem großen amerikanischen Bruder, dem Grand Canyon in Arizona. Er ist unsere letzte Station in diesem beeindruckenden Land, dessen Gäste wir in den vergangenen drei Wochen waren.
Eindrucksvoll beweist er uns einmal mehr wie kraftvoll die Landschaft in diesem Land ist, das so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen. Ob Wüste, Berge, Meer, Salzpfanne, Savanne oder eben diese 160 Kilometer lange, 27 m breite und bis zu 500 m tiefe Schlucht, die der Fischfluss vor Jahrmillionen geformt hat. Oder aber eine Schlange, wie es sich die Nama erzählen. Das von Jägern verfolgte Tier wand und schlängelte sich schwer verwundet so heftig im Wüstensand, dass die Erde aufriss und die Schlange in diesem Graben verschwand.

Der Anblick der imposanten Felsformationen des Fishriver Canyon rundet die Vielzahl der Eindrücke, die wir in Namibia gewonnen haben, perfekt ab. Wunderschöne Landschaften, eine spannende Tierwelt, freundliche Menschen. Eine wertvolle Reiseerfahrung, die uns bald schon schönste Erinnerungen bescheren wird.

























Die Pfeilfische und ich teilen uns diesen kleinen Naturteich inmitten des Naukluft- Nationalparks. Durch die umgebenden Berge, die teils fast 2000 m hoch sind, gibt es hier relativ gute Niederschläge, so dass die Gumpen selbst jetzt, wo es schon ewig nicht mehr geregnet hat, mit Wasser gefüllt sind.
Was für eine Freude, nach einem einstündigen Spaziergang durch die Buschsavanne, vorbei an Klippschliefer und Pavianen, bei mehr als 30 Grad, in das kühle Wasser eintauchen zu können.Dann noch ein Picknick, einfach perfekt.


Gestartet sind wir heute Morgen von unserem kleinen Bungalow ohne Adresse. Irgendwo im Nirgendwo. Am Rande des Namib- Naukluft- Nationalparks, dem größten des Landes. Carsten aus Berlin, aufgewachsen in der ehemaligen DDR, verliebte sich auf einer seiner vielen Reisen, die er nach dem Fall der Mauer hierher gemacht hatte, in eine Einheimische und kaufte vor 15 Jahren diese Farm. Er baute vier kleine Bungalows und bekocht seine Gäste selber. Für uns gibt es am ersten Abend köstliches Gulasch aus Zebrafleisch – das erste meines Lebens. Lecker. Wenn er es uns nicht verraten hätte, hätten wir es als Rindfleisch gegessen. Von ihm stammt auch der Tipp, dass man in den Naturteichen schwimmen kann. In ihrem Wasser gibt es keine gefährlichen Tierchen.

Auch die Anreise war spannend. Gleich nach dem Frühstück starteten wir gegen neun in Swakopmund. 350 Kilometer Strecke liegen vor uns, die wenigsten davon asphaltiert. Kurz hinter der Stadt beginnt die Salzpiste. Dass man damit Straßen bauen kann, hatte ich schon auf meiner ersten Namibiareise gelernt. Die Oberfläche ist sehr eben und kann gut bei Tempo 100 befahren werden. Nach Regen oder bei Seenebel, wenn das Material feucht wird, empfiehlt sich das nicht, denn dann wird die Salzpiste schmierig und rutschig. Hatten wir aber beides nicht und so gingen die ersten 100 Kilometer recht flott. Immer wieder faszinierend, wenn man Swakopmund verlässt: links der Straße die Wüste, rechts der Atlantik.Dann beginnt die Pad, die Piste, die aus einem Gemisch aus Steinen und Sand angelegt wird. Afrikanische Massage. Tempo 40 bis 70, je nach Zustand der Strecke. Egal, das ist hier so, ist Teil des Gesamtpakets und wir genießen die Fahrt vorbei am Vogelfederberg, den ersten Köcherbäumen, dem Kuiseb-Canyon, dem Wendekreis des Steinbocks.



80 Kilometer vor unserem Häuschen Irgendwo im Nirgendwo erreichen wir das berühmte Solitaire. Hier geht die „Haupstraße“ weiter nach Süden, der wir in zwei Tagen folgen werden. Rechts ab, also nach Westen, geht es zu den berühmten roten Dünen von Sossusvlei, einem der berühmtesten Spots in Namibia. Wir wollen diesmal nicht dorthin, halten aber, um den ebenso berühmten Apfelkuchen des Holländers Moose Mc Gregor zu kosten.


Solitaire ist eigentlich kein Ort, sondern eine Art “ Wildwest- Tankstelle“, wichtig in den Weiten der Namib- Wüste, wo zwischen den Versorgungsstationen gern mal 100 bis 200 Kilometer liegen. Schöne Fotomotive sind auch die uralten angerosteten Autos, die irgendwann wohl mal irgendwer gesammelt hat.




Etwa 30 Kilometer vor unserem Ziel kommen uns drei Jungs entgegen und bedeuten uns, dass sie gern Wasser hätten. Wir halten an, schenken ihnen eine Flasche und unsere letzten Kekse. Auf einmal hören wir Uli von außen: „Wir haben einen Platten!“ Oh!
Während wir noch die Gebrauchsanleitung lesen (wie lässt man das unterm Chassis befestigte Reserverad hinunter, wo wird der Wagenheber angesetzt…?), hält ein Auto. Ein großer blonder Mann, der sich als Uwe vorstellt und sein junger Mitarbeiter steigen aus, setzen an, drehen, schrauben… Das Ganze dauert keine 10 Minuten und wir sind wieder startklar. Unglaublich. Wir haben so ein Glück, diese beiden Männer getroffen zu haben! Genauso ein großes Glück ist, dass nur drei Kilometer entfernt eine Werkstatt ist, in der unser Reifen repariert wird. Schon am nächsten Morgen können wir ihn abholen.
Carstens Bungalows sind jetzt nicht mehr weit weg. Ein Begrüßungsbier, eine Dusche und eine supergemütliche Behausung inmitten der staubigen Savanne warten auf uns. Und die Zebras. Diesmal (leider) im Topf.


























Der Fluss Ugab modellierte diese Inselberge vor Jahrmillionen. Wir tauchen in der Ugab-Terrace-Lodge für zwei Tage in die atemberaubende Landschaft ein.
Schon die Anfahrt ist eine Herausforderung. An der steilsten Stelle ist die Piste geschätzt 40 Prozent steil.
Wir wohnen im Oryx-Bungalow, morgens und abends wird im außen angebauten Ofen Holz für unser warmes Duschwasser entzündet. Die Häuschen wurden wie Adlerneste oben auf den Kamm gebaut.

Jeden Nachmittag gibt es frisch gebackenen Kuchen. Den Sundowner genießen wir auf der Aussichtsterrasse.
Am ersten Nachmittag erkunden wir auf einem ausgeschilderten Wanderpfad ein wenig die nahe Umgebung der Lodge.

Am zweiten Tag fahren wir zur Vingerklip, einem 35 Meter hohen Monolithen, der hoch aus dem Tal des Ugab herausragt.
Sonnenauf und – untergänge, der kleine Pool, der in die Terrassen gebaut wurde, das Oryxsteak zum Abendessen und Gesang und Tanz der Crew danach versüßen uns die Tage hier.


Achim setzt dem Ganzen noch die Krone auf, indem er mir morgens um halb sechs am Sternenhimmel das Kreuz des Südens zeigt, das gerade aufgegangen ist, und ich schon so lange sehen wollte. Kurz danach stürzt er sich auf der 960 m langen Zipline, die zu unserer Lodge gehört, todesmutig in die Tiefe.
Unser nächstes Ziel ist die Spitzkoppe, wegen ihrer Form auch das Matterhorn Namibias genannt. Sie liegt noch im Dunst, als wir ihr uns gegen 11 Uhr nähern.

An fantasievollen Verkaufsständen werden Halbedelsteine, die man in der Gegend finden kann, und Grillholz zum Kauf angeboten. In Namibia ist Grillen ein Volkssport. Zumindest bei den weißen Namibiern. Viele schwarze können sich das Grillgut nicht leisten. Wir zahlten neulich für ein 300 g schweres T-Bone-Steak etwa drei Euro.

Die 1728 m hohe Spitzkoppe ist von einer Vielzahl imposanter Inselberge umgeben, warmes, glattes Gestein, auf dem wir herumkraxeln und eine Menge Fotos machen. Die eigentliche Spitze wirkt sehr beeindruckend, weil sie 800 m über das Plateau hinausragt.Im Schatten der Steinernen Brücke packen wir unsere Brotzeit aus und genießen die uns umgebende Mondlandschaft.

Über 30 Kilometer Piste schuckeln und ruckeln wir zurück auf die Hauptstraße, die B 2, die uns durch die Namib bis ans Meer führen wird. Noch brennt die Sonne bei über 30 Grad. Doch bald schon werden uns in Swakopmund Kühle, Seenebel und niedrige Temperaturen erwarten.