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Cefalu kann glücklich machen

Diesen Tag in Cefalu hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Auf die Idee, ihn in einer Zahnarztpraxis zu beginnen, wäre ich nicht gekommen. Bis gestern. Als mir fast aus dem Nichts heraus die Hälfte meines Schneidezahns abbrach. Oh je!

Und nun sitze ich bei Dottore Giovanni Battaglia in der Praxis. Ein altes gepflegtes Haus mit einer hellen ruhigen Praxis. Der Empfang war professionell und freundlich. Jetzt heißt es erstmal warten.

Währenddessen beginne ich mit der Lektüre des Buches „Die Versuchung von Syrakus“ von Joachim Sartorius aus dem wunderbaren mare-Verlag. Die erste Stunde ist schon um und ich habe mich aus Cefalu zurückversetzt in die Stadt an der Ostküste Siziliens, die wir vor zwei Wochen besucht haben, und schwelge in eigenen Erinnerungen. Bis ich schließlich aufgerufen und behandelt werde. Hoch zufrieden verlasse ich nach einem weiteren kleinen Stündchen die Praxis – und kann wieder lächeln und lachen, ohne die Hand vor den Mund zu halten.

Neben Zahnarztpraxen gibt es in Cefalu, eines der beliebtesten Reiseziele an der Nordküste Siziliens, noch vieles anderes zu besichtigen: die normannische Kathedrale mit ihren zwei gewaltigen Türmen, die Burg auf dem die Stadt dominierenden Felsen, die quirlige Altstadt und den wunderbaren Strand.

Wir feiern die Wiedergeburt meines Zahnes mit Kaffee und dolci auf dem Domplatz. Danach klettern wir auf den Burgfelsen und gucken dem Dom aufs Dach.

Und genießen einmal mehr dieses Meeresblau. Ich kann gar nicht genug davon bekommen.

Dann mäandern wir durch die Gassen der Altstadt und suchen den Klippenweg, der zwischen Meer und Altstadt entlang führt.

Ach, es gefällt mir so gut in Cefalu. Die Krönung des Tages ist ein Bad im Meer mit dieser atemberaubenden Kulisse von Berg und Altstadt.

Und die Canoli. Und der Limoncello Sprizz. Und das leckere Abendessen. Und Dr. Battaglia, s. o. Cefalu kann glücklich machen.

Fahrtag

Heute lassen wir es ruhig angehen: kein Wandern, kein Fahrradfahren, keine Besichtigungen. Einfach nur 150 Kilometer am Meer lang nach Osten rollen. Bis zum Campingplatz in Cefalu.

Palermo lassen wir links liegen. Wir waren dort schon zweimal und es hat uns sehr gefallen. Aber uns steht der Sinn jetzt nicht nach Großstadt. Wir kommen an sehr schönen Küstenabschnitten vorbei und an solchen mit größeren Industrieanlagen. Das Meer hat heute wieder DIE Farbe. DAS BLAU.

Beim Fahren lasse ich unsere Zeit auf Sizilien Revue passieren.

Was mir aufgefallen ist:

🍀Die Blütenpracht allüberall

🍀Die intensiven Farben des Himmels, des Meeres, der Pflanzen

🍀Die Freundlichkeit, mit der uns die Einheimischen begegnen

🍀Die Schönheit der Natur, ob in den Bergen oder am Meer

🍀Der viele Abfall entlang der Straßen, unverhofft, rätselhaft, wie er dorthin kommt

🍀Die köstlichen Dolci

🍀Die Bergdörfer, die wie Adlerhorste hoch oben thronen

🍀Die edlen Städte mit ihren Palästen, Kathedralen und Burgen

Wir werden jetzt noch zwei Tage in Cefalu genießen und dann langsam Richtung Fähre in Messina fahren. Der Kreis schließt sich damit. Aber das sind nur die Gedanken wãhrend eines Fahrtags. Morgen erkunden wir aufs neue die schöne alte Stadt am Meer, die wir vor ein paar Jahren schon zwei Mal besucht haben.

Wandern im ältesten Naturpark Siziliens

Was haben wir gut geschlafen am Rande des Riserva Naturale dello Zingaro. Leises Meeresrauschen war das einzige Geräusch, das zu hören war.

Gleich nach dem Frühstück packen wir die Rucksäcke. Brotzeit und Badesachen sind das Wichtigste.

Wir haben eine Tour von etwa 14 Kilometern durch den ersten Naturpark der Insel, 1981 eingerichtet, geplant.

Gleich am Eingang stoßen wir auf einen Tunnel, ein Mahnmal. Er ist das Symbol einer Bürgerbewegung, die in einem Protestmarsch von 3000 Menschen ihren Höhepunkt fand.

Anwohner, Menschen aus der Kunst und den Wissenschaften sowie Umweltschützer setzten sich im Mai 1980 gegen den Bau einer Straße und den Bau eines Feriendorfs ein.

Mit Erfolg!

Heute ist es tatsächlich so, dass die Luftlinie zwischen dem südlichen und dem nördlichen Eingang in den ältesten Naturpark Siziliens sieben Kilometer beträgt und die Menschen aus den jeweils nahe gelegenen Ortschaften einander nur über eine große Runde von 45 Kilometern mit dem Auto erreichen können.

Dazwischen liegen 1600 Hektar Karst, steppenartige Vegetation, Zwergpalmen und (Bade-)buchten.

Schon nach einem halben Kilometer sehen wir unser erstes Stachelschwein.

In dem kleinen naturkundlichen Museum. Drei Räume, ein paar Gips-Tiere und viele Schautafeln.

Zwischen Bergen, Buchten und Meer schlängelt sich ein feiner Wanderweg. Noch gucken wir nur von oben, zum Schwimmen ist es uns nicht warm genug.

In echt entdecken wir bald ein… Keine Ahnung. „Bestimmen wir nachher noch“, sagt mein Liebster. (Haben wir am Abend gemacht. Achim einigt sich mit sich selbst auf einen Skink. Kennt Ihr, ne? )

Wir lernen im nächsten kleinen Museum (hier wurde aus fast jedem Häuschen, welches hier stand, ein Museum gemacht), dass aus Eschen ein Zuckerersatz gewonnen werden kann, Manna genannt. Dass Reisen bildet, schrieb ich schon, nicht wahr?

Ein Korbmuseum und eine Grotte später sind wir am Ende des Weges, also am nördlichen Parkeingang angekommen. Brotzeitzeit.

Wir wandern die sieben Kilometer zurück und ich hadere ein bisschen damit, dass die Farben des Himmels und des Meeres heute nicht diese gigantischen Blautöne aufweisen wie in den Tagen zuvor. Außerdem haben wir zwar die Badesachen dabei, aber es ist nicht wirklich warm genug fürs vergnügliche Baden. Trotzdem kommen wir verschwitzt und müde an den Bussen an und ich lege noch eine Gymnastikeinheit ein, als ich mir im Waschbecken die Füße wasche. Hoch die Beine! Dann ist aber auch gut für heute. Ausruhen und basta.

Blumen pflücken während der Fahrt erlaubt

Auf kleinsten holprigen Sträßchen ruckeln wir durch blühende Landschaften im Landesinneren unter Vermeidung der Autobahn  an die Nordküste.

Was für ein Glück, im Frühjahr hier sein zu dürfen. Heute hat es angenehme 22 Grad, die Sonne scheint und wir schwelgen in der Pracht der Blüten an den Ackerrainen oder auf den Feldern.

Wenn wir durch Dörfer fahren, sehen wir in den Gärten blühende Oleander, Rosen, Ginster und natürlich Bougainvillea in allen Lilatönen.

Wir folgen eine Weile der Weinstraße von Erice. Auf den sonnenbeschienenen Hügeln können die Trauben gut wachsen und reifen. Das haben wir abends schon öfters geschmeckt.

Das Meer, genauer gesagt, den Monte Cofano, erreichen wir am frühen Nachmittag.

Zeit für eine Pause.

Zum Capo San Vito ist es nun nicht mehr weit. Wir sind jetzt an der Nordwestspitze der Insel.

Hm, irgendwie ist es jetzt doch heiß geworden. Zu heiß, um am Strand zu liegen. Außerdem haben wir doch ein bequemes Bett im Bus. Wir sorgen für Durchzug und Schatten und machen es uns auf dem Bett bequem.

Später verliert Achim beim Tavla. Aber ein Kaffee in der Bar wird ihn wieder aufheitern.

Am Abend fahren wir zum südlichen Eingang des Naturparks Zingaro. Hier gibt es einen kostenfreien Parkplatz mit Meerblick und morgen früh können wir unsere Wanderung gleich hier starten.

Viel Kunst nach dem Erdbeben

Gibellina ist die Stadt mit der höchsten Dichte an moderner Kunst in ganz Italien, lese ich bei Wikipedia. Die Geschichte dahinter ist wieder eine traurige: das mittelalterliche Bergdorf wurde, wie drei weitere Gemeinden im Nordwesten Siziliens, bei einem Erdbeben 1968 vollständig zerstört. Hunderte Menschen starben, die Überlebenden wurden obdachlos. 

Neun Kilometer Luftlinie entfernt wurde in den folgenden Jahren ein neuer Ort für die Bewohner erbaut.  Bürgermeister Ludovico Corrao hatte die Vision, gemeinsam mit Architekten, Künstlerinnen und Bildhauern den neu geschaffenen Ort zu bereichern. Seinem Aufruf folgten viele, darunter auch Joseph Beuys und Alberto Burri (1915-1995). 

Insgesamt sind etwa 60 Kunstwerke in der Stadt ausgestellt. Beim Wiederaufbau von Gibellina spielte die Einbindung von Kunst in die Stadtplanung eine besondere Rolle.

Weitere wichtige städtebauliche Überlegungen waren die Trennung von Fußgängern und Autos, die Verwendung von sich wiederholenden Reihenhäusern in der Tradition europäischer Gartenstädte und die Idee einer zentralen Achse mit kulturellen, kommunalen und kommerziellen Gebäuden. 

Das Konzept der neu aufgebauten Stadt wurde von den Bewohnern wohl nie richtig angenommen. Einige Teile der Stadt sind nicht mehr bewohnt. Manche Monumente und Kunstwerke sind verfallen. Auch wir vier sind uns in der Wertschätzung nicht einig. Ich jedenfalls bin begeistert von den vielen verschiedenen Kunstwerken, den interessanten Bauwerken und auch von der Wohnarchitektur. Ich frage mich, warum der Ort so wenig belebt ist, warum so viele Rollläden heruntergelassen sind, viele Häuser leer zu stehen scheinen. So schade!

Und was ist mit dem alten, zerstörten Dorf? Dem italienischen Bildhauer Alberto Burri ist das Kunstwerk Cretto zu verdanken: Er ließ die Überreste des Ortes mit etwa 1,50 m hohen Betonwänden einfassen.

Dazwischen können wir herumgehen und so den Verlauf der alten Gassen nachvollziehen.  „Ich wollte die Ruinen der alten Stadt in eine ewige Narbe verwandeln, ein Monument des Schmerzes und des Gedenkens“, sagte der Künstler. 

Es ist faszinierend und bedrückend zugleich, diese Installation zu begehen. Beklemmend, wenn man bedenkt, dass die Heimat vieler Menschen hier unter Beton begraben ist.

Dieser sehr besondere Tag endet mit einem sehr besonderen Übernachtungsplatz.

Bei Spaghetti alle Sarde und schönem Sonnenuntergang.

Von Schlammvulkanen und türkischen Treppen

Von Agrigent ist es ein kurzer Abstecher nach Norden, wenn man zu den Schlammvulkanen von Maccalube will. Wollen wir, denn ein solches Naturphänomen hat uns vor Jahren schon einmal in der Nähe von Baku fasziniert. Unser Reiseführer warnt uns allerdings: „Die Aktivität der Minivulkane scheint Schwankungen ausgesetzt zu sein, manchmal zeigt sich das Gelände fast ausgetrocknet, manchmal sprudeln die Vulcanelli geradezu.“

Vor Ort sehen wir, dass das gesamte Gebiet eingezäunt ist und auch den Grund dafür erkennen wir.

Am 27. September 2014 kam es hier zu einer Tragödie: Die 7jährige Laura Mulone und ihr 9jähriger Bruder Carmelo wurden durch die außerordentliche Explosion eines der Schlammvulkane getötet.

Heute ruhen die Vulcanelli, die auch Goethe auf seiner Italienreise besucht hat. Sie sind eingebettet in eine liebliche Landschaft, wellige Hügel, gelbe Weizenfelder und viele Blumen, vor allem weiße Schafgarbe und violette Flockenblumen.

Achim lässt seine Drohne steigen. So bekommen wir einen kleinen Einblick.

Ein wenig traurig verlassen wir das Gebiet. Das Schicksal der Kinder und ihrer Eltern geht uns nahe.

Eine andere Besonderheit der Gegend hier ist die Scala dei Turchi, die türkische Treppe.  Wir wenden den Bus, fahren zurück nach Agrigent und dann noch vier Kilometer weiter bis ans Meer.

Die strahlend weißen Kalksteinklippen thronen hoch über dem türkisblauen Meer. Ihre schräg horizontal verlaufenden Riesenstufen erinnern tatsächlich an Treppen. Ihren Namen hat sie angeblich von den sarazenischen Piraten, im Volksmund Türken genannt, die hier an Land gegangen sein sollen.

Skurril auch die andere Geschichte, die ich im Internet gefunden habe: Vor drei Jahren war in der Süddeutschen Zeitung zu lesen: „Klippe in Italien. Elon Musk, bitte kaufen Sie!“ Ferdinando Sciabbarrà, 74, zumindest teilweise Besitzer der türkischen Treppe, wollte sie der Gemeinde Realmonte vermachen, gratis. Doch die mochte das Geschenk nicht annehmen. Auch die Region winkte ab.  „Ferdinando Sciabbarrà hat das Theater satt, er will die Klippe jetzt versteigern, möglichst noch vor dem Sommer, wenn wieder viele Touristen vorbeischauen werden, denn bei Problemen würde er persönlich haften. Am liebsten hätte er, wenn der Unternehmer Elon Musk, die Treppe kaufen würde, heißt es in der Zeitung. „Wir werden als erstes Musk anfragen“, sagte er laut SZ.

Nun, daraus ist glücklicherweise nichts geworden. Die Scala dei Turchi gehört nun der Öffentlichen Hand und das gehört sich doch auch so, oder?

Heute fahren wir nicht mehr weit. An einem Brunnen auf der Strecke füllen wir unsere Trinkwasservorräte auf.

Bald danach haben wir an einem weiten Strand ein schönes Plätzchen für den Rest des Tages und die Nacht gefunden. Es ist sehr windig, aber wir drehen den Bus aus dem Wind und können noch lange bei geöffneter Tür dem Rauschen des Meeres lauschen.

Im Tal der Tempel

Wir machen heute einen etwas größeren Sprung und fahren gute 150 Kilometer Richtung Westen. Unser Ziel ist Agrigent. Auf dem Weg dorthin queren wir hügelige, landwirtschaftlich genutzte Flächen mit vielen Treibhäusern und Plastikfolien. Lange Zeit war Sizilien die Kornkammer Italiens, heute machen Landflucht und der Klimawandel Probleme.

Die archäologischen Stätten von Agrigent sollen zu den eindrucksvollsten Fundplätzen auf Sizilien gehören. Es waren griechische Auswanderer im 6. Jh. v. Chr., die diese Stadt erbauten.

Die Tempel zeugen von der Größe, Macht und kulturellen Hochblüte der damaligen griechischen Stadt.

Der Concordiatempel, der zu den am besten erhaltenen Tempeln der griechischen Antike zählt, und die Überreste der anderen Tempel waren auch ein Grund dafür, dass die archäologischen Stätten von Agrigent ab der Mitte des 18. Jahrhunderts für viele an der antiken griechischen Kultur Interessierte zu einem festen Bestandteil einer Bildungsreise nach Süditalien wurden.

Auch Goethe schildert in seinem Werk „Italienische Reise“  seinen Besuch dieser Stätten. Er besuchte Agrigent vom 23. bis 27. April 1787 und schreibt: „Sizilien wäre einer Reise werth, wenn es auch nichts anders aufzuweisen hätte, als die Ruine des Concordientempels und die Gegend des alten Agrigent“.

Hier stoßen wir zu unserer Überraschung auf einen „alten Bekannten“, den polnischen Bildhauer Igor Mitoraj, dessen Werke wir schon in Syrakus bewundert haben.

Über den Herkulestempel schreibt Goethe: „Menschenhände verfertigten gewiß nie ein edeleres Werk“. Hm. Was ist denn mit dem Kölner Dom, Werken von Dürer oder, um in Italien zu bleiben, Michelangelos David?

Wie auch immer: schön ist es und als am Abend die Lichter angehen, wird es richtig romantisch. Das passt, denn heute vor 42 Jahren haben mein Liebster und ich uns kennengelernt. Auf dem Theaterfestival in München.

Blumen in Noto und Schokolade in Modica

„In Noto ist Blumenfest!“, schrieb Schwägerin Gabi neulich. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Seit 1980 findet um den dritten Sonntag im Mai herum die Infiorata, statt. Im Herzen der barocken Altstadt auf der Via Nicolaci, einer der Prachtstraßen Notos, entstand am vergangenen Freitag ein farbenfroher Blumenteppich: 122 Meter lang und sieben Meter breit, der über 700 Quadratmeter bedeckt, mit 400.000 Blumen.

Lokale Künstlerinnen und Handwerker gestalteten Blumenbilder aus frischen Nelken, Gerbera, Rosen, Margeriten und anderen Blumen der Saison. Die Vorbereitungen beginnen bereits Tage zuvor, wenn die Umrisse auf den Boden gezeichnet werden.

Das Thema der Blumenkreationen ändert sich jedes Jahr, und das diesjährige Thema ist „Kunst fördert den Frieden„.

Sogar an einem Montag sind viele Besucherinnen und Besucher da, um sich die Blumenkunst anzuschauen. Gemeinsam steigen wir auf den Kirchturm, um die Pracht von oben zu bestaunen und laufen durch weitere geschmückte Straßen, in denen sich sogar die Guardia di Finanza und die Carabinieri mit Blumenarragements beteiligen.

Doch nun genug der Blumen. Ein Kaffee und eine Raviola (ein großer Keks aus Mürbeteig, etwa dreimal so groß wie ein Ravioli, gefüllt mit Schokolade) und dann weiter nach Modica.

Eine weitere Barockstadt, ebenfalls Weltkulturerbe, vor allem aber bekannt wegen ihrer Schokolade.

Alle paar Meter stößt man hier auf Schokoladenläden und Confiserien, die die ganz spezielle Modicaschokolade in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen herstellen.

Natürlich kosten wir und kaufen wir.

Statt Kaffee bestelle ich mir zur Nuss-Schokoladen-Torte eine Trinkschokolade zubereitet aus guter Modica-Schokolade, die nicht getrunken werden kann sondern gelöffelt werden muss.

Fast bekomme ich einen Zuckerschock, doch dann fällt mir ein, in dieser Schokolade ist ja fast nur Kakao und so gut wie gar kein Zucker. Trotzdem ist es nun mal gut mit den Schleckereien und wir fahren raus aufs Land. Da haben wir wieder unsere Ruhe und zum Ausgleich gibt es Tomaten mit Mozzarella und einen tollen Sternenhimmel.

Blau, blauer am blauesten

Wir sind mal wieder auf einem Campingplatz. Das bedeutet duschen, Haare waschen und ganz gemütlich draußen frühstücken. Gegen Elf fahren wir mit den Rädern am Meer entlang nach Süden. Wir wollen ins Naturreservat Vendicari.

Ausgedehnte Sumpfgebiete dienen den Zugvögeln als Zwischenstation auf ihrer Wanderung nach Afrika. Zahlreiche Vogelarten machen hier Pause: Stelzvögel, Graureiher, Störche, Flamingos, sowie die Stockente, Möwen, Kormorane und der Stelzenläufer. Leider sind wir viel zu spät. Die Vögel sind natürlich längst weitergezogen zu ihren Sommerquartieren. Aber wir erspähen immerhin Flamingos.

Auf der einen Seite liegen die Lagunen, eher gräulich, auf der anderen das Meer und das hat heute eine Farbe, an der wir uns nicht satt sehen können. Blau, blauer, am blauesten. „Da wirste betrunken von“, sagt mein Liebster.

Unsere kleine Wanderung führt uns durch die mediterrane Macchia, Kräuter, Disteln, jede Menge Grünzeug, das wir nicht kennen.

Unsere Augen können sich nicht satt sehen am Spiel der Farben. Ein starker Wind, der Scirocco, weht uns ins Gesicht. Fürs Picknick suchen wir Schutz hinter den Mauern einer Ruine.

Krönender Abschluss unseres Tags am Meer ist ein Bad am Strand im Naturreservat. Im ersten Moment schnappen wir, erhitzt wie wir sind, nach Luft, aber dann ist es Genuss pur.

Von alten Griechen, einem Elefanten und dem Besuch im Waschsalon

Wir haben gestern noch nicht alles gesehen in Syrakus. Während der griechischen Herrschaft entstanden hier weitere meisterhafte Bauwerke: das Griechische Theater war zur damaligen Zeit das größte Amphitheater mit 15.000 Sitzplätzen und einem Durchmesser von 140 Metern. Es wurde im 5. Jahrhundert vor Christus errichtet und glänzte durch seine hervorragende Akustik.

„Das Theater ist aus einem einzigen Felsen in 80 jähriger Arbeit Reihe für Reihe mit Hammer und Meißel herausgearbeitet worden“, erzählt eine Führerin neben mir einem deutschen Paar. Nicht zu fassen.

Den Römern aber war die Bühne zu klein für ihre blutigen Gladiatorenkämpfe. Was tun? Na, ganz einfach, ein weiteres Theater bauen.

In den Latomien, den Steinbrüchen aus antiker Zeit haben wir Spaß mit dem Ohr des Dionysios:  eine 60 Meter lange und 20 Meter hohe Höhle mit erstaunlicher Akustik. Klatschen, Stampfen Flüstern werden je nach Position als Echo oder laut übertragen. Von der Schulklasse über die jungen Pärchen bis hin zu den Senioren wird gepfiffen, gesungen, geklatscht.

Nicht nur vor Dionysos‘ Ohr, im gesamten archäologischen Park sind Skulpturen des polnischen Bildhauers Igor Mitoraj ausgestellt. Seit März 2024 bereichern 25 seiner großformatigen Skulpturen, die sich mit griechischer Mythologie beschäftigen, das gesamte Gelände.

Gegen Mittag kehren wir dem schönen Syrakus den Rücken zu und fahren die Küste entlang weiter nach Südwesten. Achim hatte auf maps einen Ort gesehen, zu dem er unbedingt wollte. Während wir in der Mittagshitze über Stock und Stein Richtung Meer balancieren, stöhne ich: „Wo Du mich immer hinführst!“

Als wir am Ziel sind, strahle ich: „Wo Du mich immer hinführst!“

Einen Elefanten im Meer sieht man nicht jeden Tag.

Zum Ausgleich führe ich meinen Liebsten später in den Waschsalon. Das ist nach mehr als vier Wochen mal dringend nötig. Gut ist, man hat ja Wartezeit im Waschsalon. Die wissen wir zu überbrücken und der Wirt heute weiß wirklich, wie Aperitif geht.