
Zögerlich verlassen wir unseren großartigen Platz in den Bergen, denn es ist wunderschön hier. Wir sind zugleich froh, ihn zu verlassen, denn wir brauchen Netz. Jetzt müssen wir dringend telefonieren. Unser Sohn hat heute Geburtstag! Unsere Glückwünsche können wir ihm schon nach etwa zehn Kilometern zukommen lassen. Bei bester Aussicht, viel Sonne und gutem Internet videotelefonieren wir und machen den Armen im regnerischen Zuhause ein bisschen neidisch. Tanti auguri a te, liebster Sohn!

Der Tarsia-See, den wir auf unserem Weg Richtung Meer besuchen, ist drei Jahre jünger als ich. Er wurde mit dem Ziel angelegt, in Zeiten größter Dürre ein Wasserreservoir für die Gebiete der ihn umgebenden Ebene zu schaffen. Dazu wurde an der engsten Stelle des Tals, in dem sich heute der See befindet, ein Damm errichtet, mit dem der Fluss Crati aufgestaut wurde.

In Doros Reiseführer haben wir gelesen, dass hier ein Spazierweg zu einem Vogelbeobachtungsturm angelegt wurde. Mit der Zeit haben sich hier seltene Reptilien und Vögel angesiedelt, weshalb die gesamte Gegend unter Naturschutz gestellt und angeblich zu einem Vogelparadies wurde.
Derzeit sind große Bereiche trocken gefallen und die ins Navi eingegebenen Koordinaten führen uns Richtung Südufer, die Straße wird schmaler und schmaler und steiler und steiler. Geschätzt 25 Prozent. Fühlt sich mit dem Camper nicht gut an. Etwa einen Kilometer vor dem Ziel zweigt ein Feldweg nach links ab und Achim ergreift die Gelegenheit zum Wenden. Bei der Steigung nicht trivial. Findet auch unsere stinkende Kupplung. Aber noch weiter hinab, ohne zu wissen, wie es da unten ausschaut und ob wir dort wenden können, trauen wir uns nicht.
Um es abzukürzen: Wir finden auch im Folgenden keinen Zugang zum See. Keinen Parkplatz am See. Keine Möglichkeit zum Wandern geschweige denn, Vögel zu beobachten. Entnervt lassen wir den See See und das vermeintliche Vogelparadies ein solches sein und steuern einen Campingplatz am Meer an.
Zum Glück finden wir etwas später ein entspanntes Plätzchen am Strand, wo wir uns einen Kaffee kochen und uns über die nunmehr 28 Grad freuen. Was für ein Aufschwung. Heute Morgen waren es nur sechs.

Unseren Campingplatz erreichen wir um Fünf Uhr. Welch ein Kontrast zu den beiden letzten Tagen in den Bergen! Jetzt stehen wir am Mittelmeer, direkt. Und stoßen auf unseren Sohn an. Salute!






































































































