Wir sind jetzt drei Wochen unterwegs und es wird mal Zeit fürs Nichtstun, süßes Nichtstun, wie man in Italien sagt.
Ich sage ja immer, Nichtstun geht nicht, es sei denn, man schaut seinem Kirschbaum beim Wachsen zu, wie meine Freundin Andrea zu sagen pflegt.
So tue ich also nicht nichts, sondern beginne den Tag mit Frühgymnastik am Strand und einem frischen Bad im Meer. Die Temperatur ist ganz okay, aber das Wasser ist recht kibbelig.
Frühstücken, ein bisschen Haushalt und einen Apfelkuchen backen gehören bei mir zum gemütlichen Busleben und dolce far niente dazu. Meerblick inklusive.
Dann kommt endlich mal wieder die Süddeutsche an die Reihe. Das dauert. Ein Mittagsschläfchen, Kaffee trinken, Tavla spielen – schon sind Dreiviertel des Tages rum. Ah ja, der Blick aufs Meer und dem Plätschern des Wassers lauschen, erhöhen den Genuss.
Auf unserem Campingplatz muss man zum Internet laufen, manchmal funktioniert es am Strand, manchmal oben an der Rezeption. Am Nachmittag gehe ich also zum Internet, Wordeln und Italienisch lernen, damit die streaks nicht abreißen. Außerdem ist der Blick hier schön.
Dann wage ich einen klitzekleinen Strandspaziergang… Weit komme ich nicht.
Die Nachrichten von der Kanzlerwahl wollen gelesen und bedacht werden.
Der griechische Mathematiker und Philosoph zog um 532 v. Chr. aus seiner Heimat Samos nach Kroton, dem heutigen Crotone. Der Hafenstadt vorgelagert ist das Capo Colonna, wo heute angeblich noch die Ruine des Hauses steht, in dem er damals lebte.
In guter Nachbarschaft: gleich nebenan gab es eine der Göttin Hera gewidmete Tempelanlage, von der wir auf unserer Radtour heute noch eine Säule, neben dem neuzeitlichen Leuchtturm, bewundern können.
Die nahe gelegene Chiesa della Madonna di Capo gab es zu Zeiten des Pythagoras noch nicht, genauso wenig wie den wuchtigen Sarazenenturm aus dem 16. Jahrhundert.
Die kleine Kirche hat der italienische Künstler Antonino Riello vor ein paar Jahren auf besondere Weise in Szene gesetzt. Völlig unverhofft stoßen wir auf eine weiß gekachelte Mauer in der Landschaft. Durch das Fenster dieser Kunstinstallation sieht man die Kirche und den Turm.
Auf dem Kap gibt es auch noch ein archäologisches Museum – die Griechen haben hier so einiges hinterlassen, aber uns zieht es jetzt nach Crotone. Die Straße ist hügelig und bietet freien Blick auf die großartige Landschaft.
Dem berühmtesten Sohn der Stadt sind ein Museum und ein Park gewidmet. In dem preisgekrönten Bau gibt es eine interessante Mischung von Pythagoras inspirierten Kunstwerken, Nachbauten italienischer Kirchen, eine Fotoausstellung mit naturwissenschaftlichen Fotos und Werken moderner italienischer MalerInnen.
Umgeben ist das Gebäude vom Pythagoras Park, in dem verschiedene Kunstwerke mathematische Grundsätze wie die Fibonaccizahlen oder den Satz des Pythagoras veranschaulichen.
So viel haben wir heute wieder erlebt und gesehen. Am Abend sind es der gleichmäßige durchdringende Ton einer Waldohreule (wussten wir nicht, haben wir mit birdnet bestimmt) und das Plätschern des Meeres, die uns in den Schlaf lullen.
Zögerlich verlassen wir unseren großartigen Platz in den Bergen, denn es ist wunderschön hier. Wir sind zugleich froh, ihn zu verlassen, denn wir brauchen Netz. Jetzt müssen wir dringend telefonieren. Unser Sohn hat heute Geburtstag! Unsere Glückwünsche können wir ihm schon nach etwa zehn Kilometern zukommen lassen. Bei bester Aussicht, viel Sonne und gutem Internet videotelefonieren wir und machen den Armen im regnerischen Zuhause ein bisschen neidisch. Tanti auguri a te, liebster Sohn!
Der Tarsia-See, den wir auf unserem Weg Richtung Meer besuchen, ist drei Jahre jünger als ich. Er wurde mit dem Ziel angelegt, in Zeiten größter Dürre ein Wasserreservoir für die Gebiete der ihn umgebenden Ebene zu schaffen. Dazu wurde an der engsten Stelle des Tals, in dem sich heute der See befindet, ein Damm errichtet, mit dem der Fluss Crati aufgestaut wurde.
In Doros Reiseführer haben wir gelesen, dass hier ein Spazierweg zu einem Vogelbeobachtungsturm angelegt wurde. Mit der Zeit haben sich hier seltene Reptilien und Vögel angesiedelt, weshalb die gesamte Gegend unter Naturschutz gestellt und angeblich zu einem Vogelparadies wurde.
Derzeit sind große Bereiche trocken gefallen und die ins Navi eingegebenen Koordinaten führen uns Richtung Südufer, die Straße wird schmaler und schmaler und steiler und steiler. Geschätzt 25 Prozent. Fühlt sich mit dem Camper nicht gut an. Etwa einen Kilometer vor dem Ziel zweigt ein Feldweg nach links ab und Achim ergreift die Gelegenheit zum Wenden. Bei der Steigung nicht trivial. Findet auch unsere stinkende Kupplung. Aber noch weiter hinab, ohne zu wissen, wie es da unten ausschaut und ob wir dort wenden können, trauen wir uns nicht.
Um es abzukürzen: Wir finden auch im Folgenden keinen Zugang zum See. Keinen Parkplatz am See. Keine Möglichkeit zum Wandern geschweige denn, Vögel zu beobachten. Entnervt lassen wir den See See und das vermeintliche Vogelparadies ein solches sein und steuern einen Campingplatz am Meer an.
Zum Glück finden wir etwas später ein entspanntes Plätzchen am Strand, wo wir uns einen Kaffee kochen und uns über die nunmehr 28 Grad freuen. Was für ein Aufschwung. Heute Morgen waren es nur sechs.
Unseren Campingplatz erreichen wir um Fünf Uhr. Welch ein Kontrast zu den beiden letzten Tagen in den Bergen! Jetzt stehen wir am Mittelmeer, direkt. Und stoßen auf unseren Sohn an. Salute!
Unser Außenthermometer zeigt sechs Grad an, als ich um sieben Uhr wach werde. Ich mache die Heizung an und kuschele mich nochmal an Achim. Aber nach einigen Minuten werde ich unruhig, ich will raus, mir die Umgebung anschauen.
Die Sonne scheint, leichte Nebel umhüllen die Busse und tiefhängende Wolken streifen das Tal.
Plötzlich traben vier Pferde aus dem Wald und beäugen uns von weitem. Na, mal schauen, was sich machen lässt. Erstmal ein Foto aus gebührender Entfernung.
Langsam und schnalzend nähere ich mich den Tieren, die hier halbwild zu leben scheinen. Und tatsächlich: eines lässt mich auf Armlänge an sich heran. Später, als wir draußen beim Frühstück sitzen, kommt der Braune sogar auf die Straße und ich darf leise schnalzend und auf ihn einredend sogar einmal kurz seine Nüstern streicheln.
Ohne Netz habe ich ganz schön viel Zeit übrig: ich kann meinen Italienischkurs im Handy nicht weitermachen, das tägliche Kreuzworträtsel funktioniert nicht, ich kann mit niemandem chatten, den nächsten Übernachtungsplatz nicht auf Park4Night suchen, bei Maps nicht nachschauen, wie viele Kilometer wir morgen bis ans Meer fahren.
Aber wir können draußen frühstücken und anschließend Wandern gehen.
Unsere Wege trennen sich heute: Achim will den gegenüberliegenden Berg erklimmen (dafür wird er zwei Stunden bei sechs Kilometern und 630 Höhenmetern brauchen).
Wir drei anderen entscheiden uns für die gemütlichere Variante, den Sentiero 900 zum Belvedere del Malvento. Ein leicht zu laufender Wanderweg führt durch lichten Buchenwald zu einer Aussichtskanzel.
Wir sind noch fit und folgen nun dem Wegweiser hoch auf den Berg und stoßen nach einer Weile tatsächlich auf Achim, der bereits beim Abstieg ist. Statt Gipfelbild gibt es ein Wiedervereinigungsfoto.
Dann lockt die Bar. Beim Frühstück hatten wir schon gesehen, dass die Wirtsleute heute aufmachen. Nach getaner Arbeit schmecken Kaffee und Kuchen.
Obwohl die Sonne scheint, ist es uns bald zu frisch draußen und wir ziehen uns in die warmen Busse zurück. Dösen, Lesen, Überlegen, wo wir morgen hinfahren und das Rehragout von Doros Freundin Uschi verschlemmen.
Rund 200 Kilometer durch die Berge, immer weiter nach Süden. Ziel für heute ist der größte italienische Nationalpark Monte Pollino.
Mal sehen, was wir unterwegs sehen.
Zuerst mal viele Schafe.
Dann viele Bäume.
Viele Ausblicke.
Eine blaue Bank.
Und schließlich ein Spot zum Mittagessen in einem Olivenhain am Lago di Monte Cotugno mit dem Rest der Linsensuppe von gestern Abend.
Neben unserer Idylle liegt eine Schule. In der Mittagspause kommen die Schüler samt Lehrer an uns vorbei, Ghettoblaster unterm Arm, Mucke voll aufgedreht, zum Fototermin auf der blauen Bank. Sie winken uns freundlich zu. „Wir machen nur eine kleine Pause“, sage ich entschuldigend zum Lehrer (mir ist nicht ganz klar, ob es okay ist, dass wir mit zwei Campern hier zwischen den Olivenbäumen stehen). Doch er lächelt uns freundlich zu – und entschuldigt sich, dass sie uns bei unserer Rast stören.
Irgendwann raffen wir uns auf und fahren weiter. Wir haben uns eine Berghütte auf 1600 Meter ausgesucht und brauchen für die rund 50 Kilometer über kleine und kleinste Straßen etwa zwei Stunden dafür.
Wir sind begeistert! Außer uns ist noch ein anderer Camper aus Witten hier, ansonsten ist hier keiner. Um uns herum Wiesen, eine noch nicht geöffnete Hütte, ein Brunnen mit gutem Trinkwasser und die Berge.
Ach ja, und kein Internet. Ich bin gespannt, wann dieser Blogbeitrag online geht.
Wir gehen noch ein bisschen Anmachholz sammeln und nützen die Gelegenheit zu einem weiteren Highfire mit Raclette.
Hier wollen wir nicht so schnell wieder weg. Die Aussicht ist berückend, die Umgebung lädt zu Erkundungsgängen ein.
Aber erstmal den Vormittag genießen, frühstücken, Zeitung lesen, mit der Familie und den Freunden chatten, Bus aufräumen.
Die Bergidylle wird jäh unterbrochen, als ein Busfahrer den Parkplatz für sich reklamiert. Wir parken um, es wird etwas enger auf dem Platz, aber jetzt brechen wir eh auf zu einer kleinen Wanderung.
Zuerst erklimmen wir die Burg hoch oben und auch hier sind wir nicht allein. Auch in Italien ist der 1. Mai Feiertag und Pietrapertosa ist augenscheinlich ein beliebtes Ausflugsziel.
Außerdem gibt es hier eine Zipline, die die Schlucht zwischen den beiden Dörfern Pietrapertosa und Castelmezzano überwindet. Das Tickethäuschen, an dem wir auf unserem Weg in den Ort vorbeikommen, ist von vielen wagemutigen jungen Leuten belagert. „Silvio e Alessandro!“, „Silvio e Alessandro!!“ Die Jungs melden sich, bekommen Helme in die Hand gedrückt und ab geht’s. Ihr Juchzen beim Flug ist weitum zu hören. Keiner von uns ist so mutig und wir ziehen weiter durchs Dorf, gemeinsam mit vielen italienischen Touristen.
Wir können gar nicht aufhören zu fotografieren, so sehr zieht uns der Anblick der an den Fels geklebten Dörfer in den Bann. Wieviel Höhenmeter wir auf dieser Tour durch und um den Ort zusammenbekommen haben, wissen wir nicht. Beinkraft und unser Herz-Kreislaufsystem wurden auf den insgesamt neun Kilometern jedenfalls gut trainiert.
Zurück an den Bussen genießen wir die warme Nachmittagssonne bis in den Abend hinein und als wir später in der Nacht nochmal aus dem Bus lugen, funkelt das Sternenmeer über uns.
Mit einem italienischen Frühstück in einer Bar beginnen wir heute den Tag. Das hübsche Trani will danach weiter erkundet werden und wir begeistern uns einmal mehr für die malerische, gepflegte UND lebendige Altstadt.
Dorothee berichtete heute Morgen von ihren Recherchen: „Zahlreiche historische Bauten in Trani, wie beispielsweise die Kathedrale, sind aus dem Naturstein mit der heutigen Handelsbezeichnung Trani (ital.: pietra tranese) erbaut worden. Dieser helle und rötliche Naturstein gibt der Stadt ein deutliches Gepräge. Der Stein namens Trani wird heute noch in der Umgebung der Stadt in mehreren Steinbrüchen gewonnen und europaweit vertrieben.“ (Wikipedia)
Nicht nur die Gebäude, auch sämtliche Wege im historischen Zentrum sind mit diesen Steinen gepflastert. Großzügig geschnitten und handwerklich perfekt verlegt. Auf ihnen flaniert man gern.
Wir gehen aber nicht so lange spazieren, dass wir schon wieder Hunger bekommen müssten – vielmehr ist das italienische Frühstück mit einem Cappuccino und einem Hörnchen für uns ein viel zu karges Mahl. Deshalb steuern wir zum zweiten Frühstück die Hochzeitskirche unserer Freunde Angela und Simone an, etwas außerhalb von Trani am Meer gelegen.
Unterhalb unserer Picknickbank liegt ein Trabucco, das heute als Lokal benutzt wird.
Weiter geht’s. Unser nächstes Ziel ist die 9000 Jahre alte Felsenstadt Matera. Wir queren ein Hochplateau, mehrfach halten wir an, um Bilder zu machen.
Bekannt ist Matera für seine Altstadt, die zu einem erheblichen Teil aus Höhlensiedlungen – den Sassi – besteht. Diese gehören seit 1993 zum Weltkulturerbe.
Sie gehören zu den ältesten, durchgehend bewohnten Städten der Welt.
Wir schauen uns einen Brunnen an und werden von einer Bewohnerin in ein Haus gelockt (gegen eine sehr erschwingliche Eintrittsgebühr von 2,50 Euro), in dem wir uns über das ausgefeilte Bewässerungssystem aus der Bronzezeit informieren können. Dieses, so erklärt eine Inschrift, sei maßgeblich gewesen bei der Anerkennung als Weltkulturerbe.
Besonders beeindruckt uns der Palombaro, der im 16. Jahrhundert als riesige unterirdische Höhle angelegt wurde und 5 Millionen Liter (!) Wasser fasst. Hier wurde Regen- und Quellwasser gesammelt und damit öffentliche Brunnen und weitere Zisternen versorgt. Eine Wasservorratskammer.
In sie dürfen wir über eine steile Treppe hinuntersteigen.
Zurück an der Erdoberfläche genießen wir unsere Cappucini, ärgern uns kurz über einen 1-Euro-Aufschlag fürs Coperto (= hiesiger Aufschlag fürs Gedeck – völlig okay für ein Essen im Restaurant, aber für einen Kaffee?!) und machen uns auf in die Berge.
Wir landen in Pietrapertosa in den „kleinen Dolomiten“. Wir haben einen Stellplatz mit bester Aussicht. Achim fängt die Szenerie mit seiner Drohne ein.
Vor dem Abendessen laufen wir noch ins Dorf. Leider ein bisschen zu spät, die Sonne ist gerade untergegangen. Die gute Nachricht: das Dorf ist bewohnt und lebendig. Kinder spielen auf der Straße, Männer sitzen in der Bar, es gibt mehrere Läden, Touristen allerdings sind keine da außer uns.
Eine hiesige Spezialität, Orechiette, daumengroße Nüdelchen, werden am Abend in der Bordküche mit grünem Spargel und Lachs verfeinert. Einen regionalen Wein dazu, nette Leute, und diese Aussicht, mehr brauchen wir nicht.
Laut Wikipedia ist die Salina Margherita diSavoia die größte Saline Europas und die zweitgrößte der Welt. Anderen Quellen zufolge gebührt dieser Titel der Salinevon Salins-les-Bains in Frankreich bzw. der Camaltı-Saline in der Türkei. Aber egal, mit ihren 4000 Hektar Salzfläche ist sie auf jeden Fall sehr groß. Und beeindruckend anzuschauen. Wir erkunden einen Teil davon mit den Rädern.
Die Anreise ist zugleich die Abreise vom Gargano. Von der Küstenstraße aus können wir nochmal das türkisfarbene Meer und die felsige Landschaft genießen.
In der Salzstadt Margherita di Savoia angekommen gibt es erstmal einen kleinen Imbiss vor den Bussen (die Reste vom gestrigen Couscous), dann steigen wir auf die Räder. Oder anders gesagt: Ich warte darauf, dass wir Alle auf die Räder steigen (was ein bisschen dauert) und vertreibe mir die Wartezeit (wie immer) mit Bloggen. Was wiederum die anderen witzig finden.
Aber irgendwann sind alle fertig und es geht los.
Bei der Herfahrt im Auto schimmerte das Wasser in einigen Becken rosa. Jetzt leider nicht mehr. Wir entdecken eine Schulklasse auf einem Salzberg und mogeln uns auch aufs Gelände. Von hier oben gibt es natürlich eine tolle Aussicht.
Seit Tagen schon begeistern mich die Blüten am Wegesrand. Heute kommen wir an brachliegenden Feldern mit prächtigem Blütenmeer vorbei.
Am frühen Abend fahren wir noch ein kleines Stündchen bis Trani. Hier waren wir vor einigen Jahren zur Hochzeit einer Freundin und haben den Ort in bester Erinnerung.
Wir parken, nachdem Achim den Bus souverän durch die Altstadtgassen gelenkt hat, mit Blick aufs Meer zwischen Burg und Kathedrale.
Damals beim Polterabend gab es beste Pizza am Hafen. Und ja, es gibt sie immer noch. So ein Glück.
Heute ist es zur Abwechslung mal Achim, der sich bereits um Sechs aus dem Bus schleicht. Sonnenaufgang fotografieren ist seine Motivation. Als ich eine halbe Stunde später Regentropfen auf unser Dach tröpfeln höre, tut er mir Leid. Und drehe mich genüsslich noch einmal um. Aber es ist zum Glück nur ein kurzes Intermezzo. Eine halbe Stunde später werde ich mit diesem Ausblick wach:
Die Sonne scheint und es ist bereits 18 Grad warm. Ich gehe zum Strand runter und bald kommt Achim mir von den Felsen entgegen gekraxelt. Er ist auch zufrieden. Der Sonnenaufgang war zwar nicht gerade überwältigend, aber am frühen Morgen allein am Strand ist immer schön.
Heute fahren wir nicht weiter, heute bleiben wir hier und genießen Sonne, Strand und das Meer.
Nach dem Frühstück klettere ich über die Klippen zum Trabucco. Im Mittelalter bauten sich Bauern oder Schäfer aus Holz und Seilen an der Küste über dem Wasser kleine Hochstände, um mit Netzen Fische zu fangen. Aus angespülten Materialien entstanden die ersten Bauten: Auf Pfählen, die im Wasser in den Boden gerammt und mit Seilen am Ufer oder anderen Pfählen fixiert werden, wurde eine kleine Plattform gebaut, darauf weitere Pfähle errichtet, um mit Hilfe gespannter Seile eine flexible Konstruktion zu erschaffen, die große Senknetze und das Gewicht beim Heraufziehen halten sollten.
Die Trabucchi wurden an besonders geeigneten Küstenabschnitten errichtet und zwar an Stellen, an denen von der Meeresströmung begünstigt, Fischschwärme vorbeiziehen. Als Baumaterial diente das Holz von Edelkastanien oder Robinien.
Es gibt nicht mehr allzu viele dieser Konstruktionen, einige sind noch an der abruzzischen Küste, andere auf dem Gargano, eine direkt vor unserer Nase erhalten.
Beim Strandspaziergang am Nachmittag entdecken wir zwei weitere Exemplare.
Abgesehen von unserer frisch entfachen Begeisterung für die Trabucchi lassenunsdie Bienenfresser von gestern keine Ruhe und da wir nicht weit weg sind, versuchen wir unser Glück nochmal. Diesmal sehen wir sie tatsächlich. Immer wieder kreisen die prächtigen Vögel über dem Olivenhain, in dem Achim sie gestern entdeckt hatte. Und ihm gelingt tatsächlich ein Schnappschuss!
Glücklich gehen wir wieder an den Strand und machen uns auf den Heimweg.
Heute wollen wir das erste Mal auf dieser Reise auf einen Campingplatz. Wir hatten bisher einen praktischen Stellplatz (in Chioggia), einen traumhaften (im Po-Delta), einen neben einem guten Restaurant (in Castelsantangelo)), einen zum Lagerfeuer machen (etwas außerhalb des Dorfes), einen mit herrlichem Blick aufs Meer (gestern und vorgestern am Torre Mileto). Plus die, die mir jetzt nicht einfallen. Das ist übrigens ein bei Achim und mir beliebtes Spiel auf Reisen: Rekapitulieren wir doch mal alle Plätze, auf denen wir bisher übernachtet haben. Ein Campingplatz war bisher noch nicht dabei, aber bei dem schönen Wetter haben wir Lust, uns auszubreiten, Tische und Stühle rauszustellen und dem Nichtstun zu frönen.
Wir beginnen mal mit dem allseits beliebten Kaffee trinken und Kuchen essen.
Ein bisschen Lesen.
Ein bisschen aufs Wasser gucken.
Auf dem Weg hierher, wir sind immer noch auf dem Gargano, etwas südlich von Peschichi, hatte Achim Bienenfresser in einem Olivenhain entdeckt. Mit Ferngläsern, Fahrrädern und Fotoapparaten machen wir uns auf den Weg, aber nein, sie sind nicht mehr da. So schade. So schauen sie aus, die Bienenfresser (dem Internet und dem NABU danke für das Bild!):
Am Vormittag haben wir einen Stadtbummel durch das hübsche Rodi gemacht. Der Ort thront hoch oben auf den Felsen und erstreckt sich mit seiner Altstadt bis hinunter ans Meer. Er lädt ein zum Bummeln und im Café sitzen. Die Einladung nehmen wir gern an.
Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten. Wir machen das Gleiche wie zuhause – nur der Hintergrund ist anders. Und wir müssen nicht selbst kochen, heute gibt es Spaghetti Bolognese aus Dorothees und Alains Bordküche. Grazie!