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Sommertag in der Saline

Laut Wikipedia ist die Salina Margherita di Savoia die größte Saline Europas und die zweitgrößte der Welt. Anderen Quellen zufolge gebührt dieser Titel der Saline von Salins-les-Bains in Frankreich bzw. der Camaltı-Saline in der Türkei. Aber egal, mit ihren 4000 Hektar Salzfläche ist sie auf jeden Fall sehr groß. Und beeindruckend anzuschauen. Wir erkunden einen Teil davon mit den Rädern.

Die Anreise ist zugleich die Abreise vom Gargano. Von der Küstenstraße aus können wir nochmal das türkisfarbene Meer und die felsige Landschaft genießen.

In der Salzstadt Margherita di Savoia angekommen gibt es erstmal einen kleinen Imbiss vor den Bussen (die Reste vom gestrigen Couscous), dann steigen wir auf die Räder. Oder anders gesagt: Ich warte darauf, dass wir Alle auf die Räder steigen (was ein bisschen dauert) und vertreibe mir die Wartezeit (wie immer) mit Bloggen. Was wiederum die anderen witzig finden.

Aber irgendwann sind alle fertig und es geht los.

Bei der Herfahrt im Auto schimmerte das Wasser in einigen Becken rosa. Jetzt leider nicht mehr. Wir entdecken eine Schulklasse auf einem Salzberg und mogeln uns auch aufs Gelände. Von hier oben gibt es natürlich eine tolle Aussicht.

Seit Tagen schon begeistern mich die Blüten am Wegesrand. Heute kommen wir an brachliegenden Feldern  mit prächtigem Blütenmeer vorbei.

Am frühen Abend fahren wir noch ein kleines Stündchen bis Trani. Hier waren wir vor einigen Jahren zur Hochzeit einer Freundin und haben den Ort in bester Erinnerung.

Wir parken, nachdem Achim den Bus souverän durch die Altstadtgassen gelenkt hat, mit Blick aufs Meer zwischen Burg und Kathedrale.

Damals beim Polterabend gab es beste Pizza am Hafen. Und ja, es gibt sie immer noch. So ein Glück.

Strandtag

Heute ist es zur Abwechslung mal Achim, der sich bereits um Sechs aus dem Bus schleicht. Sonnenaufgang fotografieren ist seine Motivation. Als ich eine halbe Stunde später Regentropfen auf unser Dach tröpfeln höre, tut er mir Leid. Und drehe mich genüsslich noch einmal um. Aber es ist zum Glück nur ein kurzes Intermezzo. Eine halbe Stunde später werde ich mit diesem Ausblick wach:

Die Sonne scheint und es ist bereits 18 Grad warm. Ich gehe zum Strand runter und bald kommt Achim mir von den Felsen entgegen gekraxelt. Er ist auch zufrieden. Der Sonnenaufgang war zwar nicht gerade überwältigend, aber am frühen Morgen allein am Strand ist immer schön.

Heute fahren wir nicht weiter, heute bleiben wir hier und genießen Sonne, Strand und das Meer.

Nach dem Frühstück klettere ich über die Klippen zum Trabucco. Im Mittelalter bauten sich Bauern oder Schäfer aus Holz und Seilen an der Küste über dem Wasser kleine Hochstände, um mit Netzen Fische zu fangen. Aus angespülten Materialien entstanden die ersten Bauten: Auf Pfählen, die im Wasser in den Boden gerammt und mit Seilen am Ufer oder anderen Pfählen fixiert werden, wurde eine kleine Plattform gebaut, darauf weitere Pfähle errichtet, um mit Hilfe gespannter Seile eine flexible  Konstruktion zu erschaffen, die große Senknetze und das Gewicht beim Heraufziehen halten sollten.

Die Trabucchi wurden an besonders geeigneten Küstenabschnitten errichtet und zwar an Stellen, an denen von der Meeresströmung begünstigt, Fischschwärme vorbeiziehen. Als Baumaterial diente das Holz von Edelkastanien oder Robinien.

Es gibt nicht mehr allzu viele dieser Konstruktionen, einige sind noch an der abruzzischen Küste, andere auf dem Gargano, eine direkt vor unserer Nase erhalten.

Beim Strandspaziergang am Nachmittag entdecken wir zwei weitere Exemplare.

Abgesehen von unserer frisch entfachen Begeisterung für die Trabucchi lassen uns die Bienenfresser von gestern keine Ruhe und da wir nicht weit weg sind, versuchen wir unser Glück nochmal. Diesmal sehen wir sie tatsächlich. Immer wieder kreisen die prächtigen Vögel über dem Olivenhain, in dem Achim sie gestern entdeckt hatte. Und ihm gelingt tatsächlich ein Schnappschuss!

Glücklich gehen wir wieder an den Strand und machen uns auf den Heimweg.

Gemütlicher Sonntag

Heute wollen wir das erste Mal auf dieser Reise auf einen Campingplatz. Wir hatten bisher einen praktischen Stellplatz (in Chioggia), einen traumhaften (im Po-Delta), einen neben einem guten Restaurant (in Castelsantangelo)), einen zum Lagerfeuer machen (etwas außerhalb des Dorfes), einen mit herrlichem Blick aufs Meer (gestern und vorgestern am Torre Mileto). Plus die, die mir jetzt nicht einfallen. Das ist übrigens ein bei Achim und mir beliebtes Spiel auf Reisen: Rekapitulieren wir doch mal alle Plätze, auf denen wir bisher übernachtet haben. Ein Campingplatz war bisher noch nicht dabei, aber bei dem schönen Wetter haben wir Lust, uns auszubreiten, Tische und Stühle rauszustellen und dem Nichtstun zu frönen.

Wir beginnen mal mit dem allseits beliebten Kaffee trinken und Kuchen essen.

Ein bisschen Lesen.

Ein bisschen aufs Wasser gucken.

Auf dem Weg hierher, wir sind immer noch auf dem Gargano, etwas südlich von Peschichi, hatte Achim Bienenfresser in einem Olivenhain entdeckt. Mit Ferngläsern, Fahrrädern und Fotoapparaten machen wir uns auf den Weg, aber nein, sie sind nicht mehr da. So schade. So schauen sie aus, die Bienenfresser (dem Internet und dem NABU danke für das Bild!):

Am Vormittag haben wir einen Stadtbummel durch das hübsche Rodi gemacht. Der Ort thront hoch oben auf den Felsen und erstreckt sich mit seiner Altstadt bis hinunter ans Meer. Er lädt ein zum Bummeln und im Café sitzen. Die Einladung nehmen wir gern an.

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten. Wir machen das Gleiche wie zuhause – nur der Hintergrund ist anders. Und wir müssen nicht selbst kochen, heute gibt es Spaghetti Bolognese aus Dorothees und Alains Bordküche. Grazie!

Rund um die Lagune

Am Morgen schaut es schon ganz anders aus.

Der Regen hat sich verzogen, die Sonne scheint. Leise klettere ich aus dem Bus. Während die anderen noch schlafen, mache ich einen Spaziergang zum Torre Mileto.

Fürs Frühstück setzen wir uns an den Strand. Bei 15 Grad ist das fein. Auch wenn die Sonne manchmal gegen die Wolken verliert.

Heute ist offenbar Aprilwettertag.

Nach einem kurzen heftigen Schauer trauen wir uns auf die Räder und machen uns auf den Weg. Wir fahren entgegen dem Uhrzeigersinn, das heißt rechts von uns ist das Meer, links die Lagune bzw. der Lago di Lesina. Immer wieder erhaschen wir zwischen den Häusern hindurch einen Blick auf’s Wasser, der Duft von Orangenblüten bezirzt meine Sinne.

Doch die Idylle ist trügerisch. Riesige Pfützen müssen durchpflügt werden. Balance halten und Beine hoch, dann geht’s schon.

Und am Straßenrand liegen Berge von Müll rum. Als ob jemand ausgezogen ist und die Überreste auf die Straße gekippt hat.

Der Asphaltweg endet hinter einer Brücke. Wie geht es weiter? Räder drei Stufen hochtragen, über einen Pfad durch eine Wiese radeln, vorbei an einem Auto- und einem Rinderskelett.

Dann wird es sandig. Sehr. Sandig. 15 Kilometer lang sandig. Rutschen, Luft anhalten, wackeln, den Lenker umklammern. Schieben zwischendurch. Aber keiner fällt hin.

Dass rechts von uns das Meer ist und links von uns die Lagune sieht man meistens nicht. Der Damm ist dann doch breiter als es auf der Karte aussieht. Wir haben aber eh kein Auge dafür. Volle Konzentration aufs Festhalten des Fahrrads.

Irgendwann ist auch das geschafft und wir wenden unsere Räder nach Süden, nach Lesina, ins Café. Danach wird es tiefenentspannt. Ein asphaltierter (asphaltierter!) Feldweg. Auf den Äckern wächst frisches Gemüse, grüner Spargel wird gerade gestochen, wir pflücken Rosmarin fürs Abendessen und klauben Fenchel auf, der nicht abgeerntet wurde.

Und schwupp sind wir am Ziel. 65 Kilometer sind wir geradelt, müde und zufrieden entdecken wir, dass die Bar am Strand noch auf hat. Es dauert nur ein Getränk, schon geht die Sonne unter.

Zum Meer

Zwischen uns und unserem heutigen Ziel liegen rund 220 Kilometer. Wir wollen auf einen Stellplatz auf dem Gargano, dem Sporn Italiens.

Heute fahren wir von Pescasseroli zum Stellplatz Gargano Blu

Wieder sind es kleine kurvige Straßen und alte Steindörfer, durch die wir fahren. Gute drei Stunden sollen wir brauchen, sagt das Navi. Mit etlichen Zwischenstopps zum Ver- und Entsorgen, Fotografieren, Besichtigen von Sehenswürdigkeiten und Mittagessen und Kaffee trinken brauchen wir sieben Stunden.

Das Bergdorf Barrea

Dieser Prachtkerl lag in einem Garten in Barrea…

mit ein paar Artgenossen. Der Nationalpark macht’s möglich.

Am Wegesrand taucht diese neugotische Kathedrale auf: Basilica Santuario di Maria Santissima. Ein guter Platz für die Mittagspause

Gut, dass es unterwegs immer wieder solche Ver- und Entsorgungsplätze gibt.

Beeindruckt uns: Monolith mit Wachturm. Wir haben die Abruzzen verlassen.

Um halb fünf sehen wir das Meer, um kurz nach fünf  parken wir direkt am Strand. Bei Regen.

Da bleibt nur noch ein gemütlicher Spieleabend.

Unter Bären und Wölfen

Dass es hier Bären gibt, lasen wir bereits gestern auf den Verkehrsschildern.

Außerdem stehen sie hier im Dorf Pescasseroli auf der Piazza rum.

Dass es hier Wölfe gibt, wissen wir aus dem Film „Willkommen in den Bergen“.

Todesmutig machen wir uns nach dem Frühstück fertig zu einer Wanderung durchs wilde Gebirge. Wir sind, wie schon berichtet, im Nationalpark Abruzzen und gestern erlebten wir die raue, schroffe Seite dieser Berglandschaft. Heute hingegen wandern wir durch eine komplett andere Landschaft. „Ist es übertrieben, sie lieblich zu nennen?“, frage ich meine Reisegefährten. Nein, alle schütteln mit dem Kopf. Das empfinden sie auch so. Stellenweise fühlen wir uns sogar wie in einem Kurpark.

Ich hatte bei Komoot eine Wanderung ausgesucht: Durch die Colli Alti, die hohen Hügel, mittelschwer, elf Kilometer, 360 Höhenmeter. Vom Stellplatz aus geht es direkt los, kurz hinterm Dorf beginnt schon der Wald. Eine leichte Steigung bringt uns auf eine Hochebene, die von den Zweitausendern der Abruzzen eingerahmt ist.

Alain, der vorneweg geht, sieht sie als Erster (und Einziger). Nein, keine Bären, keine Wölfe (wo die sich bloß verstecken?) Aber immerhin zwei veritable Hirsche mit ihren Gattinnen.

(Dieses Bild fand ich später im Dorf. Die echten Hirsche heute liefen schnell weg, als wir kamen.)

Wir anderen müssen uns mit ein paar freilaufenden Pferden zufrieden geben.

Klitschnass kommen wir gegen drei an den Bussen an, die angekündigten Regenschauer haben uns am Ende der Wanderung noch erwischt. Trocken legen, Kaffee trinken, ein Mittagsschläfchen machen, dann scheint wieder die Sonne und Achim lässt die Drohne steigen.

So sieht das Filmdorf von oben aus. Jetzt schauen wir es uns mal aus der Nähe an.

Alles sehr pittoresk und wir verstehen, warum die Filmleute es als Drehort ausgesucht haben. Auf der Piazza gibt es noch einen Aperitif, dann machen wir es uns im Bus gemütlich.

In den Abruzzen

Abruzzen bedeutet so viel wie “schroff” oder “abschüssig”, was perfekt zu den hügeligen Gegebenheiten vor Ort passt. In den Nationalparks hier sind Braunbären, Wölfe, Gämse und Adler angesiedelt. Heute sitzen wir sicher im Auto. Morgen wird die Sache schon anders ausschauen…

Zunächst aber schauen wir uns L’Aquila, die Hauptstadt der Abruzzen, an. Bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 am 6. April 2009 wurden Teile der Innenstadt zerstört; über 300 Menschen kamen ums Leben, Tausende wurden verletzt. Der Wiederaufbau verläuft schleppend und zieht sich bis heute hin.

Trotzdem gefällt uns die hübsch ins Bergland eingebettete Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten wie Palästen, Innenhöfen, Plätzen und Gotteshäusern.

Auf dem Domplatz

Altstadtgasse

Mittelalterliche Burg

Die Stadt hatte in den Jahren vor dem Erdbeben einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Als Universitätsstadt bot sie ein pulsierendes, kulturell reichhaltiges Leben. Regelmäßig fanden Jazzkonzerte und Theateraufführungen statt. Der amerikanische Pianist Arthur Rubinstein nannte L’Aquila „Salzburg der Abruzzen“.

Nach langer Lähmung (der Wiederaufbau wurde erst 2018 begonnen) und intensiven Renovierungen ist L’Aquila langsam auf dem Weg der Besserung. Nächstes Jahr wird sie italienische Kulturhauptstadt sein.

Auch heute begegnen uns auf Schritt und Tritt interessante Ausstellungen, zum Beispiel entlang eines Bauzauns Fotografien der hiesigen Fotografin Amalia Sperandio (1854 – 1948). Ein Bild zeigt die Kathedrale, die seit dem Erdbeben geschlossen und immer noch eingerüstet ist.

Die Fontana delle 99 Cannelle (Brunnen mit 99 Wasserspeiern) hat sie auch fotografiert.

Achim auch:

Beim Bummel durch die Gassen stoßen wir auf einen kleinen Palazzo, in dem eine ortsansässigen Künstlergruppe ihre Werke ausstellt. Wir werden herzlich begrüßt.

Im MAXXI wird zeitgenössische Kunst groß geschrieben.

Unser Liebling trägt den Titel: Onion Orion.

Bei unserer wohlverdienten Kaffeepause merken wir, dass wir schon in Süditalien sind (wenn auch gerade soeben): Im Kiosk gibt es Arancini, die typischen gefüllten und dann frittierten Reisbãllchen, und im Café Cannoli mit Ricottafüllung und Pistazien.

Am Nachmittag setzen wir unsere Fahrt durch die Abruzzen fort, einhundert Kilometer nach Süden.

Wir fahren wieder über eine kleine kurvige Straße, haben spektakuläre Ausblicke aufs Gebirge, Schnee auf der Straße und kommen durch wunderhübsche Bergdörfer.

Noch sind die Abruzzen nicht so berühmt wie etwa die Toskana oder die Marken. Womöglich ändert sich das jetzt und nicht nur wir, sondern auch viele andere Cineasten pilgern nun nach Pescasseroli.

Unter anderem hier wurde der neue Film von Riccardo Milani „Willkommen in den Bergen“ („Un mondo a parte“) gedreht. Nachdem er 40 Jahre lang im Großstadtdschungel von Rom unterrichtet hat, zieht der Grundschullehrer Michele Cortese (Antonio Albanese) in ein idyllisches Dorf im Herzen des Nationalparks der Abruzzen mit 1800 Einwohnern, um an einer winzigen Schule mit nur einer Handvoll Schülern im Alter von sieben bis zehn Jahren zu unterrichten. Im tiefsten Winter fährt er auf Sommerreifen durch die Berge zu seiner neuen Schule, bleibt stecken, draußen heulen die Wölfe…

Heute Abend knurrt weder Bär noch Wolf, nur unsere Mägen. Das Dorf schauen wir uns morgen an. Und wenn das Wetter einigermaßen okay ist, unternehmen wir noch eine Wanderung.

Durch die sibellinischen Berge

Zwischen Anfang Juni und Ende Juli ist im Bergdorf Castelluccio in den sibellinischen Bergen ein unvergessliches Erlebnis für alle Sinne möglich: Mohn, Kornblumen, Linsen, Narzissen, Enzian und viele andere wild wachsende Arten bilden ein wunderbares Mosaik aus farbenfroher Schönheit und berauschenden Düften. Dafür sind wir zu früh, aber wir sind vom Anblick der nackten gefälteten, teils noch mit Schnee bedeckten Berge dennoch beeindruckt.

Im Internet gemopstes Bild

Die feinste Linse Italiens kommt aus der Gegend von Castelluccio. Auch hier wurde das alte Dorf vom Erdbeben zerstört und neue Gebäude wurden errichtet. Ein Päckchen der leckeren Hülsenfrucht wandert natürlich in unsere Bordküche.

Wir queren nun die Hochebene Piano Grande. Das 30 Quadratkilometer große Wiesenplateau  war in der letzten Eiszeit ein See, der später austrocknete. Die Ebene wird eingerahmt von den Monti Sibillini, einem Gebirgszug von 32 Gipfeln, der bis über 2500 Meter ansteigt und damit zu den höchsten des Apennins zählt.

Ein paar Kilometer später halten wir an, weil uns auf Maps ein Sentieri per tutti, ein Wanderweg für Alle, auffällt.

Hier wurde auf einer alten Straße ein drei Kilometer langer Panoramawanderweg angelegt, der für Jung und Alt, für Menschen im Kinderwagen und im Rollstuhl begeh-, bzw. befahrbar ist.

Bis Ascoli Piceno sind es von hier aus knappe 40 Kilometer. Schon während der kleinen Wanderung freue ich mich auf die dortige Spezialität, gefüllte frittierte Oliven, und dann ganz schnell auf einen leckeren Kaffee im Café Meletti.

Die Olive ascolani gibt es in der Tüte. Köstlich.

Das Jugendstilinterieur ist nach wie vor prächtig, Cappucini und Kuchen maximal durchschnittlich. Aber das Café ist (oder war?) eine Institution in der Stadt.

100 Kilometer kurvige Straße entlang des Gran Sasso-Massivs bringen uns zu unserem Tagesziel L’Aquila mitten im Nationalpark der Abruzzen. Eine Wildsau mit ewig vielen Jungen quert vor uns die Straße, in optimaler Entfernung: wir müssen nicht scharf bremsen, aber sie sind nah genug, um zu sehen, wie süß die Viecher sind.

Es ist schon fast neun, als wir in L’Aquila ankommen. Die Besichtigung verschieben wir auf morgen.

Wandertag

Wir haben die Wanderung auf den Monte Pagliano in guter Erinnerung. Heute wollen wir noch einmal hoch. 600 Höhenmeter liegen zwischen unserem Stellplatz in Castelsantangelo und dem Plateau des Berges.

Wir sind im Nationalpark Monte Sibillini, wo es 2016 ein schlimmes Erdbeben gab.

Am 24. August bebte in Mittelitalien die Erde. In den Marken und Umbrien kamen dabei 283 Menschen ums Leben.  Das Beben sorgte für Schäden in 140 Gemeinden, mehr als 80 000 Gebäude wurden zerstört, etliche Dörfer unbewohnbar, so auch Castelsantangelo. 41.000 Menschen wurden durch die Beben vor neun Jahren obdachlos. Viele leben heute in neu errichteten Siedlungen, die alten Dörfer, die so pittoresk an den Bergrücken lagen, können nicht wiederaufgebaut werden.

Auf unserer Wanderung kommen wir an einigen eingestürzten Häusern vorbei.

Dann geht es, wörtlich, über Stock und Stein nach oben. Knappe drei Stunden. Puh. Aber die Ausblicke und die vielen Frühlingsblumen machen das Gehen leicht(er): Gänseblümchen, Frühlingsenzian, Knabenkraut, Fingerkraut, Appenin-Windröschen, viele junge und alte knorrige Eichen. Dazu ruft der Kuckuck.

Kurz vor dem Gipfel habe ich letztes Mal für den Bruchteil einer Minute einen Hirsch, einen kapitalen, gesehen. Heute zeigt er sich leider nicht. Die Brotzeit schmeckt uns trotzdem.

Beim Abstieg zieht das angekündigte Gewitter auf, das Grummeln begleitet uns bis ins Tal. Donner, Blitz und Regen bleiben zum Glück im benachbarten Tal hängen.

Bei uns bleibt es trocken, so dass wir am Abend sogar ein sogenanntes High fire, ein Lagerfeuer auf Stelzen, in Gang setzen können.

Unter die Feuerschale kann man Racletteschälchen stellen und sich so durch den Abend schlemmen.

Buona Pasqua

Wir wünschen „Frohe Ostern!“ aus dem kleinen Bergdorf Verucchio, ganz in der Nähe von San Marino.

Ohne Aussicht aber mit vielen Leckereien beginnt unser Ostersonntag bei frischen 13 Grad. Davon lassen wir uns nicht einschüchtern und decken die Frühstückstafel im Freien.

Dabei sorgen wir ein wenig für Aufsehen: nicht nur die sehr zahlreichen Radler winken uns zu, eine Autofahrerin legt sogar den Rückwärtsgang ein, lässt das Fenster runter und ruft uns zu: „Buona Pasqua! Frohe Ostern!“

Nach dem Frühstück gehen wir ins Dorf. Die Kirche ist voll, einige Touristen wandern wie wir zur Burg hoch (Eigenwerbung: „Eine der schönsten des Landes“).

Zurück bei den Bussen geben wir unser nächstes Ziel, Castelsantangelo in den Marken, ins Navi ein. Durch die Berge auf kleinen Straßen sind es 200 Kilometer und dreieinhalb Stunden Fahrtzeit. Auch hier waren wir vor drei Jahren schon und haben zwei schöne Abende im Ristorante Dal Navigante verbracht. Was haben wir uns gefreut, dass wir für einen Liter leckeren Hauswein vier Euro bezahlt haben. Und dass wir von Anfang an von Vater und Sohn herzlichst betreut wurden. Und sie uns mit Leckereien zum Probieren verwöhnt haben. Wir sind so gespannt, wie es heute Abend sein wird. Ein Tisch für uns vier ist reserviert.

Vorher will aber noch das Osterlamm geschlachtet werden. Auf unserer Strecke gibt es keine Parkplätze und keine Picknickpläzte. Aber in einem Dorf kommen wir an einem Spielplatz mit Holztisch und Bänken vorbei, die Parkplätze sind gleich daneben. Ich koche Kaffee und für die, die nicht fahren, hat Doro ein Glas Hopfensecco. Ha, ich bin gerade über zwei Stunden durch die Berge gekurvt und darf jetzt trinken.

Am frühen Abend sind wir am Ziel, frönen noch ausgiebig den Lieblingsbeschäftigungen der Wohnmobilisten (Strom anschließen um mein E-Bike aufzuladen, frisches Wasser fassen, Clo leeren). Um halb acht gehen wir ins El Navigante. Wie schön ist es festzustellen, dass es noch Konstanten im Leben gibt: der Service ist nach wie vor herzlich und aufmerksam, das Essen ist genau so lecker wie beim letzten Mal und der Wein kostet inzwischen 5,50 Euro, da ist er binnen drei Jahren mal gerade um die Inflationsrate teurer geworden. Schmecken tut er nach wie vor hervorragend. Salute!