Archiv der Kategorie: Glücklich auf 8 qm

Zwei Touren auf vier Rädern

Statt Osterhase, der durch die grüne Wiese hoppelt, staken Flamingos neben uns durch die Lagune. Wir sind jetzt zu viert, Dorothee und Alain sind in der Nacht eingetroffen und zur Begrüßung am nächsten Morgen gibt es erstmal ein schönes Frühstück im Grünen. Für uns alle das erste Mal in diesem Jahr.

Auf unserer folgenden Radtour haben wir uns die schönen Wasservögel genau angeguckt.

Die ursprünglich geplante Route war wegen Bauarbeiten gesperrt, die spontan ausgesuchte führte in großen Teilen leider über viel befahrene Straßen. Wir wollten zur Etschmündung, haben aber, als es dann auch noch anfing zu nieseln, etwas entnervt aufgegeben.

Mit einer kleinen Fähre über den Po konnten wir auf dem Rückweg ganz viel abkürzen und saßen bald wieder im warmen Bus.

Der Ostersamstag ist ein freundlicher Frühlingstag. Bei angenehmen 22 Grad erkunden wir einmal mehr Comacchio, wo wir das erste Mal vor drei Jahren waren. Auch dieses Örtchen bietet venezianisches Flair.

Heute ist der Parkplatz voll mit Wohnmobilen, aber im Ort selbst ist es nicht überlaufen. Wir können entspannt durch die Gassen und über die Brücken spazieren und gemütlich Cappuccino trinken.

Wie schon beim letzten Mal starten wir danach zu einer wunderschönen 50 Kilometer langen Radtour, die uns durchs Po-Delta führt. Sehr malerisch liegen die Fischerhütten im Wasser.

Achim entdeckt unser Sommerhaus und schaut nach, ob wir uns hier mal für eine Saison niederlassen wollen.

Weiter geht es an Scharen von Flamingos vorbei, über Dämme, von denen niemand weiß, wozu sie gebaut wurden. Radler und Fußgänger freuen sich jedenfalls. Man hat das Gefühl, übers Wasser zu fliegen.

Als wir gegen halb sieben zurück in Comacchio sind, sind wir windzerzaust und vom steinigen Untergrund ordentlich durchgerüttelt.

Da setzen wir uns gern auf unsere weichen Autositze und fahren noch 100 Kilometer weiter Richtung Süden (wir müssen ja auch mal vorwärts kommen, ne). Im Bergdorf Verucchio gibt es einen Stellplatz mit Rundumblick. Das klingt verlockend.

Auf dem Weg dorthin schnibbele ich am Esstisch schon mal das Gemüse. Denn wir werden erst um viertel vor neun am Ziel sein und haben alle Hunger.

Oh je, der Stellplatz im Dorf ist besetzt. Kein Platz mehr für uns. Wir weichen auf einen anderen Parkplatz aus, wo wir zwar nicht die versprochene tolle Aussicht haben aber zumindest eine Picknickbank fürs Osterfrühstück morgen.

Venedigs kleine Schwester

Wir hatten zwei Befürchtungen vor unserer Abreise. Die eine betraf den prognostizierten Starkregen in Norditalien, der für Murenabgänge, Felsstürze und Überflutungen sorgen sollte. Davon waren und sind wir zum Glück nicht betroffen. In der Nacht hat es zwar heftig gestürmt und geregnet, aber heute Vormittag hat es sich wieder beruhigt. Es regnet gerade ein bisschen, aber nicht überbordend.

Unsere zweite Befürchtung war, dass die Adriaküste wegen der Osterfeiertage von Touristenmassen überschwemmt würde. Zumindest in und um Chioggia ist das nicht der Fall. Hier ist noch nicht mal Vorsaison. Am breiten Sandstrand liegt ein Saum aus Treibgut, Strand-Cafés und Bars sind verrammelt, Spielplätze verwaist. Außer uns ist nur noch ein Paar am Strand, das seine Hunde ausführt.

Chioggia zählt zu den schönsten Städten in Venetien und wird dank seiner vielen Kanäle, Brücken und Paläste auch als Klein Venedig bezeichnet. In den Gassen riecht es nach Fisch und frischem Kaffee.

Heute ist Markttag. Leider nur für Klamotten nicht für Lebensmittel, die wir gern verkostet hätten.

Bei 16 Grad kann man seinen Caffè draußen trinken und den Marktleuten beim Abbau zuschauen.

Vielleicht sollten wir unseren Bus auch noch mit solchen Markisen bestücken.

Zum Mittagessen fahren wir etwa 30 Kilometer nach Süden ins Po-Delta. Achim hat auf der Karte einen Platz in den Verästelungen der Lagune entdeckt.

Südlich davon seht Ihr eine Markierung (der Bus), die ich gesetzt habe. Das ist der Stellplatz in Ca Tiepolo, wo wir eigentlich heute hin wollten. Dort waren wir schon mal auf unserer SteierMarkentour und wissen, dass der bei weitem nicht so schön ist wie dieser Fleck hier: rechts Wasser, links Wasser, Flamingos, Austernfischer, Schwäne und nichts sonst. Wir sind begeistert und beschließen, heute hier zu bleiben.

Ein paar Spiegeleier, Kekse und Kaffee später steigen wir für eine kleine Feierabendrunde auf die Räder. Wie schön ist diese flache, von Wasser zersetzte Landschaft mit ihren grünen Borten und vielen Vögeln! Wir können uns kaum satt sehen.

Die Krönung am Abend hätten der Sonnenuntergang und ein kleines Feuerchen samt Raclette werden sollen. Wolken und Wind waren dagegen. Vielleicht haben wir morgen Abend mehr Glück. Heute Abend vergnüge ich mich stattdessen damit, ein Brot zu backen.

Wo fahren wir denn heute hin?

„Wo fahren wir denn heute hin?“, frage ich Achim beim Frühstück. Das ist keine rhetorische Frage. Wir wissen es tatsächlich nicht. „Nach Süden“, ist deshalb die richtige, wenn auch etwas vage Antwort.

Wir haben uns auf unser (neues) Ziel Süditalien nicht richtig vorbereitet. Hinzu kommt, dass unsere Freunde, mit denen wir diese Reise gemeinsam unternehmen werden, wegen einer unverhofften Busreparatur erst später loskommen und dass für die Region Venetien Starkregen vorhergesagt wird. Da wollten wir eigentlich den ersten Stopp auf unserem Weg Richtung Süden einlegen. Und nun? Keine Ahnung. Wir fahren mal los. Richtung Süden.

Die Alpen empfangen uns mit Föhn, Sonne und 22 Grad.

Kaum verlassen wir den Felbertauerntunnel sind es nur noch elf Grad und die Südseite der Alpen nimmt uns mit tief hängenden Wolken und den ersten Regentropfen in Empfang.

Beim Mittagessen entscheiden wir uns, heute nach Chioggia, am südlichen Ufer der Lagune von Venedig, zu fahren. Am Abend können wir dann schon mal die Adria begrüßen und morgen das Städtchen anschauen.

Der Plöckenpass soll uns hinüber nach Italien führen. Doch halt! Ein Schild will uns die Zufahrt verwehren: „Chiuso!“ Ein kleineres Schild ergãnzt allerdings: „21 – 6“. Da wir die Einzigen auf der Straße sind, gucken wir rasch ins Internet und erfahren, dass die Passstraße erst seit vorgestern wieder befahr ist, genau 500 Tage nach einem großen Felssturz auf italienischer Seite.

Bei Nebel kurven wir hinauf und hinunter, Achims Motorradfahrerherz schlägt schneller angesichts der vielen Kehren und dann sind wir in Italien.

Noch zwei Stunden Autobahn und wir sind am Ziel.

Vom, wenig schönen, Stellplatz in Chioggia sind es nur fünf Gehminuten bis ans Meer. Es ist gleich halb Acht, aber wir sagen schnell noch guten Abend.

Gülle gülle, Türkiye!            Ciao, Italia!

Tschüss Türkei! Hallo Italien!

Dieses Frühjahr wollten wir gemütlich durch die Türkei gondeln und dann Georgien und Armenien erkunden. Ich kramte unsere alten Reiseführer raus und begann mit Hilfe zweier Apps, meine eingerosteten Tűrkischkenntnisse aufzumöbeln. Doch dann ließ Erdoğan seinen politischen Gegner Imamoğlu verhaften. Große Demonstrationen im ganzen Land sind die Folge und wir empfinden es als unpassend, in einer solchen Gemengelage dort als Touristen unterwegs zu sein. Der Opposition sind alle Daumen gedrückt!

Wir entscheiden uns um und beschließen eine Reise in den Süden Italiens und nach Sizilien. Zwei Monate haben wir Zeit, Ecken zu erkunden, die wir noch nicht kennen. Nächsten Mittwoch geht’s los. Bleibt dran!

Unser (vorerst) letzter Tag in Finnland

Gestern Abend haben wir Fährtickets für unsere Überfahrt nach Stockholm gekauft. Damit treten wir morgen die Heimreise an. Via Göteborg (Tante und Onkel) und Göttingen (Schwiegermama). Heute ist also unser letzter Tag in Finnland. Da haben wir noch einiges vor.

Zuerst mal wieder ins Museum. Mich lockt vor allem die Kombination aus kulturhistorischem und Kunstmuseum hier in Mariehamn, der Hauptstadt der Ålands.

Im geschichtlichen Teil wird die 7500jährige Geschichte der Åland-Inseln nachvollzogen. Von den Jägern der Steinzeit über die Wikinger bis in die Neuzeit zu den Schweden und Russen. Am 9. Juni 1922 trat erstmals das åländische Parlament zusammen.

Im Kunstmuseum gibt es eine kleine Sonderausstellung mit Papierkunst von Juho Könkkölä, der seine komplexen Figuren aus einem Bogen Papier ohne Schneiden und Reißen anfertigt.

Die Dauerausstellung ist heute wegen Umbaus leider geschlossen und wir können nur vom Rand einen Blick erhaschen. Zu schade! Die Werke der hiesigen Künstlerinnen und Künstler hätten uns interessiert.

Am Nachmittag scheint immer noch die Sonne und wir setzen uns noch einmal auf die Räder. Am Südende der Halbinsel, auf der Mariehamn liegt, wollen wir noch einmal aufs Meer gucken.

Das klappt nicht, weil die Grundstücke dort alle privat sind. Aber zu Fuß kommen wir über einen Wanderweg hin.

Der Einfachheit halber schlafen wir heute Nacht auf der Uferpromenade in Mariehamn. Dann haben wir es morgen nicht weit zum Hafen.

Fünf Wochen Finnland. Ein Land zum Wiederkommen. Vielleicht auch mal zu einer anderen Jahreszeit. Im Sommer, um die traumhaften Seen noch besser nützen zu können, Schwimmen, Boot fahren. Falls einen die Mücken dabei nicht aufessen. Im Winter wegen der Nordlichter, der nicht endenden Dunkelheit, des Schnees. Oder ein paar Wochen früher, um die Zugvögel noch mitzuerleben.

Diesmal war der Herbst für uns prima. Wir wollten die Ruska erleben. Haben wir.

Wir wollten Nordlichter sehen. Haben wir. Wenn auch leider nur mit Hilfe der Kamera.

Wir wollten das Land der tausend Seen durchstreifen und haben auf 5000 Kilometern vieles gesehen. Dabei hatten wir so ein Glück mit dem Wetter. Ganz wenige graue und regnerische Tage bloß.

Sicher ist: Wir hatten noch auf keiner Reise so viele traumhafte Übernachtungsplätze wie hier. Was teilweise auch an der Nachsaison lag. Perfekt.

Außerdem haben wir nirgendwo anders dieses Angebot an Feuerstellen und Grillplätzen erlebt. Beim Wandern für die Brotzeit Grillwürste und Senf einpacken. Wo gibt’s denn so was? Hier.

Spannend auch: Die immer gleiche Mischung aus Wald und Seen war uns nie langweilig. Denn sie wirkte immer wieder anders und neu. Was für ein Land! Was für ein Glück, dass wir das erleben durften.

Für diese Reise ist dies der letzte Blogbeitrag. Wenn es hier weitergeht, sind wir in komplett anderer Richtung unterwegs. Ohne Bus! Bleibt dran und danke fürs Mitlesen und Mitreisen!

Jetzt aber: auf Åland

Es ist das erste Mal, dass wir auf dieser Reise einen Sonnenaufgang erleben. In Finnland ging die Sonne gegen sieben auf. Da lagen wir immer noch im Bett. Jetzt sind wir so weit westlich, dass die Sonne erst gegen acht aufgeht.

Heute stehen wir gleich auf, als wir wach werden, denn um 9.20 Uhr geht unsere Fähre. Wir absolvieren dieselbe Prozedur wie gestern: wir fahren zum Fährhafen und frühstücken dort. Das Schiff kommt um 9.18 Uhr… und fährt vorbei!

Wir steigen aus, winken, doch das Boot ist schon hinter der nächsten kleinen Insel verschwunden. Ungläubig schauen wir uns an. Dann schauen wir uns nochmal die Tafel mit den Abfahrtszeiten an und lesen jetzt: „Med Förbeställning“, äh, ja, heißt wohl mit Vorbestellung. Wer lesen (und Schwedisch) kann, ist klar im Vorteil. Wo man vorbestellen könnte, wird allerdings nicht verraten.

Auf unserer Radtour gestern hatten wir entdeckt, dass es hier auf Överö noch einen zweiten Hafen gibt. Fahren wir doch mal dorthin und checken die Lage. Ja! Hier geht ein Schiff auf die Hauptinsel und zwar schon in 20 Minuten. Nehmen wir.

Und diesmal klappt es. Das Schiff kommt, wir dürfen an Bord und eine halbe Stunde später sind wir auf der Hauptinsel Åland.

Åland gehört zu Finnland. Es ist eine autonome, entmilitarisierte Region genau in der Mitte zwischen Finnland und Schweden, hat sein eigenes Steuersystem, seine eigenen Briefmarken, seine eigene Flagge – und die Amtssprache ist Schwedisch. Die einzige Stadt der Inselgruppe wurde 1861 von Zar Alexander II. gegründet, der ihr auch ihren Namen gab: Mariehamn – nach seiner Frau, Prinzessin Marie von Hessen. Zwar hat Mariehamn nur 11 000 Einwohner, aber jedes Jahr kommen bis zu 1,5 Millionen Touristen hierher.

Als Inselhauptstadt hat der Ort natürlich maritimes Flair.

Åland hat ein eigenes Parlament, das in diesem funktionalen Zweckbau untergebracht ist.

Es gibt hübsche Holzhäuser, auffällig viele Bäume in der Stadt und wir können uns gut vorstellen, dass die Kneipen und Restaurants in der Saison bestens besucht sind.

Nach einem zweistündigen Besichtigungsgang sind wir erstmal fußlahm und brauchen einen Kaffee. Dann verlassen wir die Stadt, um uns einen ruhigen Platz für den Abend und die Nacht zu suchen.

Den finden wir auf einem Hügel, neben einer alten Befestigungsanlage, Meerblick inklusive. Sollte uns heute Nacht jemand was tun wollen, wissen wir uns zu wehren 😊.

Auf Åland? Doch noch nicht ganz!

Wir stehen um acht auf, ziehen uns an und fahren in den kleinen Hafen Galtby, um zu schauen, ob uns die Fähre nach Åland mitnimmt. Sie liegt schon da, als wir ankommen. Auf Deck sind ein paar Arbeiter, denen wir zurufen, ob sie uns und unseren Bus mitnehmen. „Yes, yes!“ Und wo bekommen wir die Tickets? „On board!“ Ah, super. Alles klar. Wir stellen uns in die angezeigte Spur und setzen das Kaffeewasser auf. Wir haben noch viel Zeit fürs Frühstück. Abfahrt ist erst um zehn.

Fünf Stunden soll die Fahrt dauern, die uns wegbringt vom finnischen Festland, das wir in den vergangenen vier Wochen sehr lieb gewonnen haben. Damit neigt sich auch diese Reise dem Ende zu. Aber erstmal die Überfahrt und ein, zwei Tage auf der Insel genießen.

Um kurz nach neun kommt ein Mitarbeiter der Fähre zu uns an den Camper und erkundigt sich freundlich, wo wir denn hin wollen. Nach Åland. „Dann kostet das Ticket 356 Euro“. Er schmunzelt leicht. „Echt? Wieso das?“, fragt Achim.  „Wenn Ihr irgendwo einen Zwischenstop macht, zahlt Ihr nur 102“. „Wie bitte?“ Ist das ernst gemeint? Ist es. Der Mann erklärt uns, dass es diese Regelung gibt, damit sie den großen Fähren keine Konkurrenz machen. Verstehen wir nicht wirklich, aber egal. Die Fähre legt auf der Fahrt nach Åland auf drei Inseln an. „Welche empfehlen Sie uns?“ „Överö“. Okay, dann fahren wir eben nach Överö. Und wieviel kostet dann morgen die Fähre nach Åland? Nichts.

Mit uns an Bord sind ein paar Ornithologen aus Helsinki. Ich erzähle ihnen von unserem Zwangsaufenthalt auf einer der kleinen Inseln. Sie haben davon gehört. „Das ganze ist sehr komplex“, meint einer von ihnen. „Auf Åland gibt es einige sehr spezielle Regelungen und unser Schiff fährt unter åländischer Flagge“. Ich mutmaße, dass es sich hierbei um eine recht rigide Lenkung des Tourismus handelt.

Wir genießen die paar Stunden an Bord sehr. Die Sonne scheint, das Meer ist glatt und wir stehen für Stunden an Deck, während wir die Schärenwelt um uns herum bewundern.

Um halb drei Uhr landen wir in Överö. Immerhin gehört es schon zu den Åland-Inseln. Im Hafen ist nichts außer einem Kai.

Park4Night kennt einen Übernachtungsplatz, wenige Minuten später sind wir da. Herrlich, hier bleiben wir. Direkt an einer weiteren kleinen Fähre, der wir beim Kaffee entspannt zuschauen, wie sie ganz nach Bedarf hin und her fährt.

Auf den Felsen vor unserem Bus ist es in der Nachmittagssonne so warm, dass wir sogar mal wieder die Pullis ausziehen können.

Mit einer Radtour erkunden wir später die Insel. Viele Kiefern und Felsen, an Land und im Wasser, rote Holzhäuser, eine schmale Straße. Danke vielmals für diesen Zwangsaufenthalt!

Am Abend erleben wir vor dem Camper einen schönen Sonnenuntergang und in der Nacht werden wir noch einmal nach den Polarlichtern Ausschau halten. Die Vorhersage ist gut und es erwartet uns eine sternklare Nacht.

In den Schären

Noch ein Grund mehr, wiederzukommen: der „Roadtrip über die Schärenringstraße“ (auch bekannt als Archipelago Trail). Das sind 250 Kilometer, acht Fähren und fünf große Inseln, auf dem sich die faszinierende Schärenwelt mit ihren zahlreichen Inseln, Brücken und kleinen Fähren erkunden lässt. Mit mehr als 50.000 über das Meer verstreuten Inseln, ist diese Region der größte Archipel der Welt. Vollstãndig fahrbar ist dieser Roadtrip aber nur vom 12. Mai bis 3. September. Da sind wir leider einen Monat zu spät.

Immerhin können wir heute ein Teilstück fahren, von Kaarina, dem letzten kleinen Küstenort vor den Schäreninseln bis nach Korpo, auf vielen Brücken, immer kleiner werdenden Straßen und insgesamt drei Fähren. Die gelben Fähren sind kostenfrei und gehören quasi als schwimmende Brücken zum Straßensystem.

Bis die versprochene Sonne durchkommt, dauert es lange. Deshalb trödeln wir erst ein wenig rum und gehen dann Einkaufen. Beim Mittagskaffee mit Munkki (finnisches Fettgebackenes) kommen endlich die ersten Sonnenstrahlen aus dem Nebel.

Gleich sieht die Welt ganz anders aus und die Lust, die Gegend zu erkunden, steigt. Wir verlassen die Hauptstraße, um zu einem schönen Fotospot zu kommen. Nach drei Kilometern stehen wir am Wasser und der Weg ist zu Ende. Macht nichts. Wir wollen ja auch nur ein Foto machen.

Das sieht der Fährmann auf der gegenüberliegenden Seite anders. Gleich kommt er angebraust. „Be my guest!“, ruft er uns freudig zu. Wieviele Gäste er wohl transportiert am Tag, dass er sich so freut über uns? Als wir eine Viertelstunde später zurückkomen, weil sich der Weg als Sackgasse entpuppt hat, winkt er uns freudig zu und steht ein paar Minuten später an unserer Beifahrertür. In der Hand zwei flexible Reflektoren, die man sich um den Oberarm winden kann, mit Werbung von Finferries drauf. Ein Geschenk für uns.

Über eine kleine Schotterstraße kehren wir zur Hauptstraße zurück, fahren erneut auf eine Fähre und erreichen Korpo. Wenn man die gesamte Ringstraße fahren will, muss man hier eine Bezahlfähre zur nächsten großen Insel nehmen. Die hat ihren Betrieb, wie gesagt, bereits eingestellt. „Warum wohl?“, frage ich mich. Am Wetter kann es nicht liegen. „Das ist eine reine Touristenfähre“, meint Achim. Und für die paar, die jetzt noch unterwegs sind, lohnt sich das nicht.

Was wir aber entdecken ist eine Fähre nach Åland, die hier ablegt. Bisher waren wir davon ausgegangen, dass wir dazu nach Turku zurückkehren müssen. Das werden wir heute Abend mal recherchieren. Denn auf unserem Zettel steht außer Turku für diese Finnlandreise nur noch die Rückreise über die Åland-Insel. Na, das würde doch passen. Turku würden wir dann nächstes Mal besuchen.

Abends im Hafen versuchen wir, online ein Ticket zu buchen. Das klappt aber nicht. Deshalb fahren wir einfach morgen früh zur Fähre und schauen, was passiert.

Regentage sind Fahr(nachmit)tage

Fast den ganzen Vormittag haben wir es uns im Bus gemütlich gemacht: lange geschlafen, gefrühstückt, gelesen. Gegen Elf machen wir uns schließlich auf, Helsinki zu verlassen. Das dauert, denn das benachbarte Espoo grenzt nahtlos an die Hauptstadt. Nach fast einer Stunde städtischem Trubels haben wir es geschafft, biegen links ab und haben wieder unsere Ruhe.

Unser erstes Ziel ist eine schmale Halbinsel südwestlich von Helsinki. An deren Ende ist ein Wanderparkplatz und da der Regen gerade eine Pause macht, wagen wir einen kleinen Spaziergang. Hier geht es nicht über Bohlenwege durchs Moor sondern über Felsen durch den Wald. Ab und zu erhaschen wir einen Blick aufs Meer. Und ganz kurz auf eine Hirschkuh mit ihrem Jungen.

Es ist uns in Finnland schon des öfteren aufgefallen, dass es viele Angebote für Menschen mit Behinderung gibt. So auch hier. Gleich in der Nähe ist ein Parkplatz für sie vorgesehen. Ab hier ist ein rollstuhlgerechter Weg ausgeschildert.

Wir folgen ihm neugierig. Nach etwa 100 Metern biegt der Weg rechts ab und endet in einer formidablen Aussichtsplattform. Bei besserem Wetter ein herrliches Ausflugsziel für Leute im Rollstuhl.

Wir setzen unsere kleine Wanderung fort, sind nach einer Stunde zurück am Bus und treten die Rückfahrt an. Unterwegs halten wir an einem kleinen Café, das von einer jungen Frau betrieben wird. In den Regalen werden auch Dinge für den täglichen Bedarf wie Zahnpasta, Salz und Nudeln angeboten. Wir bestellen zwei Stück Apfelkuchen und Kaffee und nehmen am einzigen Tisch Platz. Das Sitzangebot ist auf den Sommer abgestimmt. Draußen gibt es reichlich Stühle und Tische. Wir zahlen 16 Euro und fahren weiter.

Es regnet wieder, da hängen wir nochmal zwei Stunden Fahren an und bringen uns damit in die Pole Position für morgen. Es sind neun Stunden Sonne angesagt und wir wollen in die Schären.

Am Abend machen wir noch eine Entdeckung. Auf der Suche nach einem Stellplatz für die Nacht landen wir auf dem Parkplatz eines früheren Sanatoriums, das vom finnischen Architekten Alvar Aalto Anfang der 30er Jahre gebaut wurde. Es war für TBC-Patienten entworfen, die (vor der Entdeckung des Penicillin) teils viele Jahre hier verbringen mussten. In diesem Fall hat sich der Architekt auch intensive Gedanken über die Innenausstattung gemacht, z. B. hat er „leise“ Waschbecken entwickelt, damit der Bettnachbar im Zweibettzimmer nicht  gestört wird. Das Gebäude wurde für das UNESCO-Weltkulturerbe nominiert.

Für die Nacht suchen wir uns aber noch einen anderen Platz. Nur neun Kilometer entfernt gibt es mal wieder einen schönen See.

Mit einem weiteren guten Beispiel: auf dieser Rampe können Menschen, die im Rollstuhl sitzen, ins Wasser fahren.

Der Kreis schließt sich: zurück in Helsinki

Vor genau einem Monat legten wir mit der Fähre in Helsinki an. Heute sind wir wieder dort, aber noch nicht ganz am Ende unserer Reise.

Nach einer ausführlichen und herzlichen Verabschiedung von Hans fahren wir erstmal ins hübsche Porvoo. Es ist die zweitälteste finnische Stadt. Hier wurde 1809 der Grundstein für den finnischen Staat gelegt.

Wir schlendern durch die  Altstadtgassen, die von bunten Holzhäusern gesäumt sind, in die kleine Boutiquen, Andenkenläden und Cafés eingezogen sind. Alles steht unter Denkmalschutz und ist hervorragend gepflegt.

Unten am Fluss liegen malerisch die gut erhaltenen Salzspeicherhäuser aus der Hansezeit.

Wahrzeichen der Stadt ist der Dom mit seinem Giebel aus roten Ziegeln. Er wurde Mitte des 15. Jahrhunderts fertiggestellt. Im Jahr 2006 wurde er durch ein verheerendes Feuer teilweise zerstört, aber wieder aufgebaut.

Diesmal sind wir nicht die Einzigen, die hier bummeln. Sowohl Einheimische als auch Touristen sind heute unterwegs.

Nach Helsinki sind es nun nur noch 50 Kilometer und wir wollen der finnischen Hauptstadt einen zweiten Besuch abstatten, um uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten anzuschauen, die wir letztes Mal versäumt haben und um am Abend lecker essen zu gehen.

Wir steuern denselben Parkplatz an, der uns vor vier Wochen schon so gut gefallen hat, stellen den Bus ab und steigen um auf die Räder. Als erstes fahren wir zur Felsenkirche.

Die außergewöhnliche Kirche wurde 1969 in den Felsen gehauen und von den Brüdern Timo und Tuomo Suomalainen im Stil des Expressionismus entworfen.

Von Außen macht sie einen eher unspektakulären Eindruck. Ein kurzer dunkler Gang führt uns in den eigentlichen Kirchenraum, dessen Wände aus dem nackten Fels bestehen.

Dennoch ist die Kirche im Inneren um einiges heller, als man es von den meisten Kirchen gewohnt ist. 180 lange schmale Fenster, die zur Kuppel führen, sorgen für viel Tageslicht. Die nackten Felsen strahlen mit der aus poliertem Kupfer gefertigten Decke und den goldschimmernden Orgelpfeifen um die Wette. Leise Klaviermusik begleitet uns bei unserem Rundgang.

Draußen kann man noch auf den Felsen klettern und der Kirche aufs Dach schauen. Das machen nicht nur die Kirchenbesucher sondern auch die Leute aus der Nachbarschaft, junge wie alte.

Dem bedeutenden finnischen Komponisten Sibelius ist in Helsinki nicht nur ein Park sondern auch ein Kunstwerk gewidmet. Es ist die Skulptur der finnischen Künstlerin Eila Hiltunen mit dem Titel Passio Musicae, die am 7. September 1967 enthüllt wurde. Das Monument besteht aus einer Reihe von mehr als 600 hohlen Stahlrohren, die wellenförmig miteinander verschweißt sind. Jedes ist zudem anders verziert. Ziel der Künstlerin war es, die Essenz der Musik von Sibelius einzufangen.

Für halb sieben haben wir einen Tisch fürs Abendessen im Kostan Mölja reserviert. Hier gibt es das karelische Buffet, nach dem wir in Karelien vergeblich gesucht haben. Zur Vorspeise werden u. a. verschiedene marinierte Heringe, Piroggen und Pickles angeboten. Als Hauptspeisen Renhack, karelisches Stew und Vorschmack, ein Gemisch aus gedünsteten Zwiebeln, Hackfleisch und Fisch. Alle Hauptspeisen sind kräftig gewürzt, Lorbeer und Nelken reichlich vertreten. Wasser und hausgebrautes 1%iges Ale sind im Preis von 38 Euro inkludiert.

Wir freuen uns, dass wir diese landestypischen Speisen nun doch noch probieren konnten und radeln beschwingt durchs nächtliche Helsinki zurück zu unserem Bus.