Der Wind peitscht die Sandkörner in unsere Gesichter, als wir vom Campingplatz zum Hafen laufen. Wir haben uns den Platz in El Puerto de Santa Maria ausgesucht, weil man von hier aus mit der Fähre die Bucht queren und nach Cádiz übersetzen kann.

Theorie und Praxis. „No boat today. Too much wind!“, erfahren wir am Ticketschalter. Also fahren wir mit dem Bus. Nicht mit unserem, dem öffentlichen.

Um die Wartezeit zu überbrücken, gönnen wir uns im Straßencafé gegenüber der Bushaltestelle noch zwei Kaffee. Es freut uns immer wieder, dass man hierfür nur etwas mehr als einen Euro bezahlt. Das sind doch andere Preise als daheim.

Eigentlich sollten wir uns beim Levante, dem für die Gegend typischen warmen Ostwind, bedanken. Denn so fahren wir über die Brücke Puenta de la Constitución de 1812, die erst 2015 eingeweiht wurde und eine weitere Verbindung zwischen dem Festland und der Stadt Cádiz darstellt. Sie hat, sagt Tante Wiki, die größte Spannweite aller spanischen Schrägseilbrücken und die drittgrößte von ganz Europa. Das Bild dazu ist von Achim, nicht von mir.

Im Internet hatte ich heute Morgen einen empfohlenen Spaziergang durch Cádiz entdeckt, den wir gern machen wollen.Wir starten auf der Plaza de San Juan de Dios. Früher war er wegen der Nähe zum Hafen das Herz zur Stadt. Waren aus der ganzen Welt wurden hier vertrieben. Heute schmücken ihn ein schöner Brunnen und das Rathaus.

Wir schlendern weiter zum römischen Theater, das zufällig 1980 bei Bauarbeiten entdeckt wurde und mit einer Kapazität von 20 000 Menschen das älteste und größte in Spanien ist. Es wurde auf das 1. Jh. v. Chr. datiert.

In der Kathedrale kaut uns der norddeutsche Sprecher unseres Audioguides zwei Ohren ab. Jedes Detail will er uns erläutern. Wie kommt man eigentlich an diesen Job? DEN WILL ICH AUCH!!

Wir hängen ihn einfach an den Nagel, klettern einen der Türme hinauf und lassen uns den Levante um die Nase pfeifen. Wir halten uns am Geländer fest und genießen die herrliche Aussicht.


Zur Erholung soll es im Straßencafé mal wieder zwei Café con leche geben – aber was ist mit der Milch passiert?! Geronnen. Ich trage beide Tassen umgehend zurück, die Kellner entschuldigen sich freundlich und erklären, dass der Wind daran schuld sei. Beim Levante gerinnt sogar die Milch.
Er hat auch Schuld daran, dass das Castello heute geschlossen ist. Wahrscheinlich ist der Besuch bei dem Wind zu gefährlich. Der Anblick von außen ist aber auch sehr schön.

Entzückt sind wir auch vom Stadtstrand. Was hier fehlt, beim Levante, sind die Strandkörbe.

Wir beenden unseren Stadtbummel -nach fünf Stunden- auf der Plaza de España. Hier wurde im Jahr 1812 die spanische Verfassung unterzeichnet.


Wir sind wind- und laufmüde. Der Bus bringt uns zurück nach El Puerto de Santa Maria und wir lassen uns noch Wein und Fisch schmecken in einem Lokal am Wasser, das wir auf dem Hinweg entdeckt hatten. Wir sitzen drinnen wie alle, denn draußen würden wir fliegende Fische serviert bekommen.