Archiv der Kategorie: Unterwegs in Westdeutschland (Sommer 2020)

Speyer, Mannheim und 91 Kilometer

Komoot, eine App für Tourenplanungen, hat die folgende Tour für uns ausgearbeitet : Vorgaben waren nur unser Standort, Speyer und Mannheim und das Ganze bitte als Rundtour. Ok, das ist eine machbare Tour. Auf meinem  Fahrradnavigationsgerät habe ich die Route mit mehr als 20 Punkten und unter Berücksichtigung der örtlichen Radrouten verfeinert und um 5 […]

Speyer, Mannheim und 91 Kilometer

Rechts, links und entlang der Weinstraße

In Deidesheim wird gegen den Tonfilm agitiert. Dieser ist kitschig und einseitig und ruiniert die Künstler, heißt es. „Fordert gute stumme Filme!“, lautet die Devise – im Deutschen Museum für Foto-, Film- und Fernsehtechnik. Wir entdecken es auf unserer Radtour rechts, links und entlang der Weinstraße. Das Museum präsentiert auf einer Ausstellungsfläche von 400 qm über 5 500 Exponate einer der umfangreichsten Sammlungen aus den Bereichen Film, Fotografie und Fernsehen von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Manchmal passt das Timing, manchmal nicht. Heute Morgen zum Beispiel. Wir waren gerade 20 Minuten geradelt, noch satt von einem üppigen Frühstück, als wir an einem idyllisch gelegenen Forsthaus vorbeifahren, das mittlerweile ein Café ist. Schade, keine Kaffeelust, kein Appetit. Also weiter.

Schön die Weinberge, die hier gar keine Berge oder Hügel oder Hänge sondern Felder sind. Zu gern würde ich wissen, warum die Winzer immer so herrliche Rosenbüsche vor die Rebreihen setzen. Wir haben dies auch schon in anderen Weingegenden gesehen, es ist also keine lokale Spezialität.

Sehr wohl eine lokale Spezialität ist der Rivaner, den wir beim Winzerverein Deidesheim für heute Abend einkaufen.

Noch ist es aber erst früher Nachmittag und wir schauen uns auf unserer 55 km Route noch Bad Dürkheim und andere kleine Weindörfer an, die meist einen schönen alten Ortskern und etliche Weinhöfe haben.

Wir sind aber standhaft, kehren nirgendwo ein (Also in kein Weingut. Das Eis in Bad Dürkheim war köstlich), denn am Abend wollen wir zur Burg von Wachenheim oberhalb unseres Campingplatzes aufsteigen und dort den Rivaner und die Aussicht genießen. Und diesmal war das Timing ziemlich gut.

Wald, Wein und Burgen

Grau beginnt der Tag und unser Stellplatz beim Weingut Junghof ist sehr praktisch (der Wein war köstlich!) aber nicht schön. Einen regnerischen Tag zumindest teilweise auf dem Parkplatz am Hof verbringen? Och, nö. Also planen wir keine Radtour oder Wanderung sondern fahren gemütlich die Weinstraße gen Norden. Ganz in der Nähe bei Annweiler lockt eine […]

Wald, Wein und Burgen

Ein Schauertag zwischen Schwarzwald und Pfalz

Aufgereiht stehen die Brötchentüten vor der Rezeption unseres Campingplatzes. Säuberlich mit Namen versehen. So kann der Tag mit einem leckeren Frühstück starten.

Ehe wir weiterziehen, wollen wir uns noch Forbach anschauen, ein kleiner Ort gleich nebenan.

Warum gibt es hier bloß so eine große Kirche!?

Sie ist Johannes dem Täufer geweiht und wurde 1886 bis 1891 aus heimischem roten Sandstein mit zwei Türmen in neuromanischem Stil erbaut.

Auch innen ist sie prächtig ausgestattet.

Pech haben wir ein paar Orte weiter in Herrenwies. Hier soll es laut Prospekt und Internet einen Kunstpfad geben, auf dem wir gern, trotz des grauen Wetters und der immer wieder einsetzenden Schauer, gewandelt wären. Das muss aber jeweils so temporär sein, dass momentan gar nichts davon zu erspähen ist.

Nur Wiesenschaumkraut. Das ist aber auch schön.

Wir beschließen, den Schwarzwald zu verlassen und uns die Deutsche Weinstraße in der Pfalz anzuschauen. Sie beginnt im Süden in Schweigen-Rechtenbach mit dem Deutschen Weintor. Dessen Geschichte ist leider eine düstere: von den Nationalsozialisten 1936 erbaut sollte es wie die frisch ersonnene Deutsche Weinstraße die Pfalz als Weinbaugebiet bekannter machen. Deutliche Ressentiments gab es schon gegen die französischen Nachbarn.

Unser Navi hat keine Bedenken, uns auf dem direkten Weg dorthin zu leiten, dass der durch Frankreich führt, stört es auch nicht.

Wir sind – Corona bedingt- erstmal erschrocken. Wie war das nochmal? Grenze zu Frankreich wieder offen? Dürfen wir hier jetzt langfahren? Ja, wir dürfen. So wie wir es nun seit Jahrzehnten gewohnt sind, passieren wir die deutsch-französische Grenze ohne Kontrolle, ohne Stop.

Wir überqueren den Rhein auf einer alten Eisenbahnbrücke und kommen durch kleine idyllische elsässische Dörfer, vorbei an fast künstlerisch gestalteten Wassertürmen.

Am deutschen Weintor angekommen, fotografieren wir ein bisschen und machen uns dann auf die Suche nach einem Café. Zuerst aber finden wir einen kleinen Park mit interessanten Skulpturen. So kommen wir also doch noch zu etwas Kunstgenuss heute.

Und was finden wir etwas später in der Kuchenvitrine? Schwarzwälderkirschtorte. Nehmen wir natürlich.

Kaffeeundkuchensatt fahren wir auf die Weinstraße und erreichen nach wenigen Kilometern das Weingut Jung in Heuchelheim.

Der Winzer bietet zwischen Straußwirtschaft und Garagen zwei (!) Stellplätze für WoMos an. Wir sind die zweiten. Nicht idyllisch, aber zweckmäßig. Zehn Schritte und die Verkostung der Pfälzer Weine kann beginnen.

Und dann kommt der Moment, in dem ich bei Helmut Kohl, ja, DEM Helmut Kohl,  Abbitte leisten muss. Ich fand seine Vorliebe für Saumagen, Saumagen!, immer gruselig. Und dass er dieses Zeug, das doch kein vernünftiger Mensch essen kann, auch noch anderen Staatsgästen servieren ließ.

Hier steht er auf der Speisekarte und ich wende mich sogleich den anderen Angeboten zu. Doch Achim ist mutig heute Abend und fragt Frau Jung danach, was Saumagen denn tatsächlich ist: Schweinefleisch, Brät und Kartoffeln, zubereitet wie ein Fleischkäse, früher im Magen, heute im Kunstdarm serviert. Und was soll ich sagen: „Entschuldigung, Herr Kohl, jetzt verstehe ich Ihre Vorliebe!“ Saulecker!

Nach weiteren Grauburgundern und Jungs Jungen Wilden sind wir froh über die nur zehn Schritte bis zum Bus.

Im Schwarzwald sind die Bäume grün

Ziemlich zufällig haben wir uns einen schön gelegenen und ruhigen Campingplatz im nördlichen Schwarzwald ausgesucht. Die Kriterien waren einfach : kleines Nebental, schöne Wandergegend und bitte kein Remmidemmi. Der Platz in Erbersbronn bei Forbach schien uns genau der Richtige zu sein. Bingo! Vielleicht 40 Dauercamper (drei oder vier Wagen sind gerade belegt) und eine schöne […]

Im Schwarzwald sind die Bäume grün

Westwärts

Wir sind in den letzten zweieinhalb Monaten rund 1000 Kilometer geradelt. Überwiegend im Landkreis Freising. Ein wenig auch in den angrenzenden Landkreisen. Es war schön. Trotz Corona.

Seit gestern dürfen die Campingplätze wieder öffnen und wir nutzen die Gunst der Stunde. Eigentlich wären wir nächste Woche Richtung Norden gefahren, nicht mit den Rädern sondern mit unserem Wohnauto. Island wäre unser diesjähriges Reiseziel gewesen. Doch auch hier kommt es wegen der Pandemie anders als geplant.

Stattdessen sind wir heute Richtung Westen aufgebrochen. Der Westen Deutschlands will erkundet werden statt des fernen Nordens.

Zwei bis drei Wochen wollen wir uns treiben lassen und heimische Gefilde (neu) entdecken.

Wie schön, wieder im Bus zu sitzen, hoch oben über der Straße und in gemächlichen Tempo die vorbeiziehende Landschaft zu genießen.

Unser erster Stop ist am Ipf. Achim hat dieser Tage beim Studium der Landkarte diesen Kegelberg im Nördlinger Ries bei Bopfingen entdeckt.

Die Kelten hatten hier vor langer Zeit eine Festung, die sie mit verschiedenen Wällen, die heute noch in der Landschaft zu erkennen sind, befestigt haben.

Eine alte Lindenallee führt auf den Gipfel des rund 600 Meter hohen Hügels. Wir müssen aber nur 200 Höhenmeter überwinden, weil Bopfingen eh schon auf 400 Meter liegt.

Oben ist die Vegetation karg und man hat einen großartigen 360-Grad-Blick.

Zurück am Bus koche ich Kaffee und Achim schmiert zwei Stullen. Urlaubsgefühle. On the road again.

Ich bin ein wenig beunruhigt, ob es mit den Übernachtungsplätzen auch wirklich klappt. Wir sind ja mitten in den Pfingstferien. Hoffentlich sind nicht zu viele reisefreudige Camper unterwegs. Wir hatten Gerüchte gehört, dass manche Plätze einen nur nehmen, wenn man Dauercamper ist oder wenn man mindestens sechs Tage bleibt. Ob wir die sanitären Anlagen nützen dürfen, ist auch nicht klar.

Für unsere erste Nacht steuern wir einen Stellplatz in Bad Urach an. Die Fahrt dorthin führt uns hügelaufhügelab durch die liebliche Schwäbische Alb.

Problemlos finden wir einen Platz. Wir sind etwa zu zehnt hier. Doppelt so viele könnten hier stehen. Für 10 Euro inklusive Kurtaxe bekommen wir nicht nur den Übernachtungsplatz sondern auch Strom und Wasser.

Nicht immer ist „Campingverhalten“ auf dieser Art von Stellplatz erwünscht. Hier aber haben alle ihre Stühle und Tische rausgestellt und es sich gemütlich gemacht.

Auch wir ruhen uns erstmal ein halbes Stündchen aus, ehe wir zu einer kleinen Feierabendtour zu den Uracher Wasserfällen aufbrechen.

Jedenfalls für mich, die ich mich elektrisch unterstützen lasse, ist es eine Feierabendtour, für Achim, der selbst der Motor seines Fahrrads ist, entwickelt sich die Tour zu einem frühabendlichen Workout. Durch den Wald fahren wir recht steil bis zum Kopf des Wasserfalls.

Nun, vielleicht ist es auch eher ein Wasserfällchen. Jedenfalls ist es schön hier und die knapp einstündige Tour macht uns Spaß.

Dicke Bohnen mit Kartoffeln und Speck stehen, zurück am Bus, heute Abend auf der Speisekarte, zum Nachtisch gibt es ein Glas Weißwein und ein bisschen Schokolade. Bloggen, Lesen, Route für morgen planen.