Was hatte ich mir im geheimen nicht für Sorgen gemacht vorher: dass die Kinder mich gar nicht wiedererkennen, dass sie mir die kalte Schulter zeigen, dass ich mich ganz fremd fühlen würde…
Und wie anders war es jetzt in der Realität. Als ich gegen 15 Uhr vorsichtig die Nase in den Zugang zum Kinderheim stecke, entdeckt mich zuerst Robina, eine der jungen Frauen, die früher im Kinderheim waren und jetzt in der angegliederten Schneiderei mitarbeiten, in der die Taschen, die ich letztes Jahr verkauft habe ( Ihr wisst schon, Rainbow Handicraft Nepal) hergestellt werden. „Eva!“ ruft sie und nimmt mich in den Arm. Noma, unsere Köchin, kommt um die Ecke, strahlt mich an. Und so geht es weiter. Nach und nach kommen die kleinen und großen Kinder, Mädchen und Jungen, aus der Schule. Mamita, Hirdaya, Sita, Indreni, Anjeli, Anita, Aasha… Alle heißen mich herzlich willkommen, drücken mich, strahlen mit mir um die Wette. Auch die Jungs, deren Namen ich mir letztes Jahr so viel schlechter merken konnte als die der Mädels. Es berührt mich sehr, als sie anfangen aufzuzählen, welche Ausflüge wir letztes Jahr gemeinsam gemacht haben: “ Sarangkot, Devis Falls, International Mountain Museum, Peace Pagoda, Golden Buddha…“.

Die Kleinen schauen mit mir Bilderbücher an, einer der großen Jungen bittet mich um meine Hilfe bei seinen Englischhausaufgaben. Die neu erworbenen Einradfahrkünste werden vorgeführt. Und morgen ist „Parents‘ day“ mit Tanz und Gesang bei den Kleinen. Eva, you come? Yes, please?“ Natürlich komme ich dahin.
Goma ist mal wieder mit einer Hilfslieferung in Südnepal unterwegs. Sie meldet sich aber via Facebook Messenger bei mir und heißt mich herzlich willkommen.
Als ich dann am Abend ins gleiche Zimmer einziehen kann wie letztes Jahr und der Milchkaffee beim Kaffeemann um die Ecke noch besser schmeckt als ich ihn in Erinnerung hatte, ist es wie Heimkommen in der Fremde.

