Archiv der Kategorie: Nepal (Frühjahr 2019)

Als Volontärin im Rainbow Children Home, Pokhara

Heimkommen in der Fremde

Was hatte ich mir im geheimen nicht für Sorgen gemacht vorher: dass die Kinder mich gar nicht wiedererkennen, dass sie mir die kalte Schulter zeigen, dass ich mich ganz fremd fühlen würde…

Und wie anders war es jetzt in der Realität. Als ich gegen 15 Uhr vorsichtig die Nase  in den Zugang zum Kinderheim stecke, entdeckt mich zuerst Robina, eine der jungen Frauen, die früher im Kinderheim waren und jetzt in der angegliederten Schneiderei mitarbeiten, in der die Taschen, die ich letztes Jahr verkauft habe ( Ihr wisst schon, Rainbow Handicraft Nepal) hergestellt werden. „Eva!“ ruft sie und nimmt mich in den Arm. Noma, unsere Köchin, kommt um die Ecke, strahlt mich an. Und so geht es weiter. Nach und nach kommen die kleinen und großen Kinder, Mädchen und Jungen, aus der Schule. Mamita, Hirdaya, Sita, Indreni, Anjeli, Anita, Aasha… Alle heißen mich herzlich willkommen, drücken mich, strahlen mit mir um die Wette. Auch die Jungs, deren Namen ich mir letztes Jahr so viel schlechter merken konnte als die der Mädels. Es berührt mich sehr, als sie anfangen aufzuzählen, welche Ausflüge wir letztes Jahr gemeinsam gemacht haben: “ Sarangkot, Devis Falls, International Mountain Museum, Peace Pagoda, Golden Buddha…“.

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Die Kleinen schauen mit mir Bilderbücher an, einer der großen Jungen bittet mich um meine Hilfe bei seinen Englischhausaufgaben. Die neu erworbenen Einradfahrkünste werden vorgeführt. Und morgen ist „Parents‘ day“ mit Tanz und Gesang bei den Kleinen. Eva, you come? Yes, please?“ Natürlich komme ich dahin.

Goma ist mal wieder mit einer Hilfslieferung in Südnepal unterwegs. Sie meldet sich aber via Facebook Messenger bei mir und heißt mich herzlich willkommen.

Als ich dann am Abend ins gleiche Zimmer einziehen kann wie letztes Jahr und der Milchkaffee beim Kaffeemann um die Ecke noch besser schmeckt als ich ihn in Erinnerung hatte, ist es wie Heimkommen in der Fremde.

In froher Erwartung

Gerade wird der Flug nach Casablanca aufgerufen. Da kommen schöne Erinnerungen hoch. Ich muss mich aber noch eine dreiviertel Stunde gedulden. Dann erst wird mein Flug nach Kathmandu startklar sein.

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Also kaufe ich mir ein Bier und warte. Da ich bereits online von Zuhause aus eingecheckt hatte, ging am Turkish Airlines Schalter heute alles sehr schnell. Und auch bei der Sicherheitskontrolle war ich rasch durch.

Es ist ein Jahr her, dass ich für zwei Monate im Rainbow Children Home in Pokhara als Volontärin gearbeitet habe. Als ich im Herbst hierüber einen Vortrag für den Eine Welt-Laden in Moosburg vorbereitet und dabei alle Bilder angeschaut habe, überkam mich eine große Sehnsucht nach den Kindern dort und auch nach der Atmosphäre, die ich dort erlebt habe. Reiselust eben. Achim, mein bester Freund, dem ich davon erzählte, meinte trocken: „Warum fährst du dann nicht hin?“

Und nun sitze ich in froher Erwartung am Flughafen. 6000 Kilometer werde ich in den nächsten 11 Stunden Flugzeit überwinden, morgen Nachmittag bin ich im Kinderheim. Ich frage mich, wie die Kinder auf mich reagieren werden, was es vor Ort Neues gibt, wie sich mein Alltag gestalten wird. Ob weitere Volontäre vor Ort sind, wie mein Verhältnis zu Goma, der Gründerin und Leiterin des Kinderheims sein wird. Sie war ja in den ersten Wochen sehr reserviert, taute dann aber sichtlich auf.

Eines wird auf jeden Fall ganz anders sein als letztes Jahr: bereits in zwei Wochen wird meine Freundin Annette zu mir stoßen und auch eine Woche im Heim verbringen. Danach haben wir noch ein paar Tage Zeit für touristische Unternehmungen in Pokhara und Kathmandu.

Außerdem komme ich an einen Ort, den ich kenne. Die Menschen, das Heim, meine Unterkunft, die Cafés, Läden und Restaurants. Letztes Jahr war es alles noch fremd. Nun ist es mir schon vertraut- und ich freu mich drauf.