Jorgan, mein Treckingguide, hatte mich am Ende unserer gemeinsamen viertägigen Wanderung eingeladen, ihn und seine Frau zuhause zu besuchen. Er würde ein Huhn besorgen und ich solle zwischen sieben und halb acht vorbeikommen.
Also besorgte ich ein Gastgeschenk (Obst und Schokolade) und verließ heute Abend um kurz nach sieben das Kinderheim. Ich musste nur 100 Meter unsere Straße hinuntergehen, am benachbarten Guesthouse und Tennisplatz vorbei und schon stand ich vor dem kleinen Laden, den in erster Linie seine Frau betreibt.
Jargan erwartete mich bereits auf dem Gehweg. Durch den Laden hindurch ging es in das Hinterzimmer, in dem die vierköpfige Familie lebt: seine 36jährige Frau, der 16 Jahre alte Sohn und die 15jährige Tochter.
Heute war ein regnerischer kühler Tag und entsprechend frisch war es im Zimmer. Das blanke Mauerwerk und der Betonfußboden trugen nicht zu einer heimeligen Atmosphäre bei. Wohl aber das freundliche Lächeln von Mutter und Tochter – wenn sie nicht gerade vor dem Fernseher hockten. Das Essen, Dal Bhat mit Hühnchen, war reichlich und köstlich. Die beiden Männer und ich aßen als erste, Mutter und Tochter im Anschluss.
Ich saß auf einem der beiden Betten, ein Basthocker diente als Tischchen. Das weitere Mobiliar bestand aus einem Tisch, der als Ablage für Schulbücher und Kosmetika benutzt wurde, einem Regal voller Geschirr, einem Kleiderschrank und einem zweiflammigen Gasherd.
Dank Ashish, dem recht gut Englisch sprechenden Sohn, gab es nach dem Essen noch eine nette Unterhaltung, in der wir über seine Schule sprachen, die er Ende März beenden würde, seine Studienpläne (Management), sein Hobby Tennis und sogar ein wenig über Politik. Es gebe nach wie vor viel Korruption in Nepal und der junge Mann zeigte sich skeptisch, ob daran die jüngsten Wahlen etwas ändern würden.
Natürlich versuchte ich auch, die beiden Frauen ins Gespräch einzubeziehen. Da die Mutter gar kein Englisch sprach und die Tochter sich nicht recht traute, kamen wir aber nicht wirklich in einen Fluss.
Ich überlegte, ob ich wohl wegen eines gemeinsamen Fotos fragen könnte, entschied mich dann aber dagegen. Deshalb hier nur ein Foto von Jargan und mir auf unserer Wanderung.

Weil ich ja weiß, das in Nepal die Abende kurz und die Nächte lang sind, verabschiedete ich mich unter zahlreichen Dankesbekundungen um halb neun.
Ich ging noch bei der Wäscherei vorbei. Meine Wäsche war aber nicht fertig. Es hatte den halben Tag geregnet und so konnte sie nicht trocknen. Stattdessen kaufte ich halt einen Schokoriegel.


















Gegen fünf erreichten wir unser Tagesziel, den kleinen Weiler Bhanyiang auf 2200 Meter Höhe, in dem es sechs Gästehäuser gibt und sonst nichts. Wir quartierten uns auf Anraten der Deutschen, die wir mittags getroffen hatten, im „Happy heart“ ein, das von zwei sehr freundlichen Schwestern betrieben wird. Zum Abendessen gab es Dal Bhat für alle. Und danach in großer Runde den lokalen Schnaps Raksi, der aus Hirse gewonnen wird und warm aus Teebechern (voll!) getrunken wird. Ein erster Selbsttest ergab: das Zeug ist lecker und kann nicht viel Alkohol haben, denn auch die zweite Runde wärmte den Bauch, hatte aber sonst keinerlei Folgen.








































