Archiv der Kategorie: Nepal (Winter 2018)

Als Volontärin im Rainbow Children Home, Pokhara

Zu Besuch

Jorgan, mein Treckingguide, hatte mich am Ende unserer gemeinsamen viertägigen Wanderung eingeladen, ihn und seine Frau zuhause zu besuchen. Er würde ein Huhn besorgen und ich solle zwischen sieben und halb acht vorbeikommen.

Also besorgte ich ein Gastgeschenk (Obst und Schokolade) und verließ heute Abend um kurz nach sieben das Kinderheim. Ich musste nur 100 Meter unsere Straße hinuntergehen, am benachbarten Guesthouse und Tennisplatz vorbei und schon stand ich vor dem kleinen Laden, den in erster Linie seine Frau betreibt.

Jargan erwartete mich bereits auf dem Gehweg. Durch den Laden hindurch ging es in das Hinterzimmer, in dem die vierköpfige Familie lebt: seine 36jährige Frau, der 16 Jahre alte Sohn und die 15jährige Tochter.

Heute war ein regnerischer kühler Tag und entsprechend frisch war es im Zimmer. Das blanke Mauerwerk und der Betonfußboden trugen nicht zu einer heimeligen Atmosphäre bei. Wohl aber das freundliche Lächeln von Mutter und Tochter – wenn sie nicht gerade vor dem Fernseher hockten. Das Essen, Dal Bhat mit Hühnchen, war reichlich und köstlich. Die beiden Männer und ich aßen als erste, Mutter und Tochter im Anschluss.

Ich saß auf einem der beiden Betten, ein Basthocker diente als Tischchen. Das weitere Mobiliar bestand aus einem Tisch, der als Ablage für Schulbücher und Kosmetika benutzt wurde, einem Regal voller Geschirr, einem Kleiderschrank und einem zweiflammigen Gasherd.

Dank Ashish, dem recht gut Englisch sprechenden Sohn, gab es nach dem Essen noch eine nette Unterhaltung, in der wir über seine Schule sprachen, die er Ende März beenden würde, seine Studienpläne (Management), sein Hobby Tennis und sogar ein wenig über Politik. Es gebe nach wie vor viel Korruption in Nepal und der junge Mann zeigte sich skeptisch, ob daran die jüngsten Wahlen etwas ändern würden.

Natürlich versuchte ich auch, die beiden Frauen ins Gespräch einzubeziehen. Da die Mutter gar kein Englisch sprach und die Tochter sich nicht recht traute, kamen wir aber nicht wirklich in einen Fluss.

Ich überlegte, ob ich wohl wegen eines gemeinsamen Fotos fragen könnte, entschied mich dann aber dagegen. Deshalb hier nur ein Foto von Jargan und mir auf unserer Wanderung.

Weil ich ja weiß, das in Nepal die Abende kurz und die Nächte lang sind, verabschiedete ich mich unter zahlreichen Dankesbekundungen um halb neun.

Ich ging noch bei der Wäscherei vorbei. Meine Wäsche war aber nicht fertig. Es hatte den halben Tag geregnet und so konnte sie nicht trocknen. Stattdessen kaufte ich halt einen Schokoriegel.

Schlemmen mit Ghee

Heute Morgen habe ich das bisher leckerste Frühstück in Nepal von Santosh Lamichane im Mountain View Homestay bekommen. Wie schon erwähnt gab es keinen mountain view, dafür aber ein Omelette mit Tomate und Rosmarin (!), Gemüse aus dem Garten, Minztee, Chapati, Honig von den eigenen Bienen und ein Klecks weißes Etwas. Auf Nachfrage erfuhr ich, dies sei Ghee. Ebenfalls selbstgemacht. Köstlich. Noch viel schmackhafter als Butter. Es wird im Deutschen als Butterschmalz bezeichnet, hat einen intensiven Geschmack und ist monatelang haltbar. Auch der Reis am Vorabend war damit gewürzt.

Nach dem Frühstück machten wir uns an den Abstieg. Zwei Stunden über die bereits vertrauten Steintreppen und – endlich mal – eine Hängebrücke hinab ins Tal.

Die allerletzte Etappe legten wir dann mit dem Bus zurück und in meinem Zimmerchen angekommen, war ich froh, mich mit warmen (!) Wasser duschen und frische Kleidung anziehen zu können. Ich zog die neue Kurta an, um mich etwas fein zu machen, denn am Abend hatten wir noch etwas zu feiern: Gomas Geburtstag.

Als ich ins Heim kam, wurde ich von Jung und Alt sehr herzlich empfangen. Wie mich das gefreut hat! Es war fast wie nach Hause kommen.

Die Vorbereitungen für die Geburtstagsfeier liefen gerade an. In einem riesigen Kochtopf, der auf einigen Scheiten Holz stand, wurde mit Kräutern und Gemüse verfeinertes Wasser für den Reis gekocht.

Dieser sollte anschließend mit Ghee und Cashewkernen zubereitet werden. Dazu wurde zur Feier des Tages Huhn und Gemüse gereicht.

Außerdem wurde heute die neue Küche eingeweiht, zu der u.a. SpenderInnen aus Neufahrn beigetragen haben. Mit Gheereis, Geburtstagstorte, Kerzen und Konfetti wurde nicht nur Gomas Geburtstag in dieser schönen neuen Umgebung gefeiert sondern auch der zweier Kinder, Indreni und Sagar.

In Wolken

Ja, Petrus ist sehr ungnädig mit mir. Nach dem Frühstück sind wir 300 Höhenmeter hochgestiegen auf den 2500 Meter hohen Aussichtsberg Panchase. Nach einer Stunde waren wir oben, doch alle Gipfel waren hinter dichten Wolken verborgen. Bei gutem Wetter hätten wir von hier aus nicht nur Annapurna Süd und Macchapucchre sondern sogar den Manaslu gesehen.

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Entschädigt wurden wir auf dem Hinweg durch ganz viele wilde Orchideen, die die Bäume mit ihren weißen Blüten dekorierten.

Auch Jorchan, der immer wieder in die Hände klatschte, um gegebenenfalls den schwarzen Bären zu vertreiben, machte mir Spaß. Außerdem gab es oben eine recht hübsche Tempelanlage und die Überbleibsel einer früheren Königsstätte.

Wir stiegen eine halbe Stunde hinab zum Panchasesee, den wir einmal umrundeten und dessen Zauber wir auf uns wirken ließen.

Schließlich das Ganze retour: hoch zum Aussichtspunkt mit Tempel und runter zum Gästehaus. Insgesamt waren wir fünf Stunden unterwegs, die gebratenen Nudeln zum Mittagessen kamen da gerade recht.
Am Nachmittag sind wir durch Wald und Wiesen zweieinhalb Stunden lang nach Makanpur (1500 Meter) gelaufen. Ab und zu sind wir Frauen begegnet, die Blätter, ich nehme an als Ziegenfutter, in großen Körben transportierten.

Gegen fünf quartieren wir uns in einem kleinen traditionellen nepalischen Häuschen ein. Ich schlafe in einem kleinen Anbau aus Holzlatten, als Dach wurde Wellblech draufgelegt. Der ältere Sohn der Familie (26) betreibt die Vermietung an Gäste, kümmert sich um die Bienen und das Honigmachen, die Ziegen und den Garten.

Nach dem Abendessen, das Jargan und ich an einem schmalen Tisch auf der Terrasse zu uns nehmen, wird ein kleines Feuerchen gemacht. Santosh erzählt, dass im Dorf fast nur noch alte Leute leben. Die jüngeren gingen ins Ausland, viele nach Dubai, oder zumindest nach Pokhara. Er habe dort auch seinen Bachelor in Gesundheitserziehung gemacht, ziehe es aber vor, hier im Dorf zu leben.

Sein Vater bringt einen großen Topf mit einer milchigen Flüssigkeit. „What’s that?“ Frühstück für die Kuh. Getreidepulver und Wasser. Wird hier jeden Abend am Feuerchen zubereitet. Die Mutter, Grundschullehrerin im Dorf, gesellt dich zu uns. Es sind nur noch zehn Kinder, die sie unterrichtet. Wohlig halten alle ihre Hände über die wärmenden Flammen, recken ihre nackten Füße der Glut entgegen. Um kurz vor neun sage ich „Gute Nacht “ und krabbele in meinen Schlafsack.

Im Dschungel

Am Morgen gab es einen kleinen Lichtblick: der Sonnenaufgang färbte den Annapurna Süd ein klein wenig rötlich. Auch der Macchapucchre zeigte sich im morgendlichen Dunst.

Doch das war’s dann auch für den Rest des Tages. Kein weiterer Bergblick mehr und auch die Aussicht auf die uns umgebenden terrassierten Felder war verhangen.
Die Nacht zuvor in meinem Zimmerchen war eisig kalt, gut, dass ich meinen warmen Schlafsack dabei habe.

Zum Frühstück gab es Milchtee, Spiegeleier und tibetian bread, das stets frisch gebacken wird. Es ist eine Mischung aus Mehl, Wasser, Salz und Backpulver, die zu einem runden Fladen in der Größe einer Single (weiß jeder, was DAS ist?) in einer Pfanne ausgebacken wird.

Danach sind wir rund zwei Stunden über die hier sehr beliebten und gut gepflegten Steintreppen abgestiegen, haben uns auf einer steten Höhe von rund 1700 Metern durch Bauernhöfe und Dörfer geschlängelt und gegen halb eins Mittagspause gemacht. Bei der Gelegenheit habe ich ein deutsches Paar getroffen, die für drei Jahre hier sind. Beide in Rente, beide bei einer NGO ehrenamtlich tätig.

Und dann ging es in den Dschungel. Drei Stunden liefen wir auf einem schmalen Pfad. Riesige Bäume, vor allem Rhododendren verschiedenster Art, Riesenfarne, Flechten und wilde Orchideen um uns herum. Ab und zu haben wir ein „Junglechicken“ aufgeschreckt, also ein hier wildlebendes Huhn. Die ebenfalls hier heimischen schwarzen Bären und Leoparden ließen sich zum Glück nicht blicken.

Gegen fünf erreichten wir unser Tagesziel, den kleinen Weiler Bhanyiang auf 2200 Meter Höhe, in dem es sechs Gästehäuser gibt und sonst nichts. Wir quartierten uns auf Anraten der Deutschen, die wir mittags getroffen hatten, im „Happy heart“ ein, das von zwei sehr freundlichen Schwestern betrieben wird. Zum Abendessen gab es Dal Bhat für alle. Und danach in großer Runde den lokalen Schnaps Raksi, der aus Hirse gewonnen wird und warm aus Teebechern (voll!) getrunken wird. Ein erster Selbsttest ergab: das Zeug ist lecker und kann nicht viel Alkohol haben, denn auch die zweite Runde wärmte den Bauch, hatte aber sonst keinerlei Folgen.

Drei Franzosen meines Alters, eine junge Argentinierin mit ihrem Vater, ein junges Schweizer Paar, die beiden Besitzerinnen des Gästehauses und drei nepalesische Guides saßen in der Küche eng im Qualm des Herdfeuers beisammen.

Da in Nepal die Abende kurz sind, war die Party dann auch gegen halb neun zu Ende. In meinem Zimmer, rechts und links gut durchlüftende Naturholzbretter, an den Stirnseiten mit Lehm verkleidete Steinmauern, war es sogar zum Lesen zu kalt, so dass ich mich bald in meinem Schlafsack vergrub. In der ersten Nachthälfte glaubte ich, gar nicht zu schlafen, in der zweiten wurden mir dafür viele kurze bunte Träume geschenkt.

Seit kurz nach sechs bin ich an meinem dritten Wandertag auf, im Clo mit eiskaltem Wasser eine Katzenwäsche gemacht, Sonnenaufgang bewundert. Jetzt sitze ich im Freien, warm angezogen, Mütze auf dem Kopf und warte auf mein Frühstück. Hier gibt es übrigens kein Netz, so dass ich nicht weiß, wann ich diesen Blogbeitrag veröffentlichen kann. Was ich aber ziemlich sicher weiß: auch heute werden wir den Himalaya nicht sehen. Dunst und Woken und Nebel und ach.

Auf den Spuren von Mick Jagger

Google weiß, das in den 80ern Prinz Charles mit großer Entourage hier war, ebenso Mick Jagger. Beide sollen begeistert von dieser einfachen Wanderung am Fuße des Annapurna gewesen sein, die seit dem britischen Prinzen „Royal treck“ genannt wird.

Vielleicht hatten sie eine tolle Sicht auf die 7- und 8000er. Vielleicht haben die Rhododendren geblüht. Vielleicht waren sie einfach in netter Gesellschaft und hatten Spaß miteinander.

Jogan, mein guide, und ich sind um acht Uhr mit dem Taxi in ein kleines Dorf nordöstlich von Pokhara gefahren und um 9 Uhr ging es los. Viele, viele Steintreppen hoch, vorbei an kleinen Bauernhöfen, Gemüsegärten und Reisfeldern.

Es ging durch den Wald, wo er mir Stories aus seiner 20jährigen Treckingerfahrung erzählte. Einen Tiger habe er gesehen, der eine Ziege riss. Nicht hier, aber großräumig betrachtet in der Gegend. Einen kleinen Bären, der eine mitreisende Touristin völlig verschreckt hat. Und eine junge Wandererin, die sie erst letzte Woche morgens tot in ihrem Zimmer in einer Lodge auf dem Weg zum Annapurna Basecamp gefunden haben. Herzschlag vermutlich.

So weit so gut. Auch wenn ich nur einen einzigen blühenden Rhododendron gesehen habe, war die Wanderung bisher recht schön. Warum sie dann aber um halb zwei für beendet erklärt wurde, wir uns im kleinen Ort (eine kurze Straße, zehn Lodges, null Touristen) Pokhanda in einem Guesthouse einquartierten, entzieht sich meinem Verständnis. Die Momos zum Mittagessen, der zehnminütige Spaziergang durch den Ort, der kurze Mittagsschlaf, die Lektüre meines aktuellen nepalischen Bestsellers, „Summer Love“ von Rubin Bhattarai, halfen nicht darüber hinweg, dass es kühl und unwirtlich wurde, der Nachmittag und Abend sich ewig zogen und ich recht enttäuscht war über meinen ersten Wandertag.

Unsere Lodge sieht in der Mittagssonne recht freundlich aus und so hoffe ich auf einen freundlichen Morgen und einen ausgefüllten Wandertag morgen.

Die Häuser wachsen und gedeihen

Heute hat mich Goma spontan eingeladen, mit zur Farm zu fahren.  Was für eine Überraschung, die Häuser zu sehen, an denen wir neulich mitgearbeitet haben! Sie wurden innen und außen mit Lehm verkleidet, was nicht nur schön aussieht, sondern auch wasserabweisend ist und für gutes Raumklima sorgt. Einige der älteren Mädchen aus dem Kinderheim, unser Fahrer Moti (der ja seit dem Unfall kein Auto hat) und unsere Gärtnerin Haremeyer waren gerade dabei, eine dritte und damit letzte Schicht aufzubringen.

Auch das dritte Haus wurde begonnen, Es ist um einiges größer als die beiden anderen und bekommt einen zweiten Stock als Schlafebene.

Die weitsichtige Goma möchte hier künftig nicht nur Landwirtschaft betreiben sondern spielt mit dem Gedanken, in dieser ländlichen Idylle auch Yoga und Meditation anzubieten.

Farewell, Caro!

Ab jetzt halte ich hier ganz allein die Stellung. Heute morgen ist nun auch Caro abgereist. Jedesmal, wenn uns ein Volontär verlässt, gibt es am Abend vorher eine kleine Zeremonie. Die Kinder werden zusammengerufen und Goma hält eine kleine Ansprache, in der sie sich beim Betreffenden für seine Hilfe und sein Engagement bedankt. Dann gibt es Tikka, das Segenszeichen, einen Blumenkranz, ein Zertifikat und einen Freundschaftsschal. Alle Kinder applaudieren kräftig und schweren Herzens wird Abschied genommen.

Bisher war es so, dass die verbleibenden Volontäre gemeinsam mit demjenigen, der uns verließ, dann noch einen fröhlichen Abschiedsabend verbracht haben. So auch Caro und ich. Wir waren in einem hübsch eingerichteten japanischen Restaurant, haben uns eine köstliche Flasche australischen Rotwein geteilt und auf die gemeinsam verbrachte Zeit im Rainbow Childrens Home und unser wunderbares Mandala, das wir gestern pünktlich fertiggestellt haben, angestoßen.

Ich habe schon geunkt, dass ich in 12 Tagen zu meinem Abschied  ganz allein sein werde. Wir werden sehen. Bisher war Nepal ja immer noch für eine Überraschung gut.

​Bonjour sister, comment ça va?

In Ländern mit niedrigem Lohnniveau profitieren wir Ausländer, wenn wir die für uns sehr günstigen Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Deshalb hätte ich das „Rei in der Tube“ auch zuhause lassen können. Denn hier bringt man seine Wäsche zur „laundry“, also in die Wäscherei. Jeder ist irgendwo Stammkunde. Meine französische Kollegin Caro wird von dem Mann,  der ihre Wäsche macht, stets mit einem freundlichen „Bonjour sister, comment ça va?“ begrüßt.
Wenn ich einmal die Woche zu Wäscherin meiner Wahl komme, grüßt sie mit einem freundlichen „Namaste! How are you?“ Dann zieht sie ihre kleine Handwaage aus der Schublade und hängt meinen Wäschebeutel daran auf. Der Preis ist überall derselbe: 100 Rupien, also etwa 80 Cent pro Kilo. Am Abend des darauffolgenden Tags kann ich meine sauberen Sachen wieder abholen.


Gegenüber vom Rainbow Children Home ist eine kleine Nähstube. Als erstes habe ich mir dort eine Kurta nähen lassen (8 Euro). Dann ging der Reißverschluss meines Schlafsacks kaputt (3 Euro), danach habe ich die seit ewigen Zeiten kaputten Reißverschlüsse an meinem Webpelz und an meiner Handtasche richten lassen (jeweils 1,50 Euro).

Auch der Juwelier um die Ecke hat mir große Freude bereitet. Ich bin es mittlerweile gewohnt, dass irgendein Kind an mir dran hängt, mein Medaillon öffnet und fragt: „Your husband?“  (Mamita fügt seit ein paar Tagen noch an: „What’s his name? Achim?“) So dass ich auch nicht besonders achtgegeben habe, als der zweijährige Sajan sich das Medaillon anschaute. Erst als er urplötzlich weglief, sah ich die Bescherung: Er hatte beide Seiten so fest auseinandergebogen, dass sie verzogen waren und sich das Medaillon nicht mehr schließen ließ. Eines der älteren Mädchen wusste Rat und brachte mich ins nahegelene Schmuckgeschäft. Der Besitzer begutachtete den Schaden und wies mich an, am nächsten Nachmittag wiederzukommen. Er wolle es versuchen.

Ich habe mich so gefreut, als er mir meinen Talisman heile zurückgab – und dann auch nur zwei Euro dafür verlangte.

Tja, diese wirklich erschwinglichen Dienstleistungen werde ich in Deutschland wohl auch vermissen.

​Nepal ist bunt

… und wir haben im Verlauf der letzten Wochen dazu beigetragen, zumindest das Rainbow Children Home noch farbiger zu machen.

Ein normaler Schultag sieht für uns Volontäre so aus: zwischen acht und neun kommen wir ins Heim, trinken erstmal einen Tee und plaudern dabei ein wenig mit jedem, der gerade das Bedürfnis dazu hat. Dann frühstücken wir mit den Kindern, das heißt, wir essen Dal Bhat, Reis mit Linsen und anderem Gemüse. Die Kleinen begleiten wir in die gegenüberliegende Schule, dann wird gefegt: die beiden Klassenräume, die Flure und der Speisesaal. Und schließlich wird gemalert. Mein Sohn fragte mich neulich schon, ob denn überhaupt noch eine Wand frei sei.

Ehrlich, wir sind auch ein bisschen stolz darauf.

Auch unsere funkelnagelneue Küche, die demnächst bezugsfertig ist, bekommt einen farbigen Anstrich. Das hat aber ein Profi gemacht.


Doch nicht nur bei uns ist Farbe gefragt.

Auch die anderen Häuser sind vielfach bunt angestrichen.

Im Tempel sind die Altäre mit vielen Farben geschmückt.

Ebenso die Auslagen in den Geschäften.


Und die Kopfbedeckungen.


Dieses Mandala ist unsere letzte Malarbeit. Wir werden es morgen beenden. Am Freitag reist Caro ab. Und auch meine Tage in Pokhara sind gezählt.

Shivas Geburtstag

Heute feiern die Hindus Shivas Geburtstag. Zur Feiertag des Tages bekomme ich gleich in der Früh ein schönes Geschenk: Das Wetter zeigt sich von einer sehr viel besseren Seite als gestern und beschert mir wunderbaren Bergblick zum Sonnenaufgang.

Allein bin ich nicht in der morgendlichen Idylle. Mindestens zwei Schulklassen sind mit mir gemeinsam auf der Aussichtsterrasse und genießen das Schauspiel. Warum ab sieben Uhr der gesamte Platz mit Musik beschallt wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

Um acht sitze ich im Taxi, schnell heim, duschen und ab ins „Rainbow“. Das vielstimmige „Good morning, Eva!“ werde ich demnächst sicherlich vermissen.

Nach dem Dal Bhat schmeißen sich die  Mädchen in Schale und gemeinsam ziehen wir los, einen nahe gelegenen Tempel zu besuchen und Shiva unsere Geburtstagsgrüße zu überbringen.

Shiva ist einer der wichtigsten Götter im Hinduismus und an seinem Geburtstag ist ntürlich wieder einmal die Schule geschlossen, viele Geschäfte haben zu, die meisten Menschen müssen nicht zur Arbeit.

Heute hat aber nicht nur Shiva Geburtstag, auch Indrani darf heute feiern. Sie wird 15. Nach dem Tempelbesuch ziehen Caro und ich mit ihr los, um ihr ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Unterwäsche hat sie sich gewünscht und die soll sie auch bekommen. Anschließend gehen wir noch zum Momoessen bei Piya.

Am Abend wird dann dank Shiva kräftig gefeiert. Zuckerrohr wird hierfür bereits am Nachmittag überall verkauft.

Wenn es dann dunkel ist, werden auf Plätzen oder an Tempeln große Feuer entzündet und lange Zuckerrohrstangen hineingehalten. Wenn sie heiß genug sind, zieht man sie raus, knallt das heiße Ende mit voller Wucht auf den Boden und wummmmm, explodiert das Ganze. Ein riesen Spaß für Jung und Alt.

Unsere Großen dürfen rübergehen in den kleinen Park nebenan und zuschauen. Die Kleinen sind glücklich, weil sie das Zuckerrohr futtern dürfen.

Übrigens ist Shivaratri der einzige Tag im Jahr, an dem in Nepal legal Marihuana geraucht oder sonstwie zu sich genommen werden darf. Gern überrascht man angeblich auch schon mal seine Freunde mit einem kleinen Kuchen, der nicht nur Eier und Mehl enthält.