Archiv der Kategorie: Nepal (Winter 2018)

Als Volontärin im Rainbow Children Home, Pokhara

Dal Bhat und Momos…

…sind unbestritten die Lieblingsgerichte in Nepal. Das eine für die Einheimischen, das andere meinen Erfahrungen zufolge vor allem für die Touristen.

Dal (Linsen) Bhat (Reis) gibt es – nicht nur im Heim – mindestens zweimal am Tag, zum Frühstück und zum Abendessen. Nepal ist ein sehr armes Land und die meisten Bewohner können sich Fleisch nicht leisten. Auch im Rainbow Childrens Home gibt es nur einmal die Woche Hühnchen (von Noma sehr köstlich zubereitet) als kleine Beilage. Dennoch ist für Abwechslung im Speiseplan durchaus gesorgt, denn neben Reis und Linsensuppe gibt es als dritte Beilage verschiedene Gemüse, häufig eine Art Spinat, aber auch Kartoffeln, Kürbis, Bohnen, Karotten oder einen Mix aus allem. Gerne auch noch ein hausgemachtes Chutney dazu. Viele Nepalesen essen mit den Fingern. Ich handhabe es mal so mal so.


Gefüllte Teigtaschen gibt es in vielen Ländern. In Nepal heißen sie Momos. Sie werden in der Regel handgemacht und werden entweder in der vegetarischen Variante oder mit einer  Hühnchenfüllung angeboten, frittiert oder gedämpft, in Pokhara meistens gedämpft. Dazu gibt es eine recht scharfe Sauce. Wenn man sie nicht in der Touristemeile isst, kosten sie etwa 80 Cent.

Hervorragend auch der nepalische Milchtee, Chiya. Schwarzer Tee wird mit Milch aufgekocht und mit Ingwer, Zimt, Kardamom und Lorbeer gewürzt.

Und einheimisches Bier ist ebenfalls sehr schmackhaft. Es gibt Everest, Gurke, Nepal Ice. Svasthya! Prost!

Morgendliche Freuden

Wenn ich morgens wach werde, schalte ich als erstes meinen kleinen Heizofen an und kuschel mich nochmal in meinen Schlafsack. Ich freue mich dann über neue Grüße aus der Heimat via WhatsApp und Co.

Nach dem zweiten Aufstehen kommt die nächste große morgendliche Freude. Ich ziehe die Vorhänge auf und bestaune die Himalaya – Gipfel in der Morgensonne, allen voran den Machapuchare, den 7000 Meter hohen „Hausberg“ Pokharas. Meine Handykamera ist leider nicht in der Lage, diesen Anblick so wiederzugeben wie mein Auge es sieht.
Der Machapuchare wird hier als „Fishtail“ für uns Ausländer übersetzt under sieht aus wie eine Haiflosse.


Wenn ich das Haus verlasse, werde ich zur Schildkröte. Gaaanz langsaaaam schlendere ich meine Straße entlang. Denn es gibt so viel zu sehen. Ein Geschäft ist hier neben dem anderen, ab und an ein Hotel dazwischen. Ich kann das meistevon dem, was ich brauche, hier in meiner Straße kaufen. Daheim geht das leider gar nicht.

Ich komme am Piya Restaurant vorbei. Hier kosten die Momos ein Drittel von dem,was man an der Uferpromenade berappt, die vegetarischen Teigtaschen 80 Rupien (ca. 70 Cent), die mit Hühnchen gefüllten 100 (ca. 90 Cent). Handgemacht von der Chefin, der Mama der Kinder, die neulich für mich getanzt haben. Wenn ich in der Früh vorbeigehe, putzt sie gerade den Laden und wir rufen uns ein freundliches „Shuva bihany!“ (Guten Morgen!) zu.

Es folgen ganz, ganz viele der kleinen Läden, in denen ich mein Bier, mein Wasser, meine Kekse, Chips und Klopapier kaufen kann. Eigentlich hatte ich vorgehabt, dies immer im gleichen Laden zu tun, um mir einen weiteren Ankerplatz in dieser Stadt zu verschaffen. Meistens lasse ich mich aber doch einfach treiben und kaufe in dem Laden ein, bei dem ich gerade bin, wenn mir einfällt, dass ich noch dieses oder jenes brauche.

Ein weiterer Hochgenuss am Morgen ist der mit Milch gekochte Kaffee, den ich im immer gleichen „Café“ trinke. Er ist heiß und würzig und wird im Glas serviert. Außer einem freundlichen Namaste brauche ich nichts zu sagen. Der frisch gekochte Kaffee (40 Cent übrigens) steht nach ein paar Minuten auf dem Tisch.

Ich liebe mein morgendliches Ritual und genieße es sehr.
Danach bin ich gewappnet, mich in den Trubel unseres Kinderheims zu stürzen. Heute haben wir dort endlich ein Spiel gefunden, bei dem nicht deutlich wird, dass ich im Schnitt fünfmal so alt bin wie die Kinder (wie beim Hinkeln beispielsweise). Dass ich das mal recht erfolgreich turniermäßig betrieben habe, kommt mir jetzt wirklich zugute:-)

Unterstützung für Frauen: Rainbow Handicraft

Ich schrieb ja neulich schon, wie vielfältig engagiert Goma Dhakal, die Gründerin des Rainbow Children Home ist. Ein zweites sehr wichtiges Projekt ist das Rainbow Handicraft, in dem Frauen in Handarbeit vielerlei Taschen (für Gitarren, für Laptops, für Kameras, Rucksäcke und Handtaschen) herstellen.


„Traditioneller Weise leiden Frauen in Nepal an der grausamen Sathi Pratha (Witwenverbrennung), an Zwangsverheiratung von sehr jungen Mädchen, Mangel an Bildung, Polygamie und Missbrauch“, schreibt Goma in ihrem Flyer, in dem sie ihr Rainbow Handicraft Projekt vorstellt. Kümmerte sie sich zunächst mit ihrem Waisenhaus nur um Kinder, deren Eltern entweder verstorben oder aber sich nicht gut um die Kinder kümmern konnten, wendete sie sich fünf Jahre später auch den Müttern zu. „Frauen und Kinder kann man gar nicht getrennt voneinander betrachten“, stellte sie fest. Und so richtete sie ein Trainingszentrum für Frauen ein, um diesen einen eigenen Lebensunterhalt zu ermöglichen, sie auch psychisch zu unterstützen und zu stärken.


Mittlerweile haben 150 Frauen das kostenlose Training absolviert. Sie können zuhause arbeiten und haben so die Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren. Im Rainbow Handicraft lernen sie das Weben und das Zuschneiden und Nähen der Taschen. In zwei Läden in Pokhara werden die Produkte vor allem für Touristen angeboten. Außerdem hat sich in Australien eine kleine Fangemeinde gebildet, die die Produkte regelmäßig abkauft.

Es wäre schön, wenn sich die Absatzmöglichkeiten erweitern und auch auf Deutschland erstrecken würden. Ich denke, dass ich das in die Hand nehmen werde, wenn ich wieder daheim bin. Macht Euch schon mal darauf gefasst:-)

Weitere Infos gibt es unter http://www.handicraftnepal.org

You are my mum

Heute möchte ich Euch von Sijumane erzählen. Dies ist nicht ihr richtiger Name. Ich nenne sie so, um ihre Privatsphäre zu schützen. Aus demselben Grund werde ich hier auch kein Foto von ihr veröffentlichen. Stattdessen gibt es ein paar Stimmungsbilder vom Phewasee, an dem wir jeden Tag spielen, spazierengehen oder ausnahmsweise – wie heute – mit dem Boot zur Insel fahren (für drei der Kinder war es die erste Bootsfahrt ihres Lebens).

Sijumane ist eines der älteren Mädchen hier im Kinderheim. Sie wird bald mit der Schule fertig sein und im Herbst ein Managementstudium an der Uni aufnehmen. Dies wird vom Rainbow Childrens Home finanziert. Sie unterstützt uns, wenn wir unsere Ausflüge machen. Im Bus oder im Boot ist sie die Letzte, die ein- und aussteigt, umsichtig und verantwortungsbewusst.
„You are my mum!“ , sagte sie gestern zu mir und schmiegte sich an mich.

Und dies ist ihre Geschichte: Vor vielen Jahren stürzte ihr Vater einen Berg hinunter, als er an einem Steilhang Gras für die Tiere schnitt. Er brach sich die Wirbelsäule. Um die Behandlung zu bezahlen, verkaufte seine Frau das gesamte Hab und Gut: Häuschen, Land und Tiere. Nach neun Monaten starb der Vater und die Mutter fiel in eine tiefe Depression. Sie war nicht mehr fähig, sich um ihre Kinder zu kümmern. Immer öfter verschwand sie für Tage, wanderte herum, schlief in den Feldern, manchmal ohne einen Fetzen am Leib.

Glücklicherweise erlaubte der neue Hausbesitzer den Kindern, dort zunächst wohnen zu bleiben. Aber um Essen mussten sie bei den Nachbarn betteln. Wild und ums Überleben kämpfend waren die Kinder, als Goma Dhakal, die von den Nachbarn informiert worden war, sie fand. Sijumane versteckte sich und warf Steine nach ihr.

Rainbow Childrens Home hat diesem Mädchen offenbar sehr gut getan. Sie ist offen, fröhlich und warmherzig und wird aller Wahrscheinlichkeit nach, ihren Weg machen. Ich drücke ihr alle Daumen dafür. Und freue mich übrr mrine neue Wahlverwandtschaft.

Freuden des Touristenlebens 1

Mein erster freier Tag. Da mache ich mich auf, die touristischen Höhepunkte der Stadt zu besichtigen. Aber als erstes gönne ich mir ein feines Frühstück direkt am See. (Im Kinderheim habe ich jetzt fast zwei Wochen lang morgens zwei ungetoastete Toastbrote, ein hartgekochtes Ei und sehr süße Marmelade bekommen.) Heute gibt es Cheese breakfast, also Käsesandwiches, Käseomelette und Bratkartoffeln. Ganz nach meinem Geschmack.

Dann miete ich mir ein Boot und lasse mich zur Tal Barahi Insel paddeln, um den Ajima Tempel zu besichtigen, der der Gottheit Shakti geweiht ist. Als ich vor zehn Jahren hier war, gefiel mir die ruhige, fast meditative Atmosphäre hier überaus gut. Heute waren sehr viele Touristen hier, so dass es eher ein wenig rummelig war.

Also weiter ans gegenüberliegende Ufer zur Friedenspagode. Nach einer Dreiviertelstunde über steile Treppen erreiche ich sie in 1300 Meter Höhe (Pokhara liegt auf 800 Metern). Eine Friedenspagode ist ein buddhistischer Stupa und soll dazu beitragen, dass alle Menschen gemeinschaftlich nach Frieden auf der Welt streben – ungeachtet ihrer Herkunft und Glaubensrichtung.

Auf dem Weg nach oben treffe ich Brunhilde aus Frankfurt. Sie ist etwa in meinem Alter und will sogar drei Monate hier bleiben. Ich habe sie eingeladen, uns im „Rainbow“ zu besuchen. Bin gespannt, ob sie mal vorbei kommt. Als ich ihr vorschlug, dass wir „zwei einsamen Seelen“ ja mal gemeinsam einen Kaffee trinken gehen könnten, schaute sie mich leicht irritiert an. „Wir sind allein aber nicht einsam“, sagte sie lächelnd. Recht hat sie.

Nun sitze ich in einer der unzähligen Kneipen am See und genieße die anbrechende Dämmerung bei einem Mount Everest-Bier. Zum Abendessen bin ich um halb acht mit Magda und Rino in einem spanischen Lokal verabredet (Ben ist heute Vormittag zu einer 6tägigen Trekkingtour aufgebrochen). Vorher schaue ich noch bei Narmala im Laden vorbei.

Riesenrad, Autoscooter und Kinderkarussel

Heute haben wir einen Ausflug zu einer Messe samt Jahrmarkt gemacht. Mit 12 Kindern, drei Teenagern und fünf Erwachsenen (darunter überraschenderweise auch Noma, unsere Hausmutter, die ich geschminkt, frisiert und in Ausgehkleidung um ein Haar gar nicht erkannt hätte) sind wir zunächst ein paar Kilometer mit dem Bus die Hauptstraße hinuntergefahren, dann zu Fuß zehn Minuten durch ein ruhiges Wohnviertel.

Jeder Große hatte zwei Kleine an der Hand, damit uns niemand abhanden kommen konnte. Und so haben wir uns ins Getümmel geworfen.


Zunächst ging es durch eine Messehalle, in der von der Waschmaschine übers Handy bis hin zu Kleidung und Möbeln vieles angeboten wurde. Auch der auf solchen Messen stets vertretene Gemüsehobel war vertreten.

Im Rainbow Children Home gibt es auch ein Trainingsprogramm für Frauen, die hier lernen, Stoffe herzustellen und daraus Taschen zu fertigen. Unser Projekt hatte hier auch einen Stand, dem wir natürlich einen Besuch abstatteten.


Und dann ging es zu den Karussels. Dank der freundlichen Spende meiner Freundin Simone aus Mallorca durfte sich jedes Kind ein Fahrgeschäft aussuchen. Los ging es mit einem Kinderkarussel für die ganz Kleinen. Die größeren wollten unbedingt zum Autoscooter und dann war da noch das Riesenrad mit toller Aussicht. Ich habe an anderer Stelle schon die Disziplin und die Geduld unserer Kinder erwähnt. Jetzt möchte ich noch ihr soziales Verhalten loben: es war gar keine Frage, dass die Kinder vor dem Eingang zu einem Karussel warteten, während die anderen fuhren. Und: nicht eines der Kinder hat auch nur versucht, sich eine zweite Fahrt zu erschummeln.


Zum krönenden Abschluss war auch noch ein Eis für jeden drin und wir ließen den Nachmittag in der prallen Sonne vor der Bühne ausklingen, wo wieder einmal Tanz und Musik geboten wurde.

Ncell statt Lego

Lego, Brio, Duplo haben wir hier nicht. Aber wir haben gebrauchte Ncell-Telefonkarten. Wir finden sie, weggeworfen, auf der Straße oder bekommen sie von freundlichen Nachbarn geschenkt, die wissen, dass wir damit spielen (als ich heute Abend meine Simcard aufladen musste, habe ich im Laden gleich ein paar abgestaubt).


Mit einem scharfen Stein wird ein Kreis in den Betonboden geritzt. Jeder Mitspieler legt eine Karte hinein. Von einer ca. einen Meter entfernten Grundlinie aus wird ein Stein geworfen, der beide Karten aus dem Kreis schubsen soll. Wer das schafft, gewinnt die Karten.

Das ist nicht einfach! Könnt ihr ja mal ausprobieren. Ihr werdet aber zunächst mal das Problem haben, dass nicht überall solche Karten auf der Straße rumliegen😁.


Am zweitliebsten  Hinkeln die Mädchen. Das habe ich schon als Kind gern gemacht und wenn ich dann hier so rumhopse, habe ich nicht nur ein Problem mit den sehr komplizierten Spielregeln (mittlerweile kenne ich sie aber😀) sondern merke auch, dass das rund 50 Jahre her ist. Macht nix. Uns macht es Spaß!

Madagaskar

Magda und Rino, die uns seit einigen Tagen im Waisenhaus helfen, haben gestern entdeckt, dass es ganz in unserer Nähe einen „Moviegarden“ gibt, also ein kleines gemütliches Freiluftkino. Da sind wir heute gegen 17 Uhr mit 20 Kindern hin, um uns „Madagaskar“ (auf Englisch) anzuschauen. Die Bildergeschichte um einen Löwen, ein Zebra, eine Giraffe und ein Rhinozeros aus dem New Yorker Zoo sind so eindrucksvoll, dass man der Story folgen kann, ohne jedes Wort zu verstehen. Zwei riesige Einkaufstüten Popcorn, die eine mit Magda und Rino befreundete Gastwirtin spendiert hat, rundeten den Kinoabend perfekt ab. Nicht nur die Kinder waren selig 😍.

Dieser lustige Abend war ein wirkliches Kontrastprogramm zum Vormittag. Eine der Schulen, die viele unserer Kinder besuchen, feierte ihr 60jähriges Jubiläum. Der Schulhof war sehr hübsch mit bunten Girlanden, einer Bühne und Ehrensitzen für die (vielen) Honoratioren hergerichtet. Alle SchülerInnen waren da, auch viele Eltern nahmen an der Zeremonie teil. Es gab tolle Tanzeinlagen (schon gestern Abend hatte einer unserer Jungs davon erzählt,  dass er auch tanzen würde und wir unbedingt kommen müssten).


So weit so schön. Wenn nur diese endlosen Reden nicht gewesen wären. Unter einer halben Stunde pro Redner (und es gab sehr viele!) ging da gar nichts. Allein bis mal jeder wichtige Mensch begrüßt worden war. Dann wurden die Unterstützer namentlich benannt und nach vorn gebeten (jeder erhielt ein rotes Bindi, einen Schal und einen Blumenkranz) und schließlich wude natürlich noch die gesamte Schulgeschichte geschildert. Aber wirklich in epischer Breite. Oder warum hätte allein dieser Beitrag fast eine Dreiviertelstunde dauern sollen?


Die Geduld und Disziplin der Kinder war unglaublich. Nach etwa zwei Stunden wurden sie mit einer Zimtschnecke und Tee belohnt, während das Programm aber weiterlief. Insgesamt dauerte die ganze Zeremonie von 11 bis 16 Uhr. Letzteres weiß ich aber nur vom Hörensagen, denn Ben und ich sind gegen zwei gegangen und haben uns in einer Garküche nebenan die Chicken Momos schmecken lassen.

Wenn die Nachbarinnen tanzen

Als ich heute gegen 19 Uhr nach Hause ging, fühlte ich mich auf einmal recht einsam. Ich ging in das kleine Lokal, in dem ich schon vorgestern und gestern war und wurde gleich wie ein Stammgast begrüßt. Die ältere Tochter fragte mich gleich aus: Wie heißt Du? Woher kommst Du? Kinder? Mann? Dann haben wir die Bilder in meinem Handy angeschaut und schließlich schlugen sie und ihre kleine Schwester vor, dass sie für mich tanzen könnten. Es war großartig! Ich weiß schon von unseren Mädels aus dem „Rainbow“, dass Tanzen hier in der Schule gelehrt wird.

Die beiden haben das so nett gemacht, dass ich mich auf einmal wieder wohl fühlte und ganz beschwingt nach Hause ging. They made my evening!

Ich wohne gleich nebenan und zum Rainbow Children Home laufe ich etwa fünf Minuten durch zwei ruhige Geschäftsstraßen, in denen ich fast alles kaufen kann, was ich so brauche: Das gute Mount Everest Bier, die scharfen einheimischen Chips, Wäscheklammmern, Kleiderbügel, Besen und Kehrblech. Nur meinen kleinen elektrischen Heizofen habe ich auf dem Markt zusammen mit Goma gekauft. Meine Indienerfahrene Freundin Simone hat mich auf die Idee gebracht. Sonst wären die feuchtkühlen Abende in meinem Zimmer auch gar nicht zu ertragen.


Ich wohne in einem dreistöckigen Haus in einer ruhigen Seitenstraße (wenn nicht nachts die wilden Hunde bellen). Die Mitbewohner unter mir habe ich noch kein Mal gesehen. Auf meiner Etage wohnen Ben und ich, über uns Khim, der Bruder von Goma.

Im zweiten Stock, in dem wir wohnen, gibt es mehrere Zimmer mit Bad. Sie sind etwa 13 qm groß, die Wände hellgrün, ebenso die Vorhänge. Der große Ventilator unter der Zimmerdecke lässt von heißen Sommernächten träumen. Zwei Betten, ein niedriger kleiner Tisch, auf dem ich meine kleinen Geschenke arrangiert habe, und ein Schrank komplettieren das Mobiliar.

Ich freue mich sehr, dass ich ein eigenes Bad habe und manchmal auch heißes Wasser, meistens laukühles.

Ganz wundervoll: Der Blick aus meinem Fenster.

Nachdem ich vorgestern Mittag eine kleine Putzorgie veranstaltet habe und der Heizofen fast für angenehme Temperaturen sorgt, fühle ich mich hier recht wohl.

Das tollste ist aber, dass ich hier in meinen Schlafsack eingemuschelt auf meinem Bett liegen und mit all meinen Lieben daheim per WhatsApp telefonieren kann. Das ist unglaublich aber wahr.

Hausarbeit

Gestern habe ich ja schon unsere Küche mit der offenen Feuerstelle beschrieben. Das Foto dazu ist mir jetzt sogar gelungen.


Es gibt noch eine weitere Küche nebenan, in der Noma, die Hausmutter, Regie führt. Mit ihr habe ich auch schon die Klassenzimmer, Flure und Schlafräume geputzt. Und das geht so: mit einem Reisigbesen wird gekehrt, anschließend der Linoleumboden feucht gewischt. Da es keinen Staubsauger gibt, werden die Teppichböden in den Kinderzimmern feste mit einem Schrubber bearbeitet und anschließend gründlich ausgefegt.


Hier fällt natürlich viel Geschirr an und um Noma, die übrigens den
allerbesten Tee kocht (sie würzt ihn mit einer ordentlichen Portion
Pfeffer!) zu entlasten, habe ich mir selbst die Aufgabe gestellt, ein Mal
am Tag einen der Berge Teller und Becher zu spülen. (Besteck fällt nicht so
viel an, weil meistens mit den Fingern gegessen wird.)


Spülen ist hier in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung: Da das
Geschirr auf dem Boden steht und die Wasserhähne in etwa 30 Zentimeter Höheangebracht sind, spielt sich das ganze in der Hocke ab. Nicht nur ich sondern auch mein junger Kollege Benjamin haben damit ein Problem. Deshalb nehmen wir immer einen Hocker zu Hilfe.
Nächste Challenge : Spüle im Sitzen unter einem laufenden Wasserhahn ab, ohne nasse Füße zu bekommen! Muss ich noch extra erwähnen, dass das Wasser kalt ist?

Wenn morgen nicht etwas ganz Außergewöhnliches ist passiert es über das ich berichten muss, werde ich Euch erzählen und zeigen, wie ich selbst hier wohne.