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Eine Schule feiert sich selbst

Heute ist der 14. Elterntag der „Buds Academy“. Grund genug, die Stadthalle anzumieten und mit vielen Ehrengästen aus Politik, Wirtschaft und anderer Prominenz zu feiern. Drei Filmkameras halten das Geschehen fest, ein Tontechniker am Mischpult sorgt für den richtigen Sound bei den Ansprachen, Preisverleihungen und Tanzvorführungen.

Goma Dhakal, Gründerin und Chefin des Rainbow Children Home gehört auch zu den geladenen Gästen, nicht nur weil zehn unserer Kinder diese Privat-Schule besuchen, sondern weil sie Mitglied des Schulvorstands ist. In ihrem Schlepptau lande sogar ich in der ersten Reihe, bekomme den für offizielle Anlässe obligatorischen Blumenkranz um den Hals gehängt und verfolge für die kommenden fünf Stunden die Feierlichkeiten. Wir stehen natürlich zum gemeinsamen Singen der Nationalhymne auf (nein, ich kenne den Text noch nicht, kann aber die Melodie mitsummen und meine rechte Hand aufs Herz legen).

Wir lauschen der Ansprache der Schülersprecherin, die die Qualität ihrer Schule betont und ihren gesellschaftlichen Auftrag unterstreicht.

Nicht nur am Anfang sondern die ganze Veranstaltung hindurch werden die Ehrengäste begrüßt. Dies nimmt einen wirklich großen Teil der Veranstaltung ein. Dann werden Hunderte von Medaillen für die erfolgreiche Teilnahme am letzten Sportfest, am Englischen Buchstabierwettbewerb und für Nepalische Sprachfähigkeiten verliehen.

Auch unsere Kinder haben etliche Medaillen erhalten. Ganz beglückt kam jedes Kind mit seiner Auszeichnung von der Bühne herunter. Dieses Bild zeigt unsere Sita.

Dazwischen gibt es viele Vorführungen traditioneller nepalesischer Tänze durch die Kinder. Tanzen ist in Nepal Unterrichtsfach und Mädchen wie Jungen bewegen sich ohne Scheu zur Musik auf der Bühne.

Festredner unterstreichen ihr Anliegen mit lauter Stimme und viel Emphase. Leider habe ich nichts verstanden. Deshalb plaudere ich zwischendurch mit Kusum, Gomas Schwiegertochter, schaue mir den Imagefilm der Schule an, der ununterbrochen auf einer Leinwand gezeigt wird, oder blogge.

Rund vier Stunden später werde ich gemeinsam mit einem recht ehrwürdig aussehenden älteren Herrn auf die Bühne gerufen. Wie schon viele andere Ehrengäste vor uns sollen wir den Kindern ihre Medaillen überreichen und ihnen ein Tikka, das rote Segenszeichen geben. Ich bedeute meinem Partner, dass es vielleicht besser wäre, wenn ich die Medaillen übernehme. Aber er schüttelt den Kopf und bedeutet mir, dass ich das schon schaffen würde mit dem Tikka. Einfach den Daumen fest ins Puder drücken und an der Stirn des Kindes abstreifen.

Das nenne ich mal Integration.

Tapfer haben die Kinder die vielen Stunden durchgehalten. Am Schluss gab es dann natürlich noch ein Gruppenfoto mit Medaillen.

Heimkommen in der Fremde

Was hatte ich mir im geheimen nicht für Sorgen gemacht vorher: dass die Kinder mich gar nicht wiedererkennen, dass sie mir die kalte Schulter zeigen, dass ich mich ganz fremd fühlen würde…

Und wie anders war es jetzt in der Realität. Als ich gegen 15 Uhr vorsichtig die Nase  in den Zugang zum Kinderheim stecke, entdeckt mich zuerst Robina, eine der jungen Frauen, die früher im Kinderheim waren und jetzt in der angegliederten Schneiderei mitarbeiten, in der die Taschen, die ich letztes Jahr verkauft habe ( Ihr wisst schon, Rainbow Handicraft Nepal) hergestellt werden. „Eva!“ ruft sie und nimmt mich in den Arm. Noma, unsere Köchin, kommt um die Ecke, strahlt mich an. Und so geht es weiter. Nach und nach kommen die kleinen und großen Kinder, Mädchen und Jungen, aus der Schule. Mamita, Hirdaya, Sita, Indreni, Anjeli, Anita, Aasha… Alle heißen mich herzlich willkommen, drücken mich, strahlen mit mir um die Wette. Auch die Jungs, deren Namen ich mir letztes Jahr so viel schlechter merken konnte als die der Mädels. Es berührt mich sehr, als sie anfangen aufzuzählen, welche Ausflüge wir letztes Jahr gemeinsam gemacht haben: “ Sarangkot, Devis Falls, International Mountain Museum, Peace Pagoda, Golden Buddha…“.

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Die Kleinen schauen mit mir Bilderbücher an, einer der großen Jungen bittet mich um meine Hilfe bei seinen Englischhausaufgaben. Die neu erworbenen Einradfahrkünste werden vorgeführt. Und morgen ist „Parents‘ day“ mit Tanz und Gesang bei den Kleinen. Eva, you come? Yes, please?“ Natürlich komme ich dahin.

Goma ist mal wieder mit einer Hilfslieferung in Südnepal unterwegs. Sie meldet sich aber via Facebook Messenger bei mir und heißt mich herzlich willkommen.

Als ich dann am Abend ins gleiche Zimmer einziehen kann wie letztes Jahr und der Milchkaffee beim Kaffeemann um die Ecke noch besser schmeckt als ich ihn in Erinnerung hatte, ist es wie Heimkommen in der Fremde.

In froher Erwartung

Gerade wird der Flug nach Casablanca aufgerufen. Da kommen schöne Erinnerungen hoch. Ich muss mich aber noch eine dreiviertel Stunde gedulden. Dann erst wird mein Flug nach Kathmandu startklar sein.

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Also kaufe ich mir ein Bier und warte. Da ich bereits online von Zuhause aus eingecheckt hatte, ging am Turkish Airlines Schalter heute alles sehr schnell. Und auch bei der Sicherheitskontrolle war ich rasch durch.

Es ist ein Jahr her, dass ich für zwei Monate im Rainbow Children Home in Pokhara als Volontärin gearbeitet habe. Als ich im Herbst hierüber einen Vortrag für den Eine Welt-Laden in Moosburg vorbereitet und dabei alle Bilder angeschaut habe, überkam mich eine große Sehnsucht nach den Kindern dort und auch nach der Atmosphäre, die ich dort erlebt habe. Reiselust eben. Achim, mein bester Freund, dem ich davon erzählte, meinte trocken: „Warum fährst du dann nicht hin?“

Und nun sitze ich in froher Erwartung am Flughafen. 6000 Kilometer werde ich in den nächsten 11 Stunden Flugzeit überwinden, morgen Nachmittag bin ich im Kinderheim. Ich frage mich, wie die Kinder auf mich reagieren werden, was es vor Ort Neues gibt, wie sich mein Alltag gestalten wird. Ob weitere Volontäre vor Ort sind, wie mein Verhältnis zu Goma, der Gründerin und Leiterin des Kinderheims sein wird. Sie war ja in den ersten Wochen sehr reserviert, taute dann aber sichtlich auf.

Eines wird auf jeden Fall ganz anders sein als letztes Jahr: bereits in zwei Wochen wird meine Freundin Annette zu mir stoßen und auch eine Woche im Heim verbringen. Danach haben wir noch ein paar Tage Zeit für touristische Unternehmungen in Pokhara und Kathmandu.

Außerdem komme ich an einen Ort, den ich kenne. Die Menschen, das Heim, meine Unterkunft, die Cafés, Läden und Restaurants. Letztes Jahr war es alles noch fremd. Nun ist es mir schon vertraut- und ich freu mich drauf.

Namaste

Dass ich zum Abschied zu DER Abschiedsstätte in Nepal schlechthin fahre, hat durchaus eine (von mir gar nicht beabsichtigte) Symbolik. Pashupatinah ist die größte Verbrennungsstätte Nepals. Ein geheimnisvoller, fremder Ort. Ich bin früh um kurz nach neun dort. Auf den Gatts, den Plattformen für die Leichenverbrennung, lodern bereits etliche Feuer.

Neben mir hält ein Auto. Ein in orangefarbene Tücher eingewickelter Leichnam wird vorsichtig hinaus genommen und auf eine Trage gelegt. Ich folge den Angehörigen ein paar Schritte, wechsele über eine Brücke ans andere Ufer und kann von dort aus mühelos alles beobachten.
Ich bin nicht die Einzige. Der Besuch Pashupatinahs gehört zum Standardprogramm eines Kathmandu – Touristen. Es hat etwas voyeuristisches, die Abschiedszeremonie von einem Verstorbenen zu beobachten, vor allem wenn einige Touristen mit riesigen Teleobjektiv draufhalten. Doch die Verbrennung in aller Öffentlichkeit ist die vertraute Regel. Keinen stört dies.

Am Gatt angekommen, wird der Verstorbene auf eine schiefe Ebene aus Stein gelegt und einer rituellen Reinigung unterzogen. Füße und Gesicht des Toten werden von den Männern der Familie gewaschen. Nachdem er wieder sorgfältig zugedeckt wurde, wird der Leichnam mit Blumenketten aus orangefarbenen Tagetes bedeckt und von den Männern mit Bündeln von Räucherstäbchen mehrmals umrundet. Dann heben sie ihn wieder auf die Trage und nun kommen die Frauen und nehmen laut weinend Abschied vom Verstorbenen.

Gemeinsam tragen sie ihn nun zu einem der vorbereiteten Holzscheite und es ist die Aufgabe des ältesten Sohnes, diesen zu entzünden.

Einer meiner Lieblingsplätze in Kathmandu ist die riesige buddhistische Stupa in Bodanath und mit ihr beschließe ich mein Besichtigungsprogramm. Dass auch sie vom Erdbeben 2015 betroffen war, sieht man ihr nicht an und wie immer umrunden Gläubige und Touristen das steinerne Abbild Buddhas im Uhrzeigersinn.

Die Touristen werden dabei gerne mal abgelenkt durch die Vielzahl der kleinen Geschäfte und Cafés. Aber auch durch die Klöster und Tempel, die die Stupa umgeben.

Mit dem Taxi fahre ich zurück ins Hotel, checke für meinen morgigen Flug ein, schlafe ein Stündchen und stürze mich dann nochmal ins Gassengetümmel, um letzte Mitbringsel zu besorgen. Ich erlebe von einer Dachterrasse am Durbarsquare einen schönen Sonnenuntergang, bummele zwischen den Tempeln, während die ersten Gewitterwolken aufziehen und es schon verdächtig grummelt. Den anschließenden Wolkenbruch empfinde ich als sehr passend. Denn bei aller Vorfreude auf zuhause, auf das Wiedersehen mit meinen Liebsten morgen Abend, fällt mir der Abschied schwer, ist mir zum Weinen zumute. Es ist nicht nur das Land, das ich sehr schätze. Es ist auch diese außergewöhnliche Lebensphase, von der ich mich jetzt verabschieden muss.

Während ich dies am späten Abend schreibe, macht sich langsam die Vorfreude breit. Morgen Abend bin ich wieder daheim. Und wer weiß denn, was noch alles passiert in meinem Leben. Wie spannend. Nun aber: Namaste, Nepal! Danyabad. Danke für Deine Gastfreundschaft!

Yatra Nepal: ein Kinderheim in großer Not

Ein Freund von einem Freund kontaktierte mich vor ein paar Tagen. Er habe gehört, dass ich demnächst in Kathmandu sei. Ob wir uns nicht treffen könnten.

Heute Nachmittag holte er mich an meinem Hotel ab und brachte mich ins Yatra Nepal Kinderheim hier in Kathmandu. Gemeinsam mit seiner Frau Maddy gründete Suren dieses Heim vor einigen Jahren.

Es beherbergt 17 Kinder, die aus ganz ähnlichen Verhältnissen kommen wie unsere Rainbow-Kinder: einige haben ihre Eltern oder ein Elternteil verloren oder die Eltern sind nicht in der Lage, sich gut um ihre Kinder zu kümmern.

Im Yatra Nepal Kinderheim haben sie weitaus mehr als ein Dach über dem Kopf. Sie haben mit Maddy und Suren Ersatzeltern gefunden, die sie liebevoll betreuen, sie bekommen eine Schulausbildung, sie haben einen Lebensstandard, der ihnen regelmäßiges Essen sowie saubere und gesunde Wohnverhältnisse bietet. Yatra ist das nepalesische Wort für Reise, „eine Reise vom Dunkel ins Licht“, wie es Suren, der auch Musiker ist (und deshalb einigen Jazzclub Moosburg BesucherInnen ein Begriff sein dürfte) poetisch formuliert.

Jetzt aber ist das Kinderheim in seiner Existenz bedroht. Denn das österreichische Paar, das bisher für die Kosten aufkam, sieht sich hierzu nicht mehr in der Lage. Dringend gesucht werden also Paten für die Kinder (jeder Betrag ist willkommen) oder Sponsoren ganz allgemein.

Es fällt mir nicht ganz leicht, dies zu schreiben, denn mein eigentlicher Wunsch ist es natürlich, Spenden für „mein“ Rainbow Children Home in Pokhara zu sammeln. Aber die Vorstellung, dass diese Kinder ihr jetziges HEIM verlassen und wieder in die ursprünglichen schlechten Verhältnisse zurück müssen, ist zu bedrückend.

Weitere Infos gibt es auf Facebook unter Yatra Nepal oder direkt per E-Mail unter yatra.nep@gmail.com. Oder natürlich bei mir.

Happy Holi

Holi ist eine hinduistische Göttin und ihr Fest wird zum Vollmond Ende Februar, Anfang März gefeiert. In Kathmandu und Pokhara am 1. März. Heute. (In anderen Teilen des Landes erst morgen.)

Es fing schon beim Frühstück an. Der Hotelmanager persönlich tupfte Farbe ins Gesicht seiner Gäste.

Holi ist das „Fest der Farbe, der Freundschaft und der Liebe“, hörte ich später einen Moderator der Menge auf Englisch erklären. Vor allem Jugendliche und Kinder treffen sich an den zentralen Plätzen der Stadt oder auch daheim in ihrem Viertel. Sie haben Beutel mit Farbpulver bei sich, die bereits am Vortag verkauft werden, und die höchste Freude, sich damit zu bewerfen oder zu beschmieren. Meistens machen sie das nur untereinander, aber je weiter der Tag fortschreitet… Da kann man auch als Tourist schon mal was abkriegen.

Im Grunde geht es zu wie bei uns im Fasching. Im Rheinland sagen wir, dass die Spaß an der Freud‘ haben. Insbesondere natürlich die Teenager, die auf diese Weise die Jungs bzw. Mädchen anmachen, äh, anmalen können.

Aber auch ganz ohne Holi geht es an den Tempelstätten der Stadt sehr farbig zu. Ob am Durbarsquare in Patan, das wie Kathmandu in früheren Zeiten Königsstadt war (mittlerweile ist es ein Stadtteil. Wenn auch der Taxifahrer betont, dass mit dem Bagmati River Kathmandu endet) oder beim „Affentempel“ Swayambunath mit seinem buddhistischen Tempelkomplex im Westen der Stadt.

Selbstverständlich wurde auch im Rainbow Childrens Home Holi gefeiert. Goma hat mir schon jede Menge Fotos geschickt. Gerne wäre ich jetzt dort!

Freuden des Touristenlebens 4: Kathmandu, Stadt der Tempel

Im Vergleich zu Kathmandu ist Pokhara ein gemütliches Heilbad, ein Luftkurort. Wenngleich ich es übertrieben finde, dass hier nicht nur die japanischen Touristen (die ja auch gern einen Sonnenschirm mit sich führen) sondern auch viele andere mit Atemmasken durch die Stadt laufen.

Kathmandu ist Metropole, es ist Abenteuer, es ist laut und quirlig und dir schwirrt der Kopf und die Füße tun dir weh. Dabei bin ich heute Nachmittag nur drei Stündchen durch Thamel, DIE Touristenecke überhaupt, gelaufen. Wer hat denn bloß das Gerücht in die Welt gesetzt, dass die Stadtverwaltung Autos und Motorräder aus den Gassen verbannt habe? Das trift auf ein paar wenige zu. In allen anderen tobt nach wie vor der Kampf um zwei Meter Straßenbreite, auf denen sich Fahrzeuge und Fußgänger drängeln und sich gegenseitig den Platz wegnehmen.

Ich bin nach einer halben Stunde Flug (diesmal leider ohne Himalayablick) gegen 14 Uhr in Kathmandu gelandet und mit dem Taxi ins M-Hotel gefahren, einem eleganten Hotel am Rande von Thamel mit heißer Dusche, sehr gutem Service und einer Dachterrasse, auf der ich mich erstmal ausgeruht und selbst verwöhnt habe.

So gestärkt habe ich mich gegen halb fünf auf den Weg zum Durbar Square gemacht. Nicht nur dort sondern eigentlich alle paar Meter stößt man auf kleine und große hinduistische Tempel. Noch gibt es viele Holzhäuser, deren Fassaden mit kunstvollen Schnitzarbeiten verziert sind und natürlich jede Menge Geschäfte.

Der Durbarsquare ist die Hauptattraktion in der Altstadt, Weltkulturerbe und leider vom Erdbeben 2015 stark beschädigt. Mehr als 50 Pagoden und hinduistische Tempel schmückten den Platz, viele davon sind leider zerstört. Dennoch macht er auch heute noch einen starken Eindruck auf den Betrachter.

Die Einheimischen gehen mit ihren Heiligtümern recht entspannt um und nutzen auch sie als Verkaufsfläche.

Woran ich mich nach zwei Monaten Ruhe im beschaulichen Pokhara auch erstmal gewöhnen muss, ist die Kakophonie der Großstadtgeräusche: das Klingeln der Rikschas, das Hupen der Autos, die Musik aus so manchem Geschäft oder Lokal, das Rufen der Händler. In Pokhara waren am lautesten die Hunde. Bei Nacht.

Außer Rand und Band

Eine schönere Abschiedsfeier hätte ich mir gar nicht vorstellen können. Es wurde getanzt, gesungen, gelacht und geweint. Und während ich das hier schreibe, kullern schon wieder die Tränen.

Zuerst gab es eine feierliche Zeremonie, die Goma durchführte. Sie hielt eine kleine Dankesrede, gab mir ein Tikka, das Segenszeichen, auf die Stirn, zwei glückbringende Schals und einen Blumenkranz. Dies sind die für solche Anlässe hier üblichen Abläufe.

Dann überreichte sie mir ein Zertifikat in einem hübschen handgearbeiteten Holzrahmen und, als künftiger Deutschlandvertreterin für Rainbowtaschen, eine solche mit einer Stickerei „I love Rainbow Children Home Nepal“ (Yes, I do!).

Dann leiteten wir mit einer Runde Sprühschnee und ein paar Kerzen den gemütlichen Teil des Abends ein.

Solche kleinen „Sauereien“ werden hier stets bei Geburtsgsfeiern abgezogen und sie heben die Stimmung ungemein. Gern hätte ich auch noch ein paar Konfettibomben gekauft, habe sie aber leider nirgendwo gefunden.

Die 500 Momos waren rasch verzehrt.

Zum krönenden Abschluss der Party spielten Sudip und Assis Gitarre und Cajon und ALLE Kinder tanzten und sangen dazu. Ich natürlich mit.

Goma hatte mich bereits gestern eingeladen, den Abend mit ihr gemeinsam in einem Lokal am See ausklingen zu lassen und blies gegen halb neun zum Aufbruch. Und dann flossen die Tränen, als ich mich von den Kindern verabschieden musste. Von allen Seiten wurde ich geherzt und geküsst und musste versprechen wiederzukommen. Die Fotos, draußen, im Dunkeln sind natürlich zu dunkel und unscharf, geben aber bei genauem Hinsehen vielleicht ein wenig der Abschiedsstimmung wieder. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich morgen alle hier verlasse.

Im Gefängnis

Keine Sorge! Ich bin nicht an meinem letzten Tag in Pokhara mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Aber Goma hatte mich schon vor einigen Tagen gefragt, ob ich Interesse hätte, sie ins hiesige Frauengefängnis zu begleiten. Unter anderem dort werden Stoffe für das Rainbow Handicraft Projekt hergestellt. Heute Vormittag war es dann so weit.

Die Einlassprozedur war denkbar schlicht. Da Goma bereits die (mündliche) Genehmigung für mich eingeholt hatte, reichte ein kurzes Gespräch mit dem Direktor aus, dann wurden wir in den Eingangsbereich geführt. Hier waren etliche BesucherInnen auf unserer Seite, die durch ein Gitter mit den Insassinnen auf der anderen Seite sprachen. Uns wurde ein einfaches Eisentor aufgesperrt und schon waren wir drin. Der erste Blick fiel auf einen kleinen Laden, in dem man Cola, Kekse, Kosmetika und anderes kaufen oder auch eine Tasse Tee trinken kann. Auch das Telefon ist hier installiert. Der kleine Sohn einer der inhaftierten Frauen lebt bei uns und ich weiß, das er täglich mit seiner Mami telefoniert.

Nach ein paar Schritten stießen wir auf eine Gruppe Frauen, die beim Dal Bhat auf dem Boden hockten – nicht ungewöhnlich für hiesige Verhälntnisse. Im Hintergrund erspähte ich den Schlafraum mit etlichem Matrazen. Die Frauen leben hier also nicht in Zellen sondern in einem großen offenen Bereich, zu dem schließlich auch die Webstühle gehören, auf denen sie unsere Stoffe herstellen.

Von den 65 Insassinnen arbeiten 17 für Rainbow Handicraft. Gern würden sich noch mehr Frauen beteiligen, denn das Weben gibt ihnen Beschäftigung und Geld. Womöglich auch eine berufliche Perspektive für die Zukunft. Aber in diesem Gefängnis ist kein weiterer Platz für Webstühle mehr.

Auch Frauen aus einem zweiten Gefängnis in Pokhara haben Interesse bekundet. Aber Goma muss erst weitere Absatzmärkte erschließen. Gut, dass es künftig die Rainbowtaschen bei mir zu kaufen gibt.😊

Abschied nehmen

Langsam rückt mein letzter Tag hier in Pokhara näher. Morgen Abend ist mein offizielles „Farewell“ im Kinderheim, Mittwochmittag geht mein Flieger nach Kathmandu, Samstag fliege ich heim. Und so nehme ich hier inzwischen bereits Abschied und bereite mich auf den letzten Tag vor.

Gestern habe ich bei Buddha Air (sic!) mein Flugticket gekauft. Dann war ich am Geldautomaten, um die 500 (sic!) Momos bezahlen zu können, die es morgen Abend zu meiner Farewellparty im Rainbow Children Home gibt. Schließlich habe ich noch meine Turnschuhe, die ich nun zwei Monate lang nahezu täglich anhatte, zum Schuster gebracht. Er hat sie genäht und geputzt und morgen werde ich sie Indrani schenken, die dieselbe Schuhgröße hat wie ich.

Ich überlege, was ich unbedingt noch machen möchte: heute Mittag am See das Essen einer rollenden Küche probieren, morgen Mittag ein letztes Mal zu Piya gehen, mich von meinem Treckingguide verabschieden, einen Entschluss fassen, ob ich Mamita zum Abschied ein kleines Armband schenke oder nicht. Wenn ich an den Abschied von ihr denke, wird mir das Herz schwer. Sie ist mir so ans Herz gewachsen. Ich hoffe, dass sie schnell über unsere Trennung hinweg kommt. Auch zu Indrani hatte ich einen engeren Kontakt und ich werde auch sie vermissen.

Da ich mit Goma in Verbindung bleibe, werde ich auf jeden Fall auch zukünftig wissen, wie es den Kindern geht. Zu überlegen wäre auch noch die Übernahme einer Patenschaft. Mit 50 Euro im Monat sind die Kosten für ein Kind für vier Wochen gedeckt. Nähere Infos hier: http://www.orphancarenepal.org/index.php?p=sponsoring&p_sub=list

Nicht zuletzt sind wir gerade dabei, die Taschen für Deutschland auszusuchen. Alles Handarbeit aus dem Rainbow Handicraft, alles Einzelstücke. Wir haben vorgestern 52 verschiedene Modelle (von der Reisetasche über den Rucksack, die Einkaufstasche und die Laptophülle bis hin zum Schlamperlmäppchen und zur Geldbörse) ausgewählt, gestern dann im Schnitt jeweils zehn Exemplare in verschiedenen Farben dazu ausgesucht. Ich habe bei Tollwood angefragt, ob ich einen Verkaufsstand etwa im Nachhaltigkeitszelt bekommen kann. Drückt mir die Daumen, dass das klappt! Ich gebe Bescheid.

Wenn ich in diesen Tagen durch Pokhara gehe, versuche ich, jedes Detail in mich einzusaugen, alles ganz bewusst wahrzunehmen. Gestern habe ich über Mittag einen dreistündigen Spaziergang am See gemacht bis ins nächste Dorf. Beim Versuch, den Weg über die Reisfelder abzukürzen, bin ich bis zu den Knien eingesunken und habe mich nur mit Anstregung aus dem Schlamm ziehen können. Nein, hiervon gibt es kein Foto 😀.

Wohl aber vom fantastischen Ausblick auf die Berge, den wir heute zum ersten Mal seit über einer Woche wieder haben. Ein Abschiedsgeschenk von Petrus?