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Chicken à la Noma

Einmal in der Woche gibt es Fleisch, nämlich am Samstag. Da gibt es Huhn zum Dal Bhat. Noma, unsere Hausmutter, bereitet es köstlich zu und so war ich um halb acht zur Stelle, um ihr bei der Zubereitung zuzuschauen und mir das Rezept zu notieren.

Für die KöchInnen unter uns hier das Rezept (Hinweis: Ihr müsst es nicht auf offenem Feuer zubereiten. Klappt auch auf dem Herd.)

Zutaten (für vier Personen):

1 kg Huhn in mundgerechten Stücken, Sonnenblumenöl, 2 mittelgroße Zwiebeln, 1 TL Kurkuma (Gelbwurz), Salz, 4 kleine Tomaten, 2 Ingwerzehen, 7 Knoblauchzehen, Fleischmasala, Koriander

Zubereitung:

Das Öl im Wok erhitzen, in Scheiben geschnittene Zwiebeln anbraten, Huhn zugeben und zusammen mit dem Kurkuma anbraten. Salzen und etwa zehn Minuten schmoren lassen. Dabei immer wieder umrühren.

Tomaten in Scheiben schneiden, Ingwer und Knoblauch fein pürieren (geht wunderbar mit einem großen flachen Stein auf einem Holz- oder Steinbrett), ebenfalls in den Wok geben und mit reichlich Masala würzen. Nochmals etwa eine Viertelstunde schmoren lassen, zum Schluss frischen Koriander beifügen.

Großreinemachen

Unsere Jungs schlafen in einem eigenen kleinen einstöckigen Häuschen, fünf Minuten vom Kinderheim entfernt. Dieses sog. „Boys‘ dormitory“ ist uns Volontären schon die ganze Zeit ein Dorn im Auge, weil es ziemlich versifft ist. Vor einigen Wochen haben Ben, Magda, Rino und ich dort gemeinsam mit den Jungen schon mal einen gründlichen Hausputz durchgezogen: fünf Schlafräume, zwei Toiletten, zwei Duschen mussten sauber gemacht werden.

Nun kam Miguel, unser neuer Volontär aus Spanien, der mittlerweile auch bereits eine Woche hier ist, auf die Idee, die Räume frisch zu streichen. Nachdem Goma ihr Einverständnis erteilt hatte, legten wir heute nach dem Frühstück mit den ersten beiden Schlafzimmern los.

Während wir erst noch ins Farbengeschäft gingen, räumten die Jungen aus, so dass wir nach unserer Rückkehr gleich loslegen konnten. Zeitungen auf die Betten und den Boden, alte Tücher über die beiden Kleiderschränke und los ging’s mit dem Abrubbeln der Decke und dem Streichen im ersten Zimmer.

Die Wände waren rasch geweißelt, die untere Hälfte mit bunter Farbe gestrichen.

Da nicht alle Jungen streichen konnten, animierte ich die übrigen (erfolgreich) zum Großreinemachen. Die anderen Zimmer wurden aufgeräumt und gefegt, alle Duschen und Clos gründlich geputzt. Nächstes Wochenende wird Miguel gemeinsam mit den Jungs die restlichen Schlafzimmer streichen.

Was für ein Genuss, als alles frisch und sauber war. Auch die Kinder konnten das sehr genießen.

Und weil wir gerade so schön im Schwung waren, wurden gleich noch ein paar ergraute Außenwände geweißelt und anschließend mit der restlichen Farbe beworfen. Nächste Woche ist hier ein Feiertag namens Holi, bei dem gehört das zum Ritual. Wir haben quasi schon mal geübt.

Medaillensegen

Nicht nur bei Olympia auch bei uns in Pokhara regnete es gestern viele Medaillen. In der „Budds Academy“, der Schule, die unsere Kleinen besuchen, war gestern „Medal distribution day“. Wer sich erinnert: neulich hatten wir großes Sportfest mit Fußballturnier und diversen Laufwettbewerben. Gestern nun wurden die Sieger geehrt und unsere Kinder haben richtig gut gewonnen.

Honoratioren waren da, die Eltern haben sich mit ihren Kindern gefreut. Mich hatten die Kinder schon vor Tagen gefragt, ob ich komme.

Es gab neben den obligatorischen Begrüßungen und Reden der Ehrengäste wieder ein sehr nettes Tanzprogramm. Goma, im Bild rechts, war als Mitglied des Elternbeirates natürlich auch da.

Gestern musste ich dann auch mal kurz an meinen früheren Chef denken, der an Schulabschlusstagen von einer Schulfeier zur nächsten eilte. So erging es mir gestern auch. Während in der Budds Academy das Programm noch auf Hochtouren lief, musste ich schon los, weil ich Asmitha versprochen hatte, zu ihrer Abschlussfeier am Gymnasium zu kommen.

Fast hätte ich sie nicht wiedererkannt.

Doch nicht nur sie, alle Mädchen hatten sich in Schale geschmissen, die meisten trugen einen Sari, einige sahen auch in ihren Jeans sehr schick aus. Den Jungen sah man übrigens die Besonderheit des Tages in keiner Weise an.

Eltern werden hier nicht eingeladen. Ich war somit die einzige externe, wurde, als ich vorsichtig um die Ecke spitzte aber sogleich von einem älteren Schüler in Empfang genommen und zu den Sitzreihen der Lehrer geleitet. Von hier aus konnte ich ganz entspannt dem Programm, das die neunte für die zehnte Klasse zusammengestellt hatte, folgen. Diesmal gab es nicht nur traditionelle Tänze, eine Schülerin tanzte eine Art Hip-Hop. Zwei Schüler sangen je ein Lied a capella, die nach Volksmusik klangen, ein Mitschüler rappte zur großen Freude des Publikums. Zum krönenden Abschluss spielte die Schulband. Die durch einen Kabelbrand im Lautsprecher entstandene Pause wurde mit Tee und Zimtschnecken überbrückt. Die Jungs hatten es drauf. Auch hier ist Stairway to heaven angekommen.

Zu Besuch

Jorgan, mein Treckingguide, hatte mich am Ende unserer gemeinsamen viertägigen Wanderung eingeladen, ihn und seine Frau zuhause zu besuchen. Er würde ein Huhn besorgen und ich solle zwischen sieben und halb acht vorbeikommen.

Also besorgte ich ein Gastgeschenk (Obst und Schokolade) und verließ heute Abend um kurz nach sieben das Kinderheim. Ich musste nur 100 Meter unsere Straße hinuntergehen, am benachbarten Guesthouse und Tennisplatz vorbei und schon stand ich vor dem kleinen Laden, den in erster Linie seine Frau betreibt.

Jargan erwartete mich bereits auf dem Gehweg. Durch den Laden hindurch ging es in das Hinterzimmer, in dem die vierköpfige Familie lebt: seine 36jährige Frau, der 16 Jahre alte Sohn und die 15jährige Tochter.

Heute war ein regnerischer kühler Tag und entsprechend frisch war es im Zimmer. Das blanke Mauerwerk und der Betonfußboden trugen nicht zu einer heimeligen Atmosphäre bei. Wohl aber das freundliche Lächeln von Mutter und Tochter – wenn sie nicht gerade vor dem Fernseher hockten. Das Essen, Dal Bhat mit Hühnchen, war reichlich und köstlich. Die beiden Männer und ich aßen als erste, Mutter und Tochter im Anschluss.

Ich saß auf einem der beiden Betten, ein Basthocker diente als Tischchen. Das weitere Mobiliar bestand aus einem Tisch, der als Ablage für Schulbücher und Kosmetika benutzt wurde, einem Regal voller Geschirr, einem Kleiderschrank und einem zweiflammigen Gasherd.

Dank Ashish, dem recht gut Englisch sprechenden Sohn, gab es nach dem Essen noch eine nette Unterhaltung, in der wir über seine Schule sprachen, die er Ende März beenden würde, seine Studienpläne (Management), sein Hobby Tennis und sogar ein wenig über Politik. Es gebe nach wie vor viel Korruption in Nepal und der junge Mann zeigte sich skeptisch, ob daran die jüngsten Wahlen etwas ändern würden.

Natürlich versuchte ich auch, die beiden Frauen ins Gespräch einzubeziehen. Da die Mutter gar kein Englisch sprach und die Tochter sich nicht recht traute, kamen wir aber nicht wirklich in einen Fluss.

Ich überlegte, ob ich wohl wegen eines gemeinsamen Fotos fragen könnte, entschied mich dann aber dagegen. Deshalb hier nur ein Foto von Jargan und mir auf unserer Wanderung.

Weil ich ja weiß, das in Nepal die Abende kurz und die Nächte lang sind, verabschiedete ich mich unter zahlreichen Dankesbekundungen um halb neun.

Ich ging noch bei der Wäscherei vorbei. Meine Wäsche war aber nicht fertig. Es hatte den halben Tag geregnet und so konnte sie nicht trocknen. Stattdessen kaufte ich halt einen Schokoriegel.

Schlemmen mit Ghee

Heute Morgen habe ich das bisher leckerste Frühstück in Nepal von Santosh Lamichane im Mountain View Homestay bekommen. Wie schon erwähnt gab es keinen mountain view, dafür aber ein Omelette mit Tomate und Rosmarin (!), Gemüse aus dem Garten, Minztee, Chapati, Honig von den eigenen Bienen und ein Klecks weißes Etwas. Auf Nachfrage erfuhr ich, dies sei Ghee. Ebenfalls selbstgemacht. Köstlich. Noch viel schmackhafter als Butter. Es wird im Deutschen als Butterschmalz bezeichnet, hat einen intensiven Geschmack und ist monatelang haltbar. Auch der Reis am Vorabend war damit gewürzt.

Nach dem Frühstück machten wir uns an den Abstieg. Zwei Stunden über die bereits vertrauten Steintreppen und – endlich mal – eine Hängebrücke hinab ins Tal.

Die allerletzte Etappe legten wir dann mit dem Bus zurück und in meinem Zimmerchen angekommen, war ich froh, mich mit warmen (!) Wasser duschen und frische Kleidung anziehen zu können. Ich zog die neue Kurta an, um mich etwas fein zu machen, denn am Abend hatten wir noch etwas zu feiern: Gomas Geburtstag.

Als ich ins Heim kam, wurde ich von Jung und Alt sehr herzlich empfangen. Wie mich das gefreut hat! Es war fast wie nach Hause kommen.

Die Vorbereitungen für die Geburtstagsfeier liefen gerade an. In einem riesigen Kochtopf, der auf einigen Scheiten Holz stand, wurde mit Kräutern und Gemüse verfeinertes Wasser für den Reis gekocht.

Dieser sollte anschließend mit Ghee und Cashewkernen zubereitet werden. Dazu wurde zur Feier des Tages Huhn und Gemüse gereicht.

Außerdem wurde heute die neue Küche eingeweiht, zu der u.a. SpenderInnen aus Neufahrn beigetragen haben. Mit Gheereis, Geburtstagstorte, Kerzen und Konfetti wurde nicht nur Gomas Geburtstag in dieser schönen neuen Umgebung gefeiert sondern auch der zweier Kinder, Indreni und Sagar.

In Wolken

Ja, Petrus ist sehr ungnädig mit mir. Nach dem Frühstück sind wir 300 Höhenmeter hochgestiegen auf den 2500 Meter hohen Aussichtsberg Panchase. Nach einer Stunde waren wir oben, doch alle Gipfel waren hinter dichten Wolken verborgen. Bei gutem Wetter hätten wir von hier aus nicht nur Annapurna Süd und Macchapucchre sondern sogar den Manaslu gesehen.

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Entschädigt wurden wir auf dem Hinweg durch ganz viele wilde Orchideen, die die Bäume mit ihren weißen Blüten dekorierten.

Auch Jorchan, der immer wieder in die Hände klatschte, um gegebenenfalls den schwarzen Bären zu vertreiben, machte mir Spaß. Außerdem gab es oben eine recht hübsche Tempelanlage und die Überbleibsel einer früheren Königsstätte.

Wir stiegen eine halbe Stunde hinab zum Panchasesee, den wir einmal umrundeten und dessen Zauber wir auf uns wirken ließen.

Schließlich das Ganze retour: hoch zum Aussichtspunkt mit Tempel und runter zum Gästehaus. Insgesamt waren wir fünf Stunden unterwegs, die gebratenen Nudeln zum Mittagessen kamen da gerade recht.
Am Nachmittag sind wir durch Wald und Wiesen zweieinhalb Stunden lang nach Makanpur (1500 Meter) gelaufen. Ab und zu sind wir Frauen begegnet, die Blätter, ich nehme an als Ziegenfutter, in großen Körben transportierten.

Gegen fünf quartieren wir uns in einem kleinen traditionellen nepalischen Häuschen ein. Ich schlafe in einem kleinen Anbau aus Holzlatten, als Dach wurde Wellblech draufgelegt. Der ältere Sohn der Familie (26) betreibt die Vermietung an Gäste, kümmert sich um die Bienen und das Honigmachen, die Ziegen und den Garten.

Nach dem Abendessen, das Jargan und ich an einem schmalen Tisch auf der Terrasse zu uns nehmen, wird ein kleines Feuerchen gemacht. Santosh erzählt, dass im Dorf fast nur noch alte Leute leben. Die jüngeren gingen ins Ausland, viele nach Dubai, oder zumindest nach Pokhara. Er habe dort auch seinen Bachelor in Gesundheitserziehung gemacht, ziehe es aber vor, hier im Dorf zu leben.

Sein Vater bringt einen großen Topf mit einer milchigen Flüssigkeit. „What’s that?“ Frühstück für die Kuh. Getreidepulver und Wasser. Wird hier jeden Abend am Feuerchen zubereitet. Die Mutter, Grundschullehrerin im Dorf, gesellt dich zu uns. Es sind nur noch zehn Kinder, die sie unterrichtet. Wohlig halten alle ihre Hände über die wärmenden Flammen, recken ihre nackten Füße der Glut entgegen. Um kurz vor neun sage ich „Gute Nacht “ und krabbele in meinen Schlafsack.

Im Dschungel

Am Morgen gab es einen kleinen Lichtblick: der Sonnenaufgang färbte den Annapurna Süd ein klein wenig rötlich. Auch der Macchapucchre zeigte sich im morgendlichen Dunst.

Doch das war’s dann auch für den Rest des Tages. Kein weiterer Bergblick mehr und auch die Aussicht auf die uns umgebenden terrassierten Felder war verhangen.
Die Nacht zuvor in meinem Zimmerchen war eisig kalt, gut, dass ich meinen warmen Schlafsack dabei habe.

Zum Frühstück gab es Milchtee, Spiegeleier und tibetian bread, das stets frisch gebacken wird. Es ist eine Mischung aus Mehl, Wasser, Salz und Backpulver, die zu einem runden Fladen in der Größe einer Single (weiß jeder, was DAS ist?) in einer Pfanne ausgebacken wird.

Danach sind wir rund zwei Stunden über die hier sehr beliebten und gut gepflegten Steintreppen abgestiegen, haben uns auf einer steten Höhe von rund 1700 Metern durch Bauernhöfe und Dörfer geschlängelt und gegen halb eins Mittagspause gemacht. Bei der Gelegenheit habe ich ein deutsches Paar getroffen, die für drei Jahre hier sind. Beide in Rente, beide bei einer NGO ehrenamtlich tätig.

Und dann ging es in den Dschungel. Drei Stunden liefen wir auf einem schmalen Pfad. Riesige Bäume, vor allem Rhododendren verschiedenster Art, Riesenfarne, Flechten und wilde Orchideen um uns herum. Ab und zu haben wir ein „Junglechicken“ aufgeschreckt, also ein hier wildlebendes Huhn. Die ebenfalls hier heimischen schwarzen Bären und Leoparden ließen sich zum Glück nicht blicken.

Gegen fünf erreichten wir unser Tagesziel, den kleinen Weiler Bhanyiang auf 2200 Meter Höhe, in dem es sechs Gästehäuser gibt und sonst nichts. Wir quartierten uns auf Anraten der Deutschen, die wir mittags getroffen hatten, im „Happy heart“ ein, das von zwei sehr freundlichen Schwestern betrieben wird. Zum Abendessen gab es Dal Bhat für alle. Und danach in großer Runde den lokalen Schnaps Raksi, der aus Hirse gewonnen wird und warm aus Teebechern (voll!) getrunken wird. Ein erster Selbsttest ergab: das Zeug ist lecker und kann nicht viel Alkohol haben, denn auch die zweite Runde wärmte den Bauch, hatte aber sonst keinerlei Folgen.

Drei Franzosen meines Alters, eine junge Argentinierin mit ihrem Vater, ein junges Schweizer Paar, die beiden Besitzerinnen des Gästehauses und drei nepalesische Guides saßen in der Küche eng im Qualm des Herdfeuers beisammen.

Da in Nepal die Abende kurz sind, war die Party dann auch gegen halb neun zu Ende. In meinem Zimmer, rechts und links gut durchlüftende Naturholzbretter, an den Stirnseiten mit Lehm verkleidete Steinmauern, war es sogar zum Lesen zu kalt, so dass ich mich bald in meinem Schlafsack vergrub. In der ersten Nachthälfte glaubte ich, gar nicht zu schlafen, in der zweiten wurden mir dafür viele kurze bunte Träume geschenkt.

Seit kurz nach sechs bin ich an meinem dritten Wandertag auf, im Clo mit eiskaltem Wasser eine Katzenwäsche gemacht, Sonnenaufgang bewundert. Jetzt sitze ich im Freien, warm angezogen, Mütze auf dem Kopf und warte auf mein Frühstück. Hier gibt es übrigens kein Netz, so dass ich nicht weiß, wann ich diesen Blogbeitrag veröffentlichen kann. Was ich aber ziemlich sicher weiß: auch heute werden wir den Himalaya nicht sehen. Dunst und Woken und Nebel und ach.

Auf den Spuren von Mick Jagger

Google weiß, das in den 80ern Prinz Charles mit großer Entourage hier war, ebenso Mick Jagger. Beide sollen begeistert von dieser einfachen Wanderung am Fuße des Annapurna gewesen sein, die seit dem britischen Prinzen „Royal treck“ genannt wird.

Vielleicht hatten sie eine tolle Sicht auf die 7- und 8000er. Vielleicht haben die Rhododendren geblüht. Vielleicht waren sie einfach in netter Gesellschaft und hatten Spaß miteinander.

Jogan, mein guide, und ich sind um acht Uhr mit dem Taxi in ein kleines Dorf nordöstlich von Pokhara gefahren und um 9 Uhr ging es los. Viele, viele Steintreppen hoch, vorbei an kleinen Bauernhöfen, Gemüsegärten und Reisfeldern.

Es ging durch den Wald, wo er mir Stories aus seiner 20jährigen Treckingerfahrung erzählte. Einen Tiger habe er gesehen, der eine Ziege riss. Nicht hier, aber großräumig betrachtet in der Gegend. Einen kleinen Bären, der eine mitreisende Touristin völlig verschreckt hat. Und eine junge Wandererin, die sie erst letzte Woche morgens tot in ihrem Zimmer in einer Lodge auf dem Weg zum Annapurna Basecamp gefunden haben. Herzschlag vermutlich.

So weit so gut. Auch wenn ich nur einen einzigen blühenden Rhododendron gesehen habe, war die Wanderung bisher recht schön. Warum sie dann aber um halb zwei für beendet erklärt wurde, wir uns im kleinen Ort (eine kurze Straße, zehn Lodges, null Touristen) Pokhanda in einem Guesthouse einquartierten, entzieht sich meinem Verständnis. Die Momos zum Mittagessen, der zehnminütige Spaziergang durch den Ort, der kurze Mittagsschlaf, die Lektüre meines aktuellen nepalischen Bestsellers, „Summer Love“ von Rubin Bhattarai, halfen nicht darüber hinweg, dass es kühl und unwirtlich wurde, der Nachmittag und Abend sich ewig zogen und ich recht enttäuscht war über meinen ersten Wandertag.

Unsere Lodge sieht in der Mittagssonne recht freundlich aus und so hoffe ich auf einen freundlichen Morgen und einen ausgefüllten Wandertag morgen.

Die Häuser wachsen und gedeihen

Heute hat mich Goma spontan eingeladen, mit zur Farm zu fahren.  Was für eine Überraschung, die Häuser zu sehen, an denen wir neulich mitgearbeitet haben! Sie wurden innen und außen mit Lehm verkleidet, was nicht nur schön aussieht, sondern auch wasserabweisend ist und für gutes Raumklima sorgt. Einige der älteren Mädchen aus dem Kinderheim, unser Fahrer Moti (der ja seit dem Unfall kein Auto hat) und unsere Gärtnerin Haremeyer waren gerade dabei, eine dritte und damit letzte Schicht aufzubringen.

Auch das dritte Haus wurde begonnen, Es ist um einiges größer als die beiden anderen und bekommt einen zweiten Stock als Schlafebene.

Die weitsichtige Goma möchte hier künftig nicht nur Landwirtschaft betreiben sondern spielt mit dem Gedanken, in dieser ländlichen Idylle auch Yoga und Meditation anzubieten.

Farewell, Caro!

Ab jetzt halte ich hier ganz allein die Stellung. Heute morgen ist nun auch Caro abgereist. Jedesmal, wenn uns ein Volontär verlässt, gibt es am Abend vorher eine kleine Zeremonie. Die Kinder werden zusammengerufen und Goma hält eine kleine Ansprache, in der sie sich beim Betreffenden für seine Hilfe und sein Engagement bedankt. Dann gibt es Tikka, das Segenszeichen, einen Blumenkranz, ein Zertifikat und einen Freundschaftsschal. Alle Kinder applaudieren kräftig und schweren Herzens wird Abschied genommen.

Bisher war es so, dass die verbleibenden Volontäre gemeinsam mit demjenigen, der uns verließ, dann noch einen fröhlichen Abschiedsabend verbracht haben. So auch Caro und ich. Wir waren in einem hübsch eingerichteten japanischen Restaurant, haben uns eine köstliche Flasche australischen Rotwein geteilt und auf die gemeinsam verbrachte Zeit im Rainbow Childrens Home und unser wunderbares Mandala, das wir gestern pünktlich fertiggestellt haben, angestoßen.

Ich habe schon geunkt, dass ich in 12 Tagen zu meinem Abschied  ganz allein sein werde. Wir werden sehen. Bisher war Nepal ja immer noch für eine Überraschung gut.