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Halbzeit

Heute in einem Monat bin ich wieder daheim und ich freue mich schon riesig darauf. Ich habe jetzt Halbzeit und versuche mal, eine kleine Zwischenbilanz.
„Was fehlt dir hier am meisten?“, fragte Kollegin Caro mich in der Mittagspause, als wirin einem koreanischen LokalKimchiprobiert haben.
Meine Liebsten und Lieben. Das ist klar. Das Joggen am Morgen, ein gutes Frühstück (mit gutem Brot, Käse, Schinken, Ei, Obst. Ja, ich nehme auch noch ein bisschen Lachs und Orangensaft ☺️). Mein Klavier und meinChor. Das mit der warmen Dusche lasse ich jetzt mal beiseite. Mehr eigentlich nicht.

Hab ich etwas gelernt? Ja.

Mir ist einmal mehr sehr bewusst geworden, wie privilegiert wir leben. Wie hoch unser Lebensstandard ist und wie fraglich, ob wir all das wirklich brauchen. Und wie wenig dankbar ich oft dafür bin, weil ich es als Selbstverständlichkeit nehme.

Ich denke, dass ich etwas geduldiger geworden bin. Nicht alles muss sofort passieren, auch mit den Plänen kann ich mir mehr Zeit lassen. Ich weiß, dass ich noch ein paar Tage zum Trecken gehen möchte, aber ich muss nicht jetzt auf den Tag genau festlegen, wann. „Wenn die Sicht am Morgen wieder gut ist“, reicht mir als Anhaltspunkt gerade völlig aus.

Wenn wir einen Ausflug machen, weiß ich inzwischen, dass wir fast eine Stunde brauchen, bis alle angezogen sind, bis alle da sind. Es stört mich ebenso wenig wie der Umstand, dass es im Lokal eine Weile dauert, bis das Essen kommt und dass die Speisen, die man gerne zusammen essen möchte, getrennt voneinander kommen. Wenn ich das partout nicht möchte, muss ich es ausdrücklich sagen. Meistens ist es mir aber egal.

Ich glaube auch, dass die Zeit hier ein sehr gutes Training für mehr Toleranz ist. Höflichkeitsformen wie „Danke. Bitte. Entschuldigung. Auf Wiedersehen“ stehen hier nicht sehrhochim Kurs. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Natürlich auch an das Rotzen und Spucken (ich bin sicher, dass man hier meine Art, die Nase zu putzen, nicht mag. Deshalb versuche ich, das auch immer diskret zu erledigen.)

Meistens, zugegebenermaßen nicht immer, bin ich recht entspannt, wenn die Dinge hier nicht so laufen wie wir es von Zuhause gewohnt sind: wenn beispielsweise der Strom ausfällt, kein Wasser da ist (blöd war’s allerdings, als es neulich versiegte und ich den Kopf noch voller Shampoo hatte), die Verabredungen nach „Nepali-Time“ (= plus ein bis zwei Stunden) erfolgen. Als mich mein Yogalehrer neulich allerdings komplett versetzt und auch auf meine Nachrichten zwei Tage nicht reagiert hat, war von fernöstlicher Gelassenheit bei mir nichts zu spüren. Da war ich einfach nur sauer.

Ich freue mich, dass ich das hier erleben darf. Dass ich in eine doch sehr andere Welt eintauchen kann und bin erstaunt, wie schnell diese dann doch mit den Wochen ganz alltäglich werden kann.

Ich habe eine Weile gebraucht zu kapieren, dass ich die Älteste auf weiter Flur bin. Für unsere Kleinen bin ich zum Teil die Ama, die Großmutter. Und doch habe ich zu den anderen Volontären, die in den Zwanzigern sind, einen guten Draht.

Ich sehe, was alles möglich ist und bin neugierig, was ich hier in Nepal, daheim und in anderen Teilen dieser Welt noch erleben werde. Getreu meinem Motto: „Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste.“

Samstag ist Waschtag

Für die Jüngeren unter uns: als noch nicht jede Wohnung, jedes Haus mit Gas- oder Ölheizung ausgestattet war, sondern im Badezimmer ein Kohleofen stand, der für heißes Wasser sorgte, war es auch bei uns üblich, (nur) am Samstag zu baden und zu waschen.

Hier ist der Samstag der einzige freie Tag in der Woche, Sonntags ist kein Feiertag. Und so wird der Samstag genutzt, um sich und seine Sachen zu waschen. Ich schrieb es ja nun schon des öfteren: eine Memme darf man hier nicht sein. Duschen und Haare waschen passieren hier mit kaltem Wasser. Die älteren Kinder nutzen dafür ein kleines Bad neben ihren Zimmern. Die Kleinen waschen sich im Freien, dort, wo auch die Wäsche gewaschen wird. Entweder wird gleich der Schlauch hergenommen oder das Wasser wird mit einem Becher aus einem Trog geschöpft. Als Shampoo dient ein Stück Seife.

Die Kleidungsstücke werden anschließend gleich von Hand eingeseift und gewaschen. Für die kleinen übernehmen die großen Mädchen die Wäsche. Da ich heute Marmita beim „Duschen“ helfen durfte, habe ich mich danach an ihre Wäsche gemacht. Zum Trocknen steigt man aufs Dach und wenn, wie in unserem Fall schon alle Wäscheleinen besetzt sind, hängt man die Wäsche über die Brüstung. Gut, dass es nicht windig ist.

Es war eine Freude, die frisch gewaschenen und sauber gekleideten Kinder zu sehen, als wir uns um fünf alle versammelt haben, um in den Kinogarten zu gehen. Einige der älteren Mädchen legen schon viel Wert auf ihr Aussehen. Sie frisieren und schminken sich und ziehen ihre besten Kleider an, wenn wir ausgehen.

Sport von früh bis spät

Ein wenig übertrieben ist diese Überschrift, ich gebe es zu. Denn ganz in der Früh, um kurz nach acht, lädt mich Goma heute zum Frühstück in ein hübsches Restaurant am See ein. Wie ich zu dieser außerordentlichen Ehre komme, weiß ich nicht (sie ist ein eher distanzierter Typ, der uns Volontäre nicht gerade hätschelt). Aber egal. Ich freue mich und wir verbringen eine interessante Stunde miteinander, in der sie viel über sich, die Kinder und das Heim erzählt. Darüber werde ich bald in einem eigenen Beitrag nochmal ausführlicher berichten.

Doch nun zum Sport. An einer der Schulen, die unsere Kinder besuchen, ist heute Sportfest, das in einem großen Park am See ausgetragen wird. Schon am Vorabend fragen uns einige Jungs, ob wir zum zugucken und anfeuern kommen. Das ist doch Ehrensache! Begleitet von Sagar und Kamal machen wir uns um 11 Uhr auf den Weg. Die beiden müssen heute nicht zur Schule, weil an ihrer Schule wieder ein Feiertag ist (sollten deutsche SchülerInnen hier mitlesen, werden sie sicherlich neidisch). Als wir angekommen, rennt uns Baban entgegen. „Come, come!“ Seine Fußball-Mannschaft ist im Finale und das Endspiel geht gleich los.

1 : 0! Super! Nach dem erfolgreichen Spiel schauen wir, was sonst noch so auf dem Programm steht. 500-Meter-Lauf, Sackhüpfen, Tauziehen. Außerdem binden sich die Kinder paarweise mit einem ein Tau an den Fesseln zusammen und müssen nach dem Startschuss 50 Meter um die Wette rennen. Bei einem weiteren Laufspiel hat jedes Kind einen Löffel mit einer Murmel drauf im Mund.

Anders als daheim sind hier die Verpflegungsstände. In eine Tüte wird eine frei wählbare Mixtur aus Kartoffelstückchen, Zwiebeln, Mais, Reisflakes und vielem mehr gegeben. Die Jungs lassen uns probieren. Schmeckt gar nicht schlecht und ist jedenfalls erheblich gesünder als Chips, Flips und Würstchen.

Nach zwei Stunden haben wir genug gesehen und machen uns auf den Heimweg. Wir laden Sagar und Kamal zum Mittagessen ein und begeistert bestellen sie sich Momos und Limo. Auch für sie eine angenehme Abwechslung zum ewigen Dal Bhat.

Nachdem wir die Jungs wieder daheim abgeliefert haben, gönnen Caro und ich uns erstmal eine Mittagspause. Kaffee und ein kurzes Schläfchen. Als ich gegen vier wieder im Heim auftauche, hocken alle vor dem Fernseher, außer Marmita. So nutze ich die Gunst der Stunde und mache mit ihr einen Spaziergang zum See. Zuerst schauen wir in unserem Garten vorbei und begrüßen die Kuh. Dann trinken wir ein Lassi am Ufer.

Zurück erwartet mich Anjeli schon mit den Badmintonschlägern. Mit wechselnden Partnern spiele ich auf der Straße bis weit nach Einbruch der Dunkelheit. Die Straßenlampe liefert spärliche Beleuchtung, aber wir treffen trotzdem noch ab und zu den Ball.

Freuden des Touristenlebens 3: 24 hrs. Fress Fish

Dieser Aufforderung, 24 Stunden lang frischen Fisch zu essen, bin ich umgehend nachgekommen (die fehlenden 22 muss ich bei meinen nächsten Besuchen einbringen).

Mein freier Tag begann heute mit einem gemütlichen Lesestündchen im Schlafsack. Seine Fortsetzung fand es eine Weile später bei meinem Kaffeemann. Eigentlich wollte ich dann am See frühstücken. Da mir aber klar war, dass der direkte Bus zum Begnassee nicht allzu häufig fahren würde, erkundigte ich mich am Busstand vorsorglich nach der Abfahrtszeit. Der Junge, der mir gerade Apfelteigtaschen angeboten hatte, kannte sich aus: „This bus in five minutes!“ Zum Frühstück gab es also eine Apfeltasche im Bus.

Für die einstündige Fahrt an den rund 15 Kilometer entfernten Begnassee zahlte ich 50 Rupien, also etwa 40 Cent (liest jemand vom MVV hier mit??). Unzählige Male rief der Beifahrer unser Ziel den Fußgängern am Straßenrand zu : „Begnas! Begnas!“ Wie so oft in den letzten Tagen ist es diesig und kühl. Etliche Menschen haben deshalb ein kleines Lagerfeuer entfacht, um sich ein wenig aufzuwärmen. Die Palmen und Bananenstauden wirken bei diesen Temperaturen irgendwie deplatziert. Kühe klauben Essbares vom Straßenrand auf. Stehen sie mitten auf der Straße, werden sie vom Fahrer kunstvoll umkurvt. Auf Baustellen längs des Weges zeigt sich ein hier schon oft gesehenes und dennoch ungewohntes Bild : Frauen beladen Tragekörbe mit Ziegelsteinen, platzieren sie so, dass der Tragegurt entlang ihrer Stirn verläuft und schleppen ihre schwere Last über die Baustelle. Es sind einige darunter, die erheblich älter sind als ich.
Nach einer Dreiviertelstunde lockert die Wohnbebauung auf und der Blick fällt auf Felder mit Kartoffeln und Gemüse, auf Heuhaufen und Ziegen, die am Straßenrand grasen.

Gegen 12 Uhr erreichen wir Begnas. Nach einem kurzen Spaziergang durch eine schmale Geschäftsstraße erreiche ich den See. Zwar kämpft die Sonne mit aller Kraft, sie schafft es aber nicht, den Nebel aufzulösen.

Die Möglichkeiten zum Spaziergang sind sehr beschränkt und so suche ich mir ein Restaurant zum Mittagessen. Auf einer Dachterrasse überm See sitze ich als einziger Gast. Frisch gegrillter Fisch aus dem See und Bananenpfannkuchen buhlen gemeinsam mit dem trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) Nebels faszinierenden Ausblicks um meine Gunst. Wie in Gaze eingehüllt sitze ich hier auf meinem Ausguck und bin jetzt einfach mal still und glücklich.

Exkursion zum Manaslu

Heute ist hier  einer von über hundert Feiertagen, die es im Jahr gibt. Und zur Feier des Tages haben wir den Manaslu bezwungen. 22 Kinder, zwei Studentinnen, Caro und ich. Unser Manaslu war zugegeben keine 8000 Meter hoch. Aber für unsere Kleinen, z.B. den zweijährigen Serjen, war auch die Attrappe im International Mountain Museum eine echte Herausforderung.

Für Caro und mich war bereits der Hinweg eine Challenge: mit dem öffentlichen Bus, zweimal umsteigen, mindestens vier Hauptstraßen überqueren und rund zwei Kilometer laufen, teils entlang der Hauptstraße. Ohne Gehweg. Aber mit unseren Kindern überhaupt kein Problem. Sie sind so brav und umsichtig! Was ich besonders gern mag, wie achtsam die größeren mit den kleinen umgehen.

Unser heutiges Ziel war das International Mountain Museum, das einen guten Einblick in das Leben der Bergvölker und die Geschichte der Himalayabesteigungen gibt. Wo es plastisch wurde, etwa durch Puppen, Ausrüstungsgegenstände, ein imitiertes Lagerfeuer oder einen Film,  waren auch unsere Kinder begeistert dabei. Großes Interesse fand auch eine Serie von Fotos, die jeweils ein Paar in stammestypischer Tracht zeigten. Hier in Nepal gibt es eine Vielzahl von Stämmen und jeder freute sich, seinen eigenen hier im Museum abgebildet zu sehen.

Ganz viel Spaß hatten die Kinder dann draußen beim „Bergsteigen“, beim Ritt auf einem Stier und beim Beobachten riesengroßer Goldfische.

Mandarinen und Kekse stillten den ärgsten Hunger auf dem Heimweg. Und mit unserem Bus hatten wir dann auch noch großes Glück, denn er brachte uns direkt zum See und wir konnten ganz gemütlich die Uferpromenade entlangschlendern, um nach Hause zu kommen.

Caro und ich beendeten diesen schönen Tag mit einem köstlichen Essen in einem kleinen japanischen Restaurant um die Ecke. Sayonara.

Twinkle, twinkle little star 

Aus dem Klassenzimmer der Kleinen tönt ein vielstimmiges Gemurmel. Jeder liest laut einen Text vor sich hin. Mal auf Englisch, mal auf Nepali, was gerade so anliegt. Laxchin stimmt gar ein Lied aus seinem Schulbuch an: „Twinkle, twinkle little E-Star“ (hier in Nepal haben Viele ein Problem damit, ein S plus Konsonant am Anfang eines Wortes auszusprechen. Deshalb wird aus Star E-Star oder aus School E-School).

Morgens vor der Schule eine Stunde, am Nachmittag nach der Schule auch nochmal mindestens eine Stunde sind Lernen und Hausaufgaben im heimischen Klassenzimmer angesagt. Ob das bei den Kleinen wirklich was bringt? Keine Ahnung. Maximal werden monoton Texte abgeschrieben und oder laut gelesen. Manchmal gar mit einer Melodie unterlegt. Konzentrieren kann sich bei diesem Lärmpegel eh keiner.

Zwei Stockwerke höher bei den Großen ist es nur unwesentlich besser. Zwar wachtdort ein Lehrer über die Strebsamkeit seiner Zöglinge. Dennoch scheint mir das Lernen nur bei einzelnen Kindern konzentriert vonstatten zu gehen. Die anderen blättern recht chaotisch mal hier, mal da. Das System erschließt sich mir nicht.

Heute war mal einer der wenigen ganz normalen Schultage, die ich bisher erlebt habe. In den beiden ersten Wochen waren Winterferien gefolgt von einer Vielzahl  von Feiertagen.
Nach dem Frühstück (Dal Bhat um 9 Uhr) ziehen sich die Kinder ihre Schuluniformen an und  die Kleinen versammeln sich auf dem Gehweg vor dem Haus. Bis alle da sind, vergehen leicht mal 20 Minuten. (Das ist schnell, verglichen mit unseren Aufbrüchen zu Ausflügen. Bis da alle fertig sind, dauert das auch mal eine Stunde.) Dann queren wir gemeinsam die Straße, passieren einen kleinen Park (der so genannt wird, weil hier vier wunderbare große alte Bäume stehen. Rasen oder Blumen gibt es hier keine) und nach zwei Minuten habe ich die Kinder in ihrer Grundschule abgeliefert.


Die Großen gehen natürlich allein, aber heute forderte mich Indreni auf, sie zu begleiten. Was ich sehr gern tat und ich staunte nicht schlecht, als ich das morgendliche Zeremoniell auf ddem Schulhof sah. In Reihen nach Schulklassen geordnet standen die Kinder dort. Auf mich wirkten die unisonen Bewegungsabläufe wie eine Mischung aus Beten und leichter Frühgymnastik. Ein einzelner Junge sang noch ein kurzes Lied ins Mikro. Dann durften die Kinder Reihe nach Reihe abtreten.
Schön, dass morgen wieder Feiertag ist.

 

 

Frozen

Nein, keine Angst! Auch wenn ich immer über mein kaltes Zimmer, das kalte Wasser und die zugigen Kneipen jammere,  eingefroren bin ich noch nicht.  Bei 20 Grad tagsüber auch ein Ding der Unmöglichkeit.

Frozen heißt der Film von Walt Disney, den es heute im Moviegarden gab. Jede Woche eine Neuentdeckung für mich. Macht wirklich Spaß. Noma bereitet stets zwei riesige Säcke Popcorn für uns und dann lassen wir uns in die Handlung entführen und zittern mit, egal ob es wie diese Woche um Eisprinzessinnen wider Willen, um das Schicksal ausrangierter Spielzeuge (Toys Story / letzte Woche) oder um freiheitsliebende Wildtiere aus dem New Yorker Zoo (Madagaskar/vorletzte Woche)  geht.

Heute waren wir mit 22 Kindern dort – sehr zur Freude der Kinobetreiber, die ja den frühen Samstagsfilm bei freiem Eintritt den Kindern gewidmet haben. Eine wirklich tolle Einrichtung! Ich gehe unter der Woche ja auch allein einen Abend hin. Letzten Mittwoch habe ich mir den wunderbaren Film „Grand Hotel Budapest“ (nach einer Novelle von Stefan Zweig) angesehen.

Tagsüber haben wir einen Ausflug zum Davis Falls gemacht – einem kleinen Wasserfall im Südwesten der Stadt. Der Pardi Khola hat sich im Kalksteinmassiv eine beeindruckende Schlucht geschaffen. Unmittelbar unterhalb des Wasserfalles versinkt er für 150 m, verläuft unterirdisch bei der Gupteshwor Mahadev Cave und tritt 500 m weiter südlich wieder zu Tage. Seinen Namen erhielt der Wasserfall 1961, als dort das Schweizer Ehepaar Davis schwimmen ging. Die Frau ertrank, als sie in einen Schlund des Abflusses geriet. Ihre Leiche wurde drei Tage später geborgen. 


Wir haben Gott sei Dank nichts gruseliges erlebt. Vielmehr hatten alle Spaß bei der Busfahrt, trotz dreimaligen Umsteigens, beim Anblick der Schlucht und des kleinen,  gar nicht spektakulären Wasserfalls, beim Fotoshooting und Eisessen.

Und jetzt bin ich  hundemüde. Mir fallen die Augen zu. Shuva Rati, gute Nacht! ten



Häuser bauen

Heute Vormittag haben wir so geschuftet, dass uns jetzt jeder Knochen im Leib weh tut. Kein Wunder, wir haben mitgeholfen, ein Haus fertig zu bauen. Wie das?

Nader Khalili (geb. 1936 in Teheran) gilt als Pionier der Selbstbausysteme in der Dritten Welt. Seit 1975 beschäftigt sich der Architekt mit dem Bau von kleinen Häusern aus Erde. In seine Fußstapfen getreten ist vor acht Jahren der heute 24jährige (!) Amerikaner Lukas Trotman, der gemeinsam mit einem Freund eine kleine Firma gründete und nun Trainings für Volontäre aus aller Welt gibt, die gemeinsam mit ihm Khalilis Häuser vor allem in Nepal nachbauen. Der riesige Vorteile: sie sind extrem widerstandsfähig gegen Erdbeben, ihr Bau ist schnell erlernt und die Materialien finden sich zum großen Teil vor Ort.

Auch auf der zum Rainbow Children Home gehörenden Indreni Organic Farm baut Luke gerade zwei solcher Häuser. Gestern ging der dreiwöchige Workshop mit jungen Leuten aus zehn verschiedenen Nationen zu Ende und eine Schicht fehlte noch. Da wir im Waisenhaus diese Woche fünf Volontäre sind (drei junge Australier verstärken uns für eine Woche), wurden wir gefragt, ob wir nicht mithelfen wollten, das Haus fertig zu bauen. Klar, wollten wir.

Nach dem Frühstück um hab neun fuhren wir los. Die Farm liegt etwa 40 Autominuten nordöstlich des Phewa-Sees in hügeliger Landschaft. Hier werden Getreide und Gemüse angebaut, Ziegen, Gänse und Hühner gehalten.


Superadobe nennt Khalili sein System, lokal vorgefundene Erde in Plastiksäcke abzufüllen und sie in Lagen zum Haus aufzuschichten. Die einzelnen Lagen werden gegeneinander mit Stacheldraht fixiert. Unsere Aufgabe heute bestand darin, für die letzte  noch fehlende Lage, die Erde zunächst mit so viel Wasser zu benässen, dass sie eine leicht klebrige Konsistenz hatte und sie dann in (vielen, vielen, vielen) Eimern zum Neubau zu schleppen und aufs Dach zu hieven. Dort wurde sie dannn in die Plastikschläuche gefüllt (die übrigens aus recyceltem Kunststoff sind. Es gibt eine einzige Firma in Nepal, die dies macht), komprimiert und an Ort und Stelle in die richtige Position gebracht.

Oh, mein armer Rücken. Gut, dass ich nachher Yoga habe.

Die Häuschen verfügen über seinen zentralen Wohnraum, ein kleines Bad und einen Schlafplatz in luftiger Höhe und können von fünf bis sechs Leuten bewohnt werden (ich fände es zu zweit ganz heimelig).

Die Dachkonstruktion hat Lukas entworfen und sie wird nach seinen Vorgaben von heimischen Handwerkern gebaut.


Wer Interesse an einem Aufenthalt als Volunteer auf der Farm hat, kann sich an Goma Dakhal wenden und auf der website weiter informieren: http://www.indreniorganicfarm.com.

Die Indreni Farm wird die Häuschen zum Teil für Agrotourismus nützen. Außerdem soll die Farm auch erwachsen gewordenen Kindern aus dem Waisenhaus eine Arbeits- und Lebensgrundlage bieten, so dass auch für diese Wohnraum benötigt wird.

Wir sind zwar kaputt aber auch wirklich sehr beeindruckt.

Kleine Freuden des Alltags

– die freundlich grüßende alte Frau auf der Straße

– der 11jährige Sagar, der beim Spaziergang meine Hand hält

– Marmita, die es sich auf meinem Schoß gemütlich macht

– dass gestern Abend der Strom wieder da war und mein Heizöfchen für eine angenehme Temperatur sorgte

– der würzige heiße Milchkaffee in der Morgensonne

– der Anblick des Apothekers, der sich auf der Straße rasiert

– WhatsApp – Grüße aus der Heimat

– die spontane Einladung Gomas, sie zur Farm zu begleiten (davon mehr morgen)

Klagemauer

Ach, heute ist so ein Tag, da könnte ich mich mal so richtig beklagen, beispielsweise darüber,

dass ich mir immer mit laukaltem Wasser die Haare waschen muss,

dass die Verwendung eines Taschentuchs nicht zum hiesigen Kulturkreis gehört und man immer aufpassen muss, wer gerade wohin rotzt und spuckt, um nicht versehentlich getroffen zu werden,

dass man sich abends beim Essen alles abfriert, weil die Lokale nicht geheizt werden und meistens auch keine Fenster und Türen haben,

dass die Clos stinken,

dass Goma uns Malerarbeiten anschafft und ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass wir die Materialkosten übernehmen (Danke an dieser Stelle an Margarete und Ralf!),

dass ich gemeinsam mit meinem Hauswirt auf eine Journalistin warte und nicht nur diese nicht zur verabredeten Uhrzeit kommt, sondern er und seine Frau mich nach einer halben Stunde mit den Kindern allein lassen, weil, ja keine Ahnung.

Pscht! Schluss jetzt damit! Andere Länder, andere Sitten und so. Und das war doch auch das, was ich erleben wollte. Also aufhören mit der Jammerei! Aber dass nicht alles Gold ist, was glänzt, darf schon auch mal gesagt werden – aber das habt Ihr Euch eh schon gedacht.