Eine weitere Woche ist vergangen und so habe ich heute erneut einen freien Tag. Wie immer werde ich um fünf durch ein lautes anhaltendes Motorengeräusch geweckt. Warum bloß röhrt um diese Uhrzeit ein Traktor vor unserem Haus? Heute bin ich wach genug, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ich schwinge mich aus dem Bett, trete auf meinen Balkon und schaue auf die Straße hinunter. Es ist ein vollbeladener Bus mit vielen müden Menschen (wahrscheinlich Menschen, die zur Arbeit müssen), dessen Fahrer meint, dass ein Motor besser läuft, wenn er sich schon warm gelaufen hat. Nun, wenigstens hat sich nicht ein Landwirt in unser Wohnviertel verirrt.
Ich stelle mein Heizöfchen an und krabbele wieder in meinen Schlafsack. Als ich um halb acht wieder wach werde, ist es fast angenehm warm im Zimmer. Für meinen Morgentee hatte ich gestern bereits ein paar feine Ergänzungen besorgt: Zucker, Pfeffer und Marsala. Köstlich. Na einem Teestündchen mit Buch im Bett reinige ich mich und das Zimmer und bin gegen zehn startbereit.
Ich entscheide mich, zu Fuß zu gehen und mache ich mich auf den Weg zum Bindhyabasini Tempel im Norden der Stadt. Es sind knapp vier Kilometer, die mich durch das eigentliche Zentrum von Pokhara führen. Hierher verirrt sich kein Tourist. Wenn diese nicht in den Bergen oder beim Paragliden sind, tummeln sie sich in „Lakeside“, also am Ufer des Sees und den umliegenden Straßen, wo es alles gibt, was das Touristenherz so begehrt.
Pokhara hat rund 300 000 Einwohner und dementsprechend mehr zu bieten als ein paar (zugegeben sehr hübsche Sträßchen) am See. Das städtebauliche Konzept hier lautet: im Erdgeschoss Handel, Gewerbe und Handwerk, drüber wird gewohnt. Die Vielzahl der Läden ist beeindruckend. Lebensmittel, Haushaltswaren, Möbel, Tischler, Spengler, PCs, Autorepaturwerkstätte und – Eierschachtel-en gros-Verkaufsstelle. Wirklich wahr!
Zwischendurch sieht man Frauen, die große Bastkörbe auf dem Rücken tragen, in denen sie Mandarinen oder Kräuter feilbieten; Männer, die auf ihren Fahrrädern allerlei Leckeres wie Erdnüsse oder Zuckerzeug anbieten. Manchmal steht so ein Fahrrad auch am Straßenrand, und es ist ein Reiskocher oder eine Schale mit heißen Kohlen darauf installiert – eine fahrbare Garküche also.

Nicht jeder Haushalt hier hat eine Trinkwasserleitung im Haus (auch wir im Rainbow Childrens Home nicht), so dass man Wasser an großen Brunnenanlagen holen muss.
Und all das mit Himalayblick! Das ist wirklich unglaublich. Man schlendert durch die Straßen und schaut auf die Gipfel des Annapurna.
Nach rund zwei Stunden bin ich am Ziel. Vor der Tempelanlage wurde ein Garten mit vielen blühenden Blumen und schattenspendenden Bäumen angelegt. Die kleinen Tempelchen selbst sind verschiedenen Gottheiten gewidmet und laden zum Beten und Besinnen ein.
Mir seht der Sinn aber noch nach etwas ganz anderem: ich möchte meine Garderobe aufbessern. Und so mache ich mich auf die Suche nach einer Tunika, wie sie hier sehr viele Frauen tragen und sie mit Leggings kombinieren. Umsonst bekommt man auch hier die Kleidung nicht. Nachdem ich eine Kombination gefunden habe, die mir gefällt, bin ich immerhin 20 Euro los. Die Hose, die man hier gar nicht sieht, ist übrigens von H & M:-).
Da ich heute Abend meine zweite Yogastunde habe und es dabei vor allem um mein drittes Chakra gehen soll (ja, warum denn auch nicht), kaufe ich für ein Abendessen daheim ein. Es gibt hier einen feinen Käseladen und ich erstehe ein Stück Yak-Käse. Bin mal gespannt. Ein bisschen Weißbrot dazu, ein paar Tomaten und zwei Mandarinen – das sollte das Abendmahl wohl perfekt machen.





































