Archiv der Kategorie: Radtouren

Fünfter Tag an der Ems (von Lingen nach Haren)

Heute habe ich gleich zu Beginn der Tour mein persönliches Highlight: endlich mal wieder schwimmen. Das Wasser im Geester See ist kalt. Ziemlich kalt. Macht aber nix. Schnell rein und durchziehen. Herrlich.

So kann der Tag beginnen

Einige Dörfer später hätte Achim sein Highlight haben können. Die Kuchen-, Torten-, Keksefirma Coppenrath und Wiese hat hier einen Firmensitz und Werksverkauf. Marzipan-, Schoko-, Nusstorte? Leider nichts davon. Samstagnachmittag geschlossen. Wie schade.

Vor verschlossenen Türen

Geschlossen hat leider auch das Moormuseum. Warum?! Nun gut, plaudern wir stattdessen ein wenig mit den bunten Bentheimer Schweinen nebenan. So hübsche Tierchen.

Bensheimer Schwein

Der Emsradweg macht uns heute viel Spaß: die Route führt sehr oft direkt am Wasser entlang. Mittlerweile ist er so groß, dass auch kleinere und größere Schiffe auf ihm fahren können.

Ausflugsschiff auf der Ems

Unseren nachmittäglichen Eiskaffee nehmen wir in der Kreisstadt Meppen ein. Hübsch anzusehen das Rathaus. Was es mit der Sonnenschirmdekoration in der Fußgängerzone auf sich hat, weiß ich leider nicht.

Das Rathaus von Meppen

Nördlich von Meppen kommen wir an der größten Landkarte der Welt vorbei. Sie wurde 1994 vom Schweizer Künstler Christoph Rhis auf einen 130 Meter hohen Kühlturm eines ehemaligen Gaskraftwerkes gemalt, kam ins Guinness-Buch der Rekorde und ist heute ein Wahrzeichen der Region.

Die größte Weltkarte bei Meppen

Das kleine Städtchen Haren, das wir am Abend erreichen, hat eine interessante neuere Geschichte: von 1945 bis 1948 war es Verwaltungszentrum der polnischen Besatzungszone, einem Sondergebiet innerhalb der Britischen Besatzungszone in Deutschland.   Haren hieß während dieser Zeit erst Lwów dann Maczków. Es musste von der deutschen Bevölkerung geräumt werden.

Yachthafen in Haren

Die neue, polnischstämmige Bevölkerung setzte sich zusammen aus etwa 30.000 Displaced Persons, vor allem ehemaligen Häftlingen der Emslandlager  – zu diesen gehörten auch Angehörige des Warschauer Aufstand  vom August 1944 und 18.000 polnische Soldaten.

Sie blieben bis 1948 hier. Dann wurde die Stadt Maczków wieder der deutschen Verwaltung unterstellt und erhielt am 10. September 1948 ihren ursprünglichen Namen zurück (Danke, Wikipedia!)

Warum eine so kleine Stadt wie Haren mit etwas mehr als 20 000 Einwohnern einen Dom hat, möchte ich gern noch wissen. Es ist kein Bischofssitz sondern die Pfarrkirche Sankt Martinus, die liebevoll Emsland-Dom genannt wird. Sie schaut ja auch fast wie einer aus. Gebaut wurde sie von 1908 bis 1911 von Ludwig Becker erbaut und gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Der Emsland-Dom in Haren

Den schönen Sommerabend verbringen wir im Garten des Hotels, den wir uns mit vielen weiteren Radfahrern teilen.

Vierter Tag an der Ems: Von Emsdetten nach Lingen

Der Vormittag kommt heute mit einigen Überraschungen daher. Blühende Heide an der Ems? Wir lernen am frühen Vormittag, dass sie Teil der Dünen Elter Sand ist.

Während der jetzten Kaltzeit, die vor ca. 10.000 Jahren zu Ende ging, wirbelte der Wind Sand und Staub vom kaum durch Vegetation geschützten Boden auf und wehte sie über das Land. Was an einer Stelle abgetragen wurde, wurde an anderer Stelle wieder aufgehäuft. Dünen entstanden.

Blühende Heide

Die Wanderdünen im Elter Sand waren bis vor etwa 200 Jahren in Bewegung. Durch die Aufforstung mit Kiefern und die Anlage von Hecken wurden sie gefestigt. Damit verschwanden aber auch typische Landschaftsformen wie Flugsandflächen und Heiden weitgehend. Nur an wenigen Orten gibt es solche Heiderelikte.

Da kommt uns wenige Kilometer später das Gradierwerk in Bentlage gerade recht. Für den Fall, dass wir in den Dünen zu viel Sand eingeatmet haben, drehen wir eine Runde und atmen die salzhaltige erfrischende Luft ein.

Das Gradierwerk aus dem 18. Jahrhundert ist Teil der Saline Gottesgabe. Ob die Umwidmung einer nahegelegenen Telefonzelle zu einem Marien-Altar damit zusammenhängt, entzieht sich unserer Kenntnis.

Zu was alte Telefonzellen so gut sind

Den Rest des Tages rollen wir so dahin. Wir suchen vergeblich ein Café oder einen Gasthof für eine Pause, aber alles hat geschlossen. Dabei sind viele RadlerInnen unterwegs. Ob das Corona geschuldet ist? Erst nach 40 Kilometern werden wir endlich fündig.

Richtig an den Fluss kommen wir auch heute eher selten. Auch das Landschaftsbild ändert sich nicht groß. Die Passagen durch Wälder werden häufiger, das bringt Fahrspaß.

Nach 66 Kilometern erreichen wir unser heutiges Tagesziel Lingen, wo wir die Gastfreundschaft unserer mitradelnden Freunde genießen, auf dem Marktplatz vor engagierter böhmischer Blasmusik ins ruhige Innere flüchten, bei „Heidi“ das leckere heimische Lünner kosten und einen Absacker im Biergarten Wilhelmshöhe in Form von Münchner Hofbräu trinken. Oans, zwoa, drei…

Marktplatz in Lingen

Dritter Tag an der Ems:  Von Telgte nach Emsdetten

Geretteter Maulwurf

Gleich in der Früh bildet sich das Motto des heutigen Tages heraus: Unser Grabowski heißt Achim. Der am Vormittag bereits eine Heldentat vollbringt und mit Hilfe eines Fahrradhelms einen in eine Betonrinne gefallenen Maulwurf rettet.

Maulwurfrettungsaktion

Nach der Aufregung entspannen wir an der 1000jährigen Eiche, unter die  sich das erschrockene Tier nach der gelungenen Rettungsaktion flüchtet. Vor lauter Schreck hat es uns im Fahrradhelm übrigens ein kleines Souvenir hinterlassen 😀.

In der Mitte des Hintergrunds steht die 1000jährige Eiche

Der Dortmund-Ems-Kanal verbindet als künstliche Wasserstraße zusammen mit schiffbaren Abschnitten der Ems die Nordsee mit dem Ruhrgebiet. Erbaut wurde er zwischen 1892 bis 1899. Wir überqueren ihn nach 20 Kilometern.

Am Dortmund-Ems-Kanal


Die Textilindustrie war bis Mitte des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Industriezweige der kleinen Stadt Greven im Münsterland. In Hochzeiten verdienten bis zu 3000 ArbeiterInnen hier ihr tägliches Brot. Heute greifen Kunstwerke am Emsufer dieses Thema auf.

Die WOLKENfabrik

Die „WOLKENfabrik“ von Anna Arnskötter beispielsweise: „Die rauchenden Fabrikschlote der Textilstadt sind erloschen, werden verwandelt in einen Turm, der die Fabrik trägt. Die Wolke umhüllt die Fabrik, der Wind treibt sie zum Meer hin, wo die Ems in die Nordsee mündet. Und der Schornstein wird zum Leuchtturm.“

Der WEBstuhl

Oder der „WEBstuhl“ von Manfred Schlüter: „Schlank wie eine Säule streben sechs Stahlbänder, die sich in der Mitte zu einem Geflecht verweben, in die Höhe und enden in einer Gruppe von bizarren Händen. Die fleißigen Weberhände recken sich jetzt in den Himmel. Eine Erinnerung an die vielen Weberinnen und Weber, die einstmals die Geschichte der Stadt geprägt haben.“

Grubenhaus

Wie lange dieses Handwerk diese Gegend bereits prägt, sehen wir einige Kilometer außerhalb der Stadt. Hier wurde eine frühmittelalterliche Hofstelle aus dem 8. Jahrhundert rekonstruiert.

Im Grubenhaus (Bild oben) waren die Webstühle aufgestellt. Die Häuser wurden in eine ein Meter tiefe Grube gesetzt, was die Luftfeuchtigkeit erhöht. Dies war günstig für die Textilherstellung, besonders für Leinen, weil dadurch die Fäden der Webware geschmeidig gehalten wurden.

Rekonstruktion des Haupthauses (8.Jh.)

Inzwischen ist das Thermometer auf 26 Grad geklettert und ein Sekundenschlaf tut gut.

Müde Radler

Nach 60 Kilometern erreichen wir Emsdetten, unser heutiges Tagesziel. Das Thema Textilherstellung zieht sich durch: hier hat die Firma Schilgen ihren Sitz, bei der Verpackungskünstler Christo seine Stoffe geordert hat, zum Beispiel für die kilometerlange Verhüllung des Central Parks in New York.

Kunst vor Kirche in Emsdetten

Wir duschen, ziehen unsere leichtesten Textilien an und genießen im Biergarten unseres Hotels den lauen Sommerabend.

Zweiter Tag auf dem Emsradweg (von Wiedenbrück nach Telgte)

Ausstellungsbesuch in Warendorf

Wieder ist es am Nachmittag die Kunst, die uns (nach einem riesigen Eisbecher) den Tag versüßt. Diesmal sind es Karikaturen aus der Ausstellung „Mettendchen aus dem Homeoffice“, die im Rathaus von Warendorf gezeigt wird. Der Künstler Peter Menne hatte während der Pandemie gemeinsam mit Kollegen einen digitalen Kulturlieferservice ins Leben gerufen. Seine Beiträge dazu und auch ältere Werke sind ausgestellt.

Eva und Adam

Humor biete in der Krise eine Chance, um gesellschaftliche Gräben zu überwinden, hat Menne in einem Jahr „Kulturlieferservice“ erfahren. Es helfe, gemeinsam zu lachen.

Fotografinnen unter sich

Lachen kann dann auch ich am Nachmittag, als wir endlich mal wieder den Fluss nicht nur queren sondern sogar mal eine ganze Weile an ihm lang radeln dürfen.

Der Vormittag war geruhsam verlaufen. Ziemlich oft wurde der Radweg an der Straße entlang geführt oder lief durch Felder und, eher seltener, Wälder. Aber das Wetter war freundlich und mit entspanntem Geplaudere rollte es sich leicht dahin.

Die Mittagspause machten wir im weitläufigen Park des Zisterzienserklosters Marienfeld, zu dem selbstverständlich auch ein Biergarten gehört.

Klosterkirche in Marienfeld

Wir kommen später an ein paar Seen vorbei, finden aber gar keinen Zugang und die Temperaturen laden auch noch nicht zum Baden ein. Aber ein „Zeitregal“ am Wegesrand lockt uns nochmal vom Sattel. Hier haben schon Neandertaler gelebt, erfahren wir. Sandabbau brachte im Laufe der Zeit zahlreiche archäologische Funde aus verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte zutage, von denen einige hier im Zeitregal nachgebildet wurden. 

Ein Zeitregal

Die Ems ist inzwischen ein richtiger Fluss geworden – übrigens einer der wenigen, die in Deutschland entspringen und auch hier im Meer münden.

Unser Tagesziel Telgte erreichen wir nach 70 Kilometern. Gleich beim ersten Bummel durch die hübsche Altstadt stoßen wir auf diese barocke Wallfahrtskirche aus dem Jahr 1654.

Wallfahrtskirche in Telgte

Eigentlich wollen wir auf dem Marktplatz abendessen. Aber hier ist jeder Tisch draußen besetzt. Das schöne Wetter hat alle rausgelockt. Wir trösten uns damit, dass wir den ganzen Tag an der frischen Luft waren und finden ein gutes Restaurant, in dem drinnen noch genügend Platz ist.

Laut Wettervorhersage kommt in den nächsten Tagen der Sommer zurück!

Auf dem Emsradweg

Der Emsradweg schmeichelt sich nicht sofort bei seinen BesucherInnen ein. An der Quelle wartet er zwar noch mit schöner Natur und interessanten Geschichten auf, doch danach schwächelt er für meinen Geschmack. Erst ab Kilometer 34 macht es wirklich Spaß, hier zu radeln und die Umgebung des Flusses zu erkunden. Doch der Reihe nach.

Die Ems ist ein Fluss in Norddeutschland. 382 Kilometer liegen zwischen der Quelle bei Hövelhof in der Nähe von Paderborn und der Mündung in die Nordsee bei Emden.

So ist der Emsradweg ausgeschildert.

Wir wollen uns Zeit lassen und haben eine ganze Woche für diese Radtour eingeplant.

München Hauptbahnhof

Wir laden die Räder in München in den ICE, steigen in Erfurt um und erreichen am Nachmittag Paderborn. Dann noch 16 km radeln und wir erreichen den kleinen Ort Hövelhof, wo wir die erste Nacht verbringen.

Am nächsten Morgen fahren wir sieben Kilometer zu den Quellen der Ems. Es handelt sich nicht um eine, sondern eine Vielzahl kleiner Quellen, die den Bach speisen, der zu einem der größten deutschen Flüsse wird.

An den Emsquellen
Die ersten Meter der Ems

Es dauert ziemlich lange, bis wir den Großraum Hövelhof verlassen haben. Autobahn, Bundesstraße, Siedlungen. Dann kommen die Maisfelder und die Biogasanlagen. Doch dann erreichen wir das zwar kleine aber schöne Naturschutzgebiet Steinhorster Becken und schauen eine Weile den Bussarden, Silberreihern und Gänsen zu.

Im Naturschutzgebiet Steinhorster Becken

Doch der Spaß währt nur kurz, schon hat uns die intensive Landwirtschaft wieder. Wenigstens die Bauernhöfe, meist propere Backsteinbauten, sind hübsch. Auch das Wetter passt: heiter bis wolkig, nicht zu warm. So lässt es sich angenehm radeln.

Schließlich erreichen wir den historischen Stadtkern von Rietberg mit seinen liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern. Nach dem Kaffee fahren wir zum Skulpturenpark Wilfried Koch im Klostergarten eines ehemaligen Franziskanerklosters. Hier stehen elf Bronzeskulpturen des Künstlers.

Esther
Faun
Musiker

Wilfried Koch wurde 1929 in Duisburg geboren und lebt seit 1971 mit seiner Frau Hilde hier in Rietberg. Sowohl die Skulpturen als auch der Park selbst mit einem See und einer Vielzahl von Bäumen machen uns viel Freude.

Von hier sind es nur noch zwölf Kilometer bis zum heutigen Etappenziel, dem schmucken Rheda-Wiedenbrück. Und wieder stoßen wir auf bestens erhaltene Fachwerkhäuser und weitere Kunstwerke, diesmal von zwei Frauen, Christel Lechner und ihrer Tochter Laura. Gleich neben der Garage unseres Hotels, in der wir unsere Räder unterstellen, sehen wir die ersten von insgesamt 90 Skulpturen, die von März bis September über die ganze Stadt verteilt ausgestellt werden.

Hamburger Paar

Im Hotel gibt es einen Flyer mit einem Lageplan der Kunstwerke und nach einer kurzen Dusche und einem Willkommenstrunk machen wir uns auf zu einem Erkundungsgang.

Wiedenbrücker Original
Horrido auf dem Marktplatz
Helgas Kaffeeklatsch auf der Wiese am Emssee

„Alltagsmenschen“ nennen die Künstlerinnen ihre Betonfiguren, die an 27 verschiedenen prägnanten Schauplätzen in das Stadtbild integriert wurden.

Schließlich hat die Kultur geschafft, was der Natur bisher noch nicht so richtig gelungen ist: mir den Emsradweg schmackhaft zu machen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Zurück zur Unstrut

Natürlich wollten wir uns Weimar und Erfurt anschauen. Goethe, Bauhaus, Luther. Aber der Wetterbericht prophezeit für die nächsten Tage Regen, viel Regen. Und so haben wir umdisponiert, beide Städte auf die Liste der später zu besichtigenden gesetzt und beschlossen, auf direktem Weg zu unserem Bus zu radeln.

Die erste Stunde, direkt nach Norden war noch sehr hügelig. Wie gestern. Heute kam dann aber noch ein kräftiger Gegenwind dazu, der uns bis Nachmittags erhalten blieb (sogar Achim spielte mit dem Gedanken, sich ein E-Bike zu kaufen!).

Nach 30 Kilometern waren wir wieder auf bekanntem Terrain: dem Unstrutradweg. 50 Kilometer lagen noch vor uns bis Mühlhausen. Obwohl ab und zu die Sonne rausspitzte und es tatsächlich trocken blieb, war es mit 12 Grad ziemlich kühl und ungemütlich.

Zwei Tiere zu Mittag hoben die Stimmung – eine warme geräucherte Forelle auf dem Teller und ein sehr zutrauliches Huhn unter dem Tisch.

Apropos Tiere: was ist das doch für ein merkwürdiges Gefühl, wenn eine Maus unter dem Zeltboden entlang des im Schlaf von der Luftmatratze gerutschten Arms krabbelt. War aber nicht weiter schlimm. Einmal ordentlich auf den Boden gehauen und sie war weg. Was müssen wir denn auch unser Zelt in ihr Terrain bauen.

Irgendwann in der Nacht hat sie dann auch noch ein Loch in unsere Zeltunterlage geknabbert und ins Vorzelt geköttelt.

Wo wir schon bei den Missgeschicken des Tages sind: ich hatte gestern Abend meine regendichten Fahrradtaschen ganz offensichtlich nicht wirklich dicht verschlossen – Jeans, Pulli und einiges mehr waren komplett nass heute morgen.

Als wir schließlich gegen 18 Uhr wieder beim Bus waren, packten wir die Radtaschen gleich aus und auf jedem freien Plätzchen liegt oder hängt jetzt etwas von mir zum Trocknen.

Das Zelt wird morgen bei der Schwiegermama in Göttingen getrocknet. Bei ihr bleiben wir ein paar Tage, bis das Wetter wieder besser ist.

Kultur und Topographie

Gestern Abend sind wir nicht mehr in den Dom gekommen, haben aber nach ein bisschen Warten einen der raren Restaurantplätze am Marktplatz ergattert. Lecker Essen und Trinken und im Blick das schöne Rathaus. Nach dem Frühstück mit der leckeren Bratwurst haben wir Naumburg erkundet, also den Dom. Innen eine schlichte Halle, sehr hoch. Im Ostchor […]

Kultur und Topographie

Die Himmelsscheibe von Nebra

Im Herbst zu zelten, ist für mich neu und besonders. Abends wird es sehr früh dunkel und trotz der tagsüber noch hohen Temperaturen rasch frisch, sobald die Sonne untergegangen ist, so dass wir schon um kurz nach neun ins Zelt krabbeln. Dank meines mollig warmen Schlafsacks und einer guten Luftmatratze sind die Nächte angenehm. Heute Morgen war es neblig und seeeehr feucht und frisch. Mit Haselnusskaffee aus Malaysia (den wir immer von unserer Freundin Jessy bekommen) starten wir trotzdem beschwingt in den Tag.

Frühnebel über der Unstrut
Frühstück am Fluss

Zunächst fahren wir zwölf Kilometer zurück. Gestern sind wir nämlich an einem der Highlights dieser Tour vorbeigeradelt, weil es schon zu spät war: der Himmelsscheibe von Nebra. Die bronzene Scheibe mit Goldauflagen wurde von einem unbekannten Künstler vor über 3500 Jahren gefertigt und zeigt die älteste konkrete Darstellung des Kosmos‘ weltweit. Seit Juni 2013 gehört sie zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland.

Eine Projektion der Himmelsscheibe von Nebra im Museum
In der Arche von Nebra erfahren wir vieles zum Thema Astronomie und Archäologie.

Das Original der Himmelsscheibe wird im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle aufbewahrt. Am Fundort in der Nähe von Nebra wurde 2007 das multimediale Besucherzentrum Arche Nebra eröffnet.

Viel los im Besucherzentrum

Im Planetarium schauen wir uns einen Film an, in dem die heutigen Archäologen uns ihre Deutung der Arbeit ihrer bronzezeitlichen Kollegen erklären.

Das abgebildete Siebengestirn (die Plejaden), die Sichel des Mondes, der Vollmond und die beiden Horizontbögen für Sonnenauf – und -untergang haben womöglich als Erinnerungshilfe für die Bestimmung des bäuerlichen Jahres von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte gedient.

Die Himmelsscheibe von Nebra wurde nicht in einer regulären Ausgrabung gefunden. Verwickelt und spannend wie ein Krimi liest sich die Geschichte ihrer Auffindung: Zwei Männer gruben die Scheibe im Jahr 1999 auf dem Mittelberg in Wangen bei Nebra aus.

Aussichtsturm am Fundort auf dem Mittelberg

Die beiden Raubgräber, die mit einer Metallsonde auf der Suche nach vorgeschichtlichen Metallfunden waren, hatten keineswegs vor, ihre Funde im Sinne des ordnungsgemäß beim Archäologischen Landesamt abzuliefern, sondern verkauften sie. Nach weiteren Stationen – die Objekte wurden auch Museen zum Kauf angeboten – konnten sie im Jahr 2002 in einer fingierten Ankaufssituation durch den Landesarchäologen Dr. Harald Meller und unter Einsatz der Polizei in einem Baseler Hotel sichergestellt werden (Danke, Wikipedia!)

Übrigens, schon gemerkt? Reisen bildet. 😀

Gegen Mittag sind wir zurück am Campingplatz, packen das mittlerweile trockene Zelt ein und radeln weiter Richtung Naumburg, unserem Tagesziel.

Der Fluss wird immer breiter, das Tal enger. An seinen Hängen wird nun Wein angebaut. Ich werde ihn am Abend kosten.

Kurz vor Naumburg stoßen wir noch auf ein Kuriosum: Das Steinerne Bilderbuch ist ein altes in Sandstein gehauenes Relief am unteren Teil eines Weinberges. Es ist 150 m lang und zeigt 12 fast lebensgroße Bilder mit meist biblischen Motiven aus der Weinbaugeschichte.

Ein steinernes Bilderbuch von 1722 als Geschenk für einen Herzog

Wenig später steht für uns eine Verabschiedung an: von der Unstrut, die hier in die Saale mündet.

Die Unstrut (rechts) mündet in Naumburg in die Saale.

Wir schippern mit einer Seilfähre über die Saale, unser Campingplatz ist gleich auf der anderen Seite.

Noch ein Kaffee, dann fahren wir zum Abendessen in die Stadt.

Auf der Fähre über die Saale
Campingidylle
Der Naumburger Dom

An der Unstrut – Bauernkrieg

Avatar von zimjoaUnterwegs

Nach einer herrlich ruhigen und kuscheligen Nacht auf unserem einsamen Campingplatz bei Heldrungen und einem köstlichen Frühstück am Zelt statten wir dem Ort noch einen Besuch ab. Ein Wasserschloss, eher eine Wasserburg, lockt. Aber umsonst – eine Besichtigung der Außenanlage ist wegen Corona nicht möglich.

Das ist schade – ganz in der Nähe ist eines der Highlights des Tages, eine Gedenkstätte der Bauernkriege. Es ist ein 12 km langer Abstecher nach Norden, an den südlichen Hang des Kyffhäusers bei Bad Frankenhausen.

Ganz schön anstrengend – bis zu 13% beträgt die Steigung

Thomas Müntzer und das 6000 Mann große Bauernheer verloren hier 1566 die große Schlacht vernichtend. Und das wird – geschichtlich weit ausholend – auf einem der größten Wandbilder der Welt in Ölfarben als Panorama dargestellt. Unbedingt empfehlenswert!

Ausschnitt aus dem Panorama

Rasant geht’s wieder runter auf den Unstrut-Radweg. Wir durchqueren ein Ried, aus dem Boden kommt hier salziges Wasser.

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Wo der Fuchs „Guten Morgen!“ sagt

Um sieben klingelt der Wecker, denn wir haben viel vor heute: über 90 Kilometer Radeln plus diverse Besichtigungen. Dass wir heute so weit fahren, liegt daran, dass es hier nicht so viele Campingplätze gibt. Einen in 25 km Entfernung (bisschen arg wenig) und einen eben in 90.

Wir parken unseren Bus für eine Woche auf dem Wohnmobilstellplatz in Mühlhausen und ziehen jetzt mit Rädern und Zelt los: auf dem Unstrut-Radweg bis Naumburg, dann ein bisschen an Saale, Ilm und Gera, um Jena, Weimar, Erfurt und Gotha anzuschauen.

Gerade haben wir Mühlhausen verlassen, als uns auf einer Weide eine Herde Kühe auffällt, deren Hörner nicht geschnitten wurden. So schöne Tiere! Doch was läuft mitten durch die Herde? Ein Fuchs! Er schaut mich für einen Moment an, ich schaue ihn an, freue mich, ein solches Prachtexemplar aus der Nähe bewundern zu können, dann reicht es ihm und er läuft fort. Achim gelingt noch ein Schnappschuss.

Die Unstrut ist hier noch sehr schmal. Der Weg führt mal auf dem rechten, mal auf dem linken Ufer, durch Zuckerrüben- und Maisfelder und kleine Dörfer.

Nach 25 Kilometern erreichen wir das hübsche Bad Langensalza mit einer lebendigen Altstadt voller prächtiger Fachwerkbauten und einem Rathaus mit Glockenspiel. Bekannt ist die Stadt auch für ihr Soleheilbad und spezielle Gärten, u.a.ein japanischer Garten, ein Rosengarten und ein botanischer Garten.

Doch wir radeln gemütlich weiter und halten nach wenigen Kilometern an einem außergewöhnlichen Haus am Ortsrand von Nägelstedt. Neugierig studieren wir die Informationstafel: Der Schieferhof wurde 1565 vom Ritter Hans von Germar als Zufluchtstätte für sich und seine Frau Katharine von Knoblauch gebaut. Die halbrunde Verteidigungsmauer mit Schießscharten, die das Haus umgibt, zeugt von einem wenig friedlichen Leben. Hans hatte es sich mit dem Deutschen Ritterorden verscherzt, da er Ehelosigkeit gelobt hatte, aber sich dann doch für Katherine entschied.

Recht früh machen wir heute Mittagspause, weil wir schon um kurz vor 12 den Imbiss am Eingang zum Naturschutzgebiet Unstruttal erreichen. Gemeinsam mit einer Schulklasse auf Wandertag verzehren wir die obligatorische Thüringer Rostbratwurst.

Das Naturschutzgebiet ist klein aber fein. Hier im Thüringer Becken mit seinem trocken-warmen Klima konnten sich die Hauptvorkommen der Steppenrasen Deutschlands entwickeln.

Spannend auch die Schlossruine Herbsleben. Seit dem Jahr 2000 beschäftigen sich Archäologen mit der Ruine des in den 50er Jahren abgerissenen Schlosses und stießen dabei auf eine spätromanische Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Wir umrunden das Gelände, dann zieht es uns ins Café nach Sömmerda zu Kaffee, Kuchen und Eis. Beim Edeka gegenüber finden wir noch einen hiesigen Wein, Saale- Unstrut ist ein durchaus renommiertes Weinanbaugebiet.

Gegen 18 Uhr erreichen wir den „Bedarfscampingplatz“ in Heldrungen. Ein See, ein Bistro und ein kleiner Zeltplatz, auf dem wir die einzigen Gäste sind. Es ist noch angenehm warm, vor dem Zeltaufbau gibt es beim Wirt noch ein Bierchen, dann machen wir Meidingers Hühnerfrikassee mit ein paar Kartoffeln warm. Um 8 ist es schon dunkel, jetzt, um 9 stockdunkel. Zeit, das Tablet auszumachen und mit dem Liebsten Sterne anzuschauen.