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An den Mekong

Es war die ganze Nacht windig und als wir um 6.30 Uhr vor die Tür unseres kleinen Bungalows treten, windet es immer noch, graue Wolken sind am Himmel und es hat nur 13 Grad. Irgendwo habe ich gestern gelesen, dass ein Tief über China kalte Luft nach Thailand bringt. Bei angesagten Höchsttemperaturen von 25 Grad in unserer Gegend ist mir das doch recht.

Graue Wolken am Morgenhimmel

Wir gehen zur Bushaltestelle im Ort und sind gespannt, ob alles so klappt, wie wir uns das ausgedacht haben: mit dem Bus 40 Kilometer nach Loei im Osten von uns und dann mit einem der Songthaews 50 Kilometer nach Norden an den Mekong. Chiang Khan heißt unser Ziel heute.

Der Betreiber unseres Hotels hatte gesagt, dass der Bus nach Loei einmal am Tag um 7.30 Uhr führe. Eine junge Frau, die ich im Supermarkt vorsichtshalber nochmal gefragt hatte, meinte, um Sieben. Also gehen wir rechtzeitig los und warten mal ab, was passiert. Immerhin haben uns zwei Leute, die uns hier beobachtet haben, schon gefragt, wo wir hinwollen und zustimmend genickt, als wir ihnen geantwortet haben. „Halb acht“, sind sie sich einig. Um kurz vor halb gesellen sich noch weitere Wartende zu uns.

An der Bushaltestelle in Phu Ruea

Der Bus kommt um 7.40 Uhr. Oh, mit diesem Typ sind wir noch gar nicht unterwegs gewesen. Luftige Angelegenheit. Da wären ein paar Grad mehr doch recht.

Unser Bus nach Loei

Ganz schön kalt

Wir tuckern so mit 30 kmh vor uns hin. Das kann dauern. Ich ziehe nach und nach meine wärmeren Kleidungsstücke an. Im nächsten Ort steigen zwei Frauen mit reichlich Gepäck dazu, vor allem Gemüse und Besen. Ob sie zum Markt wollen?

Marktfrauen an Bord

Nach knapp eineinhalb Stunden sind wir in Loei, zahlen für die Fahrt pro Person 80 Baht, soviel wie für eine große Flasche Bier. Unser Busfahrer sorgt für reibungslosen Transfer: Er hält neben seinem Kollegen, der nach Chiang Khan fährt, wir steigen um und weiter geht es. Da bleibt noch nicht mal Zeit für einen Kaffee oder einen Happen zum Frühstück.

Im Bus nach Chiang Khan

Das holen wir nach, als wir nach wiederum eineinhalb Stunden um 11 Uhr in Chiang Khan ankommen. Wir werden da abgesetzt, wo die Busse nach Loei abfahren und zahlen diesmal nur 40 Baht pro Person, also circa 1,20 Euro. Auch interessant, dass diese Fahrt, die sogar etwas weiter war als die vorige, nur die Hälfte kostet.

Hier gibt es eine Straßenküche, ohne Kaffee, mit Nudelsuppe. Die heiße Suppe tut nach der doch recht kühlen Fahrt sehr gut.

Nudelsuppe in Chiang Khan

Dann rufe ich, wie vereinbart, in unserem Hotel an, um uns abholen zu lassen. Meine Gesprächspartnerin kann gut Englisch, aber sicherheitshalber gebe ich mein Telefon dem Nudelsuppenmacher, damit er ihr erklärt, wo wir genau sind. Das klappt super, nach zehn Minuten ist der Fahrer da und weitere zehn Minuten später können wir einchecken.

Kurz aufs Zimmer, die warmen Sachen ausziehen und ab an den Mae Nam Khong, wie der Mekong hier genannt wird. Er ist über 4000 Kilometer lang und damit der zwölftgrößte Fluss der Erde, quert sechs Länder, entspringt in Tibet und mündet in Vietnam ins südchinesische Meer. Und jetzt stehen wir hier und staunen, dass wir hier sind.

Der Mekong bei Chiang Khan

Im Hotel gibt es kostenlose Leihfahrräder, mit denen wir Richtung Zentrum radeln – und werden überrascht von einer sechs Kilometer langen Flusspromenade samt Fahrradspur. Auf der radeln wir gemütlich dahin, direkt am Wasser, auf der anderen Seite des Flusses stets Laos im Blick.

Links Laos, rechts Achim

Hier ist Laos gegenüber

Wir entdecken ein Ausflugsschiff, das eine eineinhalbstündige Flussfahrt zum Sonnenuntergang anbietet. Geht’s noch romantischer? Machen wir.

Sonnenuntergangsfahrt auf dem Mekong

Zurück im Hotel erfährt unsere beste Laune erstmal einen kleinen Dämpfer. Wir sind von unserem Reiseführer hergelockt worden, der schrieb: „Die Straße von Chiang Khan nach Nong Khai folgt fast die ganze Strecke über dem Lauf des Mekong und dieses ist einer der schönsten Trips, den man sich in Thailand gönnen kann.“

Dafür nimmt man den Morgenbus. Im Hotel aber heißt es, diesen Bus gibt es nicht. Man kann, wenn überhaupt, nur mit einem Privatwagen dorthin fahren und der koste umgerechnet 100 Euro. Pah, das ist mal ne Summe. Da müssen wir nun erstmal drüber nachdenken und morgen im Ort selbst nochmal recherchieren.

Was aber gut funktioniert: Achim leiht im Ort einen Scooter für morgen aus, denn wir haben hier in Chiang Khan noch einiges vor.

Unser Scooter für ein oder zwei Tage

Wandern im Nationalpark Phu Ruea

Natürlich sieht heute Morgen alles besser aus, vor allem der Ausblick zum Frühstück.

Theorie und Praxis: theoretisch wären wir ganz früh aufgestanden, mit einem Tuktuk oder ähnlichem bis zum Besucherzentrum des Nationalparks gefahren und von dort in der kühleren Morgenluft die fünf Kilometer auf den Gipfel Phu Ruea (1365 m) gewandert. In der Praxis frühstücken wir gemütlich, starten gegen Zehn, machen uns noch schlau wegen unserer Weiterfahrt morgen, finden kein öffentliches Verkehrsmittel in den Park und laufen die vier Kilometer stattdessen über die Straße dorthin. Zum Glück ist kaum Verkehr, die Straße ist schmal und führt durch den Wald und sehr heiß ist es heute mit 24 Grad auch nicht.

Wir zahlen pro Person 200 Baht, etwa sechs Euro, Eintritt in den Nationalpark und laufen nach dem ersten Besucherzentrum einen schönen Naturpfad durch einen Wald mit Eukalyptus und ganz viel Bambus.

Kurz vor dem zweiten Besucherzentrum gibt es ein Areal mit interessanten Steinen. Hier stoßen wir auf die einzigen Wanderer des Tages außer uns.

Gestartet sind wir auf 600 Höhenmetern, jetzt sind wir schon auf Tausend und es gesellen sich andere Bäume wie der Banyanbaum, die Kiefer und viele, die wir nicht erkennen, dazu.

Nach insgesamt neuneinhalb Kilometern sind wir am Besucherzentrum 2. Zeit für die Mittagspause. Dank der hervorragend Englisch sprechenden Thailänderin am Nachbartisch komme ich zu einem Papayasalat, der mir nicht die Kehle verbrennt sondern lecker nach Limetten, Erdnüssen und eben Papaya schmeckt. Ein paar äußerst aromatische Cocktailtomaten waren auch noch drin.

Jetzt sind es nur noch knappe zwei Kilometer bis zum Gipfel, der selbstverständlich mit einem Buddha bestückt ist, und uns, obwohl es recht diesig ist, weit schauen lässt.

Der Rückweg ist derselbe wie der Hinweg, langsam tun mir die Füße weh und als wir schon etwa zwei Kilometer auf der Asphaltstraße gelaufen sind, hält ein Songthaew, ein Sammeltaxi, an: „Can I help you?“ Ich nicke begeistert, frage, ob er uns mit ins Dorf nimmt und wieviel er dafür möchte. Er nickt, wir dürfen einsteigen. Er schüttelt den Kopf. Geld will er dafür nicht. Sicher weiß er, dass er meine Rettung ist und das sehr gut für sein Karma ist. Tausend Dank für diese zwei Kilometer! Insgesamt sind wir 22 Kilometer und 920 Höhenmeter gelaufen.

Schnell sind wir zuhause, duschen und dann schauen wir nochmal zu unserem Frühstücksspot, wie er im Abendlicht aussieht. So schön!

Morgens auf dem Weg zum Nationalpark waren wir an einem Stand mit Grillhendln vorbeigekommen. Ob der wohl noch auf hat? Hat er und die Hendl sind mindestens so lecker wie auf der Wiesn, garantiert Bio und kosten einen Bruchteil vom Wiesnhendl. Ist ja klar.

Unterwegs in den Nationalpark

Um acht kommt wie versprochen unser Taxi und eine Viertelstunde später sitzen wir vor unserem Frühstück am Bahnhof in Chiang Mai.

Der Zug nach Bangkok steht schon da, so dass wir in Ruhe unsere Plätze finden können. Wir fahren nur ein Stück mit, fünfeinhalb Stunden, bis nach Phitsanulok.

Ob die Schaffner eine Gesangs- oder zumindest eine Sprechausbildung haben? Wenn sich der Zug einer Haltestelle nähert, stellt sich der uniformierte Beamte in die Mitte des Ganges und ruft laut, nahezu singend, den Namen des nahenden Bahnhofs in den Wagon. Mit dieser Stimmkraft kann das nicht jeder.

Der Ablauf in Phitsanulok ist uns vom Hinweg schon vertraut: ein Tuktuk vorm Bahnhof besteigen und zum Busterminal 2, das zehn Kilometer vom Zentrum entfernt ist, bringen lassen. Es ist heiß hier. 32 Grad. Im Zug hatten wir noch unsere warmen Jacken an, weil die Klimaanlage uns tiefkühlen wollte.

Anders als beim letzten Mal, als wir von hier aus nach Sukothai gefahren sind und wir gleich unseren Anschluss bekommen haben, müssen wir heute warten. Lange warten. Dreieinhalb Stunden, bis 18.30 Uhr. Bis zu unserem Ziel, dem Nationalpark Phu Rua, fährt der Bus dann nochmal dreieinhalb Stunden, so dass wir frühestens um zehn in unserer Unterkunft sein werden. Na ja, machen wir es uns erstmal gemütlich.

Zwei Schokoriegel, einen Kaffee, einen Thaitea, zwei Cola, zweimal Reis mit Hühnchen, weiterer Reieseplanung, Zeitung und Roman lesen später, kommt unser Bus. Supermodern, sehr bequem. Gut besetzt. Es wird nun dunkel, so dass wir weitermachen können mit Lesen und Dösen. Für eine bequeme Reise bekommt jetzt jeder sogar noch eine Decke.

Früher als erwartet erreichen wir Phu Rua bereits um kurz nach neun. Den Betreiber unserer Unterkunft hatte ich schon heute Nachmittag über unsere späte Ankunft informiert. Dummerweise finden wir von der Bushaltestelle aus das Resort auch mit Hilfe von Maps nicht. Wir müssen ganz in der Nähe sein, aber ein Hinweisschild entdecken wir nicht. Wohl aber ein paar Leute, die in ihrem Garten sitzen und grillen. Die zeigen uns nicht etwa den Weg (es wird sich bald herausstellen, dass wir 150 m zu weit gegangen sind), sondern rufen im Hotel an. Dort schicken sie einen jungen Mann auf einem Roller los, der uns lotsen soll. Für die kurze Entfernung braucht er ziemlich lange, vielleicht sind wir inzwischen auch nur ungeduldig.

Nachts irgendwo anzukommen, ist meist nicht so gut. So auch hier. Der gemietete Bungalow überzeugt nicht auf Anhieb, zu klein, zu simpel für das Gebuchte. Aber wir setzen uns noch auf unsere Miniterrasse und hören den Grillen zu. Morgen sieht das Ganze vielleicht schon besser aus. Bei Tageslicht und ausgeschlafen.

Ruhetag in Chiang Mai

Heute treibt uns nichts, aber wir haben ein paar Ideen: Massage, Museum für moderne Kunst und Musik im Jazzclub. Mal sehen, was der Tag so bringt. Erstmal frühstücken und ausführlich Zeitung lesen. Das ist auf dem Loop unter den Tisch gefallen. Außerdem müssen wir uns mit der Planung der weiteren Reise beschäftigen. Ab heute ist alles noch ein bisschen vage.

Immerhin bestellen wir für morgen Früh um acht ein Taxi, das uns zum Bahnhof bringen soll, und, noch im Besitz unseres Scooters, fahren wir beim Bahnhof vorbei und kaufen unsere Zugtickets.

12 Kilometer außerhalb der Stadt liegt das 2016 eröffnete MAIIAM, das Museum für zeitgenössische Kunst.

Es beherbergt die Sammlung der Familie Bunnag-Beurdeley, eine Galeristenfamilie aus Paris, die in den 90er Jahren nach Thailand umgesiedelt ist.

Großformatige Werke sind zu sehen, wie zum Beispiel dieses des ortsansässigen Künstlers Navin  Rawanchaikul aus dem Jahr 1971, dessen Gesamtheit aber auch in den Details beeindruckt.

Spannend auch Burmica vom Bangkoker Künstler UBATSAT, das sich in Anlehnung an Picassos Guernica mit den Opfern des Militärputschs in Myanmar beschäftigt.

Es freut uns jedes Mal, wenn uns solche Zufallsfunde wie dieses Museum begegnen.

Als wir danach den Scooter abgeben, sind wir gerührt von der Herzlichkeit der Chefin. Wir waren ja die ersten Kunden in ihrem neuen Geschäft und wir hätten ihr so viel Glück gebracht. Die ganze Woche hat sie ihre Roller bestens verleihen können und die Kunden wären alle so nett gewesen wie wir. Hach, so eine Süße.

Neben unserem Hotel ist ein kleines Massagestudio und zum krönenden Abschluss unserer Rollertour gönne ich mir noch eine einstündige Thai-Massage und werde gedrückt, geknetet, geklopft, gezogen, gedehnt und was nicht alles.

Morgen verlassen wir Chiang Mai (fast sogar schweren Herzens), deshalb gibt es heute Abend natürlich noch einen Programmpunkt: den Jazzclub beim Nordtor. Ina und Jens, die wir, Ihr erinnert Euch, auf dem Loop kennengelernt haben, sind auch da und die Musik wieder vom Feinsten.

Letzter Loop-Tag – zurück nach Chiang Mai

Ich möchte mich korrigieren: neulich schrieb ich, dass der Mae Hong Son-Loop 1864 Kurven hat. Das ist falsch, wie ich jetzt gelernt habe. Diese Zahl bezieht sich auf einen Streckenabschnitt bei Mae Hong Son. Nun weiß ich: es gibt 4088! Das liest man auf T-Shirts, das liest man auf Plakaten.

130 Kurvenkilometer liegen an unserem sechsten und letzten Tag auf dem Loop vor uns. Unser Hotel in Chiang Mai ließ sich heute Morgen dann doch buchen, so dass wir nun frohen Mutes die Rückfahrt antreten. Pai lassen wir ebenso frohen Mutes hinter uns. Zu viele Touristen, zu viele Shops für deren Bedürfnisse. Da haben wir unterwegs viel Schöneres gesehen, allen voran Mae Hong Son.

Weit kommen wir erstmal nicht, denn schon nach wenigen Kilometer halten wir am Pai Canyon an.

Und treiben unseren Adrenalinspiegel in die Höhe.

An den weiteren Sehenswürdigkeiten, die wir uns für heute via Google Maps ausgesucht hatten, fahren wir vorbei. Aus Versehen. Wir verpassen also eine Bambusbrücke und einen Geysir. Eine Bitte an die Mitlesenden, die heute noch in Pai sind: schreibt mir gern hier in die Kommentare, ob der Geysir wirklich ein Geysir ist. So mit großem Blubb.

Wir landen stattdessen in einer Nudelsuppenküche mit Aussicht. Auch fein.

Das Allerbeste aber ist, dass mein Liebster zum Thema Routenplanung zu mir sagt: „In Laos machen wir das besser“. Das ist ein Wort!

Der Verkehr in Richtung Pai ist enorm und wir sind froh, irgendwann die Hauptstraße verlassen und auf einer Nebenstraße weiterfahren zu können. Wir kommen jetzt durch noch kleinere Dörfer mit noch üppigeren buddhistischen Tempeln.

Chiang Mai erreichen wir gegen 16 Uhr, früh genug, um uns unserer verschwitzten, eingestaubten und durch ungeübtes Nudelsuppe mit Stäbchen Essen vollgekleckerten Klamotten zu entledigen und… nein, DAS nicht, darüber schreibe ich nicht, und… sie in der Wãscherei abzugeben.

Am Abend machen wir uns Stadtfein und erkunden ein uns neues Viertel in Chiang Mai. Am Mae Kha-Kanal gibt es eine Flaniermeile mit idyllischer Beleuchtung, Livemusik durch verschiedene Straßenmusikanten, zum Beispiel zwei Chinesen, die Countrymusik spielen. Enthusiastisch. Wir sind etwa zwei Stunden dort, mindestens so lange spielen die beiden.

Es wird allerlei verkauft, Kleider, T-Shirts, Taschen, Spielzeug, teils Handarbeit der Bergvölker.

Wir probieren uns mal wieder an den Essensständen durch und kosten thailändische Kohlrouladen, Satéspieße, gestocktes Ei auf Bananenblatt und Klebreis am Stiel. Zum Nachtisch gibt es sticky rice mit Mango.

Achim macht noch ein paar schöne Fotos, wir kaufen uns noch ein Bier, hören der Musik zu und sind dann müde genug, ins Bett zu gehen.

Unter Felsen

Unser Hotel liegt an einem Flüsschen und beim Morgenspaziergang entdecke ich, dass eine Hängebrücke aus Bambus hinüberführt. Da fühle ich mich ja gleich wie in Nepal.

Noch vor dem Frühstück machen wir einen Ausflug zu einem Aussichtspunkt. Die paar Kurven und Kehren machen den Kohl auch nicht mehr fett. Der Kaffee ist richtig lecker, Eier braten wollen die Damen uns aber leider nicht.

Dafür müssen wir wieder runterfahren und werden mit einem gigantischen Club-Sandwich belohnt.

Die Nam Lod Cave ist eine riesige Tropfsteinhöhle, die sich in drei Hallen aufteilt. Man kann dort nicht alleine durchlaufen, sondern muss sich am Eingang einen Führer nehmen und entscheiden, wieviele der Hallen man sehen will.

Wir wählen das komplette Programm, denn um in die dritte Höhle zu kommen, darf man Boot fahren. Das klingt spannend. Kaum haben wir die Eintrittskarten gekauft, steht eine Frau mit Petroleumlampe neben uns und stellt sich als unsere Führerin vor.

Wir laufen gemeinsam zum Eingang der Höhle, sie zündet die Lampe an und wir dringen vor in die wirklich dunkle und riesige Höhle. Sie ist bis zu 20 Meter hoch und man kann ganz viele Stalagmiten und Stalaktiten bewundern, die teilweise sehr ausgefallene Figuren gebildet haben. Elefanten, Frösche, Krokodile und so weiter. Was diese Höhle für uns besonders macht, ist ihre Unverfälschtheit. Es gibt kein künstliches Licht, nur die Lampen der guides, Treppen, die in schwindelerregende Höhen führen, sind aus Holz gebaut, die Bambusflöße werden vom Bootsmann den Fluss hinunter gestakt. Die Dimensionen sind gewaltig. Ich glaube, drei Kathedralen passen da locker rein.

Ich hatte ein bisschen Respekt vor dieser Tour, vor der Dunkelheit, vielleicht würde ich Beklemmungen bekommen, mich eingesperrt fühlen. Nichts davon trat ein. Es hat einfach ganz viel Spaß gemacht.

Weiter geht die Fahrt mit unserem Scooter, bergauf, bergab, immer umgeben vom tiefen Grün des Urwaldes, durch den wir schon seit Tagen fahren.

Unser Tagesziel Pai erreichen wir gegen fünf am Nachmittag. Wir checken ein, parken den Scooter im Abstellraum des Hotels, das direkt an der walking street liegt, der Straße, die nachts zur Fußgängerzone mit Nachtmarkt wird. Deshalb gibt es keinen außenliegenden Parkplatz.

Zum Sonnenuntergang fahren wir zum Big Buddha, der auf einem Hügel außerhalb der Stadt thront. Natürlich sind wir nicht die Einzigen, die diese Idee haben. Auf der breiten Treppe hinauf zum Buddha ist aber Platz genug.

Danach parken wir den Scooter wieder im Hotel und bummeln über den Nachtmarkt. Weit kommen wir nicht, da treffen wir Ina und Jens, mit denen wir vom ersten Loop-Tag an ungeplante, häufige und schöne Treffen haben. Wir plaudern ein wenig, dann gehen die beiden ins Hotel und wir suchen eine Kneipe, um erstmal ein Bier zu trinken.

Kaum haben wir die ersten Schlucke getrunken, laufen Karin und Dieter, die wir auf dem Bahnhof in Ayutthaya kennengelernt haben, an uns vorbei. Sie setzen sich zu uns und schon ist die beste Reiseerlebnisaustauschrunde zugange.

Darüber wird es so spät, dass wir gar nicht zum Buchen unseres Hotels in Chiang Mai kommen. Als wir endlich die Zeit dazu finden, stellt sich raus, dass das Hotel, in dem wir die Hälfte unseres Gepäcks deponiert haben, morgen ausgebucht ist. Wir schreiben hoffnungsfroh eine Mail und gehen erstmal schlafen, es wird sich schon was finden.

Da wird dir ganz schwindelig

Wir sind jetzt die Hälfte des Mae Hong Son-Loops gefahren und haben uns damit rechnerisch durch 932 Kurven geschwungen. Der ganze Loop soll nämlich 1864 haben. Her mit der zweiten Hälfte!

Die สะพานซูตองเป้, Su Tong Pae Bridge ist heute unser erstes Ziel.

Mit einer Länge von 500 Metern soll sie die längste Bambusbrücke in Thailand sein. Sie verbindet ein buddhistisches Kloster mit einem Dorf. So können die Mönche ohne großen Umweg leichter den Ort erreichen. Die geflochtene Brücke führt über Reisfelder und einen Fluss. Von dort und vom Kloster haben wir einen tollen Rundumblick über die wunderschöne Landschaft.

Das nächste Erlebnis ist ganz anderer Natur: eine kleine Höhle mit einem Wasserloch, in dem sich Hunderte von Fischen tummeln. Sie liegt im Nationalpark Thamphla Namtokphasuea, der im Eingangsbereich eher wie ein Englischer Garten wirkt. Wir sind begeistert von den Bäumen.

Mit den Fischen können wir persönlich nicht so viel anfangen, verstehen aber, dass dies ein heiliger Ort für manche Gläubige ist. Es heißt, dass dieses sehr besondere Wasser, in dem sich die Tiere hier tummeln und von den Besuchern eifrig gefüttert werden, schon vielfach für zeremonielle Zwecke, selbst im Königshaus, verwendet wurde.

Auf hundertweißnichtwieviel Kurven fahren wir weiter. Schwindelig wird mir aber nicht davon sondern von den immer schönen schönsten Aus-  und Anblicken. Grandios!

Gegen fünf erreichen wir unsere Unterkunft in Soppong und haben noch einen Grund, uns zu freuen. Sie heißt Little Eden und macht ihrem Namen durchaus Ehre. Der Garten wurde von der leider schon verstorbenen Mutter des jungen Deutschsprechenden Besitzers angelegt. Er ist Halbdeutscher und in Potsdam aufgewachsen. Das Zimmer ist das schönste unserer bisherigen Reise und kostet nur 800 Baht, also rund 23 Euro. Um mein Glück perfekt zu machen, gibt es auch noch einen Pool!

Wildromantisch: Mae Hong Son

Am Morgen machen wir so weiter wie wir gestern aufgehört haben: Kraxeln an einem Wasserfall. Wir sind zur Trockenzeit hier und können gut durchs Flussbett balancieren. In der Regenzeit ist der Wasserfall sicherlich üppiger und der Fluss, in den er sich ergießt, reißender, so dass wir hier nicht gehen und stehen könnten.

Unsere heutige Route nach Mae Hong Son, der Ort dessen Name der Loop trägt, ist nur 70 Kilometer lang. Wie auch die Tage zuvor ist wenig Verkehr und die Straße in hervorragendem Zustand.

An einem Aussichtspunkt mit Bergblick treffen wir einmal mehr Ina und Jens aus Aachen. Wir haben uns vorgestern Abend beim Essen kennengelernt und laufen uns seither ständig über den Weg. Das ist schön, denn die beiden sind sehr sympathisch.

Und so nett, ein schönes Foto von uns zu machen.

Wenige Kilometer später empfängt uns die Provinzhauptstadt Mae Hong Son mit einem wuchtigen Stadttor.

Wir sind jetzt ganz in der Nähe von Myanmar. Durch die geografische Lage war Mae Hong Son lange Zeit eine der abgelegensten Provinzen Thailands und nur schwer zugänglich. Irgendwo habe ich gelesen, dass es eine Zeitlang sogar als „Sibirien Thailands“ bezeichnet wurde, da unliebsame Beamte hierher abgeschoben wurden.

Eine andere Geschichte erzählt, dass der König Elefantenjäger in diese Gegend schickte. Die eingefangen Elefanten wurden hier in Mae Hong Son dressiert und dann in die Hauptstadt verlegt.

Der Ort ist komplett von Bergen umgeben, die in etwa 1000 Meter hoch sind, bewaldet und ihn in mehreren parallel verlaufenden Ketten umschließen.

Sehr schön kann man dies vom Hausberg Doi Kongmu sehen. Natürlich ist er von mehreren Tempeln gekrönt und bietet zugleich einen fantastischen Blick runter auf die Stadt.

Zur Zeit des Sonnenuntergangs bilden sich die Konturen der Berge heraus und es liegt bereits  der typische Abendnebel in der Luft.

Mitten in der Stadt liegt der See Chong Kham. Besonders malerisch soll es sein, wenn sich die Lichter des Wat Chong Kham in ihm spiegeln. Ob wir das einfangen können?

Ja, können wir und ja, es ist sehr romantisch hier. Was der Romantik vielleicht ein wenig abträglich ist, ist die Musik, mit der die Szenerie beschallt wird: „Oh, Donau so blau“. Unfassbar. Aber vielleicht doch romantisch? Definitiv kitschig schön wird es dann zu den Klängen von Titanic. Da tun wir mal ein Bier drauf. Und leckeres Essen vom Nachtmarkt. Wir holen uns ein paar Kleinigkeiten von den verschiedenen Ständen und setzen uns an ein niedriges Tischchen am Ufer. Ohne Stuhl und ohne Schuhe. Ob wir da jemals wieder hochkommen?

Auf sanften Kurven durch den Dschungel

Lange hält sich der Morgennebel. Als ich um sieben aufwache, ist der Himmel grau und das Thermometer zeigt 17 Grad.

Erst um 10 Uhr schafft es die Sonne und rasch sind 22 Grad erreicht.

Heute ist unser zweiter Tag auf dem Mae Hong Son – Loop, eine 700 Kilometer lange Strecke durch die Bergwelt im Norden Thailands.

Da wir gestern Abend schon mitbekommen haben, dass es keine Cafés, die auf ein westliches Frühstück hoffen lassen, in der Nähe gibt, holen wir uns eingeschweißte Schokocroissants, Joghurt und Kaffee im 7/11-Supermarkt gleich nebenan und setzen uns damit auf die Veranda unserer Unterkunft.

Was ich zum ersten Mal sehe: einen Kaffeebeutel!

Es ist kurz vor Elf, als wir auf den Scooter steigen. Jede Etappe ist nur etwa 100 Kilometer lang, so dass wir genügend Zeit zum morgendlichen Trödeln haben.

Wir fahren auf einer Nebenstraße, die sich sanft durch das grüne Meer von Bäumen windet. Dieses langsame Gleiten durch den Monsunwald bei  immer wieder allerschönsten Ausblicken macht uns beiden großen Spaß.

Um das erste Spa-Angebot auf der heutigen Route zu nützen, ist es noch zu früh. Wir haben gerade erst geduscht und sind zu faul, uns schon wieder auszuziehen, um uns in die Badebecken des Quelltopfs zu setzen. Drei Frauen winken uns herbei, aber wir winken ab.

Stattdessen schauen wir uns mal wieder einen Tempel an. Da muss man nur die Schuhe ausziehen.

Das Mittagessen müssen wir uns heute schwer verdienen: Wir wollen bei einem anderen Tempel auf unserer Strecke ein Picknick machen. Dafür laufen wir zehn Minuten den Berg – und 366 Stufen (Achim hat sie gezählt) hoch.

Die Sonne steht jetzt senkrecht über uns, es hat an die 30 Grad, so dass wir die Besichtigung kurz halten und uns zum Picknick ein schattiges Plätzchen suchen.

Wir haben (außer Supermarktsandwiches) eine feine Auswahl hiesiger Früchte dabei: die hübsche pinkfarbene Drachenfrucht, die wir aufschneiden und deren weißes Fruchtfleisch mit den schwarzen kleinen Kernen auslöffeln. Erdbeeren aus der Region, deren Felder wir gestern und heute immer wieder gesehen haben. Und die leicht nach Karamell schmeckenden Saponillas, in die man einfach reinbeißen kann. Man muss nur auf die beiden hübschen Kerne im Innern achten.

Fehlt noch der Kaffee, den es ein paar Kilometer weiter mit Mega-Aussicht gibt.

Immer wieder halten wir am Nachmittag an, um die Landschaft zu bewundern. Ab und zu passieren wir ein Dorf, immer mal wieder gibt es Streckenabschnitte, auf denen wir Obst-und Gemüsefelder sehen. Einmal hat eine Gärtnerei einen Blumenpark angelegt.

Im letzten Abendlicht laufen wir durch den Wald zu kleinen Stromschnellen, kraxeln über schmale Bambusstege und balancieren über Steine. Hab ich’s nicht gesagt: Diese Reise verjüngt uns um zehn Jahre. 🤣

Auf den höchsten Berg Thailands

Der Wasserfall Wachiratan ist unser erster Stopp. In breiten Kaskaden fließt das Wasser nach unten.

Mit uns sind etliche, vor allem asiatische Touristen hier, die im Reisebus hergekommen sind.

Wir haben um kurz vor zehn heute Morgen unseren Scooter übernommen. Rasch noch zwei Fotos und schon  rollern wir los.

Die Stadt lassen wir schnell hinter uns und auf Landstraßen fahren wir Richtung Südwesten. Bei 25 Grad reichen Jeans und Pulli aus, der Fahrtwind ist angenehm. Die Straße ist in hervorragendem Zustand und es ist wenig Verkehr. Wir schnurren mit 50 bis 70 kmh dahin. Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich bei Achim hinten drauf. Liveberichterstattung quasi. Auch zwischen den Ortschaften stehen Häuser und die Wohnbebauung hält an, bis wir nach knapp zwei Stunden den Nationalpark erreichen.

Wir sind jetzt im Doi Inthanon Nationalpark, der dank seiner gebirgigen Landschaft den  klangvollen Beinamen „Dach von Thailand“ trägt. Hier liegt auch der höchste Berg Thailands, der namensgebende Doi Inthanon mit 2.565 Metern Höhe. Ihn steuern wir als nächstes an.

Aber erstmal ist Mittagspause angesagt. Beim Wasserfall ist es uns zu trubelig und zu teuer, aber ein paar Kilometer weiter finden wir in einem Dorf ein Lokal. Es gibt leckeren Reis mit gebratenem Basilikum und Hühnchen bei idyllischem Ausblick.

Unser Roller hat sich schon auf 1000 Meter hochgeschraubt, Jetzt muss er nochmal ordentlich ran. Wir wollen schließlich hoch auf 2565 Meter.

Gleichmäßig windet sich die recht breite Straße in zahllosen schön zu fahrenden Kurven in die Höhe. Der Scooter schnauft, mal schafft er noch nicht mal die 30 kmh, aber letztlich bringt er uns zuverlässig den Berg hinauf – souverän von meinem Reisepartner gesteuert.

Dann sind wir oben. Wir stehen, so sagt es das Schild, auf dem höchsten Spot in Thailand.

Wir haben trotz des Dunstes einen fantastischen Blick. Zweierlei erstaunt mich sehr: zum einen, dass der Dschungel sich bis hier hoch zieht, zum anderen die Temperatur: es ist 18 Grad warm. Auf 2600 Meter. Ich war davon ausgegangen, dass es auf des Berges Spitze kalt sei und wir unsere Jacken bräuchten. Weit gefehlt.

Nach einer Weile starten wir wieder und lenken den Scooter ein Stück den Berg hinunter. Nach wenigen Kilometern kommt ein Parkplatz und zu Fuß geht es ein kurzes Stück durch den Wald zu zwei Pagoden.

Auch von hier genießen wir einen tollen Blick auf die bergige Landschaft.

Dann wird es spannend für die Beifahrerin. Um nach Mae Chaem zu kommen, wo wir heute Nacht schlafen, müssen wir rechts abbiegen und auf einer erheblich schmaleren und engkurvigeren Straße ins Tal fahren Jetzt gibt es auch mal Kehren und ich Bangbüx klopfe Achim immer mal wieder auf die Schulter, um ihn zu (noch) langsameren Fahren zu animieren.

„Wenn es geht halt mal an!“, bitte ich Achim, als ich rechts einen Blick auf „unseren“ Berg, den Doi Inthanon erspähe. Da oben waren wir! Von hier sieht man sogar die Pagode.

Am Abend frage ich Achim: „Wie war die Fahrt mit dem ungewohnten Scooter und der durchaus herausfordernden Bergstrecke für Dich?“ „Sehr schön! Das Verhalten des Rollers in den engen Kurven ist anders als beim Motorrad. Aber sonst spaßig und easy“.

Als wir von den Pagoden zum Roller gingen, hat er außerdem noch gesagt: „Was bin ich froh, dass ich mit Dir nach Thailand gefahren bin!“ Das wollte ich hören. 😄