Der Ortsteil Bärnfels, in dem wir übernachtet haben, wird von einem gewaltigen Felsen überragt, der früher Teil einer Burg war. Der Ruine haben wir am Vorabend, quasi als Verdauungsspaziergang nach unserem Vier-Gänge-Menü, noch einen Besuch abgestattet.

Ebenso gewaltig ist unser Frühstück im Hotel „Drei Linden“: Joghurt, Obst, Müsli, Kuchen, Käse und eine sehr schöne Wurstplatte mit dünn aufgeschnittenem hausgemachtem Hackbraten mit Ei gefüllt, Geräuchertem und luftgetrockneter Mettwurst. Für die Brotzeit dürfen wir uns für 1 Euro das Stück Brote schmieren.
Perfekt gestärkt machen wir uns um kurz nach 9 Uhr auf den Weg. Ist es Gesetz, dass am Anfang einer Etappe ein Aufstieg steht? Und dass so früh am Morgen die Sonne schon so brennt und die Bremsen beißen?
Nach einem Kilometer tauchen wir erleichtert in den Schatten des Waldes ein. Gestern und vorgestern liefen wir durch Laub- und Mischwälder, heute ist es Nadelwald, der auch intensiv von der Forstwirtschaft genutzt wird.

Nach etwa eineinviertel Stunden erreichen wir das nächste Dorf, Kirchenbirkig, mit der sehr schönen Pfarrkirche St. Johannes, die im Innenraum in Holzständerbauweise errichtet wurde.

Wir queren den Ort und erfreuen uns an der sehr unterschiedlichen Nachbarschaft.


Während Achim einen Geocache sucht, raste ich. Das Bächlein vor mir gluckert, die Schmetterlinge flattern und im nahegelegenen Dorf kreischt die Kreissäge. Ich ziehe meine Laufschuhe aus und gönne meinen Zehen eine Brise Frischluft. Gut, dass mir die Füße (noch) nicht wehtun. Auch der Rücken meckert nicht, obwohl ich den Rucksack, vor allem, wenn’s bergauf geht, ziemlich schwer finde. Also alles noch fein.
Wir laufen ein Stück weiter und dann ist sie da, die fränkische Schweiz mit ihren beeindruckenden Felswänden und -nadeln. Das Tal ist hier so schmal, dass unser Wanderweg unweit der Straße verläuft, aber wir werden durch großartige Anblicke entschädigt und finden zusätzliche Abwechslung durch das Beobachten der Kletterer, die hier an den steilen Wänden rumturnen.


Ab und zu hält unser Weg eine Überraschung für uns bereit. Gerade kämpfen wir gegen unser mittägliches Tief an, als ein veritabler Steig unseren Adrenalinspiegel ansteigen lässt: ganz viiiele Höhenmeter wollen auf relativ kurzer Strecke erklommen werde. Und ich schimpfe vor mich hin: „Die Nepali können das viel besser! Warum nur müssen denn die Stufen hier für die langen Beine von Zwei-Meter-Männern gemacht sein?!“

Nach rund 20 Tageskilometern erreichen wir Tuchersfeld. Da es erst 16 Uhr ist, statten wir dem Juramuseum einen Besuch ab und lernen, dass es vor Urzeiten viel gefährlicher war, hier zu wandern. Bären und Krokodile hätten einem begegnen können!


Wir trinken in der Wirtschaft nebenan noch einen Kaffee und nehmen dann die letzten drei Kilometer für heute in Angriff. Gemein. Anstatt die Tour langsam ausklingen lassen zu können, erwartet uns nicht nur ein weiterer recht heftiger Anstieg sondern auch der erste Regenschauer dieser Tour. Und Donnergrollen, was mir im Wald ein wenig Angst macht.

Pitschnass erreichen wir die Pension Gisela, in der uns ein gemütliches Zimmer erwartet – und wie so oft in diesen Tagen – ein sehr maues WLAN. Hallo, liebe verantwortliche Politiker, was ist denn hier los? Entschuldigung, wenn ich nochmal diesen Vergleich bemühe: Aber wieso hatte ich in Nepal in jedem Dorf, in jeder Klitsche ein super Netz und hier in Deutschland kriegen wir das nicht hin? Grrrr.