Von Meißen nach Belgern – 60 Kilometer elbabwärts

Erstmal das Frühstück mit Elbblick genießen. Trotz Corona darf hier ein Büffet angerichtet werden, auf dem wir leckere Sächelchen finden. Gegen 10 Uhr brechen wir auf zu einem kleinen Bummel durchs malerische Meißen. Vieles wurde restauriert, vieles hofft noch darauf. Über allem thronen die Burg und der Dom.

Dann holen wir die Räder aus der Tiefgarage unseres Hotels und pedalieren rechtselbisch gen Norden.

Meist führt der Elberadweg dicht am Wasser entlang, der Blick gleitet den Fluss entlang, über glückliche Kühe, über Schafe, die den Deich pflegen, Weizen- und Maisfelder am Wegesrand.

Es ist ein leichtes Radeln, denn es sind heute wenig andere Radler unterwegs, alles ist flach, der Asphalt unter unseren Rädern ist griffig und eben. Aber nur meistens, nicht immer. Mal müssen wir eine Treppe hinunter, eine schmale Metallrinne dient als Schiebehilfe.

Mal müssen wir aufpassen, denn unser Weg ist sehr schmal, oben auf der Deichkrone.

Einnmal ist der Weg wegen einer Baustelle abrupt zu Ende. Ohne Hinweis, ohne Umleitungsschild. Wir folgen einem Trampelpfad, der auch unter hochgedrückten Zäunen durchführt.

Wir haben Glück mit dem Wetter. Es kommt viel weniger Regen als vorhergesagt herunter. Kaum haben wir uns in unsere Regenmontur geworfen, kommt die Sonne raus. Ein Höhepunkt ist ein Storchennest am Wegesrand, das von Jungstörchen und Mama Storch bewohnt wird, die gerade mit Renovierungsarbeiten befasst ist.

Wir passieren ein paar kleine Dörfer, in denen wir kaum einen Menschen sehen, und eine Stadt, Riesa, in der ein bisschen Industrie für Arbeitsplätze sorgt und den Blick des Elbtouristen trübt. Am frühen Nachmittag würden wir gern irgendwo einkehren, finden aber erst nach 15 Kilometern einen netten Gastgarten an einem kleinen See. Vor lauter Begeisterung über die leckeren Kuchen für die anderen und einen Teller Schmorgurken mit Kartoffeln für mich, vergesse ich leider, ein Foto zu machen.

Gegen halb sechs erreichen wir die kleine Stadt Belgern, wo wir in die Villa Kuntzsch, das frühere Sommerhaus des Herrn Brauereibesitzers aus Leipzig, 1925 vom Großvater des heutigen Eigentümers erworben, einziehen.

In der Fährdiele gibt es noch leckeres Essen, die Fähre nebenan ist nicht mehr in Betrieb. Wir hören, es gibt niemanden mehr, der sie betreibt. So wie im Brauereigasthof auch. Hier wurde nach Corona nicht mehr aufgemacht, weil kein Koch da ist.

Unbeeindruckt von solch menschlichen Nöten schaut der Nibelungen-Roland auf dem Belgerner Marktplatz auf die abendliche Leere. Im Gegensatz zu uns weiß er, ob hier tagsüber mehr los ist.

Wer ist Watzke?

Die vielen Radkilometer mit Freunden und auch allein in den Wochen nach der Corona-Ausgangssperre haben sehr gut getan, wir haben auch viele neue Ecken in der heimischen Umgebung gefunden. Gut trainiert sind wir nun mit dem Auto nach Dresden gefahren, um gemeinsam mit Freunden den Elberadweg zu fahren.

Wir werden abwechselnd über die für knapp zwei Wochen geplante Tour berichten. Achim macht den Auftakt.

Wir beginnen in Dresden am Flughafen-Parkplatz […]

Wer ist Watzke?

Heimwärts

Drei Tage für die Heimfahrt. Jeden gute 200 Kilometer, ein bisschen links und rechts der Strecke die Landschaften entdecken. Tag 1 der Fahrt gen Süden. „Was ? Du warst noch nie am Drachenfels ?“ Eva schüttelt ungläubig den Kopf. „Das holen wir heute nach“. Erstmal raus aus dem Revier-Großraum und hinein in die Täler und […]

Heimwärts

Großstadtoasen

Das Ruhrgebiet, liebevoll auch Kohlenpott oder einfach Pott genannt, ist für manches Klischee gut. Die Sprache etwa ruft gern mal Spötter auf den Plan. Schantal, tuste mal dat Mäh ei machen gibt es mittlerweile sogar auf Ansichtskarten. Das Gerücht, dass sich hier jeder von Currywurst mit Pommes Schranke ernährt, hält sich ebenso hartnäckig. Und der Dreck, alles grau in grau, ne. Nee. Vorbei die Zeiten.

Wir sind in Duisburg und haben die Großstadtoasen entdeckt. Wahrscheinlich nur einen Bruchteil von denen, die es gibt. Aber die waren umso schöner.

Unser Campingplatz im Süden der Stadt liegt in der Nähe der Sechs-Seen-Platte, einem Naherholungsgebiet voller Wald und Wasser.

Turtle and Tiger heißt die begehbare Achterbahn-Skulptur auf einer ehemaligen Halde im Duisburger Süden, die 2011 errichtet wurde. Wer die Stufen bis zum Looping erklimmt, wird mit einer grandiosen Aussicht belohnt. Das Besteigen der Skulptur ist zurzeit aber leider nicht möglich, weil der Coronabedingte Abstand von mindestens 1,50m nicht eingehalten werden kann. Aber auch vom Hügel aus genießen wir die Blicke auf das Kunstwerk von Heike Mutter und Ulrich Genth, das geschäftige Treiben der Hüttenwerke, auf riesige Lagerflächen, aber auch auf dichte naturbelassene Waldgebiete.

Ein Ziel im Norden der Stadt steuern wir mit den Rädern an. Hin und zurück 40 Kilometer, fast alles Radweg. Großartig! Immer wieder passieren wir irgendwelche Brachen, den Innenhafen, der ziemlich aufgehübscht wurde und mit Cafés und Restaurants lockt. Oder auch ein leerstehendes Haus, das von TänzerInnen genutzt wird.

Der Landschaftspark Duisburg-Nord stellt eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit für Duisburg, das Ruhrgebiet und Deutschland dar, weiß die Werbung. Ein komplettes Hüttenwerk – einst Ort harter körperlicher Arbeit – hat sich in einen Erlebnisraum verwandelt, der pro Jahr rund eine Million Besucher anlockt. Früher wurde hier, wie vielerorts im Ruhrgebiet, Kohle abgebaut und Eisen hergestellt. Die alten Industrieanlagen wurden nach ihrer Schließung vom Land Nordrhein-Westfalen gekauft und von 1990 bis 1999 wurden die Hallen, Gebäude und das Außengelände nach den Plänen der Architekten so umgestaltet, dass der Park laut Wikipedia in Fachkreisen heute zu den wichtigsten Projekten der Landschaftsarchitektur der Jahrtausendwende zählt. 

Der frühere Hochofen ist normalerweise frei zugänglich. Im Moment ist er nur im Rahmen einer Führung zugänglich. Das Angebot nehmen wir gern an, klettern in luftige Höhen und erfahren eine Menge über das frühere und heutige industrielle Treiben hier.

Und erwerben im Shop Geschenkpapier voller Currywurst mit Pommes Schranke. Kennt nicht jeder? Pommes rot-weiß, mit Ketchup und Mayo.

Sechsunddreißig Jahre

Wir sind in Kempen am Niederrhein. Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Achim fühlt sich hier wohl und schreibt…

Sechsunddreißig Jahre ist es nun her, dass Kempen am Niederrhein (fast) meine zweite Heimat geworden ist. Klar, die Liebe. Wir waren hier so oft zu Besuch – ich kenn mich hier aus wie in meiner Westentasche 🙄 Nach sechs Jahren sind wir wieder mal zu Besuch. Hat sich viel verändert? Nein. Wir gehen durch die […]

Sechsunddreißig Jahre

Nach Belgien zum Wandern

Das Hohe Venn steht schon lange auf unserer Liste. Heute fahren wir hin, denn es ist nur noch 60 Kilometer von uns entfernt. Es ist eine 600 km² große, schildförmig gewölbte Hochfläche zwischen Deutschland und Belgien, die sich nordwestlich an die Eifel anschließt. 133 km² liegen in Deutschland, der Rest in Belgien. Große Flächen sind als Hochmoor ausgebildet, wovon sich auch der Name ableitet: Venn für Moor.

Aber erstmal eine kleine Brotzeit zur Stärkung, denn es ist schon halb drei, als wir am Wanderparkplatz ankommen. Und es liegen immerhin 13 km vor uns.

Durchs Naturschutzgebiet wurden Holzstege verlegt, auf denen wir trockenen Fußes wandern können. Unter uns gurgelt ein Bächlein, rechts liegt ein Tümpel, die Vögel zwitschern.

Es sind nur wenige andere Wanderer unterwegs. Wir genießen die außergewöhnliche Landschaft, die durch Moose, Heidekraut, Wollgras und Moorbirken geprägt ist.

Dreieinhalb Stunden brauchen wir für den Rundweg, den wir auf der Website vom Eifelyeti entdeckt hatten.

Gegen 19 Uhr erreichen wir unseren Stellplatz in Monschau und machen uns nach dem Abendessen nochmal auf, das kleine Eifelstädtchen zu erkunden.

Sein historischer Kern ist durch Gässchen, die von alten Fachwerkhäusern mit Schieferdächern gesäumt werden, den Marktplatz und der rasch dahin fließenden Rur geprägt.

Es sind kaum Touristen hier, die meisten Lokale haben geschlossen und nachdem wir auf dem Markt unser Bier ausgetrunken haben, wird auch hier dicht gemacht.

Ein Quadratkilometer Eifel

Alles dreht sich heute um das Schalkenmehrener Maar. Vor rund 10500 Jahren ist das Maar nach einer Dampfexplosion entstanden und hat sich dann mit Wasser gefüllt. In nächster Nähe gibt es noch weitere Vulkankessel mit Maaren, das Weinfelder Maar und das Gemündener Maar. Die beiden liegen aber nicht in dem heute „erwanderten“Quadratkilometer. Ein Gipfelkreuz ohne […]

Ein Quadratkilometer Eifel

In der Vulkaneifel

Heute lassen wir es langsam angehen. Nach einem ausgedehnten Frühstück legen wir ganze 60 Kilometer bis zum nächsten Campingplatz zurück. Wir fahren von der Mosel in die Eifel und stellen unser Wohnauto am Schalkenmehrener Maar, also an einem Vulkansee, auf.

Heute ist ja Sonntag, da gehört doch eine ordentliche Kaffeetafel dazu. Und zu unserem Campingplatz gehört ein Café mit interessanten Angeboten. Da gibt es beispielsweise die hiesige Spezialität Döppekooche, eine Art Kartoffelgratin.

Und die Eifelsteigtorte!

Achim, unser kleiner Nimmersatt, gibt sich dann noch die Vulkantorte.

Wir können alles im Café kaufen und vorm Bus mit Blick aufs Wasser genießen.

Dann ist aber Schluss mit dem Müßiggang, die Kalorien müssen auch wieder verbrannt werden, und wir machen uns auf zum Maare-Mosel-Radweg, 40 Kilometer hin, 40 zurück.

Er führt über eine stillgelegte Bahntrasse und auf dem ersten Teil der Strecke sieht man noch alte Bahnhöfe, Schranken und Signalanlagen.

Hier erhält der Lokführer Anweisungen fürs Schneeschippen: Schneepflugtafel. Pflugschar senken! Das habe ich auch noch nie gesehen.

Spannend ist einige Kilometer weiter auch ein riesiger „Schneeball“ aus Lava, der erst vor ein paar Jahren bei Bauarbeiten entdeckt wurde.

Wir passieren ein weiteres Maar, ein paar Spaziergänger und junge Blesshühner genießen die Stille des Ortes.

Schöne Aussichten auf ferne Weiten, Waldwege und Fahrten durch kleine Orte wechseln sich ab.

Spannend wird es gegen Ende der Strecke nochmal, als der Radweg durch einen 500 Meter langen Tunnel führt. Zum Glück gibt es eine gedämpfte Beleuchtung. Von den draußen auf einem Schild angekündigten Fledermäusen ist leider nichts zu sehen oder zu spüren.

Die letzten Kilometer zur Mosel RUNTER schenken wir uns. Wir wollen schließlich nicht zu viele Kalorien verbrennen. Außerdem fängt es an zu nieseln und ein gemütlicher Abend im Bus lockt.

Zum Moselblick bei Bremm

Mit unserem Wohnauto stehen wir auf einem Moselcamping bei Burgen, ca 30 Kilometer von Koblenz entfernt. Die Mosel wollen wir uns mit dem Fahrrad erobern, ist ja alles flach hier. Als Ziel hatten wir den Weinort Bremm ausgeguckt. Die Strecke, so denken wir , ergibt sich ja von allein. Eine Strecke auf der Hunsrück-Seite, zurück […]

Zum Moselblick bei Bremm

Lore, leih mir Dein Herz

Stundenlang wetteifern heute zwei Ohrwürmer um meine Aufmerksamkeit. Der eine, der leichten Muße zugehörig, Lore, Leih mir Dein Herz und sei lieb zu mir, dann Lore leih ich Dir auch meins dafür. Ein ewig alter Karnevalsschlager, mit dem ich als gebürtige Rheinländerin groß geworden bin. Der andere Text gehört eher zur schweren Muse, stammt von Heinrich Heine und wurde uns schon in der Grundschule im Heimatkundeunterricht beigebracht.

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin. Ein Märchen aus uralten Zeiten, das geht mir nicht aus dem Sinn.

In beiden Fällen geht es um die Geschichte der Loreley, besser: die Geschichten, die Sagen, die sich um diesen Rheinfelsen bei St. Goar ranken.

Der Rhein ist hier nur 90 m breit, was etwa einem Drittel seiner normalen Breite entspricht. Entsprechend stark ist hier die Strömung. Eine zusätzliche Gefahr stellten früher die Felsenriffe im Wasser dar, so dass die Schiffe hier großen Gefahren ausgesetzt waren. Viele Schiffe versanken und viele Menschen mussten ihr Leben lassen.

So enstand die Sage von der wunderschönen blonden Jungfrau namens Loreley, die oben auf ihrem Schieferfelsen sitzt und die Blicke der Schiffer auf sich zieht, bis deren Schiffe an einem der Felsenriffe im Rhein zerschellen.

Vom Felsplateau aus, 125 m über dem Rhein, haben wir eine beeindruckende Aussicht hinunter auf den Fluss.

Wir wollen die Rheinseite wechseln, um wirklich einen Blick auf den Felsen zu bekommen. Unterwegs sehen wir noch die Burgen Katz und Maus und Rheinfels.

Im St. Goarer Ortsteil Biebernheim parken wir unser Wohnauto und gehen auf einer Anhöhe Richtung Rhein. Und siehe da! Von hier ist sie zu sehen, die Loreley, in voller Schönheit.

Dieser Felsen zählt weltweit zu den bekanntesten Plätzen Deutschlands und inspirierte nicht nur Brentano und Heine sondern auch zahlreiche andere Künstlerinnen und Künstler…

… oder Fotografen und ihre Modelle😊.