Frauenpower in Nepal

v.l.: Präsident Chandra Bahadur Thapa, Goma Dhakal, Eva Dörpinghaus, Gründer und Direktor Damodar Bhakta Thapa

Es gibt hier einen kleinen Verein, die Seed Foundation (Social educational and environmental development foundation) , der im Dorf Pachbhaiya östlich von Pokhara ein „Women Empowerment Centre“ gegründet hat. 20 Frauen erlernen zurzeit in einem dreimonatigen Kurs das Weben und Schneidern. Dann können sie Schals, Taschen oder Kleidung herstellen und auf den Märkten verkaufen. Die Trainerinnen stammen von Rainbow Handicraft Nepal, der von Goma Dhakal gegründeten Manufaktur (deren Taschen ich übrigens im Mai auf dem Uferlos wieder verkaufe).

Idyllisch zwischen zwei Seen, dem Begnassee und dem Rupasee gelegen, sollen künftig verstärkt Touristen, die Landschaft, Ruhe und nepalesische Gastfreundschaft genießen wollen, auch in diese Gegend gelockt werden.

Der Verein wurde 2007 von ortsansässigen Geschäftsleuten und Lehrern gegründet. „Wir möchten unsere Heimat stärken und ihre Schönheit schützen“, erzählt mir der Gründer des Vereins, Damodar Bhakta Thapa, bei meinem gestrigen Besuch. Es wurden Schulen gebaut, Krankenschwestern ausgebildet, landwirtschaftliche Projekte angestoßen. „Als wir darauf bestanden, die Schulen erdbebensicher zu bauen, wurden wir heimlich belächelt“, schildert Damodar Bhakta Thapa. „2015 nach dem großen Erdbeben riefen genau diese Leute dann bei mir an, entschuldigten sich, und baten darum, vorübergehend in den Schulen wohnen zu dürfen, weil die Häuser alle zerstört waren.“

Und noch ein großer Fortschritt wurde erzielt, wie er mir nicht ohne Stolz in fließendem Englisch berichtet: „Haben Sie den Tempel am Dorfeingang gesehen? Da haben wir damals Feiern abgehalten, zu denen die Mitglieder aller Kasten eingeladen wurden. Zunächst nahmen die Leute nur sehr zögerlich daran teil. Auch unsere eigenen Familien beäugten unser Tun mit großer Skepsis. Aber unsere stete Aufklärungsarbeit hat sich endlich nach vielen Jahren gelohnt. Hier bei uns im Dorf sind jetzt alle gleichberechtigt, egal aus welcher Kaste sie stammen.“

Malay Nepal manparcha oder hier reden wir nicht über das Wetter

Ich liebe es nicht nur, fremde Länder zu bereisen und ihre Menschen und ihre Kultur kennenzulernen. Ich liebe es auch, fremde Sprachen zu erlernen. Da ich nun bereits zum fünften Mal in Nepal bin (und ein Ende nicht absehbar ist), ist nun endlich Nepali an der Reihe.

Heute ist meine erste Stunde (nein, 90 Minuten!). Erstmal muss ich die Sprachenschule „Cosmic Brontosaurus“ überhaupt mal finden. Sie ist noch in Lakeside, im touristischen Zentrum Pokharas, aber vom Kinderheim aus ist es doch ein 20minütiger Fußmarsch. Es gibt keine Hausnummern, so dass ich den Barbier, der gerade auf einem Stein sein Messer für den nächsten Kunden schleift und dafür vor die Tür getreten ist, nach der Schule frage. Schräg gegenüber, da wo auch Karmaflight ist (was für ein Name für eine Flugschule! Wenn mein Karma nicht gut ist, dann…??).

Lektion eins ist dann weniger sprachlicher sondern mehr soziokultureller Natur. Prem, mein neuer Lehrer, begrüßt mich höflich, erklärt mir jedoch, dass er erst noch ein paar Telefonate zu erledigen habe, dann sei er für mich da. Klar, bin ich erstmal nicht erfreut. Ist doch unhöflich so etwas. So geht man doch nicht mit einer (zahlenden) Kundin um, empöre ich mich innerlich. Hm. Aber wer weiß? Vielleicht habe ja auch ich gegen irgendein mir nicht bekanntes Höflichkeitsgebot verstoßen? Etwa, dass man nie Punkt 11 kommt, wenn man um 11 verabredet ist. Sondern ein klein wenig später. Wer weiß?

Der Raum im Hinterzimmer der Flugschule ist mit zwei großen Arbeitstischen, ein paar Stühlen, einer recht modernen weißen Tafel und, warum auch immer, ein bisschen Gerümpel wie alten Federbetten und leeren Eimern ausgestattet.

Der Schwung, der Witz und Charme und das hervorragende Englisch meines neuen Lehrers wischen meine drohende schlechte Laune weg wie nichts. Der Unterricht findet auf Englisch statt, so dass ich die ganze Zeit mit drei Sprachen laboriere. Es ist Einzelunterricht, so dass Prem ganz auf meine Bedürfnisse und Fragen eingehen kann. Immer wieder fallen ihm lustige Redewendungen ein, die den Kindern gefallen können, wie „Ekdam ukusmukus“ (Sprecht das mal nach! Das macht Spaß), was soviel wie „Ich bin supersatt“ bedeutet. Oder „Rangichangi mitho sapaana!“ (Bunte und süße Träume!) und „Baafrebaaf!“ für ein begeistertes „Wow!“.

Wenn man eine Sprache lernt, lernt man immer einiges auch über die Kultur eines Landes. Absolut neu für mich ist heute die kleine Lektion über freundlichen smalltalk zur Begrüßung. So wie wir Deutschen uns nach dem Guten Tag, Grüß Gott oder Hallo gern mit einem unverbindlichen „Wie geht’s? Danke gut. Und dir?“ den Start in die Unterhaltung erleichtern und der Engländer übers Wetter redet, hat auch der Nepali seine Eingangsfloskeln. „Wir reden nicht übers Wetter“, erklärt Prem, „denn hier scheint ja eh immer die Sonne. Wir reden übers Essen und Trinken.“ Wie bitte? Ich lerne: nach einem freundlichen „Namaste!“ („Guten Tag!“) geht es in der Unterhaltung meist weiter mit einem „Chiyaa piunu bhayo?“ („Hast du schon Tee getrunken?“), wenn man sich morgens begrüßt, „Khaza khanu bhayo?“ („Hast Du schon gefrühstückt?“ oder auch „Hattest Du schon ein Mittagessen?“, denn diese Frage kann man bis zum frühen Nachmittag stellen. Sie wird zu späterer Uhrzeit abgelöst durch „Khanaa khanu bhayo?“ („Hast du schon zu Abend gegessen?“). Die Fragen und die Antworten haben keinerlei Konsequenzen. Weder wird man zum Tee oder zum Essen eingeladen, wenn man verneint, noch möchte sich der Fragesteller mit einem verabreden. Unmittelbar danach geht das Gespräch einfach weiter, ganz egal worüber.

Da bleibt mir doch nur zu sagen: „Malay Nepal manparcha. Ich liebe Nepal.“

Kinder, Kinder

Wie schnell ich wieder in diese Kinderwelt eingetaucht bin. Es ist nun das dritte Mal, dass ich hier im Rainbow Kinderheim in Pokhara/Nepal bin und nach knapp 30 Stunden fühlt es sich an wie letztes Jahr. Oder vorletztes. Zumindest was die Intensität angeht.

Als ich gestern Nachmittag hier aufkreuzte, ertönte ein vielstimmiges „Eva! Eva!“ und ein Kind nach dem anderen, ob groß oder klein, Mädchen oder Junge, fiel mir um den Hals (oder den Bauch, denn manche sind so klein, dass sie nicht an meinen Hals kommen).

Einige Veränderungen gibt es aber natürlich doch. Bhabu, die supersympathische Sekretärin hat uns verlassen, weil sie ein Stipendium für die Uni in Neuseeland bekommen hat. Ebenso Moti, unser Fahrer, der einen guten Job auf einer Farm im Dorf seiner Frau und seiner Kinder angenommen hat.

Einige der großen Kinder sind dank ihres Paten aus USA in eine eigene Wohnung gezogen, neue, kleine Kinder sind ins Heim gekommen.

Heute ist Samstag, das heißt die Kinder müssen nicht in die Schule (nur samstags! Sonntag ist hier normaler Arbeits- und Schultag). Und so haben wir viel Zeit. Ich packe erstmal eines der Spiele aus, die ich mitgebracht hatte. Ich habe im Internet einen Film gesehen, in dem junge indische Mönche dieses Spiel spielten und es für unsere Kinder nachgemacht. Wir haben es anschaulich „Feet, hand, jump“ getauft.

Als Amanda, die andere Volontärin, auftaucht, gehen wir an den See. Nur knappe zehn Minuten sind es vom Kinderheim zum Fewa-See, von dem aus man an klaren Tagen den heiligen Berg Nepals, den Macchapuchre (Fishtail) und andere Gipfel des Himalayas sieht.

„I need big toilet!“, vertraut Nishan mir nach einer Weile an und schaut schon recht verkniffen drein. So gehe ich mit ihm in eins der zahlreichen kleinen Cafés, die hier das Ufer säumen. Der Wirt quetscht mich gleich aus, wer ich sei, was ich hier mache und mit wie viel Kindern ich denn da sei. Meine Antwort „Mit 15!“ hält ihn nicht davon ab, uns auf eine Runde Saft für alle auf seine hübsche Dachterrasse einzuladen.

Auch ein von uns zerbrochenes Glas trübt seine gute Laune nicht. Er legt eine CD mit nepalesischer Musik auf und die Kinder tanzen.

Die Sonne scheint, es ist warm, 22 Grad, und wir setzen unseren Spaziergang entlang des Sees fort. Ich beglücke nun auch noch den jungen Zuckerwatteverkäufer (und die Kinder natürlich).

Was man hier auch alles beobachten kann: die Paraglider, die Bootfahrer, Essensverkäufer, Flaneure, Glücksspieler, Eisverkäufer, Tatoomacher, Schmuckverkäufer, Hunde, Fische und einen Eisvogel haben wir auch gesehen. Den hat Dipson mit einem Stein verjagt. Nein, es ist nicht alles nur Idylle. Ja, ich habe ihm gesagt…

Nach x Stunden sind wir wieder daheim. Müde, staubig, durstig und mit ein bisschen Sonnenbrand auf meiner weißen Haut.

Nun ist noch das Triomino, eine Art dreidimensionales Domino, an der Reihe. Hierbei sind Ruhe und Aufmerksamkeit gefordert.

Nochmal in den kleinen Park nebenan, Seilspringen, Frisbee und Basketball spielen. „Da ist doch aber gar kein Korb“, sage ich verwundert zu Sushil. Stimmt, aber in einem der riesigen Bäume dort ist ein Loch, das dieselbe Funktion erfüllt.

Zum Abschluss des Tages sitze ich noch mit den kleinen Mädchen zusammen und wir singen. Ein Lied auf Nepali, eins auf Deutsch. Mein Repertoire ist gewagt. Es handelt von der Mühle am rauschenden Bach, die so schön klipp, klapp macht, von der Wanze auf der Mauer und vom Brauhaus in München. Oans , zwoa, drei, gsuffa.

Schnee, so viel Schnee

Im Winter ist es im Bus immer ganz besonders gemütlich. Während draußen die Temperaturen sinken und der Schnee fällt, ist es drinnen kuschelig warm und wir lieben es, gemütlich zu frühstücken, am späten Nachmittag eine Runde Tavla zu spielen und dann zu kochen. Heute gab es Spatzn mit Bregenzer Spatznkäse. Lecker.

Frühstück de luxe. Ach nein, die Eier fehlen.
5 : 3 für mich ging dieses Spiel aus. „Mit Glück!“, sagt Achim.
Wir sind ja geübte Zelter. Da hatten wir immer nur eine Flamme. Hier sind es zwei.

Gegen 11 wird es dann aber höchste Zeit, mal die Nase aus dem Bus zu stecken. In der Nacht fielen rund 15 Zentimeter Neuschnee und ab und zu spitzt sogar mal die Sonne raus. Winterwetter also, wie wir es uns erhofft hatten.

Eigentlich wollten wir diese Woche ja Schneeschuhwandern. Das ist hier aber nicht so gern gesehen. Es gibt von der Touristeninfo weder schriftlich noch mündlich Informationen über mögliche Touren. Der zuständige Mensch gestern verwies auf die vielen Kilometer geräumter und täglich gepflegter Winterwanderwege einerseits und die drohende Lawinengefahr abseits dieser Routen andererseits. Ist aber auch egal, denn Hauptsache, wir können den Schnee genießen. Also Grödel unter die Schuhe und los.

Unser heutiges Ziel ist das Waldhaus an der Breitach. Bei mir werden dabei Kindheitserinnerungen wach. Wenn ich einen Zitronenfalter sehe, denke ich immer an die Wanderung, die ich als 10-Jährige mit meinen Eltern dorthin gemacht habe – und die Myaden von Zitronenfaltern, die uns dabei umflattert haben.

Wir laufen durch den großzügig angelegten Kurpark von Riezlern, queren die Breitach und schwingen uns in einer großen Kurve hoch zum Schwarzwasserbach. Sehr idyllisch folgen wir seinem Lauf, bis er sich nach einigen Kilometern mit der Breitach vereint.

Leider ist der direkte Weg zum Waldhaus gesperrt, so dass wir einen riesigen Umweg laufen müssen und nach über drei Stunden Gehzeit gegen 14 Uhr beschließen, dass uns die verbleibende Zeit nicht für die gesamte Tour reichen wird (wir wollen schließlich nicht im Dunkeln heimkommen). Wir haben ein Picknick dabei und nehmen also rund 40 Minuten vor dem Ziel unseren Stehimbiss ein und kehren danach um.

Kalte Schinkennudeln schmecken gar nicht so schlecht.

Auf dem Rückweg genießen wir die Landschaft und die Vorfreude auf einen gemütlichen Abend im Bus.

Und der Wetterbericht hat doch recht …

Avatar von zimjoaUnterwegs

Seit Wochen freuen wir uns auf eine Woche im Schnee in unserem Wohnmobil. Letztes Jahr waren wir im Bayerischen Wald und im Tannheimer Tal, diesmal haben wir uns für das Kleinwalsertal bei Oberstdorf entschieden. Schnee haben wir reichlich, steht auf der Homepage.

In strömendem Regen fahren wir die 200 Kilometer und fragen uns, wie denn noch irgendwo ein bisschen Schnee liegen kann. Viele Niederungen im Allgäu haben sich in temporäre Seeflächen gewandelt, der Iller steht so hoch, dass er wohl bald über die Ufer tritt.. Und es regnet auch noch, als wir die Höhestufe ins Kleinwalsertal erklimmen. Wir haben uns einen kleinen Campingplatz ausserhalb einer Ortschaft ausgesucht, eine kleine Straße führt von Riezlern aus zu einer dick vereisten Wiese, dem Wohnmobilstellplatz. Es schüttet immer noch. Vorsichtig rangiere ich nach den Formalitäten den 3,5 Tonner auf seinen Platz , Stromkabel anstecken und bloß nicht mehr raus.

Wir hoffen auf morgen…

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Zu Besuch bei Lisar

Sie empfängt uns mit einem verschmitzten Lächeln. Ihre langen schwarzen Haare sind zu einem lustigen Knoten auf dem Kopf zusammengebunden, ihr weißer Anzug aus Leinen wird von einem mit einer prächtigen Muschel geschmückten Gürtel zusammengehalten. An den Füßen trägt sie Bastschuhe. Sie ist 1,45m groß, wurde vor über 7000 Jahren geboren und auf den Namen Lisar getauft, weil sie seit Oktober in Landau an der Isar den Mittelpunkt der neuen Ausstellung im Museum Kastenhof bildet.

Die berühmten Kennis-Brüder aus Holland, die schon Ötzi oder den ersten Neandertaler gestaltet haben, rekonstruierten Lisar fürs Museum auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen. „Lisar ist inzwischen die am besten untersuchte Person der Steinzeit im süddeutschen Raum“, sagt Ausstellungsmacher Simon Matzerath.

Mit vielen kreativen Ideen werden unsere Vergangenheit und ihre Verflechtungen mit der Gegenwart und unserer Zukunft in der Dauerausstellung erläutert.

Vielleicht ist es ab und zu ganz hilfreich, sich vor Augen zu führen, dass unsere Urahnen Migranten aus dem Vorderen Orient waren, die auf der Suche nach einem besseren Leben hier heimisch wurden und den Umbruch vom Leben als nomadisch lebende Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern eingeleitet haben.

Das neue Museum ist allemal einen Ausflug wert, auch für Kinder dürfte es interessant sein (www.steinzeit-museum.de).

Abstecher zum wachsenden Felsen

Nach dem Museumsbesuch lockt ein Spaziergang an die Isar. Unweit von Landau entdecken wir den 37 Meter langen und bis zu 5,4 Meter hohen „Wachsenden Stein von Usterling“, die größte steinerne Rinne Bayerns.

Steinerne Rinnen sind Gebilde, die unter bestimmten Bedingungen an kleinen, stark kalkhaltigen Quellen aus Kalktuffablagerungen entstehen. Diese Rinne ist in über 5.000 Jahren gewachsen. Damit ist sie zwar jünger als Lisar, aber doch auch beeindruckend alt.

Streit, Suff, Syphilis

Van Gogh, das wahnsinnige Genie: Dieser Ruf hat zur Faszination um seine Person beigetragen. Er selbst, so schrieb einmal der Spiegel über ihn, nannte sich in seinen Briefen „neurotisch“, „wüst“ und „zerstört“. Er besuchte regelmäßig Bordelle, steckte sich mit Syphilis an, betrank sich mit Absinth.

Dass wir heute DIE große Van Gogh-Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum sehen dürfen, dass wir sein Werk überhaupt kennen, haben wir einer Frau zu verdanken: seiner Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger, die nach dem Tode der Brüder Vincent und Theo seiner Kunst zum Durchbruch verhalf. Nachzulesen im Buch von Camilo Sánchez „Die Witwe der Brüder van Gogh“.

Nur zehn Jahre malte Van Gogh, in dieser kurzen Zeitspanne schuf er Hunderte von Bildern, die ihn zu einem der bedeutendsten europäischen Maler werden ließen. Leider erst posthum. Zu Lebzeiten erfuhr er kaum Wertschätzung. Er nahm sich, wohl auch weil der ausbleibende Erfolg an ihm zehrte, mit 37 Jahren das Leben.

Welche unterschiedlichen Malstile er pflegte, welchen Einfluss er auf die nachfolgende Künstlergeneration hatte, wie er nur dank der materiellen Unterstützung durch seinen Bruder Theo malen und (über)leben konnte, erfahren wir sehr anschaulich in einer brillanten Führung durch eine der Kunsthistorikerinnen des Museums.

Das Städel-Museum hat noch weitere spannende Sammlungen und Ausstellungen, doch wir sind voll mit Van Goghs Werken und Wirken, die Beine sind müde, der Rücken zwickt. Frischluft ist erforderlich.

Auf dem Maintower lassen wir uns vom Wind durchpusten und kehren in die Gegenwart zurück.

Mainhattan mit grüner Soße

Eine Städtereise zum Geburtstag erfreut ihn und sie. Und nachdem an der Pinwand ein Artikel aus der Süddeutschen über die van Gogh-Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum auftauchte, war auch das Ziel klar.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Mainhattan, welches wir beide bislang nur sehr oberflächlich kennengelernt hatten. Ich war früher des öfteren zur Buchmesse hier, aber da sieht man ja nicht viel von der Stadt.

Ich bin gern in Städten, in denen der Kontrast zwischen alten und neuen Bauten sehr hoch ist. Da bin ich hier in Frankfurt an der richtigen Adresse.

Heute streunen wir nur ein wenig durchs Zentrum und nehmen Kostproben von der Stadt und ihren Spezialitäten…

… dem Frankfurter Kranz

… dem Weihnachtsmarkt am Römer

…der berühmten Skyline in der Abenddämmerung

… dem Handkäs mit Musik (viel besser als erwartet) und dem Äppelwoi (nee, ne!?)

… und nicht zuletzt der feinen Frankfurter grünen Sauce, die auch im Winter schmeckt.

Eine Überraschung nach dem Essen im Sachsenhausener Traditionslokal Fichtenkränzi war der Schnaps, den alle bestellt haben, und den wir natürlich auch wollten, das Mispelchen. Eine in Calvados eingelegte Mispel. Hoi!

PS: Südafrika

Unsere Rückfahrt nach Johannesburg sieht rund 1000 Kilometer vor. Die allermeisten davon auf Asphalt.Wir lassen es erstmal langsam angehen und haben für die erste Übernachtung die Plato-Lodge in der Nähe der Augrabis-Wasserfälle gewählt. Die Überraschung ist groß, als wir inmitten der Steinwüste unsere Unterkunft entdecken.

Der Blick von der Terrase fällt auf Felsen und Geröll, zwischen denen sich Klippschliefer tummeln, die Murmeltieren ähneln, aber mit dem Elefanten verwandt sind. Die Räume sind äußerst geschmackvoll eingerichtet, auf den Balkonen sind handgefertigte Möbel und im Bad kupferfarbene Armaturen und eine breite Dusche, in der zwei Personen nebeneinander unter zwei Duschköpfen stehen können. Das Abendessen, das der junge Farmer Maans uns, seinen einzigen Gästen an diesem Tag, serviert, ist vorzüglich. Er brät Steaks auf dem Grill, dazu reicht er Country Potatoes und frischen Salat.

Sein Grundstück wird an einer Seite vom Oranje River begrenzt und er hat dort einen kleinen Badeplatz, erzählt er uns am nächsten Morgen beim Frühstück. Was wir denn für ein Auto hätten. Einen Toyota Fortuner, zwar kein Vierradantrieb aber mit zuschaltbarer Differentialsperre. Das müsste klappen, ermutigt Maans uns. “ Wenn Ihr in zwei Stunden nicht zurück seid, hole ich Euch“, versichert er uns.

Bald verstehen wir, was er meint. Die Piste ist sandig, am Anfang noch einigermaßen breit, nach einigen Kilometern wird sie enger und noch sandiger. Wenden wäre nicht möglich, also weiter, weiter, bis wir schließlich den Fluss erreichen. Auch auf der Rückfahrt wird alles gut gehen, wenn auch der Fahrer am Ende grinsend gesteht, dass bei dieser Kutschiererei sein Deo versagt habe…

Doch jetzt erstmal rein in die Fluten. Das Wasser ist warm und weich und hat eine recht starke Strömung. Es wäre herrlich, sich bis Oranjemund, wo er in den Atlantik mündet, treiben zu lassen.

Doch auf uns wartet noch ein südafrikanischer Nachschlag zu unserer Namibiareise, die Augrabisfällle, eine ebenfalls vom Oranje River geformte Schlucht mit einem großen und weiteren kleineren Wasserfällen, die wir bei einer Wanderung erkunden.

Am Abend erreichen wir Upington mit der längsten Palmenallee Afrikas und den besten Steaks überhaupt.

Nächste Woche gibt es kein Fleisch und keinen Alkohl, aber bis dahin genießen wir noch.

Fishriver Canyon

Er ist der zweitgrößte Canyon der Welt. Damit steht der Fishriver Canyon im Süden Namibias gleich hinter seinem großen amerikanischen Bruder, dem Grand Canyon in Arizona. Er ist unsere letzte Station in diesem beeindruckenden Land, dessen Gäste wir in den vergangenen drei Wochen waren.Eindrucksvoll beweist er uns einmal mehr wie kraftvoll die Landschaft in diesem Land ist, das so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen. Ob Wüste, Berge, Meer, Salzpfanne, Savanne oder eben diese 160 Kilometer lange, 27 m breite und bis zu 500 m tiefe Schlucht, die der Fischfluss vor Jahrmillionen geformt hat. Oder aber eine Schlange, wie es sich die Nama erzählen. Das von Jägern verfolgte Tier wand und schlängelte sich schwer verwundet so heftig im Wüstensand, dass die Erde aufriss und die Schlange in diesem Graben verschwand.Der Anblick der imposanten Felsformationen des Fishriver Canyon rundet die Vielzahl der Eindrücke, die wir in Namibia gewonnen haben, perfekt ab. Wunderschöne Landschaften, eine spannende Tierwelt, freundliche Menschen. Eine wertvolle Reiseerfahrung, die uns bald schon schönste Erinnerungen bescheren wird.