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Asphaltkapelle, grüner Tempel und nochmal Kunst am Kanal

Heute wollen wir es nochmal wissen. Das Amberger Kongresszentrum ist nur fünf Gehminuten vom Stellplatz entfernt und nach dem Frühstück starten wir Versuch Nummer zwei, uns die Bilder der Ostbayerischen Fotomeisterschaften anzusehen. Aber vergebens. Türen zu, kein Mensch da. Na, dann fahren wir halt weiter.

Wir haben gelesen, dass es 15 Kilometer  östlich von Amberg die weltweit einzige Kapelle gibt, die ausschließlich aus Asphalt gebaut wurde. Der hiesige Künstler Wilhelm Koch entwarf sie ursprünglich für  die 13. Oberbayerischen Kulturtage, die 2001 in Altötting stattfanden.

Seit 2002 steht die Kapelle am Waldrand der kleinen Ortschaft Etsdorf. Bunte Glasfenster durchbrechen die Schwärze des Asphalts.

Alle zwei Jahre schmücken die Menschen aus Etsdorf die Decke der Kapelle mit Unmengen von Weihnachtskugeln. Aber nur in den geraden Jahren. Wir können uns nur das Foto anschauen, das sie in der Kapelle ausgehängt haben.

Gut, dass mit uns ein Einheimischer vor Ort ist. Ihn können wir nach einem weiteren Projekt des Künstlers fragen. Er zeigt uns den Platz am gegenüberliegenden Hügel.

Basierend auf Plänen von Wilhelm Koch entstand hier ein Baukunstwerk von BürgerInnen für BürgerInnen als Denkmal für 2500 Jahre Demokratie und für den europäischen Gedanken. Einweihung soll im Mai kommenden Jahres sein.

Das Motiv der Säulenhalle wird in Form eines Hains aus 47 Säuleneichen, stellvertretend für die 47 Länder Europas, aufgegriffen.

Noch nie zuvor hatten wir von diesem Künstler, von seinen Kunstwerken gehört und freuen uns riesig, dass wir sie entdeckt haben.

Zum Abschluss unserer kleinen Winterreise fahren wir nochmal an den Ludwig-Donau-Main-Kanal. Auf dem Hinweg hatten wir bereits Hinweisschilder auf einen weiteren Skulpturenweg gesehen. Hier wurden ab 2014 sechs groß dimensionierte Objekte von regionalen und internationalen KünstlerInnen aus Holz, Stahl und Stein gestaltet, zum Beispiel die „Himmelsleiter“ von Hubert Maier.

Oder „Die Erde ist keine vollkommene Kugel“ von  Ute Lechner und Hans Thurner.

Leider finden wir keine Karte, die uns maßstabgetreu die Position der Kunstwerke verrät. Unseren Versuch, das dritte zu finden, brechen wir nach einem viertelstündigen Spaziergang am Kanal ab und verschieben die Entdeckung der weiteren vier Objekte auf den Sommer, wenn wir die Räder dabei haben. Stattdessen kochen wir im Bus Kaffee, verzehren die letzten Lebkuchen und Stollenreste und machen uns auf den Heimweg.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch und ein gesundes, friedvolles und fröhliches neues Jahr!

Zur Glaskathedrale

Eine „Kathedrale der Arbeit“ und zugleich einen der bedeutendsten Industriebauten des 20. Jh. schuf Walter Gropius (1883–1969) für das einstige Rosenthal-Glaswerk in Amberg. Als letztes Werk des weltweit tätigen Architekten und Bauhaus-Gründers ist sie ein herausragendes Beispiel für dessen Gestaltungsgrundsatz „Form follows function“. Bis heute wird in der 1970 fertiggestellten Halle Glas hergestellt.

Von unserem Stellplatz aus sind es knapp drei Kilometer bis dorthin. Erst laufen wir an der Vils entlang, dann ein nicht so schönes Stück an der Bundesstraße und schließlich gelangen wir durch ein Neubaugebiet in ein Gewerbegebiet, in dem dieser imposante Beton-Glasbau thront.

Unsere Fotos müssen wir durch die Maschen eines hohen Zaunes machen. Die Pförtnerin zeigt kein Erbarmen. Eintritt aufs Gelände nur für Beschäftigte oder im Rahmen einer Führung.

Mit dem Bus wollen wir zurück in die Stadt. In einer Viertelstunde soll er kommen. Wir setzen uns an der Bushaltestelle in die Sonne und ich blogge. Prima. Äh. Jetzt sitzen wir hier schon über 20 Minuten. Aber der Bus kommt nicht. Na gut, dann laufen wir eben doch. Wir gehen los, eine Minute später brettert er an uns vorbei! Gemein!

Tja, und so geht es erstmal weiter. Im Kongresszentrum sollen nämlich die Bilder der Ostbayerischen Fotomeisterschaft gezeigt werden. Täglich 9 bis 16 Uhr. Wollen wir uns anschauen. Ist aber geschlossen. Pfffft.

Dann also weiter in die Altstadt. Da ist nichts geschlossen und Einheimische wie Touristen bevölkern die Fußgängerzone und Gassen.

Vorbei an prunkvollen Häusern,

bunten Häusern,

kleinen Häusern,

sehr alten Häusern,

Gotteshäusern,

einem als Stadttheater genutzten früheren Gotteshaus,

dem Rathaus.

Alles eingerahmt von der alten Stadtmauer.

Würde ich einen Reiseführer verfassen, schriebe ich wahrscheinlich: „Pittoreske Altstadt!“.

Zwei Stück Torte später suchen und finden wir keinen (!) Geocache und machen bis zum Abendessen Siesta im Bus.

Später müssen wir natürlich noch die oberpfälzische Küche testen. Hmmmm, ja, lecker!

Kurze winterliche Auszeit

Wir müssen Probe fahren. Unser Bus macht uns Sorgen. Die eine Werkstatt diagnostiziert einen defekten Dieselpartikelfilter sowie nicht richtig arbeitende Injektoren, Kostenvoranschlag 8000 Euro (sic!). Eine andere Werkstatt meint:  Marderschaden. Schlauch repariert, keine Fehlermeldungen mehr, 500 Euro. Die haben wir sehr gerne bezahlt und nun müssen wir den Bus bewegen und schauen, ob wirklich alles in Ordnung ist.

Zwischen Weihnachten und Silvester fahren wir deshalb für drei Tage los und haben uns Amberg ausgeguckt. Die Stadt liegt 170 Kilometer nördlich von uns und lockt mit einer mittelalterlichen Altstadt, interessanten Ausstellungen und Museen.

Als wir in der Früh die letzten Sachen in den Bus packen, hat es draußen minus drei Grad. Im Bus haben wir vorsorglich die Heizung auf kleiner Stufe über Nacht laufen lassen, so dass wir immerhin 13 Grad haben.

Gegen zehn Uhr überqueren wir bereits die Donau und dann dauert es nicht mehr lange, bis sich die Sonne durch den Nebel kämpft. Ein Schild „Skulpturenpfad“ verlockt uns etwa 50 Kilometer vor dem Ziel zu einem kleinen Abstecher.

Entlang des historischen Ludwig-Donau-Main-Kanals schmücken die Kunstwerke des Skulpturenpfads Mühlhausen die Uferlandschaft.

Die Skulpturen entstehen bei den alle zwei Jahren stattfindenden Bildhauer-Symposien „Kunst am Klenzebau“.

Eine Besonderheit der Kunstwerke ist das Material: Zur Fertigung der Skulpturen werden nur Steine verwendet, die bereits im Ludwig-Donau-Main-Kanal verbaut waren.

Das Wahrzeichen der Stadt Amberg empfängt uns bei strahlendem Sonnenschein:  die „Stadtbrille“  ist ein spätmittelalterlicher Wassertorbau, der die Vils auf eine Länge von 46 Metern überspannt. Wegen des tollen Lichts spurtet Achim gleich los, während ich es mir erstmal im Bus gemütlich mache und Kaffeewasser aufsetze.

Nach dem Kaffee gehen wir an der Vils entlang in die Altstadt.

Das Luftmuseum empfängt uns mit allerlei Skurrilem, Verspieltem und Kunstvollem wie einer Luftdusche,

einem Luftflipper

oder der filigranen Installation Jellyblossoms von Rudolf Finisterre in der alten gotischen Kapelle des Museumsbaus.

Ein Stündchen haben wir noch Zeit fürs Stadtmuseum und seine Sonderausstellung der Werke des Amberger Künstlers Michael Matthias Prechtl. „Ich versuche Kunst ins Leben zu bringen und Leben in die Kunst“, sagte er.

Uns gefallen seine Bilder wie „Das utopische Paar – Wolf und Schaf“

oder „Das Dreikönigstreffen“, in dem drei gar nicht so heilige Könige aus drei Jahrhunderten in einer fränkischen Landschaft stehen: Louis Armstrong, der King of Jazz, der Sonnenkönig Ludwig XIV. und der bayerische Märchenkönig Ludwig II.

Es ist schon dunkel, als wir am Fluss entlang zum Bus zurück bummeln. Die „Stadtbrille“ muss ich natürlich bei dem Licht auch noch mal fotografieren.

Im Bus drehen wir die Heizung hoch und bald ist es kuschelig warm.

Im Bett wird mir nachher dank einer Schaffellunterlage, einer Wärmflasche und meinem Liebsten auch nicht kalt werden. So weit sind wir aber noch nicht. Gin Tonic und ein Backgammonspiel, ein leckeres Abendessen (Hackfleischbällchen mit Erdnüssen in Currysauce, von gestern übrig geblieben) und mein Buch warten auch noch auf mich.

Wir freuen uns so, wieder mal eine Nacht im Bus zu verbringen!