Unsere Kinder haben sich das Wohnmobil ausgeliehen. Also wechseln wir das Verkehrsmittel und steigen für eine Woche um aufs Rad. Auf den Gepäckträger kommt das Zelt, in die Taschen die Schlafsäcke und die Campingküche. Es ist erst zwei Jahre her, dass wir das letzte Mal im Zelt geschlafen haben, also sind wir optimistisch, dass es uns auch diesmal wieder Spaß machen wird.
Vor drei Tagen sind wir bei angenehmen 20 Grad in Neufahrn gestartet, der Ammer-Amper-Radweg ist bei Haimhausen schnell erreicht. Er bringt uns zu unserem ersten Campingplatz in Utting am Ammersee.


Das Thermometer bleibt bei unter 25 Grad, so dass die 70 Kilometer angenehm zu radeln sind. Nach dem Anlegebier bauen wir das Zelt auf, die Handgriffe sitzen noch erstaunlich gut. Der Campingkocher wärmt uns den mitgebrachten Linseneintopf, dann genießen wir die Abendstimmung am Ammersee.


Am nächsten Morgen springe ich als erstes ins Wasser. Ui, der See ist deutlich kälter als unserer daheim.


Nach dem Frühstück packen wir gemütlich zusammen. Wir können uns Zeit lassen, denn heute werden es nur etwa 50 Kilometer. Gegen Mittag erreichen wir das nächste Highlight: die Stoa 169. „Mitten im bayerischen Pfaffenwinkel befindet sich nahe am Flussufer der Ammer auf einer landwirtschaftlich genutzten Wiese unweit des Dorfes Polling eine offene Säulenhalle: die STOA169. Künstlerinnen und Künstler aller Kontinente wurden ausgewählt, je eine Säule zu gestalten. Gleich einem Archiv der zeitgenössischen Kunst tragen die Säulen das gemeinsame Dach der STOA169“, heißt es zur Erklärung auf der dortigen Website.



Initiator dieses Kunstwerks ist der deutsche Maler Bernd Zimmer, der sich von den Säulenhallen hinduistischer Tempel inspirieren ließ. Er sagt zu seinem Projekt: „Eine Halle, getragen von über hundert individuell gestalteten Säulen, geschaffen von Künstlerinnen und Künstlern aller Kontinente, wird zum Zeichen von Grenzenlosigkeit, friedlicher Koexistenz und der Achtung der Freiheit des Anderen.“
Von der Stoa radeln wir noch ein halbes Stündchen, bis wir einen schönen Picknickplatz an der Ammer finden.

Unser Campingplatz am Abend begeistert uns in mehrfacher Hinsicht: Beim Einchecken bekommen wir aus einer Werbeaktion zwei Bier und eine Flasche Rübenkraut geschenkt, es gibt einen Badeteich, eine Tischtennisplatte, für die wir an der Rezeption Schläger und Bälle bekommen und einen Kicker, auch umsonst. Uns wird nicht langweilig an diesem Abend.
Am nächsten Morgen, unserem dritten Tag, brechen wir früh auf, 33 Grad werden erwartet. Weiter geht es auf dem Ammer-Amper-Radweg und nach etwa 25 Kilometern erreichen wir bei Schongau den Lech. Ihm wollen wir die nächsten beiden Tage nach Norden bis Donauwörth folgen.
Wir entdecken einen Hinweis auf einen Badestrand. Raus aus den Klamotten, rein ins kühle Nass, so kann man die Hitze ertragen. Noch ein kurzes Mittagsschläfchen im Schatten, dann sind wir fit für die zweite Hälfte unserer Tour.

Und wie froh bin ich über mein E-Bike. Denn es ist mittlerweile nicht nur furchtbar heiß sondern wird auch zunehmend hügelig. Rauf, runter, Achim muss ab und zu auch mal schieben und immer mal wieder liegt ein Baum im Weg, ein Überbleibsel vom Sturm vor ein paar Tagen.


Verschwitzt und müde erreichen wir gegen sechs den Campingplatz bei Landsberg. Heute gibt es leider keinen See, aber eine Dusche und Couscous mit Gemüse aus der Campingküche. Nach Sonnenuntergang wird es angenehm frisch und nach und nach zeigen sich die Sterne am Himmel.
