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Auf dem Rad durch Siams alte Hauptstadt

Ayutthaya war von 1351 bis 1767 Hauptstadt des siamesischen Königreichs. Verschiedenen Berichten zufolge war es im 18. Jahrhundert eine der faszinierendsten Städte Südostasiens.

Die Ruinen der 1767 nach einem siamesisch – birmesischen Krieg zerstörten Altstadt sind heute als Geschichtspark geschützt und gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

33 Könige haben von Ayutthaya aus das Land beherrscht und die Stadt zu unglaublichem Wohlstand geführt. In ihrer Glanzzeit hatte der Königssitz über eine Million Einwohner, war eine Metropole, London vergleichbar in seinem Glanz und seinem Einfluss.

Mit drei Königspalästen, 375 Tempelanlagen, 94 Stadttoren und 29 Forts konnte sich die Stadt damals schmücken. Portugiesen, Franzosen, Holländer, Briten und Japaner siedelten sich an. Der Handel florierte, Malerei, Literatur und Architektur erblühten. Ayutthaya war das kosmopolitische Handelszentrum mitten in Asien.

Vieles ist verfallen, zerstört, geplündert worden im Laufe der Jahrhunderte.

Und doch können wir auf unserer heutigen Radtour dem alten Glanz nachspüren und immer noch beeindruckt sein vom Nachhall dieser Epoche.

Mal ist es die Gesamtansicht, die fasziniert, oft ein Detail.

Ein Glück, dass wir die Fahrräder haben. Die Anlage ist fast 300 ha groß. Allerdings ist das Radeln hier auch nicht ohne. Auf den Hauptstraßen ist viel Verkehr, vom Auto über die Mopeds bis zum Elefanten. Der Linksverkehr muss auch beachtet werden.

Aber wir kriegen das hin und belohnen uns mit einem Süppchen zum späten Mittagessen.

Der floating market, den wir am Nachmittag noch besuchen wollen, entpuppt sich als Abzocke. Wir strolchen ein bisschen durch die Gegend, ich dringe durch einen Hintereingang ein, weil ich mir das Ganze kurz anschauen will, ohne 7 Euro Eintritt zu zahlen und sehe, was ich schon erwartet habe: nicht die Händler floaten sondern die Kunden. Sie werden in einem Boot an den Ständen vorbeigeschippert. Wenn jemand was kaufen will, wird kurz angehalten. Okay, kann man machen, brauchen wir jetzt nicht.

Zuguterletzt findet Achim noch einen Geocache, kaufen wir am Bahnhof unsere Zugtickets für morgen und verliere ich beim Backgammon – auch wenn das auf dem Bild ganz anders aussieht.

Mit dem Zug nach Ayutthaya

Eigentlich wollten wir erst den Zug um halb elf nehmen. Doch wir sind bereits gegen neun am alten Bahnhof Hua Lamphong. Achim besorgt die Fahrkarten, ich zwei Kaffee, zwei herzhafte Teile und ein süßes. Ich zahle das sechsfache von ihm. Unsere zweistündige Zufahrt in die alte Königsstadt Ayutthaya kostet für uns beide 30 Baht, einen Euro! Unfassbar.

Ein kleiner Sprint auf Gleis acht, der  Bahnsteigchef hat seine Fahne schon auf grün gedreht, aber der Lokführer sieht uns und ruft uns zu: „Quick! Quick!“ Und schon sind wir im Zug und setzen uns zu einer Frau, die, wie sie später erzählt, in Bangkok eine Freundin besucht hat und nun nach Hause fährt.

So macht Bahnfahren Spaß. Gemütlich zockelt der Regionalzug durch die Gegend, durch die geöffneten Fenster weht frische Luft hinein, die geöffneten Zugtüren tun das ihrige für eine angenehme Temperatur im Abteil, immer wieder kommen Frauen mit Körben beladen vorbei und bieten Essen und Trinken an: kandierte und frische Früchte, Würste, belegte Brote, Reisgerichte mit Ei, Gemüse oder Fleisch.

Erst nach einer Stunde Fahrt verlassen wir den Großraum Bangkok und kommen aufs Land.

Die Stimmung im Zug ist sonntäglich gemütlich, die Mitreisenden, vor allem Einheimische, plaudern miteinander, machen ein Nickerchen oder schauen aus dem Fenster so wie wir.

Auf die Minute um halb zwölf erreichen wir Ayutthaya.

Der Bahnhof liegt am Fluss Pa Sak. Mit einem kleinen Boot queren wir auf die andere Seite.

Für zwei Nächte haben wir uns in Siris Guesthouse einquartiert und unser Zimmer ist schon bereit für uns.

Dusche oder Mittagsschlaf brauchen wir nach der entspannten Anreise nicht, aber ein Mittagessen wäre jetzt fein. Mal sehen, was unser Viertel so zu bieten hat. Und damit kommen wir zur thailändischen Antwort auf Dubai-Schokolade: Roti Saimai.

(Sorry für den unscharfen Schnappschuss!)

Hauchdünne Pfannkuchen mit schwarzem Sesam gewürzt und mit Zuckerwatte gefüllt. Was es nicht alles gibt! Die Watte ist aus Rohrzucker und knackt, wenn man drauf beißt.

Um den Zuckerschock zu kompensieren und weil man beim Rotimacher nicht sitzen kann, kehren wir in einem Lokal am Fluss auf einen herzhaften Imbiss ein. Heute gibt es den Nachtisch mal vor der Hauptspeise.

Den Rest des Tages bummeln wir durch die Gegend, gehen Kaffee trinken, machen ein Nickerchen und holen uns in der Abenddämmerung einen Vorgeschmack auf die Ruinen der alten siamesischen Königsstadt, die wir morgen in Ruhe besuchen werden.

Beim Abendessen taucht die Frage auf, woher wohl der Begriff „siamesische Zwillinge“ kommt. Wir schauen bei Wikipedia nach:  Die Brüder Chang und Eng Bunker wurden 1811 in Siam geboren und waren an den Körperseiten miteinander verbunden. Nach dem Heimatland der beiden wurde dieses Phänomen benannt. Sie heirateten 1843 die beiden Schwestern Adelaide und Sarah Yates und hatten zusammen 21 Kinder. Lange reden wir wir darüber, wie ein solches Leben wohl gewesen sein mag.

Irgendwann muss ich aufs Klo und werde unschön an unsere Finnlandreise erinnert. Auch da habe ich auf den falschen Knopf gedrückt und wurde unfreiwillig geduscht…